12. April 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Jedes Bild ist eine Botschaft

Peter Neske, 53 Jahre, Gärtner. Ich lebe seit jeher in Norddeutschland und fotografiere seit 30 Jahren leidenschaftlich als Amateur. Trotz aller Wehmut habe ich mich weitestgehend von meiner analogen Ausrüstung getrennt, meine D80 hat sich mittlerweile als treuer und zuverlässiger Begleiter erwiesen.

Zu Hause arbeite ich mit Photoshop, experimentiere hin und wieder mit diesen unzähligen Möglichkeiten der Einflussnahme, aber im Wesentlichen beschränke ich mich auf das Zurechtrücken von Tonwerten und Graustufen, um unzufrieden machende Belichtungsergebnisse oder flaue Kontraste einer Korrektur zu unterziehen.

Gedanken zur Fotografie: Bild 1

Schwarzweiß-Fotografie ist in letzter Zeit ein großes Thema für mich geworden. Ich mag die Reduktion auf das Wesentliche, das kann bis ins extreme b&w gehen, das Auge soll hineingezogen werden, weniger ist für mich manchmal mehr.

Fotografie braucht heute etwas Besonderes, damit der Betrachter bei einem Foto verweilt, die Bilderflut ist gigantisch und wir selbst sind kaum noch der Ruhe, der Einkehr mächtig. Dieses Besondere muss ich als Fotograf wahrnehmen, mit dem Auge und mit dem Herzen. Erst dann kommt mein technisches Werkzeug zum Zuge, die Umsetzung des Erblickten in eine geeignete rechteckige Form, die gewünschte Belichtung und Schärfe und schließlich der Feinschliff im „digital darkroom“.

Wird das Herz berührt von dem, was das Auge sieht – vielleicht ein harmonisches Farbenspiel, die noch unberührte Aura der morgendlichen Tautropfen, vielleicht die Linienführung sich wiegender Gräser oder die aufstrebende Silhouette von blattleerem Baumgeäst – so offenbart uns die Fotografie eine Möglichkeit, dieses Gefühl bildlich festzuhalten, weiterzugeben, mit anderen zu teilen.

Ich selbst jedenfalls kann auf diesem Wege meine Empfindungen, meine Wahrnehmungen visuell abspeichern, die Fotografie ist für das Auge, was die Musik für die Ohren ist, eine Sprache des Herzens…

Gedanken zur Fotografie: Bild 2

Wenn wir es schaffen, die uns umgebende Natur, das uns berührende Leben auf das Wesentliche, auf das von uns Erspürte zu reduzieren, wenn wir in Kontakt gebracht werden mit der unausgesprochenen Frage von Anfang und Ende, wenn unser Herz eine Ahnung von der Verbundenheit mit allem Lebendigen bekommt, dann ist es ein gutes Foto.

Alles, was ich mit meinen Bildern erreichen möchte, ist – anderen und auch mir selbst – Momente des Einklangs zu verschaffen, Momente der Berührtheit, verweilen, eine Rast einlegen, Zeit zu lassen für eine kleine gesponnene Geschichte. Wenn das Herz sich öffnet, weil das Auge sieht, dieser Moment der Entstehung einer eigenen kleinen Geschichte des Betrachters, dieser Moment des Entrücktseins und der Verbundenheit mit dem uns Unbekannten, das ist der Lohn der Fotografie…

Meine Leidenschaft gilt der Natur, wir sind Teil von ihr und gerade in der heutigen Zeit verdient sie noch mehr Respekt und Achtung; das Bewusstsein der Menschen muss immer wieder angestoßen werden, damit wir Mutter Erde nicht im wahrsten Sinne des Wortes aus den Augen verlieren.

Gedanken zur Fotografie: Bild 3

Persönlich arbeite ich seit geraumer Zeit mit dem Quadrat, habe zwar selbst keine digitale Mittelformatkamera, sehe aber in diesem Format unendliche Möglichkeiten für einen Spannungsbogen. Ich meine, ein Quadrat ist für unser Auge wunderbar zu erfassen, sozusagen ein magischer Anziehungspunkt.

Meinen eigenen Blick habe ich im Laufe der Zeit dazu erzogen, allzeit wach zu sein, ständig und überall außergewöhnliche Lichtverhältnisse wahrzunehmen, interessante Kompositionen oder eigentümliche Details. Kaum Sichtbares zieht mich magisch an, will ergründet werden, aber dafür muss ich mir auch die Zeit nehmen, ab und an mal stehen bleiben, rundherum schauen, bereit sein für das Abenteuer Fotografie.

Gedanken zur Fotografie: Bild 4

Jedes Bild ist eine Botschaft – in diesem Sinne weiterhin viel Freude an der Fotografie.

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23 Kommentare

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  1. bild 1 und 3 sind echt der hammer… haben irgendwas, was sie anders macht – auch wenn ich schonmal ähnliche gesehen habe
    der text ist gut zu lesen und bringt’s gut auf den punkt
    auch wenn’s nicht so wichtig ist, aber man sollte mal den gearhead in sich rauslassen: welche objektive nutzt du hauptsächlich und warum?

    • Danke Marc !
      im moment bin ich standartmäßig mit dem sigma 10-20 unterwegs, dann habe ich da noch das 17-70 von sigma. für längere brennweite nutze ich ältere soligor objektive (78-210) und als macro ebenfalls ein soligor 90mm 1:1. speziell für die älteren nikonnutzbaren objektive habe ich mir gerade ein gebrauchtes D200 gehäuse zugelegt, um die belichtungssteuerung zumindest im zeitautomatikmodus nutzen zu können….

