24. Mai 2011 Lesezeit: ~2 Minuten

Das New York Bulletin. Teil 2: Be silent.

Martin Wolf und ich hatten von Anfang an geplant, nicht nur in Manhattan zu fotografieren, sondern auch die umliegenden Bereiche New Yorks mit unseren Kameras festzuhalten. Mitte der Woche war es so weit: Harlem. Beim morgendlichen Frühstück fiel uns auf, dass wir gar keine Ahnung hatten, was uns dort erwarten würde. So schlugen wir erst mal Wikipedia auf und wurstelten uns durch die Details eines Viertels, das (nicht nur) wie folgt geprägt ist: Armut & Arbeitslosigkeit.

Passend dazu regnete es den ganzen lieben Tag. Nach einem kurzen Abstecher in Manhattan stiegen wir in die U-Bahn und fuhren nach Harlem, das direkt an den Central Park angrenzt. Als wir die Treppen der U-Bahnstation nach oben staksten, spürten wir sofort, dass wir hier ganz woanders waren und liefen einfach drauflos. „Ich kann Dir gar nicht sagen, warum, aber ich mag Harlem“, sprach ich zu Martin.

Mir war nicht danach, die große 5D auszupacken, denn der Himmel weinte immer noch auf uns herab. Ich hatte schon in Manhattan die kleine Sportkamera von Kodak ausgepackt, die einen Vorteil mit sich bringt: Sie ist wasserdicht. Also perfekt für diesen Tag. Ich stellte sie mittels Belichtungskorrektur von -1 so ein, dass sie permanent unterbelichtete. So vermied ich, dass die Kameraautomatik einen Verwackler verursachte, der in der Bildbearbeitung nicht korrigierbar gewesen wäre.

Da die handgroße Kamera direkt in JPG speichert und keinen Vollformatsensor inne hat, wurden die Bilder an manchen Stellen etwas unscharf und nicht ganz so knackig, wie ich es „so gewohnt“ bin. Dennoch finde ich, dass dieser Umstand zur Stimmung der Bilder beiträgt und im Nachhinein bin ich doppelt froh, die Kamera dabeigehabt zu haben. Denn so konnte ich überhaupt Fotos bei Regen im Freien machen. Ich bitte die Foto-Techniker und Bildanalytiker unter uns das einwenig zu berücksichtigen. ;-)

Als wir so durch Harlem stapften, bemerkte ich, wie still dieses Städtchen zur Mittagszeit war. Keine 500 Meter vom Zentrum entfernt war teilweise keine Menschenseele vor der Tür. Außerdem weit und breit kein einziger Tourist, was keine Überraschung, aber dennoch bemerkenswert war. Nicht die geringste Spur des tosenden Lebens und Konsums, welche wir in Manhattan fotografiert hatten.

Nein, dieser Teil New York City war ganz anders und rundete unseren Eindruck der Stadt erst so richtig ab.

Fortsetzung folgt. ;-)

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26 Kommentare

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  1. „…Ich bitte die Foto-Techniker und Bildanalytiker unter uns das einwenig zu berücksichtigen. ;-)…“

    fein ich empfinde hier gerade deine -1 einstellung und die fehlende schärfe in teilen als mehr als nur gut sie ist stimmig die art der schärfe und dazu noch sw..perfekt für meinen geschmack…und der regen wie du geschrieben hast rundet es mit dem faden style gut ab…ich muß sagen die „kompakte-sport-„knipse“ ;)“ gefällt mir von der fotoqualität sehr gut..ist eine überlegung wert wie ich finde…

    ich mag deine/eure eindrücke und hoffe das es noch viele bulletin`s geben wird denn ich fange gerade erst an so richtig daran spaß zu haben….

    das dritte und das sechste foto haben es mir besonders angetan..

    gruß vom doc
    martin

    • das ist in einigen teilen der BRONX der fall ;) und auch da kommt es wie so oft im leben darauf an wie man „miteinander“ umgeht…denn „man“ ist ja nur „besucher“ und sollte nicht wirklich alles fotografieren wenn man an seinem leben hängt …wobei manche finden es sogar gut wenn von dort etwas nach aussen transportiert wird in form von „berichterstattung“ und nicht touristischer sensationsgier….

