29. Juni 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Making-of: Surreale Portraits

Eine Zeit lang habe ich mich verstärkt mit Fotomanipulation beschäftigt. Dabei haben mich vor allem surreale Verfremdungen von Menschen interessiert. Ein sicherlich nicht ganz neues Motiv, das mir einige Zeit lang durch den Kopf spukte, war ein Portrait, bei dem die Person direkt durch ihre Hände schaut. Das habe ich in verschiedenen Bildkombinationen durchgespielt, als Endergebnis ist dies herausgekommen:

Vorgegangen bin ich in folgenden Schritten:

Ich habe unmittelbar nacheinander Bild 1 und Bild 2 im RAW-Format aufgenommen. Der Aufnahmezeitpunkt des 1. Bildes ist – den Exif-Daten zu entnehmen – 17:20:52 Uhr, der Aufnahmezeitpunkt des 2. Bildes 17:20:54 Uhr. Das hat den Vorteil, dass sich beide Bilder von der Aufnahmesituation her so ähneln, dass sie relativ problemlos miteinander kombiniert werden können. Bei einer Brennweite von 46mm habe ich mit Blende 5.3 fotografiert. Es war schon nicht mehr besonders hell, die Belichtungszeiten liegen bei 1/60s.

Mit Camera Raw konvertiere ich beide Bilder in Tiff mit 8bit Farbtiefe. Sie sehen danach so aus:

Als nächsten Schritt führe ich in Adobe Photoshop beim Portrait (Bild 2) kleinere Schönheitskorrekturen durch: Hautunreinheiten entfernen, Augenringe aufhellen etc. Dann ziehe ich Bild 2 als neue Ebene auf Bild 1. Ich lege eine Ebenenmaske an und lasse nur die Stellen von Bild 2 durchscheinen, auf die es mir ankommt: Augen, Nase und Mund.

Zusätzlich möchte ich bestimmte Elemente von Bild 1 erhalten, insbesondere die Ringe, die dem neu entstandenen „Gesicht“ eine wichtige Kontur geben. Daher wähle ich als Ebenenmodus „abdunkeln“ und reduziere beide Ebenen abschließend auf eine Hintergrundebene.

Das so entstandene neue Bild bearbeite ich weiter. Zunächst passe ich die Farben und Kontraste mit Hilfe der Gradationskurven an. Dann helle ich die Schatten mit Hilfe des „Tiefen/Lichter“-Dialogs auf; dabei verwende ich einen Wert von 10%. Die automatische Farbkorrektur habe ich standardmäßig auf -100 gestellt, ich nehme sie lieber manuell vor.

Da das Bild so an Farbigkeit und Kontrast verloren hat, dupliziere ich die Ebene und verrechne die beiden neuen Ebenen im Modus „weiches Licht“ bei einer Deckkraft von 100%. Abschließend reduziere ich erneut beide Ebenen auf eine Hintergrundebene.

Ich schärfe das Bild insgesamt mit dem „unscharf maskieren“-Filter. Dabei verwende ich eine Stärke von 100%, einen Radius von 2 Pixeln und einen Schwellenwert von 1 Stufe. Danach schärfe ich noch einmal die Augen, weil es mir auf diese besonders ankommt. Schließlich beschneide ich es auf der rechten Seite so, dass der Kopf stärker in die Mitte rückt. Danach sieht das Bild so aus:

Um dem Portrait eine gemäldeartige Wirkung zu verleihen, verwende ich die Abbildung einer Leinwand-Struktur. Ich ziehe dieses Bild als weitere Ebene auf das Ausgangsbild und verrechne beide Ebenen im „multiplizieren“-Modus. Die Deckkraft passe ich nach Augenmaß an, ich finde sie gut bei ca. 73%.

Jetzt gefällt mir die Struktur in den hellen Bildteilen, in den dunklen und insbesondere am Rand kommt sie aber noch nicht ausreichend zur Geltung. Darum duplizieren ich die Leinwand-Ebene und belasse die 2. Strukturebene im Modus „normal“.

Um die 2. Strukturebene nur in den dunklen Bereichen sichtbar zu machen, arbeite ich mit einer Ebenenmaske und lasse sie nur am Rand durchscheinen. Die Deckkraft der 2. Strukturebene stelle ich auf 55%.

Zum Schluss reduziere ich alle Ebenen auf eine Hintergrundebene und passe erneut Farbigkeit und Kontrast an. Das fertige Bild habe ich für eine Ausstellung auf 100cm x 70cm ausbelichten und auf eine 10mm KAPA-Platte kaschieren lassen. An der Wand sieht es so aus:

Mir ist natürlich bewusst, dass es andere Möglichkeiten gibt, zum selben Ergebnis zu gelangen. Vor allem werden es manche gewöhnungsbedürftig finden, dass ich zwischendurch immer wieder auf eine Ebene reduziere und zudem die Farben nicht über eine Einstellungsebene anpasse. Ich komme aber sehr gut mit meiner Methode zurecht, und da ich alle Aufnahmen auch als RAW-Datei gespeichert habe, geht mir das Ausgangsbild nie verloren.

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12 Kommentare

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  1. Mir gefallen making-of Artikel auch immer wieder gut!

    Die Bilder an der Wand sehen klasse aus..ein weiterer Anreiz mir endlich mal selbst welche in der größe zu bestellen ;-)

    Danke für den interessanten Artikel, saubere Arbeiten!

  2. Hallo Svenja,

    wirklich tolle arbeit. Bei dir kann man wirklich sagen, du malst mit Lichtern. Das finde ich schon mal sehr bemerkenswert. Auch wenn ich das Bild für den Anfang etwas Gewöhnungsbedürftig empfunden habe, muss ich sagen, gefällt mir diese Arbeit wirklich sehr. Ich muss immer wieder staunen, wie kreativ doch mache Menschen sein können. Danke für diesen weiteren Einblick.

  3. KAPA-Platten… das hätte ich mal vorher wissen müssen! ;-)

    Danke auch für die Schritt-für-Schritt-Anleitung, das las sich sehr gut und verständlich an!
    Und nicht zuletzt: Cooles Projekt, schöne Fotos – und alles Gute für deine Ausstellung! :-)

  4. Hallo Svenja,

    und herzlichen Dank für die Detailgenaue Beschreibung Deiner Arbeitsweise.
    Läd direkt zum Ausprobieren ein.
    Alles Gute Dir, Vroni