15. Juni 2011 Lesezeit: ~5 Minuten

Making of: Bokehwonderland

Da in unserer Umfrage kürzlich von vielen Lesern mehr Tutorials oder Making-of-Artikel gewünscht wurden, habe ich mich mal daran gemacht, mein Foto „Bokewonderland“ ein wenig auseinanderzunehmen.

Das Protokoll von Lightroom ist übrigens für solche Sachen sehr hilfreich. Man kann jeden einzelnen Schritt der Bildentwicklung rückwirkend nachvollziehen. Besonders, wenn man über viele kleine Umwege zum Ziel gekommen ist, kann es nützlich sein, noch einmal nachzusehen, was man denn eigentlich so alles mit der RAW-Datei angestellt hat.

Auch mir geht es oft so, dass ich mich beim Bearbeiten des Fotos vom Bild und den Möglichkeiten, die Lightroom bietet, inspirieren lasse. Soll heissen: Manchmal weiß ich gar nicht genau, welches Ziel ich bei der Bildbearbeitung habe. Aber ich finde gerade das auch sehr reizvoll. Der Weg ist das Ziel und so…

In diesem Fall wusste ich aber ziemlich genau, wohin ich wollte. Das lag wohl daran, dass die Situation, in der ich das Foto gemacht hatte, sehr erfrischend und angenehm war.

Es war ein herrlich sonniger, aber von der Nacht noch kühler Frühlingsmorgen. Raureif lag auf der ganzen Wiese und die Frühlingssonne versuchte gerade, mit ihren noch schwachen Strahlen die Tropfen auf den Grashalmen in Dampf zu verwandeln. Diese Stimmung sollte das fertige Foto widerspiegeln.

Technik

Vorweg ein wenig zur verwendeten Technik. Manch einer glaubt ja, dass man ein schönes Bokeh nur mit lichstarken Festbrennweiten ab f/1.8 aufwärts auf den Sensor zaubern kann. Das ist defintiv nicht der Fall. Auch eine größere Brennweite verringert die Schärfentiefe. Und der Abstand zum fokussierten Objekt. Eine geringe Naheinstellgrenze des Objektivs ist da also sehr hilfreich. Wie sich das Bokeh gestaltet, ist natürlich von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich.

Fotografiert habe ich mit einem Sigma 17-70 f2.8-4.5 bei 70mm und einer 8er Blende. Da ich gegen die Sonne fotografiert habe, war es doch ziemlich hell, sodass ich abblenden musste. Sonne lacht, Blende 8. ;-)

Bearbeitung in Lightroom:

Oben sehen wir das Original, wie es aus der Kamera kam. Bisschen dunkel alles und irgendwie sehr bunt. Das war nicht, was ich wollte. Also ran an den Speck.

Im ersten Schritt habe ich ein wenig nachgeschärft. Das mache ich meist, um zu sehen, was an Schärfe rauszuholen ist. Dann habe ich die Belichtung leicht erhöht und einen kleinen Verlauf von unten ins Bild gezogen. Dieser dunkelt ein wenig ab und verstärkt die Kontraste. Dadurch kommt ein wenig mehr Tiefe ins Bild und die Zerstreuungskreise kommen etwas besser zu Geltung.

Dann ging es ans Freistellen. Quadrat, is klar, ne?

Mir fiel auf, dass der Grashalm mit dem großen Zerstreuungskreis unten und dem kleinen rechts oberhalb des Grashalms eine interessante Form darstellt. Eine Note. Um das zu verdeutlichen hier mal das Bild mit einer ins Bild gemalten Note. Dadurch ist mir auch der Titel in den Sinn gekommen. In Anlehnung an „Boogie Wonderland“ – falls jemandem der Song etwas sagen sollte. Beim Zuschnitt habe ich versucht, diese Note gut ins Licht zu rücken.

Das Foto war mir aber noch lange nicht frisch genug. Der Kontrast war mir zu stark, es war zu bunt und irgendwie „klebrig“. Das passte alles nicht zu dem Foto, das ich im Kopf hatte.

Also habe ich das Schwarz ein wenig beschnitten, die Funktion „Aufhelllicht“ benutzt, die das gesamte Bild gleichmäßig aufhellt. Und schliesslich, um zu sehr ausgerissene Lichter wieder einzufangen, noch ein wenig am Regler Lichtwiederherstellung gedreht. Damit kam ich der Sache schon näher. Aber so ganz war es das noch nicht. Mir war das Foto noch zu warm und das ganze Bild immer noch zu bunt.

Im vorletzen Schritt habe ich die gesamte Sättigung verringert, die Farbtemperatur etwas runtergedreht und um „die Note“ noch besser rauszuholen, eine leichte Vignettierung hinzugefügt.

Das war es eigentlich schon. Fast. Wie man sieht, fehlt ja noch etwas. Das exportierte Foto habe ich in ein mir sehr lieb gewonnenes kleines Tool geladen. Alien Skin Exposure 3. Ich mag Fotos, die einen leichten Vintage-Look haben, solange man das Ganze subtil angeht. Zuviel Effekthascherei wirkt für meinen Geschmack dann schnell kitschig und irgendwie beliebig.

Mit Exposure 3 lässt sich das für mich sehr gut bewerkstelligen. Das Programm ist sozusagen eine riesige Preset-Sammlung, in die man ein Foto lädt und dann aus schier unendlich vielen Filmen auswählen kann. Die Entwickler haben sich wirklich große Mühe gegeben, die Eigenschaften von real existierenden Filmen zu simulieren.

Die Presets kann man nach der Anwendung auch noch anpassen, sodass der Effekt nicht zu extrem ausfällt. Das Programm hier zu beschreiben, sprengt aber den Rahmen. Vielleicht stelle ich es mal in einem gesonderten Artikel vor.

Ähnliche Artikel