24. Januar 2011 Lesezeit: ~5 Minuten

Ein dickes Fell

Es ist wohl wieder an der Zeit, dass auch aus meiner Feder hier ein paar Gedanken Raum finden. Sie entspringen eigenen Erfahrungen und dem Bedürfnis, dieses Gedankenkonstrukt mitzuteilen. Dabei handelt es sich nicht um Tiere, nur deren Kleidung, zumindest bei manchen. Letztere haben ein dickes Fell. Das schützt sie vor Kälte und hält ihren Körper auch in der kalten Jahreszeit mollig warm.

Wir leben in einer Zeit, in der junge Fotografen viel von den älteren lernen. Mit „alt“ beziehe ich mich selbstverständlich nicht auf Lebensalter, sondern deren Kompetenz. Sie lesen Blogs, zeigen ihre Fotos auf diversen Platt-For(m)en und lassen sich korrigieren.

Das hiesige Forum hat auch eine Kategorie „Bildvorstellung“ – Zweck der Sache ist, wie das Wort schon sagt, ein selbst erstelltes Foto zu zeigen und dann (im besten Falle konstruktiv) kritisiert zu werden – was natürlich auch Lob beinhaltet. Solche Kategorien/Orte gibt es überall im Netz verteilt.

So lernen junge Fotografen schnell dazu und bekommen klar und direkt gesagt, was andere davon halten. Soweit, so gut. Doch eines möchte ich Leuten, die schon einwenig fotografieren und erste Erfahrungen gesammelt haben mitteilen:

Legt Euch ein dickes Fell zu und macht mal Euer Ding. Scheisst mal eine ganze Weile auf das, wie Hanswurst Euer Foto findet. Sagen wir mal, ein halbes Jahr oder so. Auf keine Kritik hören. Einen sogenannten „feuchten Kehricht“ drum scheren.

Denn es wird immer jemanden geben, der irgendwas an Euren Fotos doof findet. Glaubt’s mir, immer. Doch ist es das Ziel, dass alle zufrieden sind und keiner mehr meckert? Sicherlich nicht. Manchmal sogar das Gegenteil.

Ihr glaubt nicht, wie viel Leute sich bei mir schon beschwert haben, weil ich Fotos gemacht habe, die ihnen nicht in den Kram passten. Es wäre eine Unverschämtheit, dass ich es wagen würde, so etwas der großen Allgemeinheit zu präsentieren. Manche entwickeln daraus einen regelrechten Hass (was deren Problem ist und nicht meins), der Nächste regt sich sonderbar & herrlich süß darüber auf. Auf Facebook, Flickr oder gar anderen Blogs. Oder gar per Mail. Manchmal sogar täglich. Interessant, nicht war?

Und wisst ihr was? I just don’t give a shit. Denn es ist nicht mein Ziel, mit meinen freien Arbeiten möglichst vielen Leuten zu gefallen. Solange ich Fotos mache, die kein Job sind, kann ich voll und ganz darauf setzen, was ich machen möchte. Bei einer Hochzeit als Auftrag ist das etwas anderes, aber darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen.

Wie gesagt, ich möchte nicht äussern, dass wir von anderen nicht lernen können oder sollen. Bitte nicht falsch verstehen. Würde ich diese Meinung teilen, könnten wir getrost hier dicht machen.

Aber manchmal gibt es einen Punkt (und wann das ist, muss jeder für sich entscheiden – die Technik sollte man aber schon beherrschen), da muss man beginnen, auf eigenen Beinen zu stehen und sein eigenes Ding zu machen. Komme wer oder was wolle.

Vielleicht würde sich etwas verändern. Wer weiss. Zu Beginn wäre es vielleicht so, wie das erste Mal Autofahren, nachdem man seinen Führerschein erhalten hat. Ständig schaut man nach rechts auf den Beifahrersitz und wartet auf den weisen Kommentar des Fahrlehrers. Der bleibt aber aus. Denn fahren lernt man „nach der Fahrschule“.

Ihr könnt es ja auch einfach mal als ein kleines Projekt, einen Versuch machen. Überlegt Euch, was ihr gerne fotografieren wollt und schaut, wie sich das Ding entwickelt. Fragt nicht nach Feedback, macht einfach. Fotos online stellen? Klar! Wir wollen ja nicht den Teufel an die Wand malen.

