19. Mai 2011 Lesezeit: ~2 Minuten

Das Kwadrat

Ich weiß gar nicht genau, wann es angefangen hat, aber seit einiger Zeit sind nahezu alle meiner Fotos im 1×1 Format. Ich muss zugeben, dass ich das nicht wirklich bewusst gemacht habe. Es hat sich einfach dahin entwickelt. Daher habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht, warum das so ist.

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an. Ein Quadrat hat vier gleiche Seiten. Wow! Wieder was gelernt. ;) Ein Quadrat ist also, neben dem Kreis, die ausgeglichenste geometrische Form. Diese Ruhe überträgt sich logischerweise auf die Bildwirkung. Sie kann einerseits eine Ruhe unterstützen oder aber auch im Kontrast zu einer Dynamik stehen und diese damit verstärken. Das ist für mich eigentlich schon fast Grund genug.

Jetzt wird vielleicht so mancher denken, dass man sich durch die Festlegung auf ein Format einschränkt. Das mag auf den ersten Blick auch stimmen. Doch für mich ist das Gegenteil der Fall, denn Einschränkung kann auch befreiend sein.

Auch hier ziehe ich wieder gern den Vergleich zur Musik. Ich selber spiele Gitarre und da hauptsächlich Blues. Ich möchte das jetzt nicht zu weit vertiefen, aber Blues ist im Prinzip ähnlich wie das Quadrat. Es gibt drei Akkorde, die immer in gleicher Art und Weise wiederholt werden. Das ist ein sehr enger Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens lässt es sich aber perfekt improvisieren. Das Gleiche ist beim Bildaufbau innerhalb eines quadratischen Formats der Fall.

Was ich damit sagen will, ist, dass die Einschränkung gleichzeitig auch eine Bereicherung sein kann. Zuviel Freiheit kann auch hinderlich sein. Ich brauche gewissen Grenzen, in denen ich mich Austoben kann.

Ich sehe häufig 4:3 Fotos, die mir richtig gut gefallen und sehe sofort vor meinem inneren Auge das selbe Foto im 1×1 Format und denke: So wär‘s noch besser!

Hinzukommt, dass das Quadrat ein klassisches Foto-Format ist. Da ich im Moment versuche, einen Stil zu entwickeln, der den Look digitaler und analoger Fotografie vereint, kann das Quadrat auch da seine Dienste leisten.

Sicherlich gibt es Fotos oder fotografische Themen, bei denen ein quadratisches Format gänzlich ungeeignet ist, aber man kann schon verdammt viel in vier gleich langen Seiten unterbringen.

In der Ruhe liegt die Kraft.

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34 Kommentare

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  1. Schöner Artikel. Ich mag es, über Formate zu sinnieren, und mir die ästhetischen oder psychologischen Hintergründe einer Formatwahl klarzumachen.

    (Ein weiterer Vorteil des Quadrats für uns Digitalos und Digitalas: Es ist das Format, das auf Flickr am besten zur Geltung kommt. Zum einen sind alle Thumbnails quadratisch, so dass quer- oder hochformatige Fotos oft mit unschönem Mittenausschnitt vorangezeigt werden, der die Komposition verhaut, zum anderen nimmt das quadratische Format auf der Fotoseite die grösste Bildschirmfläche ein, da Flickr die lange Seite auf 640 Pixel setzt; bei zwei gleichlangen Seiten sind dann eben beide auf 640 Pixel.)

  2. Hallo Holger,

    gerade in letzter Zeit fotografiere ich auch gerne im quadratischen Format. Naja eigentlich fotografiere ich im 3:2 Format und wähle dann später einen quadratischen Ausschnitt.

    Ich bin ehrlich, ich habe mich durch viele Arbeiten auf kwerfeldein dazu inspirieren lassen und das quadratische Format verwende ich auch hauptsächlich für meine nicht Studioaufnahmen.

