31. März 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

10 Fotos

Zehn Fotos

Was ist schon zehn Mal den Auslöser betätigen? Nicht viel. Und genau darum geht es heute. Um wenig. Das mutet erst mal ulkig an. Ist es auch.

Letztes Jahr startete ein kleines Experiment. Ich nahm mir vor, jeden Tag mindestens zehn Fotos zu machen. Wie es dazu kam und was heute daraus geworden ist, das werde ich in den nächsten Zeilen offenlegen.

Zwischen Januar und Dezember 2010 beschlich mich ein Gefühl der Lust- und Ratlosigkeit bezüglich meiner Fotos. Irgendwie hatte ich die Schnauze gestrichen voll davon – wusste aber auch nicht, wie ich aus der Falle herauskommen könnte.

Aber eines war klar: Ich hatte keine Lust mehr darauf, bei idealstem Wetter das derbste Landschaftsfoto mit dem krassesten Himmel zu machen.

Diese Idealisierung der Natur und die Sehnsucht danach, ein möglichst optimales Foto voller Wucht und Spannung aufnehmen, gingen mir selbst auf den Zeiger.

Kanne

Denn das Leben ist nicht immer toll und farbig und bunt und yeah. Da schien mir die Flucht in die bunte Landschaft bei Sonnenuntergang wie … eben, wie eine Flucht. Vor der Normalität, vor dem Alltag, vor dem Leben.

Mit dieser inneren Veränderung meiner Philosophie wurde das alles nicht unbedingt einfacher, sondern anstrengend und nervig. Dazu kam, dass mein Anspruch an mich selbst immer höher zu steigen schien und kein Ende nahm. Dann geht es nur noch höher, noch besser, noch mehr und noch krasser.

Schließlich ist ja der Fortschritt das Wichtigste und man soll ja immer besser werden, nicht wahr? Von all dem völlig angenervt startete ich ein Experiment. Ein kleines. Und zwar:

Jeden Tag in der Stadt, in meinem Alltag, wo auch immer zehn Fotos machen. Zehn. Fotos.

Alter Stuhl mit Schubkarre

Zehn Fotos, das bekomme ich hin. Ich habe mir selbst keine Vorschriften gemacht, was ich fotografiere, nur DASS ich fotografiere. Außer sonntags.

Und die paar Bilder, dachte ich mir, knallen mir Lightroom nicht so voll, dass ich die ganze Woche abarbeite. Das kann ich locker mal zwischenschieben.

Und das, was dann übrig blieb und auf irgendeine Art und Weise „Interessanz“ ausstrahlte, wurde – und wird bis heute – veröffentlicht.

~

Jeden Tag fotografiere ich das, was mir vor die Linse kommt. Oder ich gehe gezielt an einen Ort, wie letzte Woche morgens.

Und es sind fast immer mehr als zehn Fotos. Denn wenn ich mal angefangen habe, kommt die Lust dazu und dann sind es meistens dreißig Fotos pro Tag. Oder mehr. Davon bleiben dann 4-5 Fotos übrig. So habe ich jeden Tag ein paar Fotos, die ich für mich als „gut“ einstufen würde.

Trauriges Velo

Ich habe schon sehr lange nicht mehr so viel Spaß am Fotografieren gehabt wie jetzt gerade.

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38 Kommentare

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  1. Moin Martin,

    dieses Vorhaben versuche ich schon seit langem umzusetzen.
    Zu oft hatte ich schon diesen Gedanken „Das wäre ein nettes Motiv, oder das, oder das, oder das…“ und dann hat man die Kamera leider nicht dabei, weil sie nicht in die Tasche passte, weil weil weil…

    Jeder versucht wohl „bei idealstem Wetter das derbste Landschaftsfoto mit dem krassesten Himmel zu machen“, aber wie oft funktioniert das schon.
    Dieses Zwischenmenschliche, oft Ungesehene hat genau so seinen Reiz, eine Form, eine Situation, ein …

