13. Februar 2011 Lesezeit: ~8 Minuten

Im Gespräch mit Sven Schwalm von Nujolie

Das Projekt Nujolie fasziniert mich schon eine Weile, denn die erotischen Fotografien der Seite bestechen durch ihre Natürlichkeit und Ästhetik. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als mir Sven Schwalm ein Interview zusagte.

Woher kommt der Name „Nujolie“?

Der Name stammt aus dem Französischen. „Nu“ bedeutet nackt und „jolie“ schön/entzückend. Da wir die blumige französische Sprache als ideal ansahen, um unsere Bildsprache zu verbalisieren, haben wir uns für die Kombination der beiden Worte entschieden.


Auf eurer Homepage schreibt ihr, euer Ziel ist es „der erotischen Photographie die Würde und die Schönheit zurückzugeben, die sie im Zeitalter von Digitalkameras und Internet zunehmend verloren hat.“ Ihr arbeitet selbst mit digitalen Kameras und präsentiert eure Bilder im Internet. Was unterscheidet euch von den anderen Erotik-Fotografen?

Sucht man im Internet nach Bildern mit erotischem Inhalt, stößt man auf ein sehr breites Angebot. Auf der einen Seite finden sich reichlich Aktbilder rein sexueller Natur, in denen die Modelle auf gewisse Körperteile reduziert werden. Am anderen Ende findet sich die klassische Schwarz/weiß-Fotografie, welche einen hohen künstlerischen Anspruch hat, jedoch Geometrie und Form der Körper und des Lichts in den Vordergrund stellt.

Dazwischen klafft eine nicht unerhebliche Lücke, die wir mit unserer Interpretation erotischer Fotografie füllen möchten.

Der Denkansatz für jedes Shooting ist das Modell selbst, dessen Ausstrahlung, Natürlichkeit und Typ. Diese Zutaten stellen wir in den Vordergrund erdenken uns eine Szenerie oder Situation und transportieren so die sinnliche Erotik, wie wir sie gerne sehen.

Eure Modelle haben wirklich immer eine sehr natürliche Ausstrahlung. Wo findet ihr all die schönen Frauen?

Einige Modelle kommen von professionellen Modellagenturen oder auch aus dem Bekanntenkreis. Den überwiegenden Anteil finden wir jedoch im Internet. Die meisten unserer Fotografen sind aktive Mitglieder in diversen Online-Communities rund um Fotografie und dort findet sich auch ein recht breites Spektrum an Modellen. Allerdings ist das oft wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, bis man jemanden findet, der überzeugt und zu uns passt. Interessierte können sich gerne an casting@nujolie.com wenden.

Wird es eventuell auch einmal Männer auf Nujolie zu sehen geben?

Wir hatten bereits erste Shootings mit Männern und arbeiten uns gerade in die Materie ein. Allerdings haben wir auch bei den Frauen länger gebraucht, um zu sehen, wie eine 100-Bilder-Strecke funktioniert und schön aussieht. Leider lassen sich diese Erfahrungen nicht 1:1 auf Männer übertragen, da Männerkörper ganz anders strukturiert sind und ihre Wirkung auf Fotos anders funktioniert.

Die Fotografin Sandra Ludewig, die wir für unser Netzwerk gewinnen konnten, bringt da reichlich Erfahrung mit, was sie zu einer wertvollen Ergänzung macht. Männer, die sich vorstellen können, für uns Modell zu stehen können sich selbstverständlich auch an uns wenden!

Pro Set kann man 4 Bilder frei ansehen. Der Rest, bestehend aus 60 -120 Bildern, ist für ca. 10 Euro als Download erhältlich. Im Verhältnis zum Aufwand eines Shootings ist das sehr günstig, oder?

Das liegt an unserer internen Preispolitik. Wir arbeiten auf einer Basis, die für Modelle wie Fotografen sehr fair ist, denn alle werden am Umsatz beteiligt, anstatt einen einmaligen Beitrag für das Shooting zu kassieren. So kommen zwar zunächst nur kleine Beträge zusammen, doch auf längere Sicht gesehen lohnt sich das.

Unsere Hauptmotivation ist es nach wie vor, schöne Bilder zu machen, nicht Umsatz und Gewinn um jeden Preis zu maximieren. Wir verstehen uns als eine Plattform, auf der Fotografen und Modelle ihre Arbeiten anbieten können. Primär geht es um eine gewisse Form der Ästhetik und in unseren Augen gute Bilder.

