kwerfeldein
16. Dezember 2010 Lesezeit: ~11 Minuten

Im Gespräch mit Konrad Licht

Der Name Konrad Licht steht für Hochzeitsfilme und ich hatte ihn schon lange auf meiner Liste der Leute, denen ich mal Löcher in den Bauch stellen wollte. Ausdruck, Inszenierung und Arrangements seiner Hochzeitsvideos haben mir schon immer ausgesprochen gut gefallen – was liegt also näher, den guten Mann mal „auf kwerfeldein.de zu holen“? 

Also haben Konrad und ich gestern Vormittag zwei Stunden geplaudert und hatten eine gute gemeinsame Zeit. Ich bin nun eine wichtige Erfahrung weiter und diese möchte ich mit Euch teilen. 

Hey Konrad! Du, stell Dich doch kurz unseren Lesern in ein paar Sätzen vor.

Ich heiße Konrad Licht, 30 Jahre alt und Vater von zwei Buben. Seit 2006, direkt nach meinem Film- und Ethnologiestudium, habe ich mich selbständig gemacht und die Licht Filmproduktion gegründet. Ein Schwerpunkt dabei ist die Produktion von Hochzeitsfilmen. Aber eigentlich mache ich (fast) alles was mit Film zu tun hat. Seit letztem Jahr habe ich noch die Fotografie mit ins Portfolio aufgenommen, weil das eine gute Ergänzung ist und Abwechslung liefert.


Glaube ich Dir. Die Kameras haben’s Dir angetan, richtig? Warum Film? Was ist daran so besonders – für Dich?

Es ist das Medium, welches meines Erachtens am meisten der menschlichen Wahrnehmung gerecht wird. Gut strukturierte Filme sind vergleichbar mit Gedanken, Erinnerungen und Träumen. Der Betrachter eines Filmes kann abtauchen für die Dauer des Filmes. Am besten natürlich in einem dunklen Kinosaal, aber ein Stückweit funktioniert das auch am TV oder vor dem Rechner. Das Ziel, das beim Zuschauer zu bewirken, Filme zu drehen und vor allem zu schneiden, finde ich seit meiner Schulzeit spannend. Damals war das mein Hobby und nun ist es mein Job – wobei da die Grenzen fließend sind.

Wo schaust Du am liebsten? Jemand, der ständig vorm Rechner sitzt und bewegtes Bild produziert, hat da sicher einen besonderen Anspruch – daher nehme ich an, dass Du besonders gern im Kino schaust – oder geht auch mal ein Tatort auf dem Küchenfernseher…

Ich gestehe: ich habe noch nie einen Tatort gesehen. Meinen Fernsehempfang habe ich vor einiger Zeit deaktiviert. Bis auf ein paar gute Filme die ausgestrahlt werden bietet mir das TV nichts Attraktives. Und ja… Kinos besuche ich schon recht häufig. Mein großer Sohn (7) will fast alle neuen Kinderfilme sehen und dank seinem Interesse diesbezüglich (woher er das wohl hat?) sitzen wir fast jede Woche im Kino.


Haha – früh übt sich. Werden dann danach (oder zwischendrin) die Filme besprochen?

Zwischendrin natürlich gar nicht. Und auch danach nur bedingt. Manchmal fließen einzelne Gedanken die wir uns über den Film machen in Alltagsgespräche oder Gute Nacht-Geschichten ein. Aber nur so nebenher.

Schauen wir uns doch mal Deine Arbeit an. Du meintest zu Beginn, dass Du alles machst, was mit Film zu tun hat. Klär uns doch mal auf, was das so beinhaltet. Da kommt sicher eine ganze Menge zusammen, oder?

Jain. Es ist wenn man es zusammenfasst überschaubar: Hochzeitsfilme, Hochzeitsfilme, Hochzeitsfilme. Über die Hochzeiten habe ich jedoch ein Netzwerk aufgebaut von Leuten, die auch außerhalb des Hochzeitsbereichs Filme haben wollen. Das sind zum Beispiel Brautpaare, die auch Firmeninhaber sind und einen Event- oder Werbefilm drehen lassen. Oder Dienstleister, die einen Imagefilm über ihre Arbeit haben wollen. Hin und wieder kehre ich dann noch zu meinen filmischen Wurzeln zurück und mache ethnologisch angehauchte Dokus.


Na, das ist doch schonmal eine Menge. Konrad, mit welchen Kameras dreht ihr Hochzeiten? Da sind sicher auch DSLRs dabei, richtig?

Ja, ausschließlich mittlerweile. Primär die 5D. Aber auch eine 7D ist immer dabei.

Die nächste Frage musste kommen: Welches Glas habt ihr dabei?

In der Tasche haben wir einige Linsen. Sowohl Festbrennweiten, Teleobjektive und auch Exoten wie ein Tilt & Shift. Aber zu 90% sitzt bei mir die 35mm 1.4 Linse auf dem Apparat. Die in Kombination mit dem 100 mm 2.8 Macro deckt eigentlich alles ab, was ich brauche.