  2. Hallo Peter,

    alles was Du schreibst kann ich wunderbar nachvollziehen.

    Was ich mich aber frage ist, ob Du Dich nicht gerade bei der Reduktion auf das wesentliche auch auf einen Stil konzentrieren solltest? Deine vier Bilder könnten genauso gut auch von vier verschiedenen Fotografen stammen.
    Auch ich neige sehr dazu mal diese und jene Technik auszuprobieren. Die Bilder für sich genommen sind klasse, aber überleg doch mal ob nicht eine stringentere Linie unter dem Strich mehr bringt als viele tolle Einzelbilder.

    VG
    Stefan

    • Hallo Stefan !
      fotografieren soll in erster linie mir selbst etwas bringen, und zwar beim fotografieren selbst (der weg ist das ziel). aber du hast schon recht, die vier fotos sind von mehreren ausgewählt worden, die ich eingesandt hatte, aber eigentlich habe ich meine linie in der reduzierung gefunden, und falls du mal einen blick in meine gallerie wirfst (dA), kannst du es auch erkennen denke ich…

      einen lieben gru?
      Peter

  3. Moin.

    Ich habe mal eine Frage: Sie sagen, dass das Bewusstsein der Menschen bezüglich Mutter Erde regelmäßig angestossen werden muss. Ok. Aber welcher Gedanke steht hinter dem Versuch, dieses Ziel mit Bildern zu erreichen, die die Natur als absolut intakt darstellen?

    • Lieber Marcus !

      ich zeige lieber, was es zu bewahren gibt, – negativschlagzeilen gibt es zuhauf, alle zeitungen und nachrichten sind voll davon, ich möchte nicht anprangern, ich möchte ins rechte licht rücken, was in unserer schnellen zeit nicht mehr wahrgenommen wird, dabei aber eigentlich nichts kostet, – ein gang in die natur, möglichst mit offenen augen…

      mit freundlichem gruß

      Peter

  4. Marcus: das geht ja sowohl mit Bildern intakter Natur im Sinne einer Erinnerung und mit Bildern nicht intakter Natur im Sinne einer Kritik. Ich finde schon das beides funktioniert (Ich gebe dir aber recht dass Bilder einer nicht intakten Natur warcheinlich diese Botschaft viel schneller und deutlicher vermitteln mögen).

  5. a) Mal direkt erfrischend dass dieser Beitrag mal wieder von jemanden war, der digital fotografiert…. Nach dem ganzen Analog-Revival-Craziness der letzten Monate in der Blogger-Szene war das wie ein Balsam. Sozusagen ein „digitales Revival“. ;)

    Zum Thema „Stil“. Damit tue ich mich auch sehr schwer… Ich probiere auch gerne unterschiedliche Sachen aus, und zwar bei jedem Bild neu. Ich bin mir nicht sicher, ob es nun unbedingt vonnöten ist, auf Biegen und Brechen einen eigenen Stil zu finden um „besser“ zu werden….. Auch wenn das Thema recht gerne von verschiedenen Blogs aufgegriffen worden ist. Ich sehe da keinen Zwang. Wenn jedes Bild verschieden ist, so mag dies die Zuordnung auf einen bestimmten Werkschaffenden zwar erschweren, aber letztlich sehe ich jedes Bild als Einzelprodukt.

    • Hallo zusammen

      Ich finde, der Stil eines Fotografen definiert sich nicht darin, dass jedes seiner Bilder klar zuzuordnen ist. Bei einem Maler kann das eher passieren, da die Technik, in der seine Bilder gemalen werden, sich meistens nur langsam verändert und so die rote Linie gezogen werden kann. Klar mag das auch in der Fotografie so sein, aber vor allem wenn man Naturbilder macht, ist dies nicht erforderlich. Warum nicht? Ich beobachte die Natur immer und immer wieder. Ich stelle fest, dass ein und der selbe Platz, je nach Jahres- und Tageszeit, immer wieder wie ein völlig neuer Platz aussieht. Ich finde, dem sollte man Rechnung tragen, somit dürfen auch die Bilder von unterschiedlichen Locations durchaus sehr verschieden sein. Es kommt noch dazu, dass jede Location in mir andere Gefühle hervorruft, welche dann auch in der Machart und der Nachbearbeitung der Bilder zum Ausdruck kommt. Hier stelle ich die Frage: Ist der Moment, die Location und die damit verbunden Gefühle das, was das Bild vermitteln soll, oder soll es die Handschrift des Photografen verraten?

  6. hier finde ich sieht man sehr gut das peter neske sein berufsalltag und sein hobby zur einheit bringt es ist der etwas andere blick für die naturfotografie die mich bei den arbeiten ins foto zieht und die sichtweise bei der sw umsetzung spricht mich persönlich extrem an.

    die leidenschaft für die fotografie sieht man jedem bild genauso an wie die liebe zur natur uns zum detail..klasse… hat spaß gemnacht.

    gruß vom doc
    martin

  7. Besonnene, fantastische Kunstwerke :-)

    Insbesondere finde ich sehr sympathisch was Du über Dein Verhältnis und den Wert der Fotografie für Dich und Deine Umwelt schreibst, insbesondere:

    „…die Bilderflut ist gigantisch und wir selbst sind kaum noch der Ruhe, der Einkehr mächtig. Dieses Besondere muss ich als Fotograf wahrnehmen, mit dem Auge und mit dem Herzen.“

    Liebe Grüße
    Sascha

  8. Wirklich schön geschriebener Artikel. Man merkt wieviel Herzblut in den Bildern steckt. Mir hat besonders das vierte Bild gefallen, mir ist da nichts vergleichbares bekannt.