21. Juni 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Inspired by Iceland

Als es uns – mich und einen befreundeten Hamburger Fotografen – Anfang Mai nach Island verschlug, hätten wir nicht geahnt, mit welch großartigen Erfahrungen wir das gewaltige Eiland, entstanden aus Feuer und Eis, drei Wochen später wieder verlassen würden.

Angekommen in diesem unwirklichen Land, wurde ich schnell von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Isländer überzeugt. Diese begann schon im Flugzeug, wo uns eine in Berlin studierende Isländerin die Aussprache der verschiedenen Schriftzeichen beibringen wollte, die im mitteleuropäischen Alphabet keinerlei Verwendung finden. Fast vergebens…

Spannend finde ich die Tatsache, dass sich das Isländische in den letzten tausend Jahren kaum verändert hat und dem Altnordischen, den nordgermanischen Sprachen und Dialekten, noch am ehesten ähnelt. Der Schutz und Erhalt der Sprache, und somit auch deren Identität, ist den Isländern sehr wichtig, was mir imponiert hat.

Eine komplette Rundreise durch den 103.000 km² großen Inselstaat stand uns bevor, die sorgfältig vorbereitet war. Alle Sehenswürdigkeiten, die uns wichtig waren, wurden auf der Straßenkarte markiert, da ich diese fotografisch festhalten wollte, um eine gut durchdachte Island-Serie mit nach Hause zu bringen.

Geplant waren Langzeitbelichtungen mit einem Neutraldichtefilter, die sich durch die Serie ziehen sollten wie ein roter Faden. Die Landschaft Islands mit ihren gewaltigen Wasserfällen, unberührten Küstenabschnitten und ziehenden Nebel- und Wolkenfeldern ist wie geschaffen für lange Belichtungszeiten, um die skurrile Wirkung der Landschaftsformen noch zu verstärken.

Die alten Sagen und Legenden über  Elfen, Feen, Trolle, die bei Tageslicht versteinern und dem Huldufolk, die versteckten Leute, sollten in den Fotos sichtbar werden.

Problematisch waren einzig die Stürme, die die Gischt des Atlantischen Ozeans in Richtung der Kamera drückten und die Linsen bzw. aufgesetzten Dichtefilter binnen Sekunden mit einem schmierigen Film belegten, der nur schwer zu beseitigen war.

Meist hieß es also, an der Küste mit weit geöffneter Blende zu fotografieren, um etwaige Wasserflecken oder Schmutz auf dem Filter unkenntlich zu machen. Ein weiterer Trick, den ich öfter anwendete, wenn ich in die Richtung fotografieren wollte, aus der der Wind kam, war, das Stativ auszurichten und die nötigen Kameraeinstellungen vorzunehmen.

Anschließend drehte ich die Kamera weg, um das Objektiv zu säubern und den richtigen Moment abzuwarten, bis eine Welle an den schwarzen Strand stieß. In diesem Augenblick drehte ich das Stativ in die ungefähre Ausgangsposition und konnte die gewünschte Belichtung vornehmen.

So kam man zwar schwerlich voran, aber mit etwas Glück erhielt man den gewünschten Effekt und Ausschnitt. Actionfotografie mal etwas anders. Genau so verhielt es sich auch mit den zahlreichen Wasserfällen, die sich des öfteren durch ihre Gischt auf meinen Linsen ergossen. Es hieß also immer wachsam zu bleiben, um Wasserflecken während einer Aufnahme zu vermeiden.

Island hat mir aufgrund seiner vielen Naturgewalten sehr imponiert. Das Land besteht größtenteils aus einer Landschaft, in der ein einziger Schritt einen das Leben kosten kann, wenn man nicht aufpasst. Manchmal sind wir nur knapp einem Unglück entgangen.

Aber die faszinierende Umgebung übte doch immer wieder einen Zauber auf uns aus, der uns diese Erlebnisse vergessen ließ. Löcher voller Schwefelsäure, heiße Quellen und Fontänen, metertiefe Abgründe, hoher Schnee in menschenleerer Umgebung, Sandstürme, halb eingestürzte Grotten, tiefe Gräben, entstanden durch schwere Erdbeben.

Und zu guter Letzt noch ein Vulkanausbruch. Doch auch die schönen Dinge behalten wir in guter Erinnerung. Island, das Land der Sagen und Legenden. Das Land der Elfen und Trolle, die das Leben der Menschen hier noch immer maßgeblich beeinflussen.

