03. Juni 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Das New York Bulletin. Teil 3: Be Mindful.

Es ist nun fast 2 Wochen her, dass ich mit Martin Wolf in New York City war und ich habe gefühlt dreikommaeinsneun Milliarden Fotos, die ich hier zeigen könnte. Heute gibt es aber keine Bilderflut, sondern einen Bericht über das Fotografieren in den Straßen New Yorks mit ein paar Beispielfotos.

In Deutschland darf man einen Menschen nicht so fotografieren, dass der hinterher erkennbar auf den Foto ist. Gut oder schlecht, sinnvoll oder nicht – das sei mal dahingestellt und dieser Stelle nicht zu bewerten. Das ist die Situation, Punkt.

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Jedenfalls bin ich es gewohnt, des öfteren schräg angeschaut zu werden, wenn ich jemandem fotografiere – auch aus großer Entfernung. So habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, möglichst unauffällig zu fotografieren und viel mehr „aus dem Off“, als Leuten die Linse direkt ins Gesicht zu halten. Das gibt nur unangenehme Situationen und ich mag es ohnehin, sehr subtil an die Sache heranzugehen.

Doch in New York gelten nicht nur komplett andere Gesetze (Menschen dürfen fotografiert werden), es ist auch eine unglaublich große Stadt. Obwohl das Wort „groß“ noch zu klein und abgedroschen ist. Vielfältig, immens, gewaltig und… massiv umschreiben meinen Eindruck der Weltstadt viel besser. Von unserem Hotel in Jamaica bis nach Manhattan hatten wir stets eine Fahrzeit von 2h, da wir mit 3 unterschiedlichen Verkehrsmittel fuhren. Das erklärt schon einiges.

Doch nun zum Fotografieren selbst. Martin Wolf, der wesentlich offensichtlicher und auffälliger Menschen mit der Kamera fotografiert als ich, kann ein Lied davon singen, trotz 5D und diversen Kameras auf der Straße komplett ignoriert zu werden. Es schien mir so, als ob es den Menschen dort völlig gleich gewesen wäre, ob da jemand fotografiert oder nicht. Nein, viel krasser: Ob SIE SELBST gerade fotografiert wurden, oder nicht.

Denn überall liefen tausende Menschen mit kleinen, großen, alten, neuen, analogen, digitalen Kameras herum und fotografierten, was das Zeug hält. Niemand, aber auch kein einziger Mensch hat jemals negativ auf unser Tun reagiert und wir waren nicht gerade weit weg von den Menschen. Einmal wurden wir angesprochen und der Mann hat einen netten Witz gemacht. Das war es dann aber auch.

~

Das Leben pocht in jeder Ader New York City’s. Und die Menschen haben großen Spaß daran, dieses Leben zu dokumentieren. Jeder Dritte in Manhattan (gefühlt) ist Tourist, verschmilzt in der Weite dieser Stadt und hat mindestens eine Kamera dabei um das Erlebte festzuhalten.

Für uns war das: Ein Traum. So konnten wir das Treiben der Stadt genau so fotografieren, wie wir es sahen und mussten auf keine Restriktionen achtgeben. Herrlich. Doch es ist erstmal wie ein Stück Freiheit, an das man sich gewöhnen muss.

Es ist denkbar einfach: Du nimmst Deine Kamera aus der Tasche, fixierst eine interessante Situation und drückst ab. Ein Foto entsteht und ist somit ein Dokument für diese Zeit, für diesen Moment. Du bist achtsam, schaust nach vorne, überlegst, was wohl als Nächstes passieren könnte und fotografierst hin und wieder auch ins Ungewisse hinein.

Da! Jetzt! Der Mann! Die Frau! Die Tasche! Das Fahrrad! Die Spiegelung!

Du spürst den Moment mit allen Sinnen, umfasst Deine Kamera und wie das Zwinkern mit den Augen fällt der Verschluss. Klickklick!

So ist es überhaupt kein Zufall, dass ich mich an den Moment, als ich den qualmenden Herrn oben fotografierte fast gar nicht erinnern kann. Ich sah ihn da stehen, er sah mich. Und so machte ich ein Foto. Klickklack.

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