    Vielleicht sollte ich morgen früh meine Kamera einpacken…

  2. beim lesen dachte ich du schreibst über mich..denn das gefühl kennt wohl jeder denke ich und ich stecke gerade auch genau in dieser situation..vollkommen angenervt…

    ich werde nun deinen versuch mal für mich übernehmen und sage danke dafür..

    gruß vom doc
    martin

  3. Der Spaß ist das wichtigste. Ich habe mich etwas wieder erkennt in Deinem Artikel. Möchte auch immer bessere, tollere, krassere Bilder machen. Mir macht es allerdings zur Zeit noch eine Menge Spaß durch die Landschaft zu stapfen, an Felsketten entlang zu klettern oder durch die dunkle Nacht zu irren um ein gutes Foto zu machen. Oft erlebt man dabei so viele schöne und aufregende Dinge das dass das eigentliche Foto in den Hintergrund rückt und man einfach nur Spaß hat.

    Da ich aber nur raus gehe um zu fotografieren wenn ich auch die Lust dazu habe, hält sich das „kein Bock mehr“ in Grenzen. :)

  4. Die Idee finde ich sehr gut, den Anspruch „nur“ zehn Fotos täglich zu machen allerdings eher hochgegriffen. Ich versuche mich seit 2010 in „1 Bild/Woche“ und selbst dies klappt leider nicht immer (bin aber auch nicht Berufsfotograf).

  5. Also ich finde Deine Fotos in letzter Zeit total spannend. Ich mag diese Alltagsbeobachtungen. Klar sind die Fotobildbände mit den Bildern von allen Orten dieser Welt faszinierend, aber da weiß ich immer gleich: das bekomme ich nie vor die Linse. Das ist mir oft zu weit weg. Die guten Dinge liegen oft so nah.
    Ich persönlich habe da momentan noch zu große Scheu überall zu fotografieren. Kaum rennt man mit einer etwas größeren Kamera rum, wird man gleich angequatscht, was man denn da macht.
    Vielleicht, mit etwas mehr fotografischer Routine, wage ich sowas auch mal.

  6. Dieser Artikel spricht auch mir aus der Seele. Und wie @Oberlehrer versuche ich es wenigstens 1 x die Woche – mit eher mäßigem Erfolg.

    Neulich dachte ich mir: Hey, immer dieses perfektionistische Denken, das Streben nach Verbesserung, das macht mich irre. Warum nicht einfach einmal bewusst die nicht schönen, nicht idealen Dinge festhalten? Auch wenn ich zugegebenermaßen sehr in die Ecke „Blümchenfotograf“ gehöre, wurmt es mich viel zu oft sehr, an meinen eigenen Ansprüchen zu scheitern (Landschaftsaufnahmen sowie die Hemmschwelle zu überwinden, Leute zu fotografieren) wie auch nicht den „Mut“ zu haben, Alltägliches festzuhalten.

    Meistens ist es auch so, weil ich ja nur mit Bus und Bahn zur Arbeit unterwegs bin. Eines jedoch ist wichtig: Dranbleiben!

  7. Moin Martin,

    auch eine Art, gegen das ‚Loch‘ vorzugehen. Ich füll meine Lust- und Ideenlosigkeitsphase im Moment mit bewegten Bildern. Komplett anders und doch irgendwie noch nah genug dran. Hilft auch. Irgendwie.

    @ Tanja : Jupp. Direkt vor der Haustür. Und wenn nicht schon gleich da, dann um die Ecke ;-)

    @ Marcel : Wenn Du vom Bildermachen leben willst, dann bleiben diese no-idea-no-feeling-no-want-Zeiten leider nicht aus. Ist wie in jedem anderen Job auch halt eine Durststrecke. Und kreative Durststrecken sind mal so richtig mistig… ;-)

    H

  8. Auch ich kenne das Gefühl, die eigenen Ansprüche werden immer größer, die Bilder müssen immer besser, immer krasser werden. Nur irgendwann merkt man dass man seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird, Frust stellt sich schnell ein.