Fein. Ich überspringe mal die Markenfrage und komme direkt zum praktischen Teil: Ich filmt ja sicher nicht aus der Hand, sondern nutzt wahrscheinlich Stative – richtig? Was wird da eingesetzt und hat sich bewährt?

Hin und wieder filmen wir auch aus der Hand. Kommt schon mal vor. Aber dann beiß‘ ich mir meistens schnell auf die Lippe, denke an die Wackelei über die ich mich am Schnittplatz ärgern werde, lege die Kamera geschwind auf den Boden oder greife zu meinem Einbein- oder Dreibeinstativ. Wir haben auch noch Stabilisierungsgeräte für bewegte Kameraaufnahmen: Steady und Schienen. Aber die kommen nur selten zum Einsatz.


Kleine Geschichte: Ich werde morgen gefragt, ob ich am Samstag eine Hochzeit mit meiner DSLR filmen möchte. Ich sage spontan zu und brauche jetzt ein Stativ dafür. Da ich neu auf dem Gebiet bin, habe ich keine Ahnung, wo ich mich umsehen soll bzw. was ich kaufen soll. Was würdest Du mir raten?

Ich würde sagen: steig in dein Auto fahr zu dem best sortiertesten Foto- und Videofachgeschäft in deiner Nähe. Sag dem Typen vor Ort, Du möchtest das stabilste Einbeinstativ haben welches sie auf Lager haben in Kombination mit einem Fluidkopf. Dann solltest du hartnäckig bleiben, weil dir der Verkäufer wahrscheinlich einreden wird das derartige Köpfe auf Einbeinstativen keinen Sinn machen. Dann sagst du dass du die Verantwortung des Einkaufes übernimmst und verlässt mit der Gewissheit den Laden das der Verkäufer sich hinter Deinem Rücken mit allen Verkäufern über dich lustig machen wird.

Warum wird das belächelt?

Weil die Köpfe für schwere Dreibeinstative und große Kameras konzipiert wurden. Wenn du einen Laden gehst und sagst du willst einen DSLR draufschrauben denkt der Verkäufer vermutlich dass ist oversized. Aber man kann die Eigenschaften eines guten Kopfes (flüssiges Schwenken und Neigen) beim Drehen mit einer DSLR halt auch prima auf dem Einbein nutzen.


Ich nehme an, Du hast auch zwei gut durchtrainierte Oberarme… Was schmerzt nach einem Drehtag auf einer Hochzeit am Meisten?

Die Füsse, ganz klar.


Laufarbeit, also. Filmst Du alleine?

Es ist gar nicht so sehr das Laufen. Es ist das Stehen, was einem am nächsten Tag daran erinnert, dass man gearbeitet hat.

Ob wir alleine filmen oder im Team hängt davon ab, was der Kunde bucht. Der Mehrheit genügt ein Kameramann. Aber ich versuche immer im Team loszuziehen. Ich habe einen meiner besten Freunde, Wolfgang, mit in mein Team geholt und arbeite projektabhängig auch noch mit ein, zwei anderen Freien Kameraleuten.

Ja, ich habe das auf Deinem Blog gelesen, dass Du das nun zukünftig im Team machen möchtest. Was was der ausschlaggebende Punkt, nicht mehr ganz solo unterwegs zu sein?

Das hat sich so entwickelt. Es gibt Hochzeiten da waren wir schon zu dritt vor Ort. Zum Beispiel wenn ich den Film am Hochzeitstag im Hintergrund schneide und am Abend dem Brautpaar und den Gästen auf Leinwand vorführe. Dann gibt es Samstage wo wir zwei verschiedene Hochzeiten machen. Das sind Aufgaben, die kann einer schwer allein machen. Hinzu kommt aber auch dass es viel mehr Spass macht, zu zweit zu drehen. Und ist das Kamerateam glücklich, wird der Film umso besser.

Ja, das kann ich bestätigen, ging mir bei meinen letzten Hochzeiten ähnlich. Bei mir ist es meist so, dass ich bei 10h Hochzeitsreportage eine halbe bis ganze Arbeitswoche an den Bildern sitze und selektiere, bearbeite & finalisiere. Wie verhält sich das bei Deiner Arbeit?

Die Hochzeitsprojekte sind sehr unterschiedlich. Jetzt rechnet im Hintergrund gerade ein Hochzeitsfilm, der hat Monate gedauert geschnitten zu werden, weil an drei Wochenenden in drei verschiedenen Ländern gedreht wurde. Ist immer abhänig von der Anzahl der Kameraleute, Drehtage und den Zusatzfeatures wie Interviews oder After Wedding Shooting zum Beispiel. Kurze Projekte dauern jedoch ca. 1 Woche wenn man effektiv dran sitzt.

Marc Böttler von Motion Fruit ist ein Freund von mir – der schnauft immer, wenn gerendert wird. Bei Euch Filmfreunden kommt es ja oft auf Rechnerleistung an. Mit was arbeitet Du?