Aber sobald jemand meint, etwas kritisieren zu müssen, hört zu, denkt drüber nach und geht Euren Weg weiter. Ich bin kein Fan von großartigen Prognosen – aber vielleicht uns das einen kleinen Schritt näher an die Sache, die sich „eigener Stil“ nennt. Und kurz: Ich sage nicht, dass ich meinen Stil schon gefunden habe. Ich habe viel Zeit dafür eingeplant, und lernen werde ich mein ganzes Leben lang.

Ihr habt Lust, völlig unterbelichtete Bilder von alltäglichen Dingen zu machen? Go for it! Leute mit Kopfstand auf einem Hügel fotografieren? Go for it! Sonnenuntergänge mit schiefem Horizont und komisch bunten Verläufen drin? Auf geht’s! Oder vielleicht Portraits machen und immer den Kopf abschneiden, dazu noch unscharf? Jepp. Ihr habt Lust auf eine Serie Schwarzweisspanoramen, verkehrt herum? Do it. Oder es wäre Euch genehm, mal eine Portraitserie aller Familienmitglieder bei gleichem Licht zu machen, bei denen alle die Augen verschlossen haben? Machen. Nicht fragen, machen.

Und das dicke Fell, das wächst mit der Zeit, keine Sorge ;)

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58 Kommentare

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  1. „Legt Euch ein dickes Fell zu und macht mal Euer Ding“ Der beste Satz den ich seit langen im Bezug auf FOTOGRAFIE gelesen habe!!

    SPITZEN Beitrag kann ich da nur sagen.

    Und das werde ich ab SOFORT beherzigen:

    „Ihr habt Lust,……….. Machen. Nicht fragen, machen!!“

    Gruß Fabian

  2. Tja,

    was soll ich sagen: ich sehe dass alles mittlerweile auch mit ein wenig Ironie. Wichtig ist primär dass es mir gefällt da ich auch für mich selber shoote. Was anderes sind Kundenwünsche, da muss es natürlich dem angeforderten Profil entsprechen.

  3. Hallo Martin,

    dein Artikel trifft es, meiner bescheiden Meinung nach, auf den Punkt. Wenn man sich immer nur nach den Kritiken der Anderen richtet, wie soll man da einen eigenen Stil entwickeln?
    Ich selbst fotografiere seit noch nicht all zu langer Zeit und lasse mir gerne von den „Alten“ ;-) Ratschläge geben, wie ich das Bild hätte besser gestalten oder aufbauen können. Doch eins ist mir wichtiger als die Meinung anderer: das Bild muss mir gefallen. Das ist und sollte immer im Vordergrund stehen, es sei den es ist, wie du schon gesagt hast, eine Auftragsarbeit.

    Frohes Knipsen ;)
    Christian

    • Christian, warum ‚deiner bescheidenen Meinung nach‘..? Du darfst deine Meinung ruhig ganz unbescheiden mindestens genauso wichtig nehmen wie jede andere Meinung! :) Denn das ist der erste Schritt, sich selbst endlich mal ernst zu nehmen und ’sein eigenes Ding‘ zu machen.

      Viel Erfolg übrigens für deinen Blog…bin mal gespannt.

      Gruß
      Dirk

  4. Da erkenne ich meine Einstellung :-)

    Allerdings muss man auch sagen dürfen, wenn einem etwas nicht gefällt und es gibt, mit Verlaub, auch wirklich Sachen, die einfach … naja scheiße sind …
    Wenn jemand Musik macht und falsch spielt, sagt auch selten jemand, dass es interessant wäre …

    • Hallo Markus, müssen denn solche Kommentare sein?
      Auszug aus einer Foto Community:

      „********, 22.01.2011 um 20:54 Uhr
      Heute sind nur Kotzvorlagen zu sehen ?

      ********, 22.01.2011 um 18:14 Uhr
      Schrott …

      ********, 22.01.2011 um 22:28 Uhr
      Ybelst!!

      ********, gestern um 3:01 Uhr
      unbesonders. contra

      ********, gestern um 17:49 Uhr
      für colour-key kommt man in die fotografen-hölle!“

      Und was heißt?
      „die einfach … naja scheiße sind …“

      wer entscheidet denn was sch…. ist?
      Sicherlich gefällt mir nicht alles aber muss es denn dann gleich Sche…. sein?