    Einen kleinen Einblick gibt es unter meinem Tumblr-Account: http://marcoschnitzler.tumblr.com/

    LG Marco

  3. moin holger,

    ich empfinde das quadrat als reine sachlichkeit…es wirkt aufgeräumt und ist dazu noch symmetrisch…nicht das format steht beim quadrat der fotos im vordergrund sondern das was abgebildet ist und so solls doch sein…

    es kann sein das meine vorliebe zum quadrat aus der kindheit mit ins jetzt gekommen ist denn ich kann mich noch sehr gut daran erinnern das quadrat ist allgegenwärtig gewesen nicht nur beim foto wie dem polaroid oder der 6×6 geschichte..nein wer kennt sie nicht die 25x25cm großen gehwegsplatten die oft auch noch zum überfluß in weitere kleinere quadrate aufgeteilt war…
    und die verschobenen quadrate wie das vier gleichlange seiten umfassende nappo :)) oder das agfa loga z.b….nicht vergessen die heute noch aktuelle ritter sport…und der salino

    boooh was ich eigentlich sagen wollte ist, es ist einfach eine praktische „runde“ sache das quadrat :))

    gruß vom doc
    martin

  4. Hi Holger, die Bilder sind wirklich toll in dem Format. Ich finde es ungeheuer schwierig, beim Fotografieren (in 3:2) das Bild im 1×1 Format zu „sehen“. Wenn, dann ergibt sich das hinterher, bei der Entwicklung in LR. Schöner fände ich es aber, wenn ich geplant quadratisch fotografieren könnte. Gibt es einen Trick, wie man das mit einer normalen DSLR umsetzt, also quasi sein Auge, das das 3:2 Format im Sucher sieht, überlistet?

      • Hab‘ auch schonmal gesehen, dass jemand die Mattscheibe ausgebaut und vorsichtig die Begrenzungslinien fürs Quadrat eingeritzt hat. Da muss man natürlich sehr genau arbeiten und es ist eher die Variante für Geizhälse – sonst eben Gittermattscheibe.

    • Manche (digitalen) Kameras können das. Meine Panasonic GF1 lässt sich beispielsweise auf verschiedene Formate einstellen, darunter auch 1:1. Der Bildschirm wird entsprechend maskiert was die Gestaltung dann erleichtert.

      • Bei den Olympus MFTs kann man in 6*6 fotografieren, aber das Bild wird als 4*3 gespeichert. Zusätzlich werden Informationen zum gewählten Ausschnitt gespeichert, die dann von Lightroom verarbeitet werden. Und zumindest mit der hauseigenen Software von Olympus kann man im Nachhinein auch den Ausschnitt noch verändern.

    • Mathematisch gesehen ist jedes Quadrat sogar ein Rechteck, wobei der Umkehrschluss nicht gilt. Desweiteren bedarf es für das Quadrat nicht nur vier gleichlanger Seiten, diese müssen auch paarweise parallel sein und jeweils im rechten Winkel zueinander stehen.

      Ich persönliche empfinde Bildausschnitte als eine Bevormundung des Betrachters, beim Quadrat noch schlimmer eine der natürlichen Sehweise (2 handelsübliche Augen, vorn im Gesicht, mit einem Gesichtsfeld von fast 180° in der Horizontalen und knapp 120° asymmetrisch in der Vertikalen) vollkommen widerstrebende Darbietung.

      Vielleicht gehöre ich aber auch zu den wenigen, die Fotos nicht in Form von Thumbnails/ Fotoportalen konsumieren und zu den meisten Ausbelichtungen auch Geschichten hören wollen, die sich in jedem Detail wiederfinden lassen.

      Zum Thema eigener Stil durch Fusion von digitaler Erstellung und analogem Aussehen: Warum etwas tun, was in tausendfacher Form minütlich bei Flickr landet?

      • b. ohnsorg ..warum versteh ich eigentlich nicht was du uns damit sagen möchtest…ist nicht alles was wir nicht selbst für uns richtig halten eine bervormundung so wie dein was und wie etwas „handelsüblich“ sein soll..was ist denn mit den mitmenschen die deine handelsüblichen augen nicht nachweisen können, die ein eingeschränktes sichtfeld haben oder gar blind auf einem der „handelsüblichen“ augen sind…

        und genau genommen ist ein quadrat ein spezielles polygon und somit ein vieleck und daher nicht immer ein rechteck…so wie auch nicht immer die eigene meinung die der anderen ist…wenn ich deinen beitrag verstanden habe geht es dir hier um das …“unnatürliche“ wobei wir dann am thema vorbei sind…

  5. Mich reizt das Quadrat schon auch. Aber genau wie der Lichtbildwerkerin fällt es mir schwer, mir den Ausschnitt durch den 2:3-Sucher zu denken. Klar kann man es schätzen, sich ein Drittel wegdenken, aber so präzise ist das nunmal nicht und ich denke die Komposition würde darunter leiden, weil man sich nicht richtig darauf konzentrieren kann.
    Und ein bisschen eine Trend-Geschichte ist es wohl auch, ja.