Momentan mit einem iMac (2.8 GHz i7, 8 GB) und einem Mac Book Pro (2,66 GHz i7 8GB).

Software?

Final Cut Pro Version… 7 glaub ich.

Als Fotograf arbeite ich gerne versteckt und quasi mehr aus dem off, wenn ich das das Brautpaar tagsüber begleite (ausser beim Outdoorshooting natürlich) – wie ist das bei Dir? Als Videomann gibt es da sicher auch unterschiedliche Herangehensweisen, nicht war?

Ja das ist recht übertragbar. Natürlich halten wir uns fast komplett zurück. Es ist immer ein Lob, wenn man im Nachhinein gesagt bekommt, dass man gar nicht aufgefallen ist. Aber genauso wichtig finde ich es mittlerweile mich an den Stellen wo es passt mich mit einzubringen. Man hat ja schon die eine oder andere nervöse Braut erlebt. Die ersten Hochzeiten wurde ich in so Situation immer mit nervös. Jetzt kann man da auch ein bisschen Ruhe reinbringen. Oder wenn man ein Extrashooting hat, dann dirigiert man fast ständig. Das ist genauso wie beim Fotografieren.


Welche Fehler, die Du in den ersten Beiden Jahren gemacht hast, sind Dir besonders ein Dorn im Auge? Was machst Du heute „auf jeden Fall“ anders als früher?

Ich mache auf jeder Hochzeit heute noch Fehler. Den Ton habe ich lange Zeit nicht genügend Beachtung geschenkt. Sowohl beim Drehen (durch das Fehlen geeigneter Ansteckmikros zum Beispiel) als auch beim Schnitt (indem ich Originalton zu oft ausblendete).

Was ich aber heute am meisten anders mache ist das thematische Wegkommen von der Hochzeit als solches und ein in den Vordergrundrücken des Brautpaares. Während in den ersten Jahren es das Ziel war die Events einer Hochzeit abzubilden (Tortenanschnitt, Brautstraußwerfen etc) rücke ich jetzt das Paar an sich in den Vordergrund. Sowohl wie sie einzeln als Menschen sind als auch was sie als Paar auszeichnet. Zumindest versuche ich das.

Du, dann möchte ich mich mal bei Dir bedanken, hat mir wirklich Spaß gemacht, mal bei Dir reinzuhören und ich nehme an, dass ich da vorweg auch für die Leser spreche.

Danke dir für dein Interesse! Und viel Erfolg auf allen Ebenen.

Ähnliche Artikel


18 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Sehr guter Artikel. Hätte ehrlich gesagt nicht gedacht das ein Video zur Hochzeit genau so viel wenn nicht sogar mehr Gefühle rüberbringen kann als ein Foto. Fand das erste und das letzte Video einfach wunderschön. :)

  2. Klasse Interview. Da ich selber erst vor einem halben Jahr geheiratet habe weiß ich wie wichtig die Erinnerung an diesen Tag ist. Ein Glück hatten wir eine klasse Fotografin gehabt. Video wär natürlich noch besser gewesen, aber irgendwann muss man bei der Planung auch nen Cut machen ;)

  3. toller Bericht und noch tollere Videos! Mir gefällt die Darstellung der Paare total gut, tolle Momente eingefangen…klasse

    *schnief* bin doch immer so ein emotionaler Mensch, aber ich finds klasse wenn einen die Hochzeitsvideos fremder Menschen so berühren das man sich glatt hier und da ne Träne wegdrückt, dann find ich das suuuuper gelungen!

  4. Verdammt Konrad…

    Wo sind die Taschentücher?! Mir sind wirklich gerade die Tränen gekommen. So wahnsinnig toll ist deine Arbeit…

    Sehr gefühlvoll und einfach herrlich dokumentierte Momente!

    Danke fürs Teilen!
    Felix

  5. coole videos und gutes interview! da fiel mir ein, du hast doch schonmal vor einem jahr hochzeitvideos von einer anderen crew gepostet. war nicht deutschsprachig mein ich. weiß noch jemand wie die hießen? oder kennt noch jemand den vimeo-link?

  6. Wahnsinnig tolle romantische Hochzeitsvideos.
    Dagegen ist „Nur die Liebe zählt“ und „Traumhochzeit“ ein Witz…
    Ehrlich ich sitze hier mit Tränen und bin total gerührt-so schön sind die Filme.
    Sollte ich mal heiraten-will ich sowas! :))

  7. Ich hätte mal eine eher Offtopic-Frage:

    Wie verhält es sich denn mit der musikalischen Untermalung in den Filmen? Ich bin momentan auf der Suche für meine Webiste, bin also für jegliche Infos dankbar! Z.B. an wen man sich wenden muss, welche rechtlichen Hürden man beachten sollte & natürlich, was einen der Spaß kostet?!

  8. Einfach sagenhaft!
    Vielleicht ist es die Vorweihnachtsstimmung oder der düstere Tag an dem ich gerade am Rechner sitze, aber ungelogen total gerrührt bin. Wundervolle Videos…