24. Januar 2011 Lesezeit: ~5 Minuten

Ein dickes Fell

Es ist wohl wieder an der Zeit, dass auch aus meiner Feder hier ein paar Gedanken Raum finden. Sie entspringen eigenen Erfahrungen und dem Bedürfnis, dieses Gedankenkonstrukt mitzuteilen. Dabei handelt es sich nicht um Tiere, nur deren Kleidung, zumindest bei manchen. Letztere haben ein dickes Fell. Das schützt sie vor Kälte und hält ihren Körper auch in der kalten Jahreszeit mollig warm.

Wir leben in einer Zeit, in der junge Fotografen viel von den älteren lernen. Mit „alt“ beziehe ich mich selbstverständlich nicht auf Lebensalter, sondern deren Kompetenz. Sie lesen Blogs, zeigen ihre Fotos auf diversen Platt-For(m)en und lassen sich korrigieren.

Das hiesige Forum hat auch eine Kategorie „Bildvorstellung“ – Zweck der Sache ist, wie das Wort schon sagt, ein selbst erstelltes Foto zu zeigen und dann (im besten Falle konstruktiv) kritisiert zu werden – was natürlich auch Lob beinhaltet. Solche Kategorien/Orte gibt es überall im Netz verteilt.

So lernen junge Fotografen schnell dazu und bekommen klar und direkt gesagt, was andere davon halten. Soweit, so gut. Doch eines möchte ich Leuten, die schon einwenig fotografieren und erste Erfahrungen gesammelt haben mitteilen:

Legt Euch ein dickes Fell zu und macht mal Euer Ding. Scheisst mal eine ganze Weile auf das, wie Hanswurst Euer Foto findet. Sagen wir mal, ein halbes Jahr oder so. Auf keine Kritik hören. Einen sogenannten „feuchten Kehricht“ drum scheren.

Denn es wird immer jemanden geben, der irgendwas an Euren Fotos doof findet. Glaubt’s mir, immer. Doch ist es das Ziel, dass alle zufrieden sind und keiner mehr meckert? Sicherlich nicht. Manchmal sogar das Gegenteil.

Ihr glaubt nicht, wie viel Leute sich bei mir schon beschwert haben, weil ich Fotos gemacht habe, die ihnen nicht in den Kram passten. Es wäre eine Unverschämtheit, dass ich es wagen würde, so etwas der großen Allgemeinheit zu präsentieren. Manche entwickeln daraus einen regelrechten Hass (was deren Problem ist und nicht meins), der Nächste regt sich sonderbar & herrlich süß darüber auf. Auf Facebook, Flickr oder gar anderen Blogs. Oder gar per Mail. Manchmal sogar täglich. Interessant, nicht war?

Und wisst ihr was? I just don’t give a shit. Denn es ist nicht mein Ziel, mit meinen freien Arbeiten möglichst vielen Leuten zu gefallen. Solange ich Fotos mache, die kein Job sind, kann ich voll und ganz darauf setzen, was ich machen möchte. Bei einer Hochzeit als Auftrag ist das etwas anderes, aber darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen.

Wie gesagt, ich möchte nicht äussern, dass wir von anderen nicht lernen können oder sollen. Bitte nicht falsch verstehen. Würde ich diese Meinung teilen, könnten wir getrost hier dicht machen.

Aber manchmal gibt es einen Punkt (und wann das ist, muss jeder für sich entscheiden – die Technik sollte man aber schon beherrschen), da muss man beginnen, auf eigenen Beinen zu stehen und sein eigenes Ding zu machen. Komme wer oder was wolle.

Vielleicht würde sich etwas verändern. Wer weiss. Zu Beginn wäre es vielleicht so, wie das erste Mal Autofahren, nachdem man seinen Führerschein erhalten hat. Ständig schaut man nach rechts auf den Beifahrersitz und wartet auf den weisen Kommentar des Fahrlehrers. Der bleibt aber aus. Denn fahren lernt man „nach der Fahrschule“.

Ihr könnt es ja auch einfach mal als ein kleines Projekt, einen Versuch machen. Überlegt Euch, was ihr gerne fotografieren wollt und schaut, wie sich das Ding entwickelt. Fragt nicht nach Feedback, macht einfach. Fotos online stellen? Klar! Wir wollen ja nicht den Teufel an die Wand malen.

Aber sobald jemand meint, etwas kritisieren zu müssen, hört zu, denkt drüber nach und geht Euren Weg weiter. Ich bin kein Fan von großartigen Prognosen – aber vielleicht uns das einen kleinen Schritt näher an die Sache, die sich „eigener Stil“ nennt. Und kurz: Ich sage nicht, dass ich meinen Stil schon gefunden habe. Ich habe viel Zeit dafür eingeplant, und lernen werde ich mein ganzes Leben lang.

Ihr habt Lust, völlig unterbelichtete Bilder von alltäglichen Dingen zu machen? Go for it! Leute mit Kopfstand auf einem Hügel fotografieren? Go for it! Sonnenuntergänge mit schiefem Horizont und komisch bunten Verläufen drin? Auf geht’s! Oder vielleicht Portraits machen und immer den Kopf abschneiden, dazu noch unscharf? Jepp. Ihr habt Lust auf eine Serie Schwarzweisspanoramen, verkehrt herum? Do it. Oder es wäre Euch genehm, mal eine Portraitserie aller Familienmitglieder bei gleichem Licht zu machen, bei denen alle die Augen verschlossen haben? Machen. Nicht fragen, machen.

Und das dicke Fell, das wächst mit der Zeit, keine Sorge ;)

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