    • „Wenn jemand Musik macht und falsch spielt, sagt auch selten jemand, dass es interessant wäre …“
      Durch Leute, die keine Ahnung hatten, wie sie mit ihren Instrumenten „richtig“ umgehen, ist Mitte der 70er eine eigene Musikrichtung entstanden…

  5. Ich fotografiere Frauen gerne von einer erhöhten Position und mit Weitwinkel, damit die Augen besonders groß werden. Mich hat mal jemand gefragt, ob das denn das Einzige sei, was ich könnte, oder ob das meine Einzige Idee ist. Als ich dann sagte, dass ich das mache, weil ich das schön finde, wurde ich nur entsetzt angeguckt und mir wurde mit viel Drumherum erklärt, warum es absolut ungünstig ist Menschen so zu portraitieren.

    Die Moral von der Geschichte? Findet ihr oben in Martins Beitrag, den ich sehr gut gelungen finde!

  6. Hey, den Artikel finde ich richtig gut! Mir ist das auch schon so oft passiert, daß ich total zufrieden mein Werk beschaut hab und dann ein „Das ist mir irgendwie zu nichtssagend“ oder ähnliches vor den Latz geknallt bekommen hab. Leider zieh ich mir den Schuh zu oft an.
    Aber es ist letztendlich alles Ansichts- und Geschmackssache.

    P.S. Deine SW-Streetfotografie finde ich klasse!

  7. Überlegungen mit viel Wahrheitsgehalt. Das Problem mit den Foren (oder dem Internet im Allgemeinen) ist die Anonymität. Ohne die Mimik und den Augenkontakt geht die Intonation der Aussage (e.g. auch Ironie usw.) verloren während deren Drastik steigt. Außerdem gibt es in der großen, weiten Welt des Netzes immer einen Hanswurst der es besser weiß.

    Deswegen, auch mal Bilder ausdrucken und Laien zeigen!

  8. Kann ich so unterschreiben.

    Ich habe ein paar Vertraute denen ich meine Fotos zeige und deren Kritik ich auch schätze. Und seit dem ich nicht mehr den Anspruch habe dass meine Fotos allen gefallen müssen kriege ich komischerweise viel mehr Feedback. Auch von anderen, mit denen ich sonst nix am Hut habe.

    Marc

  9. Bin da ganz Deiner Meinung. Jeder sollte seinen eigenen Weg gehen und sich nicht darum scheren, was die anderen von einem bzw. den Fotoarbeiten denken. Denn die wo ständig nur kritisieren. ohne einen Funken an Lob und/oder Annerkennung sind meistens nur die Neider. Und Neid muss man sich erst erarbeiten. „Rumstänkern“ kann man immer, aber selber was hinzubekommen schaffen die wenigsten.

    Mein Motto ist auch: „Sein Ding machen und sich nicht aus dem Konzept bringen lassen“

    so long Oliver

  10. Hallelujah!

    Das hat gutgetan. Echt gut. Und es ist absolut wahr, als Fotograf oder als Künstler allgemein muss man sich halbwegs abschotten von Hinz` und Kunzes Meinung, sonst bekommt man gar nüscht mehr gebacken. Sonst kann man es auch gleich sein lassen.

    Und das gilt eigentlich für alles im Leben. Man kann es nicht jedem recht machen.

    In diesem Sinne! :)
    Jana

  11. Seh ich genauso. Einiges in der Kritik ist nützlich für meinen „Stil“, oder Entwicklungsgrad; anderes nicht und manchmal wollen einem andere Ihren Stil aufzwingen, oder würden es einfach anders machen.
    7 Milliarden Menschen sind wir mittlerweile; ein Menschenleben reicht nicht aus, um es allen recht zu machen… also viel spass beim knipsen und Fell aufbauen. :-)

    btw: es gibt an sich kein besser, oder schlechter, sondern nur anders.

  12. Ich finde den Artikel hervorragend. Ist für mich gerade ein sehr interessantes Thema – „der eigene Stil“.

    Hier würde vllt noch ein Zitat meines guten finnischen Freundes, der ebenfalls ein Fotograf ist, hinein passen.