    Ich persönlich bin von der Idee „jeden Tag 10 Bilder“ jetzt nicht wirklich überzeugt, denn es würde in mir schnell ein Gefühl von Zwang erzeugen. Zwang, jeden Tag unbedingt überhaupt zu fotografieren und dann mind. diese 10 Bilder.
    Ich ertappe mich selbst oft genug dass ich bei „kreativen Flauten“ dennoch versuche mich selbst irgendwie zum fotografieren zu zwingen, hinterher hab ich dann nicht mal die Kamera aus der Tasche geholt und komme frustriert mit Null Bildern nach Hause.

    Besser ist es, bei solchen Flauten die Kamera einfach mal liegen zu lassen, Abstand zu gewinnen. Dann kucke ich mich gerne in diversen Fotogalerien um und sehr schnell steigt mit der gewinnenden Inspiration auch die Lust aufs Foto. Entsprechend besser werden ab diesem Moment auch wieder die Bilder.

    Kleine fotografische Herausforderungen um die eigene Kreativität anzuspornen stelle ich mir allerdings dann doch sehr gerne, sei es z.b. mit Fotografieren innerhalb einer vorgegebenen Zeit, oder dem Einsatz ausschließlich nur einer Festbrennweite.

  9. Interessanter Artikel, ich finde auch gerade als Anfänger fühlt man sich oft auch von diesem Druck immer besser werden zu wollen/müssen oft erschlagen…und erschlagen hat bei mir immer die Auswirkung das ich dann nicht mehr kann. So nach dem Motto dann laß ichs lieber gleich.
    Letztens hatte ich auch noch den Gedanken….wow schon fast ein Jahr rum und du trittst (für meine Begriffe) immer noch an der mehr oder weniger selben Stelle. Und schwupps baut sich wieder druck auf…..

    Eigentlich gerade im Hobby Bereich sollte es doch NUR um den eigenen Spaß an der Sache an den eigenen Bildern gehen aber das ist oft leichter gesagt als getan.

  10. Schön dass Du das Motivationsproblem so gelöst hast, nach dem Motto „einfach mal anfangen“ oder „der Appetit kommt beim Essen“. Ich nehme mir auch immer fürs Wochenende mords die Sessions vor mit viel Vorbereitung und meistens wird nichts drauß wegen dem von mir selbst aufgebauten inneren Druck den Burner zu produzieren oder wegen dem ausufernden Zeitvorgaben…
    Allerdings will ich auch nicht einfach konzeptlos losziehen udn knipsen. Ich muss da irgendwie noch die richtige Mischung für mich finden…

    VG Martin

  11. Schöner Ansatz, ich habe vor kurzem selbst Versucht dieses „Problem“ zu analysieren. Meine Gedanken von vor vier Tagen:

    „…Viel mehr versuche ich, etwas aktiv zu tun, ohne dabei ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Und dabei den Prozess der Tat als das Ziel zu sehen. Etwas zu machen nur um zu machen. Bei den meisten Dingen, die wir tun, verfolgen wir doch immer einen Zweck. Wir wollen etwas greifbar machen und unser Bemühen belohnen. Dadurch verlernt man aber zu betrachten, zu lauschen, sich auch einmal umzudrehen, nach oben zu schauen, zu riechen und zu fühlen. Die Ketten einmal abzustreifen und wie ein Kind, die Welt als wertfrei zu betrachten, ganz so wie die Motive die man fotografiert… .“

    Aber wie man es auch dreht und wendet. Eine Änderung kann man in keinem Fall erzwingen. Aber: Wer etwas will findet Wege, wer etwas nicht will findet Gründe. Und du scheinst deinen Weg gefunden zu haben. ;-)