  2. Sehr schöner Bericht und auch ich erwarte noch mehr. Fotos. Texte. Eindrücke.

    P.S. Für mich muss ein gutes Foto nicht unbedingt mit einer teuren Kamera gemacht worden sein. Ist aber natürlich schade, dass die Kleinbildkamera ihre Stärke bei schlechtem Licht nicht ausspielen darf, weil es ein bisschen regnet. Das Ding ist doch sicher nicht aus Zucker. ;)

    • hmmm was ich nicht wirklich versteh ist die tatsache warum hier an der schwäche der kamera gemäkelt wird..es ist eine kompakte die zu allem bereit ist also auch für den einsatz bei regen und im wasser und ja die fotos sind etwas…fade..aber die erste frage die sich mir dabei stellt bevor ich an der kamera rumnörgel ist wie sieht das eigentliche ausgangsmaterial in farbe aus…

      und wer legt heute fest wie ein foto sein sollte…ich denke jeder für sich daher ist ja die kritik eventuell berechtigt wenn einer schreibt ihm gefallen die aufnahmen nicht…jedoch sind wir bestimmt in der heutigen zeit zu schnell mit kritik was qualität und bildaussage angeht denn ich finde das hat beides absolut nichts miteinander am hut…

      warum fotografieren wir im 21 jahrhundert noch immer und machen nicht einfach nur noch videos? wäre ja zeitgemäß oder …? und das die kompakte von kodak auch mal ein bisschen „schwächeln“ darf da sie fast alles mitmacht ist für mich vollkommen i.o. denn mit den gängigen „boliden“ die weit ab vom preis der kodak sind kann ich z.b. nicht wirklich alles machen …und da ist so ein kleines ding eine gute alternative auch oder vielleicht gerade weil sie schwächen hat und uns zum eigentlichen der fotografie wieder zurück bringt…..der bildaussage…!!!

  3. Fotos gefallen mir sehr gut!

    War im Frühjahr 2010 zum Abschluss eines Schüler-Partnerstädte-Austauschs in NY und mich hat’s damals extremst gestört, nur das leuchtende Manhattan zu sehen und als New York verkauft bekommen zu haben, weil das meiner Meinung nach nur die eine Seite der Medaille darstellt.

    Hatte mir ohnehin schon vorgenommen bei meinem anstehenden Besuch im Sommer auch mal nach Harlem und in die Bronx zu fahren und – auch wenn’s sicherlich nicht die sichersten Viertel sind – mir auch mal die Gegenden anzuschauen. Die Fotos haben mich in dem Vorhaben absolut überzeugt.

    Auch wenn nicht immer Menschen im Mittelpunkt der Bilder stehen schöne Beispiele für „Documenting the human conditions“!

  4. Komisch das der Irrglauben immer noch existiert das Harlem ein gefährlicher Ort sei! Im Gegenteil, dies ist einer der beliebtesten Viertel (u.a. hat Bill Clinton eine Residenz in Harlem)
    Weitaus gefährlicher ist der Central Park bei Nacht

  5. An dieser Stelle mal vielen Dank für Euer Feedback. Ob und wie gefährlich Harlem ist, kann ich nach unserem kurzen Trip relativ schwer beurteilen, für uns war es den Ausflug allemal wert und wir hatten eine gute Zeit dort.

    Zur Kritik: Die Fotos müssen nicht jedem gefallen, ist ok. Es braucht sich hier keiner für seine Meinung entschuldigen oder was verkneifen, ich bin ja nicht aus Butter ;-)

  6. Sofern nicht zu dokumetarischen Zwecken geknipst sind Fotos (vereinfacht gesagt) Kunst und Kunst hat auch viel mit (dem persönlichen) Geschmack zu tun und über Geschmack lässt sich ja wunderbar streiten…

    Ich z. B. finde die Fotos recht gelungen, mit der Ausnahme #100_0603 (vorvorletztes Bild mit Baustelle und überdachtem Fußweg; für *mein* Empfinden etwas zu profan, die anderen Bilder haben da für mich mehr Aussagekraft).

    Zur Bewertung der Abbildungsleistung der Kamera: Die Kodak-Knipse kostet deutlichst unter 100 Euro und dafür sind die Bilder doch mehr als brauchbar! Mag natürlich auch an der Umsetzung in s/w und ggf. weiterer Nachbearbeitung liegen, aber das Endergebnis ist gut!

    Mich hätte mal interessiert, welche Kommentare gekommen wären, wenn Martin nichts zur Herstellungsweise erwähnt hätte… weder Kamera-Typ noch die vorauseilende Erklärung der vermeintlich fehlenden Bildqualität…

    Vllt. wär mal eine „Ratet, mit welcher Kamera dieses Bild geschossen wurde“-Umfrage lustig, bei der wir Leser anhand eines Bildes die Kamera erraten dürfen ;D

  7. mich würde interessieren wie du mit den „batterien“ klar kamst und wie lange sie ausgereicht haben? Oder kann man auch nen Akku dazukaufen? Und stimmt es das die Kamera keine HD-Aufnahmen kann?

    • Hey! Ich kam mit dem Akku der Kamera supergut zurecht. Ich habe die komplette Serie oben durchfotografiert + vorher schon einige Aufnahmen gemacht und danach auch noch. Keine Ahnung, wie lange das ging, aber danach war der Akku immer noch halbvoll. Für mich hat es gut gereicht.