Ab und an, wenn man nicht damit rechnete, konnte man im Augenwinkel sogar einen Schatten vorbeihuschen sehen…

Wandert man erst durch diese bizarre Umgebung, in der der schnell aufziehende Nebel Felsformationen manchmal als riesige Gestalten ausgibt oder Nordlichter in den schönsten Farben die menschliche Fantasie beflügeln, kann man durchaus nachvollziehen, weshalb solche Geschichten noch heute in den Köpfen der Menschen Halt finden. Und wer weiß: In jeder Geschichte steckt auch ein wahrer Kern.

Auf Bewegungsunschaerfe.de gibt es die komplette Serie zu sehen. Informationen über neue Projekte und Veröffentlichungen gibt es auf Facebook.

The country has never been more alive, see for yourself.

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39 Kommentare

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  1. sauber ich beobachte ronny schon lang und ich mag normalerweise diese lanzeitbelichtungen mit nd filter nicht so wirklich …oder doch? egal..aber bei ronny kann man… also ich… die umgebung begreifen und das ganze dann in sw ist eine beruhigung für mein auge..ich mags mach bitte so weiter ronny …

  2. Schöne Serie Ronny!
    Wäre es nicht einfacher nur die Linse bzw. den Filter nach dem säubern einfach abzudecken oder etwas davor zuhalten (Zeitung, Objektivdeckel) anstatt immer das ganze Stativ aus dem Wind zu nehmen und wieder neu zu positionieren? Oder eben mit etwas größerem (sich slebst) wenn die Kamera und oder Objektiv nicht Spritzwasser geschützt sind?

    • Da hast Du sicherlich Recht, allerdings war der Sturm dermaßen stark, dass sich nach ein paar Sekunden Belichtung so viel Wasser und Salz auf der Linse befand, dass man die Kamera eh drehen musste um den Filter und die Linse einigermaßen zu säubern. Außerdem wollte ich das Equipment vor dem Salz schützen, das sich wie ein Film über die Ausrüstung gelegt hat und sich in jede Ritze fraß.

      Ich freue mich sehr, dass Dir die Fotos gefallen. :)

  3. Cool. Gerade gestern viel mir Dein Sylt-Artikel wieder ein, den ich aus dem Archiv rausgesucht habe und habe eine ganze Weile auf Deinem Portfolio verbracht. Schöne Inspirationsquelle für meinen bevorstehenden Nordseeurlaub auf Baltrum. :-D Auch wenn ich nicht glaube, dass es mir gelingen wird, Bilder mit dieser Qualität hinzubekommen. Eine kleine Frage: Langzeitbelichtungen mit nem ND4 Filter bei Tag, sind ziemlich aussichtslos, oder?

    • Hallo Kai. Aussichtslos ist das ganz und gar nicht, da generell viel vom Licht abhängt. Bei bewölktem Himmel erhält man weitaus längere Belichtungszeiten, jedoch empfehle ich Dir im Morgen- oder Abendlicht los zu ziehen, da das Licht zu dieser Zeit oft weicher fällt und Dir außerdem längere Verschlusszeiten erlaubt ohne überzubelichten. :)

    • Vielen Dank Dale. Im Endeffekt besteht der Großteil der Bearbeitung darin verschiedene Tonwerte partiell zu bearbeiten um den Blick durch die Kontraste im Bild hin und her wandern zu lassen ohne das er sich verliert. Tiefen und Lichter werden ausgereizt um eine gewisse Klarheit im Foto zu erhalten.
      Die Tonwertkorrektur hilft mir dabei genauso wie diverse Nik-Filter. :)

      • Hi Ronny, damit hast du meine Frage beantwortet, bevor ich Sie überhaupt stellen konnte. Dennoch bleibe ich dir eine Sache schuldig, weswegen ich trotzdem kommentiere: Danke für die tollen Fotos. Gerade in S/W transportieren sie soviel Gefühl, wie es Farbe nur selten kann, ohne kitschig zu wirken ;-)

  4. Hey Ronny. Auch von mir größten Respekt für diese einzigartigen Schwarzweissaufnahmen. Damit triffst mich natürlich sehr, da Du hier Landschaftsfotografie & Schwarzweiss auf eine mich sehr ansprechende Art kombinierst und definierst. Danke!