  12. ich habe mir erst vor kurzem eine dslr kamera angeschafft(davor analog und mit einer alten kompakten) und hab mir die ersten 2-3 wochen auch sehr großen druck gemacht,da man ja nun die entsprechende technik besitzt um die ideen umzusetzen die man hat.
    die bilder die man dann bei flickr und auf diversen blogs sieht tun ihr übriges damit man sich ständig sagt „los komm schon!das muss doch was werden!andere schaffen es doch auch!“ usw.
    mitlerweile versuche ich aber nicht mehr mich darauf zu konzentrieren unbedingt so gut wie andere oder wie beim letzten mal zu sein,sondern die kamera einfach so oft wie möglich dabei zu haben und spontan zu handeln.
    auf eine anzahl an bildern lege ich mich dabei nicht fest…manchmal sind es nur 10-15 stück,manchmal aber auch 30 oder mehr…je nachdem wie gut ich drinne bin und wieviel die location/das motiv hergibt.

  13. Ich stecke gerade mitten drin in diesem Loch, dabei habe ich es noch gar nicht zum „derbsten Landschaftfoto bei idealstem Wetter mit dem krassesten Himmel“ gebracht. Liegt wohl daran, dass man im „Kind-Teilzeitarbeit-Haus-Garten-Ehemann-noch andere Hobbies“-Leben es meist nicht einmal beim idealsten Wetter bis zur derbsten Landschaft schafft. Noch weiss ich nicht, wie ich aus dem Loch herauskomme, ich bin weit davon entfernt 10 Fotos pro Tag zu schaffen. *lacht* Naja, ich mache mir keinen Druck, irgendwann komme auch ich aus diesem Loch und schaffe dann auch wieder ein für meine Ansprüche zufriedenstellendes Foto. Ich denke, dieses Problem kennt jeder Fotograf, ob Profi oder Anfänger! LG Frau Zausel

  14. Ich spiel jetzt mal den Advocatus Diaboli , denn eigentlich geht’s hier gar nicht um Fotografie.
    Vieles von dem was du schreibst, kennen wir alle. Man dreht sich im eigenen Saft, die Ergebnisse befriedigen nicht mehr – im Gegenteil, sie werden schlechter, belangloser und verzweifelt wird nach einer „Form“ gesucht. Der Flow ist weg, was früher Spass machte und leicht von der Hand ging, funktioniert nicht mehr – alles wird in Frage gestellt. Du hast dich dafür entschieden, Halt im Formalen zu suchen. Strenge Vorgaben, die du dir selber gibst erleichtern die Entscheidung, gleichzeitig limitieren sie dich aber auch. Sind das wirklich die Bilder, die du machen möchtest? Hast du dir dein Bild mit dem Spiegel einmal genau angeschaut? Eine schwarz gekleidete Person, die mit Kamera und Händen ihr Gesicht verdeckt, fotografiert ihr Spiegelbild. Ich bin leicht beunruhigt.
    Du schreibst von „guten Bildern“. Ist das die Lösung, den eigenen Anspruch herunter zu fahren? Bringen dich diese Fotos zum Jubeln? Ist es das, was du wirklich möchtest? Ich plädiere für „krasse Landschaftsfotos mit derbem Himmel“! (Was immer das auch sein mag ;-)) Man kann sein Leben lang Fiat fahren, wenn mal aber einmal Ferrari gefahren ist, will man einfach keinen Fiat mehr. Und meiner Meinung nach bist du ein „Ferrari“. Finde Klarheit, überlege dir, was du wirklich möchtest, hol dir Motivation von aussen und lass halt die Kamera mal zuhause, wenn dir nicht zum Fotografieren zumute ist. Schau zu dir selbst und gib auf dich acht – die Bilder „kommen dann wieder von alleine“.