Wie läuft ein Shooting bei euch ab?

Wenn Fotograf und Modell sich bereits kennen, ist es natürlich einfacher, denn man ist schon etwas aufeinander eingestellt und weiß ungefähr, was einen erwartet. Das sprichwörtliche Eis muss nicht mehr gebrochen werden.

Grundsätzlich läuft ein Shooting ziemlich entspannt ab. Man trinkt zusammen einen Kaffee, schaut was für eine Location und welche Kleidung zur Verfügung stehen und dann wird losgelegt. Wir versuchen Stimmungen zu transportieren und diese müssen wir dann selbstverständlich auch erzeugen.

Und welche Locations nutzt ihr?

Ich fotografiere viel bei mir und dekoriere oft um: neue Tapete, neue Vorhänge, neue Möbel. Ansonsten fotografiere ich mich auch durch die Wohnungen von Freunden, oder auch gerne bei den Modellen zu Hause.
Studios versuche ich zu vermeiden, weil die Atmosphäre dort gleich eine andere ist – eine, die ich nicht mag.

Arbeitest du nur mit natürlichem Licht oder auch mit Blitz?

Ich versuche, so viel wie möglich aus dem Tageslicht herauszuholen, da das am natürlichsten wirkt. Da ich in Hamburg lebe, ist das aber nicht ganz so einfach, da hier gerade im Winter die Sonnentage rar sind. Wenn das natürliche Licht nicht ausreicht, dann muss ich ab und zu auf Kunstlicht und Blitz ausweichen. Dabei versuche ich allerdings, Tageslicht zu simulieren.

Einige eurer Bilder wirken nicht sehr digital. Arbeitet ihr auch mit analogen Kameras?

Teils, teils. Juri arbeitet überwiegend analog. Ich selbst komme auch aus der analogen Ecke und habe mich so lange wie möglich gegen das Digitale gewehrt, weil mir bei den meisten digitalen Sachen die Ästhetik nicht gefallen hat. Ich habe lange vor dem Rechner gesessen, um aus den digitalen Daten Bilder zu machen, die mir gefallen. Seitdem finde ich digital toll. Das Projekt wäre analog auch gar nicht möglich gewesen. Das hätte kein Mensch bezahlen können.

Wer steht alles hinter dem Projekt und wie habt ihr euch gefunden?

Gegründet wurde Nujolie von Christoph Meyer-Eisenarm und mir.
Nachdem wir uns in einem Zeitraum von 5 Jahren zum dritten Mal, immer unter anderen Pseudonymen in verschiedenen Communitys kennenlernten, fanden wir heraus, dass hinter den verschiedenen Pseudonymen jeweils die selbe Person steckte. Da musste ich Christoph einfach kennenlernen. Er dachte da ganz ähnlich und stand noch am selben Tag vor meiner Tür. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt, bis die Idee zu Nujolie geboren war.

Mittlerweile sind wir fünfeinhalb feste Fotografen. Neben mir und Christoph Meier Eisenarm noch Juri, Tobias Lang, Phellipe Matisse und Sandra für die Männer. Dazu kommen noch zwei bis drei Talente, die ab und zu für uns fotografieren und unter Pseudonymen arbeiten.


Von den Anfängen Nujolies bis heute – haben sich die Bilder verändert?

Man denkt immer, dass die neuesten Sachen die Tollsten sind. Vor Kurzem wollte ich aber ein paar Sachen auf dem Server löschen, um Platz zu schaffen, doch das fiel mir extrem schwer. Die alten Sachen haben genauso ihre Berechtigung wie die aktuellen. Bei den neuen Sets werden es tendenziell mehr Bilder, die schön sind, weshalb auch die Galerien immer größer werden. Man hat weniger Ausschuss. Aber ob die Qualität sich gesteigert hat, kann man so nicht sagen.

Es hat sich alles gut entwickelt. Zwischen Kopfkino und Pornografie ist ein schmaler Grat. Das auszuloten – wie nackt darf es sein und wann ist es zu nackt? – war gar nicht so einfach. Es hat schon eine Weile gedauert, bis wir wussten, was wir wollen und was nicht.

Vielen Dank für das Gespräch, Sven!

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