  5. Lieber Ronny, danke für diesen schönen und persönlichen Artikel – und vor allem deine wunderbaren Fotografien meiner Lieblingsinsel. Viele deiner fotografierten Motive habe ich selbst schon live gesehen und erlebt. Aber du gibst ihnen in deinen Bildern eine ganz neue, wirklich mystische und gleichzeitig wild und beruhigende Ausstrahlung. Takk fyrir! viele Grüße, tina

  6. ist das digital oder mittelformat? bei mf würde mich mal die art der belichtungsmessung interessieren… hab noch nie langzeit probiert, würde aber gern mal.. dann aber analog.

  7. Wunderschön.
    Das vorletzte ist mein Favorit. Es muss nicht immer „reine“ Natur sein. Da passen auch die Strommasten ins Bild.

    Setzt Du neben dem ND-Filter auch einen Verlaufsfilter ein (letztes Bild) oder ist das Photoshop?

    VG
    Stefan

    • Danke Stefan,
      generell arbeite ich nicht mit Verlaufsfiltern, obwohl dies manchmal recht hilfreich wäre. Im letzten Foto, das den Kollufell zeigt, wurde der untere Bereich des Fotos etwas aufgehellt.

      Das vorletzte Foto, auf dem die Strommasten zu sehen sind, ist während eines starken Sturms entstanden, den ich im Text beschrieben habe. Das war eines der vielen Abenteuer, die man in guter Erinnerung behält. :)

      Liebe Grüße
      Ronny

  8. Sehr schöne Bilder! Habe ich schon länger verfolgt, und endlich habe ich mir auch einen ND Filter gekauft. Mal sehen was ich so erreichen kann. Demnächst gehts nach Norwegen, da siehts ja fast auch so aus (hoffe ich) :)
    Ich habe Respekt vor Leuten die ihre Bilder im Quadrat beschneiden können, ich schaffs nie trauer immer über das Abgeschnittene.
    Grüße

  9. Hæ!!

    Um mal dem Isländischen treu zu bleiben!! ;-) Ich finde Deinen Eintrag sehr gelungen und die Bilder super schön!! ich selbst war vor 4 Jahren auf Island und habe in knapp 2 Wochen an die 2000 Fotos gemacht. Das Land hat einfach unheimlich viel zu bieten, ist inspirierend und wunder wunderschön!
    Ich glaube Du würdest Dich in Skandinavien (spesiell Norwegen) sehr wohl fühlen! ;-)

    LG Mila

  10. Ich danke Euch sehr für Eure Resonanz und freue mich sehr, dass der Artikel und die Fotos so gut ankommen.
    Falls einer von Euch demnächst mal nach Island reist, sagt bescheid. Für Tipps und Tricks stehe ich gern zur Verfügung. :)

    Beste Grüße an Euch.

    Ronny

  11. So irre, tolle, beeindruckende, intensive Fotos!!!!
    Ich war vor einem Jahr dort. Es gibt fast keinen Tag, wo ich nicht an diese unglaubliche Landschaft denke. Seitdem bin ich besessen von dem Gedanken wieder hin zu wollen.
    Lg Lis

  12. Also… wenn diese Fotos kein Grund für eine eigene Ausstellung ist, weis ich aber auch nicht mehr weiter.
    Und: Sehr schön gefundene Worte, die diese Fotos umschmeicheln!

    Schade finde ich nur, dass die winzigen Thumbnails auf deiner Website den unglaublichen Reiz der Serie nicht wirklich wiedergibt… dat muss größer! :-)

    Liebe Grüße
    Kai

    • Hallo Kai,

      die Ausstellung wird noch in diesem Jahr in Berlin statt finden. :)
      Weitere Informationen folgen sicher.
      Deine Anregung bezüglich der Thumbnails finde ich berechtigt. Ich werde mal eine Nacht drüber schlafen. Danke für Deinen Hinweis.

      Liebe Grüße
      Ronny

  13. Hallo
    Ich kann mich den lobenden Worten nur anschließen. Einfach tolle Bilder.

    Mich würde jedoch noch interessieren wie du Filter und Kamera gereinigt hast.

    Gruß Stefan

    • Danke Stefan.
      Möchtest Du das wirklich wissen? ;)
      Nun, ich dachte an die schnellste und effektivste Methode…. den Filter einfach ablecken, da er durch ein Tuch durch den salzigen Film nur unnötig verschmiert und in Sturm und Gischt nicht sauber bekommt. ;)