    „There are no good or bad artists. There is only art.“

  13. Deine Worte machen Mut, spornen an, lassen einen kreativ sein und/oder werden. Du hast 100%ig recht!!!
    Es freut mich riesig, dass Du mal wieder ausgesprochen hast, was sehr viele (siehe andere comments) genau so denken und fühlen.
    Lieben Gruss-moni

  14. „Was fällt dir eigentlich ein, so einen Artikel zu schreiben und darin die Leute noch zu ermutigen, dass sie fotografieren sollen wie sie wollen – Köpfe abschneiden und so – Pff“ – so, oder so ähnlich könnte sich ein Kommentar von jemanden Lesen, der selbst scheinbar NICHT mit Kritik umgehen kann und dem entsprechend auch schlechte bzw. destruktive Kritiken schreibt (davon gibt es ohnehin zu viele).

    Toller Artikel, macht Mut zur Lücke und motiviert, die „festen“ Regeln zu brechen – Du sprichst vielen aus der Seele!

  15. Sehr ich auch anders. Wer seine Fotos ins Internet stellt, muss damit rechnen, das dass Feedback nicht unbedingt positiv ausfällt.
    Wer das nicht will, sollte seine Fotos nur seinen besten Freunden zeigen oder zumindest die Kommentarfunktion im Blog deaktiveren.
    Meiner Erfahrung nach ist das ohnehin nur ein Problem der Fotografen, die entweder unsicher sind mit dem, was sie da produzieren oder eben von Amateuren. Wer eine Fotografenausbildung hinter sich hat oder Architektur, Kunst oder ähnliches studiert hat, wird wissen was ich meine ;-)
    Man wird bewusst durch die Hölle des Totalverisses (eines Professors) geschickt.
    All die anderen dürfen sich auf Flickr solche rosa Wölkchen wie „Great colors“, „love this one — nice light..“ oder „so great“ zuwerfen.

  16. Toller Artikel, wie ich finde!
    Meiner Meinung nach, ist es so, wenn mir mein eigenes Bild gefällt, und ich bin immer sehr kritisch, weil mir gefallen kaum welche meiner Bilder,dann weiß ich, ich hab das jetzt toll gemacht.. wenn es mir nicht gefällt, kann ich ja selbst überlegen was mir daran nicht passt.. und brauch nicht andere Fragen die wieder irgendwelche Meinungen haben, weil sie ein Bild nur durch Schema F durchlaufen.. schaun obs richtig Belichtet ist, ob dieser und jener Horizont wohl grade ist, und ob wohl genug Kontrast hier und dort ist..

    Danke für diesen Artiekl

  17. Sehr guter Beitrag, ich bin im Moment gerade in einer solchen Phase, wo ich einfach nur das mache was mir gefällt und auch wenn mir sogar mein eigener Vater gesagt hat, dass ich ihm meine Bilder nicht mehr zeigen soll, ist das schon ziemlich hart. Mitlerweile hat er seine Einstellung geändert, weil ihm ein guter Freund erklärt hat worum es mir mit den Bildern geht und nicht genug, er empfiehlt sogar seinen Freunden doch mal meinen Flickr-account zu besichtigen. Hat mich echt aufgestellt.
    Aber auch in harten Zeiten ja nicht aufgeben, ist mein Motto.

    Für die, die es interessiert, ich habe ein 365 Tage Selbstportraitprojekt gestarted.

  18. Danke für diesen Artikel Martin, es beeindruckt mich wie du treffende Worte für Dinge findest, die schwer zu beschreiben sind.
    Ich denke, insbesondere wenn jemand auf der Suche nach seinem Stil, den Stil ändert, irritiert dies „Stammbesucher“. Das rechtfertigt diese jedoch nicht, den neuen Stil als falsch oder was auch immer zu bezeichnen.
    Mir ging es so mit den Bildern von Dir. Plötzlich kamen keine Bilder von alleinstehenden Bäumen sondern „so düstere Schwarz-Weiss-Bilder“. Die Bilder von Dir passten nicht mehr in mein Schema in welches ich diese zu stecken versuchte. Was zuerst iritierte. Nachdem diese Irritation überwunden hatte, begannen mir die Bilder und der eigenständige Stil zu gefallen.
    So könnte es auch anderen gehen wenn sie ihren Stil ändern oder die Fotos von einem Fotografen verfolgen, der seinen Stil ändert.
    Man stelle sich nur vor, wenn alle Fotoblogger nur noch alleinstehende Bäume fotografieren würden ;)
    Also freuen wir uns doch, an der individuellen Weiterentwicklung und der Vielfältigkeit!

