24. März 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Das böse Wort: Nacktbild

Nacktskandal und Nipplegate – in jedem Klatschmagazin werden Nacktbilder als großes Drama beschrieben. Aber nicht nur da. Auch auf vielen Internetseiten und in Zeitungen wird man damit konfrontiert. Das Aktbild einer schwangeren Prominenten sorgte in jeglichen Medien für unglaublichen Wirbel. Aufgemacht werden diese Nachrichten wie alle anderen Artikel über Krieg und Naturgewalten. Das Akt- oder Nacktbild als Katastrophe ist gegenwärtig und in unseren Köpfen verankert.

Sobald ich in Gesprächen erwähne, dass ich Aktfotos mache, formt sich in den Köpfen der Menschen ein Bild. Und dieses Bild kommt wohl in den seltensten Fällen meinen tatsächlichen Fotos nahe. Dafür sorgen die Medien, die für ihre Schlagzeilen den natürlichen, menschlichen Körper als etwas Schmutziges und Schlechtes brauchen.

Das Wort Nacktfoto wird in der Fotografie vermieden. „Fotografen unterscheiden die beiden Begriffe [Akt und Nackt] und legen Wert auf den künstlerischen Anspruch von Aktfotos“, heißt es im Wikipedia-Artikel.

Viele Fotografen versuchen, sich sogar noch weiter abzugrenzen. Auf ihren Homepages liest man Begriffe wie Erotikfotograf oder Fine Art Nude, um hervorzuheben, dass ihre Bilder einen hohen künstlerischen Anspruch haben sollen. Doch löst dies das Problem längst nicht. Es liegt viel tiefer, als dass es sich lediglich durch ein Wortwechsel ändern könnte. Und es ist ja auch paradox, das Wort Nackt als etwas Verbotenes hinzustellen.

Natürlich sind viele Fotos, in denen Nacktheit gezeigt wird, oft eine Gratwanderung zwischen Pornografie und Kunst. Und viel zu viele Bilder bedienen schlicht und einfach rein sexuelle Ansprüche. Aber so nah, wie es überall dargestellt wird, sind sich diese beiden Kategorien längst nicht. Es gibt dazwischen eine unglaublich große Bandbreite an Bildern, in denen der nackte Körper als Kunstobjekt dient, Bilder in denen man nicht im Ansatz an Erotik denkt. Man findet auch viele Fotos, die Kopfkino schaffen, ohne die Würde der gezeigten Person zu verletzen. Aktfotos mit Stil.


Foto: Andrea Hübner

Ich will deshalb dazu aufrufen, diese einfachen Wörter, die überhaupt nichts mit Schund oder Schmutz zu tun haben, zu retten und ihnen ein neues Gesicht zu geben. Oder vielmehr ihnen ihr altes Gesicht wiederzugeben.

Wenn ihr nackte Frauen oder Männer fotografiert, dann schreibt und sagt es auch, ohne neue Wörter zu suchen oder zu erfinden, die dem viel weniger nahe kommen. Wenn ein gutes Aktbild als solches betitelt wird, nimmt man ihm nichts. Die Begriffe Akt und Nackt müssen sich erholen und brauchen Bilder, die zeigen, was sie auch bedeuten können.

Ähnliche Artikel