kwerfeldein
01. Juli 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Das ist doch nur ein Schnappschuss.

Ich möchte heute mal etwas loswerden, was mir schon seit einiger Zeit immer wieder sauer aufstößt. Vorab möchte ich sagen, dass ich mit diesem Artikel niemanden persönlich angreifen möchte. Meine Gedanken richten sich an die Allgemeinheit und sollen im Idealfall zum Nachdenken anregen, aber nicht werten.

So gerne ich mich in Foto-Foren und Communities herumtreibe, manchmal verdirbt es mir den Spaß daran, meine fotografischen Ergüsse dort einer Beurteilung auszusetzen. Immer wieder laufen mir Fotografie-Nerds über den Weg. die glauben, alles fotografische Wissen dieser Welt für sich gepachtet zu haben und dass man ausschließlich mit überheblichen Beiträgen dazu beitragen kann, dass sich ein ambitionierter Anfänger (weiter-)entwickelt.

Dass dabei nicht selten das Gegenteil geschieht und sich der ein oder andere Newbie eingeschüchtert schnell wieder aus dem Staub macht oder seine Beiträge mit der Bitte, Milde bei der Ver..äh..Beurteilung walten zu lassen einleitet, scheint man in der Szene als Kollateralschaden hinzunehmen. Sind wir zu krass, bist du zu schwach.

Hier mal ein paar willkürlich herausgefischte Zitate, die mir so oder in ähnlicher Form immer wieder im Netz begegnen:

  • „Ist das Dein Ernst?“
  • „Was soll das sein?“
  • „Bitte anders bearbeiten. So geht das gar nicht“.
  • „Ein Fall für den Papierkorb!“

Die Krönung jedoch, die in mir mittlerweile nur noch ein debiles, schallendes Lachen hervorruft, ist:

„Das ist doch nur ein Schnappschuss!“

Schnappschüsse sind offensichtlich die ultimativen Krebsgeschwüre der Fotoszene. Warum ein solcher automatisch mit Stümpertum gleichzusetzen ist, konnte mir bisher aber noch niemand wirklich erklären. So mancher Schnappschuss hat meiner Meinung nach mehr Seele als das drölfzigste am Reißbrett komponierte Werk.

Kritisiert man dann derart arrogant formulierte Tiefschläge, wird man mit Aussagen wie „Du lernst doch nichts dazu, wenn man dir Zucker in den Allerwertesten bläst und dich nicht darauf hinweist, was du falsch machst“ abgespeist.

Nein, aber ich lerne daraus, dass es wohl besser ist, meine Fotos von denjenigen beurteilen zu lassen, die fähig sind, mich und das, was ich tue mit Respekt und Konstruktivität zu behandeln. Ich bin in der Lage, Kritik anzunehmen und ich bin offen gegenüber Verbesserungsvorschlägen.

Jedoch akzeptiere ich nicht, dass man mir durch plakative Oberflächlichkeiten suggeriert, dass es wohl besser sei, meine Kamera in die Bucht zu werfen und mir ein anderes Hobby zu suchen.

~

Neben aller kritischen Schärfe, die sich durch diese Zeilen zieht, gehört es aber auch dazu, dass ich mich selbst reflektiere. Es ist noch gar nicht lange her, dass mir jemand Fotos zeigte, die er bzw. sie einfach so auf einer Hochzeit geschossen hatte. Keine Auftragsarbeit, sondern nur so zum Spaß.

Voller Stolz präsentierte mir die Person ein paar Fotos und ich hatte nichts Besseres zu tun, als mich auf Fehlersuche zu begeben, Mängel festzustellen und diese auch zu äußern.

Plötzlich fand ich mich in einer Diskussion wieder, in der mir die betreffende Person deutlich zu verstehen gab, dass es darum ging, mir ein paar Bilder zu zeigen. Nicht darum, sie von mir prüfen zu lassen und einer Bewertung auszusetzen. Sie hatte recht und ich habe daraus gelernt, dass es nicht richtig ist, den Anspruch, den man an sich selbst hat, auf eine Stufe mit dem zu stellen, den man an andere hat.

Bezogen auf den Umgangston in diversen Communities heißt das: Wenn es das Ziel ist, dass der, der seine Fotos zeigt und zum Abschuss freigibt, sich schlecht fühlen und sein Hobby in Frage stellen soll, dann sind Zitate wie die oben genannten allesamt Volltreffer.

Wenn aber angestrebt ist, in themenspezifischen Foren einen respektvollen und konstruktiven Umgang zwischen Profis, Semiprofis und Hobbyisten zu pflegen, sollten manche Leute versuchen, ihre Umgangsformen zu überdenken und sich ins Gedächtnis zu rufen, wie sie angefangen haben und ob es ihnen gut damit gegangen wäre, wenn man ihren ersten Bildern den Stempel „unfähig“ aufgedrückt hätte.

Meiner Meinung nach könnte etwas mehr Mut dazu, sich selbst in seiner Art und Weise wie man seine Gegenüber behandelt, zu hinterfragen, nicht schaden.

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Wenn Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt oder anderer Meinung seid… die Kommentarfunktion ist Euer Freund. ;)

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