  19. Jawoll, cooler Beitrag, kann ich nur unterschreiben!

    Ich mag die FotoCommunity nicht besonders, weil da viel völlig grundlos verrissen wird und viele Flamer, Korinthenkacker, Besserwisser unterwegs sind. Oft jene Fotografen, die selbst ein eher mäßiges Portfolio ohne WOWs haben. Es scheint in der Natur der Sache zu liegen, dass jene eher die unangenehmen Vertreter sind.

    Ich mag Flickr, weil die Leute dort – wenn ihnen was nicht so gut gefällt – einfach gar nichts schreiben oder aber total freundlich, höflich, konstruktiv bleiben. Die Atmosphäre dort ist freundlicher dort, richtig angenehm!

    Meine persönliche Erfahrung: Je besser, desto selbstkritischer und bescheidener. :-)

  20. Gut gedacht und geschrieben. So etwas mag ich, solch einen Schrei hinaus in die Menge :)

    Fotografie ist doch auch die Verwirklichung seines Selbst. Und da sollte noch so viel negative Kritik nichts an dem guten Gefühl ändern, wenn man sich das Foto als Endresultat ansieht und man sagen kann „Genau so wollte ich das“.

  21. Der beste Blog im Netz. Scheisst auf die Moechtegernoberfotografen Lehrereierkoepfe, die das Licht und den Schatten erfunden haben, die jede Woche einen Glamour-Shoot, Beauty-super-Workshop anbieten, bei dem 10 notgeile Fotografen auf ein unschuldiges nettes halbnacktes maedel schiessen. Macht was euch selbst gefaellt, haengt es euch an die Wand und freut euch. Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele und laesst mir den Glauben an eine nichtkommerzielle ungezwungene kuenstlerische Hobbyfotografie. Danke.

  22. Man muss aber dazu sagen, dass es für einen Anfänger (und dazu zähle ich mich), sehr schwer ist sich ein dickes Fell zuzulegen. Sicherlich versuche ich auch in erster Linie Bilder zu machen die mir gefallen, aber es ist doch sehr motivierend (und auch wichtig, meiner Meinung nach) wenn man positives Feedback bekommt. Und deshalb sollte man am Anfang, wenn man mit dem Hobby anfängt, versuchen bewusst zu fotografieren und nicht einfach drauf loszuknipsen und sagen „I give a shit“. Für dich ist es einfach. Du bist ein guter Fotograf und weißt was du kannst; hast es oft bewiesen. Aber wenn man als Anfänger schon kein positives Feedback erhält, kommt schnell Frust auf und man legt das Hobby rasch beiseite.
    Sehr gut finde ich, als du geschrieben hast, du hast deinen Stil noch nicht gefunden. Das motiviert mich auch ein wenig, da ich mir die letzten Tage auch Gedanken darüber machte, dass ich meinen eigenen Stil noch gar entwickelt habe und einfach alles fotografiere und verschiedene Bearbeitungsstile einfließen lasse. Der Gedanke, dass ich nach einem Jahr noch keinen eigenen Stil habe, frustrierte mich sehr. Aber wenn es noch andere gibt, die viel länger fotografieren und auch noch keinen eigenen Stil gefunden haben, bin ich beruhigt und kann so weitermachen, bis auch ich meinen eigenen Stil gefunden habe.
    Rheinländische Grüße,

    Marcel

  23. Auf der einen Seite stimmt, was Du sagst.

    Andererseits kenne ich keine Foto-Community deren Software ich diesbezüglich sonderlich innovativ finde. Man kann Menschen nämlich auch vor sich selbst und anderen schützen.

  24. Martin, das ist seit langem der wichtigste Artikel hier. Dieses ganze „besser sein als andere“ und „ich muss jedem gefallen“ nimmt einfach überhand.

    Das ganze ist natürlich immer leichter gesagt als getan, doch die Erkenntnis ist der erste Schritt.

