16. Mai 2011 Lesezeit: ~1 Minute

NYC Ghosts and Flowers

Der Künstler Edgar Leciejewski lebt und arbeitet in Leipzig. Hier entstand auch seine Serie NYC Ghosts and Flowers. Für die Streetfotos der ganz anderen Art musste er nicht nach New York fliegen, sondern erstellte die Bilder von zu Hause aus mit Hilfe von Google Street View.

Die von der Suchmaschine zensierten und entpersonalisierten Gesichter inspirierten ihn. „Sie wirken geisterhaft und werden so zu Symbolen und Projektionsflächen“, so Edgar.

Für ihn ist New York eine Stadt der flüchtigen und genauen Blicke. Die Bilder für sein Projekt stammen aus Haarlem, Brooklyn, Manhattan und Queens – Orte, an denen er während seines Studienaufenthaltes 2010 selbst war.

Die Bilder wurden nach der Auswahl noch bearbeitet, störende Details hat er entfernt und den passende Ausschnitt gewählt.

Edgar Leciejewski sieht Google Street View nicht als das Böse, als das es oft dargestellt wird. Für ihn schafft das Projekt eine Sammlung vom Leben im 21. Jahrhundert. Gleichzeitig verweist er auf die Anfänge der Fotografie. Viele Fotografen haben damals Archive angelegt um zum Beispiel Pflanzen (Karl Blossfeldt, Anna Atkin) oder auch Stadtansichten (Eugène Atget) zu sammeln.

Ähnliche Artikel


20 Kommentare

Die Kommentare dieses Artikels sind geschlossen. ~ Die Redaktion

  1. Ich kann dieser Art „Fotografie“ leider so gar nichts abgewinnen. Sitze ich schon genug am PC zur digitalen Fotoentwicklung, so bin ich doch froh wenn ich wenigstens zum eigentlichen fotografieren mit der Kamera hinaus gehen kann und meine Motive suche.
    Wenn ich Dank Google und Co noch nicht mal meinen Hintern mehr hochheben muss, keine Kamera mehr benötige und Bilder nur noch zusammenschnipple, das hat für mich persönlich gar nichts mehr mit Fotografie gemeinsam. Ne besondere Kunstform kann ich da ehrlich gesagt auch nicht wirklich entdecken.

  2. Ich muss meinen Vorkommentatoren hier recht geben. Das ganze hat irgendwie rein garnichts mit Fotografie geschweigedenn Kunst zu tun. Die Fotos sehen ehrlich gesagt nicht anders aus als Auschnitte zum Thema „Google Street View und Privatsphäre“ die man zu Hauf im Internet und diversen Berichten findet.
    Ausser auf Google Street View rumklicken und Bilder ausschneiden ist hier doch nicht wirklich etwas passiert, oder?
    Es wäre schöner gewesen wenn der Künstler hier echte Fotos 2010 gemacht hätte als er noch selbst dort war.
    Irgendwie eine lustige Idee das Ganze, aber mehr auch nicht. Und es passt natürlich zum aktuellen Aufenthaltsort von Martin. ;)

  3. Also wenn Du den Beitrag am 1. April veröffentlich hättest, hätte ich es für einen netten kleinen Aprilscherz gehalten. So aber sehe ich da nicht sehr viel künstlerisches Schaffen wenn man einfach ein paar einsame, verpixelte Gesichter in Google Streetview sucht, mit dem Stempelwerkzeug irgendwas entfernt und die automatische Farbkorrektur von Photoshop nutzt (mal übertrieben dargestellt)…
    Aber ok – Geschmäcker sind halt verschieden und wenn es der Person Spaß macht solche Bilder zu „machen“, warum nicht.

  4. Ich habe das Projekt für die Vorstellung ausgesucht, weil es für mich viele Aspekte der Fotografie hat und ich es wichtig finde auch mal über den Tellerrand zu sehen. Warum sollte nur fotografisch relevant sein, was aus der Kamera kommt?

    Edgar hatte als erstes eine Idee. Er hat Bildschnitte gewählt und die Bilder bearbeitet. Das sind alles Punkte, die man für ein Foto auch benötigt.

    Zudem ist Google einfach ein spannendes Thema und dies zeigt nochmal eine ganz andere Perspektive der Google-Diskussion.

  5. Wenn das Auswählen eines Ausschnitts aus Google Maps schon als kreativer Akt gilt, dann bin ich nach dieser Logik Schriftsteller. Ich habe nämlich eine Wunschliste bei Amazon.

    • Wenn ein blondierter hagerer Herr die Lichtdome der Nazi-Veranstaltung in Nürnberg in einen rot-schwarzen Offset-Druck verwandelt, dann handelt es sich um Kunst. Ein anderer versieht ein Pissoir mit seinem Namen und präsentiert es auf dem Rücken liegt – auch Kunst. Ein dritter wählt eine Menge Bilder irgendwo aus und fügt sie anders zusammen – keine Kunst, er ist ein Irgendwer, die Idee so einfach und das hätte man ja selbst gekonnt. Warum kam erst jetzt einer auf die Idee, gerade die anonymisierten Personen herauszufiltern? Ich wette, Bekannte und Freunde erkennen die abgebildete Person aufgrund von persönlichen Merkmalen wieder. Schließlich wurden auch Gunter von Hagens Präparate an Tattoos und ähnlichem wiedererkannt.

