23. Februar 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Making of: „Fin“ von Heilemania

Vorneweg, ich sehe mich nicht als technisch versierter Fotograf. Vielmehr ist es so, dass ich gerne allerhand Visuelles schaffe, Bildideen umsetze und dazu meist Fotografien als Grundlage benutze. Meine Arbeiten sind folglich nicht als reine Fotografien zu sehen, sondern als eine Mischung aus Collage, Gemälde und Foto. Die digitale Nachbearbeitung übernimmt einen sehr großen Part der ganzen Produktion und der letztendlichen Gesamtwirkung des Werkes.

Adobe Photoshop CS3 ist mein Werkzeug auf Softwareseite. Ich nutze zudem eine Canon EOS 5D Mark II und habe zwei kleine Studioblitze, Richterstudio STAR 250 im Wohnzimmer stehen.

Eine Idee ist der beste Anfang für ein Bild. Ich hab dann sehr schnell einen Stift zur Hand und halte sie fest. Natürlich entstehen viele Dinge auch spontan. Am einfachsten und am besten ist es aber stets, wenn man genau weiß, was man darstellen will.

Eine grobe Skizze hilft, um mir das Endresultat vorstellen zu können und zu wissen, worauf ich hinarbeite. Zusätzlich habe ich gleich noch etwas, um dem Model vorab die Idee zu veranschaulichen. Hier ein Beispiel einer solchen Skizze und dem Endbild dazu.

Wie schon erwähnt, entstehen meine Bilder meist zu einem hohen Prozentsatz in der digitalen Nachbearbeitung. Ich will an einem Beispiel die einzelnen Schritte kurz aufzeigen.

Die Idee zu diesem Bild kam mir, als ich bei einer Freundin ein Stockpferd in der Ecke stehen sah. Ich wollte dieses kindlich verspielte Element mit einem Endzeitszenario vermischen. Schnell war klar das der Pferdekopf etwas morbider sein dürfte und ein passendes Model fiel mir auch gleich ein.

Genügend Rohfotos von diversen Gegenständen und Hintergründe habe ich für Derartiges mittlerweile in meinem Archiv angesammelt.

Dem Model habe ich eine melancholische Haltung und einen trostlosen Blick knapp an der Linse vorbei vorgegeben und mit einem Ventilator etwas Wind ins Haar geblasen. Das Rohfoto des Models:

vorhernachher

Hier die weiteren Rohfotos, die ich für dieses Bild verwendet habe. Teilweise Aufnahmen, die ich im Urlaub (Waldbrand Kroatien) oder in der Umgebung (Abbrucharbeiten Messe Stuttgart) gemacht habe, sowie Gegenstände die ich bei Bekannten entdeckt habe und fotografisch archivieren musste: Schabe, Skelett etc.

Als Erstes habe ich das Model freigestelllt und dazu das Pfadwerkzeug benutzt. Bei den Haaren, je nach Haarfarbe verschiedene Ebenenüberlagerungen und Kanäle (das ist immer sehr individuell). Die Schatten am Boden mussten eingemalt werden und bedrohliche Wolken sind immer gut.

Der Hintergrund musste perspektivisch passen. Ich mache deshalb die Aufnahmen der Hintergründe immer aus verschiedenen Positionen, um später eine Auswahl zu haben. Übrigens: Wenn möglich fotografiere ich die Hintergründe erst nach dem Model, speziell für ein Motiv, dann kann man besser darauf achten.

Die Elemente im Hintergrund arrangierte ich um das Hauptmotiv und habe dabei versucht, nie die Gesamtwirkung aus den Augen zu verlieren.

Das Outfit war mir jetzt zu schlicht und zu clean für die Umgebung. Also habe ich das Skelett freigestellt und drübergelegt. Mit dem Verflüssigen-Werkzeug bei Photoshop ließen sich die Formen dann noch aufeinander anpassen.

Beim rechten Bild wurde der Kontrast verstärkt. Die Farben habe ich angepasst.

Und noch einmal habe ich ein paar Details eingebaut und das Makeup verstärkt, damit das Ganze etwas düsterer wird.

Mittlerweile haben sich in Photoshop über 50 Ebenen ergeben. Nun habe ich alles auf eine Ebene reduziert und gehofft, dass ich nichts mehr hin und herschieben will. Danach habe ich die Kanten vom Freistellen geglättet.

Zum Schluss schraube ich immer noch an den Farben herum. Das ist oft auch ein Testen von verschiedenen Variationen, bis mir das Endergebnis gefällt.

Und fertig. „FIN“ Ist auch der Titel des Bildes.

Jedes Bild geht einen etwas anderen Weg in der Nachbearbeitung. Das hängt immer vom Motiv ab und inwiefern die verwendeten Elemente im Archiv vorhanden sind oder speziell für das Motiv fotografiert werden können. Der Zeitaufwand für eine derartige Montage ist auch schwer dingfest zu machen. Für das obige Bild wird es wohl alles in allem so 10 Stunden gewesen sein.

Wer mehr derartige Werke von mir sehen will, kann sich gerne auf meiner Homepage umschauen oder mein Buch „Laugh, cry and scream“ mit über 130 Bildern ergattern.

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13 Kommentare

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  1. Sehr stark!

    Ich wollte schon immer einmal einen kleinen Einblick in deinen Workflow haben da ich deine Arbeiten schon seit längerem verfolge. Auch wenn viele ziemlich krank sind :)
    Aber dein Stil sticht auf jeden Fall heraus und macht Lust auf mehr!

    Gruß
    Matthias