    Grüße
    Mario

    PS: mein erster Satz bedeutet nicht, dass die andere Artikel schlecht sind. Wer das denkt, soll sich ein dickeres Fell zulegen ;o)

  25. Ein Thema, das zur Zeit wohl besonders bewegt. Auch David Hobby – der Strobist Guru – hat kürzlich einen ähnlichen Artikel geschrieben:

    http://strobist.blogspot.com/2010/10/mini-rant-screw-critics.html

    „…Don’t try to please everyone. The more worried you are about pleasing everyone else, the less likely you are to ever please yourself. Nor are you likely produce anything truly interesting or develop any kind of a personal style worth having.“

  26. wer bestimmt denn eigentlich, ab wann ein Foto „perfekt“ ist? Dass ein Portrait nur wirkloich gut ist, wenn die und die Kriterien erfüllt sind? Dass unscharfe schiefe Fotos nicht gut sind? Fotografie ist doch Kunst. Genau wie Malerei. Wie heißt nochmal der Künstler, der Fettflecken am Bilderrahmen gemacht hat, weil es für ihn Kunst ist? Ah, genau Beuys!
    Ich mache gerne unscharfe Fotos. Oder fotografiere einfach so in meinem Zimmer rum.

  27. Danke für diesen Text. Manchmal macht mir schon das Fotografieren eines („speziellen“) Motives Mühe (z. B. eine schöne Struktur im Strassenbelag oder so was ähnliches). Nämlich immer dann wenn ich dabei bemerke, wie Passanten mir mit Unverständnis zuschauen und sich wohl denken: „Wieso fotografiert der bloß den Boden…???“ Ich versuche mir schon da, ein dickes Fell zuzulegen. Manchmal gelingt es, manchmal eben noch nicht.

  28. Absolut richtig und gut, das dies mal gesagt wird. Wie soll man sonst einen eigenen Stil entwickeln? Ausserdem sind es ja meist Fotografen, die kommentieren, nicht Kunden. Wir machen ja Bilder nicht für Kollegen sondern für Kunden oder für uns selbst. Also lieber probieren und auf die eigene Stimme hören. Das Feedback aus dem Markt kommt schon von selber… Stefan

  29. Genau das ist der Punkt, weshalb ich früher Foren gemieden habe. Wenn man mitliest und sieht, wie interessante Fotos völlig auseinandergenommen werden weil sie nicht den gängigen Regeln entsprechen. Dafür wird das x-te Bild der nächstbesten Feldblume die gestochen scharf, perfekt „normal“ belichtet und exakt im goldenen Schnitt steht hochgelobt.
    Ich habe nichts gegen Feldblumen, aber sie sind halt nichts Besonderes. Und meiner bisherigen Erfahrung nach bleibt das Auge erst am Besonderen hängen.
    Man darf natürlich nicht das „Handwerk“ bei der Fotografie vergessen (bei den angesprochenen Auftragsarbeiten eben). Ich finde es aber auch immer wieder reizvoll im Fotoarchiv eben diese Auftragsarbeiten herauszukramen und (soweit es geht) im Nachhinein zu schauen ob noch etwas Besonderes daraus entstehen kann.
    Jedenfalls DANKE! für dieses Statement. Ihr bestätigt, warum das meine absolute Lieblings-Fotoseite ist.

  30. Blogartikel dazu: blog@kowi.biz

  31. Hallo Martin,

    einfach mal alle Kommentare ignorieren und einfach sein Ding durchziehen ist glaube ich garnicht so einfach. Man möchte als Künstler doch die Anerkennung und die Zuneigung des Publikums haben, das ist es doch was einen auf die große Bühne treibt.

    Wie in so vielen deiner Artikel, finde ich mich und meine Seelenwelt oft wieder. Immer wieder passiert es, dass ich Arbeiten erstelle und veröffentliche, weil ich denke, dass Puplikum, die Fans , die Follower … erwarten etwas ganz bestimmtes von mir und ich selber stehe garnicht voll dahinter …

    Ist eigentlich total verrückt, man geht einem Hobby nach und lässt sich davon leiten, was man meint was andere von einem erwarten könnten.

    Ich glaube ich muss meine Intension nochmal überdenken und wirklich mal deinem Rat folgen und für die nächste Zeit einfach mal das fotografieren und so präsentieren wie ich es für richtig halte.

    Da werden sicherlich erstmal einige etwas verdutzt gucken, dafür wird man sicherlich wieder andere finden, die das neues total klasse finden ….
    aber ich wollte mich ja mehr auf mich konzentrieren. Kannst du mal sehen, in den wenigen Zeilen schon wieder alles vergessen.

    LG Marco