  15. Für mich hat deine Idee noch einen anderen Aspekt. Auch ich bin Hobbyfotograf. 10 Fotos pro Tag klingt richtig viel für mich. Es wird mich jedoch dazu zwingen andere Blickwinkel zu suchen um nicht immer das gleiche vor der Linse zu haben. Ich werde mir erst mal einen Monat vornehmen. Mal sehen was rauskommt.

  16. Hallo Martin,

    ich kann dich gut verstehen. Ich habe die lezten drei Jahre praktisch nur cleane Studioaufnahmen gemacht und bin dann auch an einen Punkt angelangt, wo mir mein Hobby keinen Spass mehr gemacht hat.

    Ich laufe jetzt auch viel lieber mit meiner kleinen Digiknipse herum und fotografiere „einfach“ drauf los. Ganz ohne Zwang und Druck … einfach das was mir gefällt. Die Fotos die mich dann am meisten Ansprechen werden noch einwenig in Photoshop aufgehübscht und dann geht es ab auf meinen Tumblr-Account: http://marcoschnitzler.tumblr.com/

    Und mir geht es wie dir, im Augenblick macht mir die Fotografie wieder richtig Spass. Weg weg zum Unperfekten war für mich das entscheidende.

    LG Marco

  17. @ Martin

    10 Fotos/Tag? Respekt! Ich hab es im letzten Jahr mal mit 1 Foto/Tag versucht. Aber irgendwann wurde es mir dann zu viel jeden Tag ein Bild machen zu MÜSSEN.
    Dazu kam dann irgendwie noch der eigene Druck ja auch ein supertolles Foto schießen zu müssen und der Spaß blieb dabei einfach auf der Strecke.
    Nun sind es vielleicht so 4-5 Bilder/Woche.

    Meine Kamera gehört ja mittlerweile nicht mehr zur Gattung „paßt in die Handtasche“ und dann bleibt sie halt zu Hause weil….leicht is sie ja auch nicht gerade (wollte meiner Tochter sogar schon meine alte PowerShot wieder abluchsen, die kann ich wenigstens einfach mal so überall hin mitnehmen).

    Eine tragbare Telefonzelle hab ich ja noch nicht.

    • Hihi, das mit der Powershot kenn‘ ich gut ;) Wenn man mal soweit ist, kommen die kleinen Kompaktknipsen wieder in Mode, gell – kann auch sehr angenehm sein, weil die so klein und handlich sind…

  18. Eigene Regeln auferlegen hat schon immer geklappt, bis auf im Studium, da musste ich mir dann andere „Motivatoren“ überlegen…. ;-)

    In der Fotografie kann ich mir gut vorstellen mich für einen bestimmten Zeitraum auf ein bestimmtes Equipment festzulegen: So wie es viele Fotografen bereits im Selbstversuch bestätigen, dass die Begrenzung auf nur eine 50mm Festbrennweite sehr effektiv ist.

    Solche Projekte stehen ebenso wie das aufsuchen bestimmter Orte auf meiner fotografischen ToDo Liste…

    Und was ich mir persönliche vornehme, setze ich auch um solange ich Spaß daran finde. Fotografie ist für mich SPASS PUR…. ;-)

    Liebe Grüße
    Sascha

  19. Das ist der Punkt an den jeder kommt, der mehr möchte als nur Fotografie um ihrer selbst willen. Wahlloses „rumknipsen“ auf alles was bei 3 nicht auf dem Baum ist und Motive die „trashig“ und „angesagt“ sind, sollten schnell langweilig werden. Da hilft auch kein Photoshop und Konsorten, denn den Bildern fehlt dein Bauch.

    Für mich sieht das aus, als ob du dich in der ersten Phase befindest, dem „Loslösen“ vom Klischee. Die zweite Phase wird aber die Interessantere, denn dann arbeitest du thematisch und darauf freue ich mich, so wie jeden Morgen, wenn ich mir deinen Blog reinziehe.