  6. auch ich nutze gern 1×1, weil es eben mir sehr gefällt. Viellecihtmit einGrund, warum die Polaroids so erfolgreich waren (und hoffentlich wieder werden)
    Wenn ich in Lightroom Bilder beschneide, kommt meistens 1×1 raus, der Optik wegen….
    und der Vergleich, daß man Beschränkungen braucht, um sich austoben zu können, der gefällt mir….

  7. Das 1:1 reizt mich auch schon lange, wobei ich mich in der Ausbildung zuerst schwer mit der fetten SL66 getan habe, es war so zu sagen Liebe auf den zweiten Blick :-) Inzwischen ist alles einfacher, via LR wird einfach ausgetestet ob ein 1:1 paßt. Hier ein paar Beispiele:
    http://kubik.de/quadrat.html

    Grüße aus Ludwigsburg
    Jochen Kubik

  8. ich habe vor einiger zeit auch das quadratische format für mich entdeckt, allerdings bin ich wieder davon weggekommen. der erste grund: obwohl es zweifelsfrei motiv -situationen gibt, bei dem der quadratische bildausschnitt vorteilhaft wirken mag, ist für das menschliche auge, bzw. die weiterverarbeitung zum gehirn das quadrat ein unnatürliches blickobjekt. der natürliche sehwinkel entspricht eher dem querformat. der zweite grund: da es selten quadratische bildschirm-monitore gibt :-), gefällt mir ebenfalls das querformat besser. sieht halt hübscher auf dem pc aus.

  9. Quadratisch – praktisch – gut.
    Ich mag die Quadratur des Bildformats ebenfalls. Was mich echt freuen würde: eine Kamera / Objektiv die es erlaubt im Sucher auch nur Quadrate zu sehen. Auf diese Weise wäre die Planbarkeit des Bildes und die Einschränkung auf gleichseitiges noch konsequenter.

    Schöner Beitrag!

    Gruß,
    Sebastian

  10. Die quadratischen Bilder wirken einfach super, vor allem auch da bei vielen Upload-Seiten die Vorschau ebenfalls quadratisch ist. Ausserdem ist das quadratische Format halt etwas Besonderes, was sonst nur selten benutzt wird. Von dem her ist es für den Betrachter interessant und exotisch und man hat gute Chancen, dass er einem solchen Bild viel mehr Beachtung schenkt.

  11. mir gefallen 1:1 bilder auch sehr gut, erfreue mich aber nach wie vor auch an 4:3 Kompositionen.

    Was mich hier beim lesen etwas verwirrt hat ist, dass einige von 1×1 oder auch 6×6 schreiben. Was ist der Unterschied? Beides sind ja ’square‘ formate…

    • Hallo Malte,
      6 x 6 kommt aus den Zeiten des Mittelformats. (56mm x 56mm)
      1 x 1 beschreibt im Grunde das Gleiche, nur das keine bestimmte Film- bzw. Sensorgröße damit beschrieben wird, sondern lediglich das Endformat des fertigen Bildes.

  12. Blogartikel dazu: Making of: Bokehwonderland | KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

  13. Ganz meine Meinung: Spiele und liebe selbst den Blues aus eben diesen Gründen: Der klar strukturierte Rahmen legt das Fundament für kreatives Austoben. Ich hab vor 10 Tagen bei instagram angefangen. Schon als Junge durfte ich mit der 6×6 Vorkriegs-Agfa fotografieren; von daher liebe ich (wieder) das 1:1 Format.

    Danke für den Beitrag (ich hatte nach Bildkomposition in diesem Format gesucht)

    Ulli