03. Mai 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Jeder kann fotografieren.

Meiner Meinung nach kann jeder fotografieren. Der folgende Kommentar handelt von Hoffnung, Hochmut und Hildegard.

Jeder kann fotografieren. Das digitale Zeitalter hat es möglich gemacht. Jedes mobile Telefongerät hat eine Kamera, Kompaktapparate sind so günstig wie noch nie. Und. Der. Markt. Boomt.

Das bietet die Gelegenheit, dass jeder fotografieren kann. Auch ohne Fachkenntnisse. Gucken, abdrücken, fertig. Fotos machen ist – provokant ausgedrückt – keine Kunst.

Ich kann.

Das gefällt mir.

Ich weiss aber auch, dass es Leute gibt, die das gar nicht gut finden. Diejenigen nämlich, die meinen mit dem Erwerb ihrer Profikamera den Profifotografen* mit Löffeln gefressen zu haben und es nicht ertragen können, dass *pfeif* *tüdelü* *holterdiepolter* jeder Hansguckindieluft Bilder machen kann. Ohne zu fragen! Wie unverschämt! Ungeheuerlich!

Sorry Guys. Das geht nicht wieder weg.

Ich werde aber den Finger noch etwas weiter in die Wunder drücken – auch auf die Gefahr hin, alleine mit meiner Meinung dazustehen. Mein Anliegen ist zwar nicht, jemanden zu dizzen, wenngleich ich das unter Umständen tue. Aber eigentlich möchte ich denen Hoffnung zusprechen, die (sie) längst aufgegeben haben.

Ich denke, dass jeder fotografieren KANN. Damit meine ich, dass jeder ein gutes Foto machen kann, mit dem er oder sie vollkommen zufrieden ist. Und das ist – in einem Satz – auch das, worauf es meiner bescheidenen Meinung nach ankommt.

Ich glaube nicht, dass es eine Trennung geben sollte zwischen (Schein-)profis und den anderen. Dass es diese Trennung in vielen Köpfen gibt, haben mich die letzten Jahre gelehrt. Aber: Es macht keinen Sinn darüber nachzudenken, wer der bessere und wer der schlechtere Fotograf ist. Weil das stinkt.

Ooops! Das Wort „Fotograf“ habe ich einfach mal so salopp benutzt! Ja kann man das denn einfach so? Muss man denn nicht HOBBYFotograf sagen? Oder gar ANFÄNGER, AMATEUR?

Who.

F******.

Cares.

Wer Fotograf ist, und wer nicht, das ist sowas von unerheblich. Denn wer davon leben kann, der schert sich nur in Einzelfällen beruflicher Natur darum, ob er exakt so genannt wird. Er schert sich eher um Fotos, die seine Kunden glücklich machen und sich selbst vielleicht auch. Etikette brauchen andere.

Und wer einfach aus Spaß an der Freude Familienfotos von Spielplatzbesuchen oder Geburtstagsparties mit Kindern macht, schert sich ebensowenig darum. Er schert sich um Fotos, die seine Familie glücklich machen. Und sich selbst natürlich auch. Titel? Wayne.

Manche Menschen haben noch nicht einmal im Leben über das Wort Hobbyfotografie, respektive Fotograf nachgedacht und haben mehr damit zu tun, als solche, denen es allererste Prioriät zu sein scheint, auch „Herr/Frau Fotograf“ zu sein.

Was soll also der Driss um „die Guten“ und „die weniger Guten“? Ich habe – auch hier – schon abfällige Bemerkungen über die gehört, die nur Blumen oder ihre Grillparty oder gar nur Familienausflüge fotografieren. Oder, schlimmschlimm, nur im Urlaub schnappschiessen.

Ja und?

Was ist daran so eigenartig? Ist es nicht viel eher eigenartig, wenn sogenannte Könner jovial „die weiter Unten“ diffammieren, welche nur ihren Alltag dokumentieren? Die Spaß daran haben, mit ihrem Handy ihre Liebsten zu fotografieren? Oder sonst irgendwas fotografieren, das nicht ins kleinkarierte Weltbild der Elite passt?

Solange es einem selbst gefällt, ist das doch prima! Es ist anmaßend, darüber zu entscheiden, was fotografischer Bullshit ist und was nicht? Hochmut kommt vor dem Fall. Und danach auch. Das muss natürlich nicht heißen, dass jedem jedes Foto gefallen muss, versteht sich von selbst.

Wenn Herbert Blümchen(-bokeh) mag und sich xMal am Tag selbst portraitiert, why not? Wenn Hildegard ihre Kinderlein, Hasen, Tütüs oder wasauchimmer mit einer Kamera der Marke [bitte einfügen] fotografieren mag: Das Leben ist bildhübsch!

Sowieso und überhaupt: Dokumentation ist ein wichtiger Teil der Fotografie. Wer sagt denn, dass alle Fotos makellos geplant, komponiert und verphotoshoppt sein müssen? Hä? Wer? Achso. Na dann.

Jeder kann fotografieren.

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