      Ein bisschen mehr Aufwand seitens des Künstlers hätte ich mir schon gewünscht, vielleicht hat sein Umfeld aber auch nur mit dem Kopf geschüttelt, statt seinem kreativen Prozess Schub zu verleihen und Inspiration zu sein. (Die Comic-Bildchen von einem Roy Lichtenstein mit null Mehrwert gegenüber Batman-Comics vergaß ich ganz, die übrigen Bezüge sind Andy Warhol und Marcel Duchamp. Für Fotografen meinetwegen noch Thomas Ruff Riesenpassbilder, die als Thumbnail auch bescheuert wirken.)

  6. Ich finde diese Arbeit deshalb so interessant und durchaus von Belang, weil sie sich mit dem, was Fotografieren ausmacht, auf neuartige Weise auseinandersetzt.
    Der Google Streetcar dokumentiert nur, aber der Künstler erzeugt aus diesem Fundus etwas Neues. Er greift in dieses Abbild der Realität und wählt Szenen aus, die er sieht und weil er sie sieht. Wenn man sich mal vom Gedanken über die Wahl des Aufnahmewerkzeugs löst, was genau unterscheidet das dann noch vom Fotografieren mit der Kamera?
    Ach und übrigens: Edgar Leciejewski ist nicht allein mit seinen Arbeiten. Der Fotograf Michael Wolf hat sich auch schon mit dem Thema auseinander gesetzt. Ich finde, seine Serie A series of unfortunate events enthält die Essenz von dem, was Street Photography eigentlich ist.

    • Stimmt!

      Aber ich kann hier auch gut nachvollziehen, warum hier einige dem Ganzen nichts abgewinnen können. Ich kanns leider auch nicht wirklich.

      Vielleicht würde dein Argumentation besser greifen, wären ein paar aussergewöhnliche Bilder dabei.

      • Wie wäre es mit etwas Literatur zum Thema Neugier? Susan Sontag schrieb ein paar Aufsätze zum Thema: »Warum Fotos alle gleich langweilig sein müssen, bzw. warum das Fußvolk nach immer größeren Brüsten verlangt.« Vielleicht geht es bei der Wahrnehmung der Welt nicht um einen ständig enger werdenden Blick, nur das noch außergewöhnliche wahrnehmend?

  7. Ok, ich sehe Googles Streetview auch nicht als das personifizierte Böse.

    Aber das hier sehe ich auch nicht als Kunst an. Bin eher erstaunt, dass Ihr sowas featured. Sonst seid Ihr bis dato recht treffsicher gewesen.

    Aber nunja, Geschmäcker sind ja… Also bis zum nächsten Mal.

  8. … schön! mal was anderes, mit blick über den tellerrand.

    klar, dass es viele nicht nachvollziehen können. ist gut so, es polarisiert. besser als dieses ewige geschmalze von „toll“ „spannend“ „ich hab da mal in photoshop…“ u.s.w.

  9. Einen irren Weltendokumentierer habe ich noch im Repertoire, Farbfotografie mit Stärke-Körnchen, Albert Kahn, mögen alle Dokumentationsprojekte wenigstens halb so gut sein wie deine Ambitionen. (Kann man sich mal anschauen, wenn man in Paris ist und der Louvre voller Touristen.)

  10. Ok. Ich muss mich vielleicht korrigieren. Die Idee an sich ist nicht schlecht, aber die hier gezeigten Ergebnisse sind einfach nur zum wegklicken.

    • Man darf jede Meinung haben und die auch ändern, warum nicht beim »langweilig«, »einfallslos« oder »wegklicken« bleiben? Vielleicht gibt es jemanden der gar keine Meinung dazu äußert, sondern auf der Idee basierend etwas vollkommen anderes, außergewöhnlich sehenswertes macht und NICHT darüber spricht, bei einem Autounfall ums Leben kommt, woraufhin sein Kunstwerk von einer Entrümpelungsfirma (unwissentlich) zerstört wird und der Nachwelt nie gewahr wird?

  11. Ich finde den Magazincharakter ja sehr nett, aber ständige Bild/Künstlervorstellungen und Interviews sind auch ermüdend. Ein bisschen differenzierterer Inhalt wäre schön – zuallererst müssen die browserFruits wieder zurück – finde ich. Dann braucht ihr mal ein bisschen mehr technische Inhalte – finde ich zumindest ebenfalls interessant. Bevor man hier StreetView Bilder vorstellt gibt es glaube ich 100 andere Themen die die meisten eher ansprechen würden.

  12. Viele etablierte Künstler können es sich eben leisten, auch mal solche „Projekte“ zu zeigen. Newcomer hingegen könnten sich so etwas nie erlauben. Ich kann weder die Idee nachvollziehen noch die gezeigten Bilder gutfinden.