17. Juni 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Daptone Super Soul Revue


Im Februar 2010 veranstaltete ein Freund im Bogen 2 in Köln die “Daptone Super Soul Revue“ mit Charles Bradley. Da es durch den guten Kontakt möglich war, nicht nur Fotos während des Auftritts zu schießen, machte ich mich schon am Nachmittag auf den Weg zum Soundcheck, begrüßte zunächst ein paar bekannte Gesichter, beobachtete, wie die Musiker ankamen und fing langsam an, erste Fotos zu schießen.

Ich mag diese Art zu arbeiten – beobachten und einen Augenblick einfangen – aber auf der anderen Seite einen anderen zu verpassen, weil parallel so viel geschieht.

Allmählich fing die Band an zu spielen, Charles kam herein und setzte sich gegenüber auf die andere Seite des Saals. Ich hatte das Glück, dass das Licht dort recht gleichmäßig war und trotz des hohen Schwarzanteils schöne Kontraste zustande kamen. Durch die klare horizontale und vertikale Linienführung ergab sich ein einfacher Bildaufbau, der ihn gut in den Fokus rückte. Ich löste aus und hatte sofort das erhoffte Foto.

Die Entstehungsgeschichte ist an sich sehr banal – bei dieser Art zu arbeiten lässt sich nichts beeinflussen – ich hatte einfach das Glück, dass in diesem Moment alles gepasst hat. Von diesem Abend gibt es noch viele weitere Fotos, die ich hier zeigen könnte. Aber dieses eine ist für mich ein besonderes, da es die Stimmung vor dem Konzert einfängt, dadurch sehr persönlich ist und noch dazu in einer Kulisse, die ich sehr mag.

Das Konzert am Abend war eines der besten, das ich bisher erleben durfte. Die Musik war großartig und intensiv. Der Saal war voll, das Kondenswasser floss nach ein paar Minuten von den Fenstern, die Klamotten waren durchgeschwitzt und es ergab sich ein wunderbarer Flow zum Arbeiten.

Als der Auftritt vorbei war, stand ich am Rand des Backstagebereichs (was für die kleine und wunderbar abgefuckte Location viel zu wichtig klingt). Charles kam von der Bühne und ich applaudierte ihm begeistert. Er war selber so bewegt, dass er kam und mich umarmte. Ich glaube, das hat diesen Abend, die Erinnerung an das Foto, so besonders werden lassen.

Als der Saal später leer war und die Techniker die letzten Sachen verstaut hatten, kam die Band wieder. Ich saß mit dem Veranstalter und seiner Freundin am Rand und Charles kam auf uns zu. Man merkte ihm an, dass es für ihn eine Herzensangelegenheit ist, Musiker zu sein und auf der Bühne zu stehn. Wir waren fast schon verlegen, als er wahrscheinlich deshalb ein paar Tränen verdrückte.

Da es die Super Bowl Nacht war, endete der Abend mit Musikern und Veranstaltern im Hotel, wo auch das letzte Bild von einem Müllberg aus Essensverpackungen und Flaschen im Vorder- sowie dem laufenden Fernseher im Hintergrund entstand. Eine Geschichte muss halt bis zum Schluss erzählt werden.

Mir kommt es immer mehr auf den Moment als auf die Technik an. Wobei ich von Glück sprechen kann, Technik zu verwenden, die mir das Festhalten von Momenten auch bei unbequemen Umständen ermöglicht.

Technische Daten:
Canon EOS 5D Mark II
Objektiv: Canon 85 mm 1.2 L
Belichtung: 1/100s
Blende: f/2.0
ISO: 1000

Die Postproduktion gestaltet sich bei mir meist recht simpel und dauert nur wenige Minuten. In Photoshop Camera Raw entsättige ich oder wandle in Schwarzweiß um, erhöhe Kontraste, passe Tiefen und Lichter an und füge, wenn es passt, eine Vignettierung hinzu. Auch wenn das Foto digital entstanden ist, mag ich den zeitlosen Look. Er fügt sich wunderbar an die Musik und den Tag an.

Ich danke KWERFELDEIN für die Einladung, einen Artikel zu schreiben und Euch fürs Lesen. Ich hatte immer vor, diese Geschichte irgendwie in Worten festzuhalten und freue mich, dass ich sie nun mit Euch teilen kann.

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