  20. Ich habe auch ständig meine Kamera im Rucksack, auf dem Weg von und zur Arbeit, beim Stadtbummel, im Hof, wenn die Kinder spielen… Aber wenn mir nichts fotografierenswertes über den Weg läuft, bleibt die Kamera einfach wo sie ist. Allein das Wissen, sie bei mir zu haben, beruhigt mich. So kann mir keine spontan auftauchende Szene verloren gehen. Mich dem „Druck“ auszusetzen, immer mit einer bestimmten Anzahl Fotos heim zu kommen würe mir nie einfallen. Ich fotografiere nur was mir gefällt. Ich fahre, laufe, wandere und radle mit offenen Augen durch die Gegend. Das genügt mir.
    Was soll ich mit Fotos, die hinterher nur auf der Platte rumliegen? Ich frage mich ohnehin bei jedem Foto: WARUM mache ich gerade JETZT DIESES Foto? Was will ich damit? Mache ich es nur für mich? Für die Presse? Für mein Archiv? Für das aktuelle Projekt? Ich fotografiere also ohnehin sehr bewusst und gezielt.
    Und wenn mal eine kreative Flaute angesagt ist, die kennt doch jeder von uns, dann bleibt die Kamera auch mal daheim oder im Rucksack. Warum auch nicht? Warum gerade dann „krampfhaft“ versuchen Bilder machen zu müssen?
    Umso schneller kommt die Sehnsucht zurück, endlich wieder durch den Sucher zu blicken und wieder auf den Auslöser zu drücken.

  21. auch von mir ein DANKE für diesen beitrag. scheinbar kennen mehr fotografen diese situation, diesen zustand, als man sich vorher selber eingestehen wollte. die jagd nach dem „perfekten bild“ kennt jeder. sie macht die fotografie so spannend, so unberechenbar. doch genau diese jagd kann einen auch in eine sackgasse treiben, in der man sich ordentlich verrennen kann. geht mir irgendwie gerade so. man ist mit nichts mehr zufrieden. so geht stück für stück der spaß verloren.
    dein beitrag tut gut, weil es „schön“ ist mal zu sehen, dass man mit dem problem nicht allein dasteht. er regt an, einige dinge zu ändern und alles wieder etwas entspannter zu sehen. das leben ist so facettenreich. die fotografie auch. und genau diese vielfalt sollte man sich bewahren und auch zulassen. :)

  22. Also Dein Vorhaben klingt prima.

    Ich habe mir auch angewöhnt, die Kamera einfach mitzunehmen, bin viel mit dem Auto unterwegs, und die Kamera liegt fast immer auf dem Rücksitz… Das perfekte Motiv zu „finden“ ist immer sehr schwierig… meistens werden die tollsten Fotos diejenigen, die eher „zufällig“ entstanden sind…

  23. Hallo
    Vorweg, ich bin einer von denen, die in den M-markt gehen und sich ein Standart-Kit kaufen (550d) und Spass damit haben. Natürlich habe ich noch keine Ahnung vom wie was und wo. Aber ich hab ein Auge. Das Foto oben , jenes mit dem Fahrrad. Genau solche Bilder waren der Grund für mich , mehr als nur einfach knipsen zu wollen.
    Ich weiß ,ist ein wenig am Thema vorbei. Aber bin ich hier der einzige , der das Bild einfach toll findet?
    Viele , viele kleine Kunstwerke wie dieses wünsche ich dir noch.

  24. Hi Martin,

    Danke für diesen Beitrag!

    Du hast mir damit so sehr aus der Seele gesprochen, dass ich alles liegen und stehen gelassen habe, mir die Cam schnappte und mal wieder eine Runde gedreht habe.

    Und ich muß sagen: Es hat echt (mal wieder) Spaß gemacht :-)

    Werde ersthaft über deine Idee der 10 Fotos nachdenken …

    @Kai ST: Ich finde das Fahrrad auch toll

    Gruß aus Bayern
    … keep the fire burning :-)