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10. Dezember 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Wagnis: Aktfotografie

Daniel BollingerDies ist ein Gastbeitrag von Daniel Bollinger (Flickr). Daniel ist 23, studiert Musikinformatik und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Fotografie und digitaler Bildbearbeitung.

Vor einiger Zeit fragte mich Martin, ob ich nicht etwas zu meinen Aktbildern schreiben wolle. Ja, auf jeden Fall! Aber wie? Ich hatte offengestanden nicht den Hauch einer Idee, wie ich da herangehen sollte. „Erzähl doch einfach von vorne!“ war daraufhin sein Rat. Und so will ich es nun im Folgenden auch tun.

Aktfotografie

Schon kurz nach dem Kauf meiner ersten DSLR hat mich die Idee gereizt, mich am Thema Akt zu versuchen; auf minimalistische Weise einen Körper in Szene zu setzen, ohne platte „Erotik“-Attitüde, ganz reduziert auf das Spiel mit der Form. Doch mein Respekt vor dem Sujet, die hohe Hemmschwelle potentielle Models anzusprechen und meine beschränkte Ausstattung haben mich lange davon abgehalten, diese Idee auch in die Tat umzusetzen.

Doch im Sommer war es dann soweit. Ich hatte inzwischen eine bescheidene „Strobisten“-Ausrüstung zusammen, eine Freundin fand die Idee interessant und stellte sich als Model zur Verfügung, und der sich irgendwann einstellende Gedanke „Mach es einfach, es ist ein Experiment und du hast nichts zu verlieren“ half mir, meine letzten Zweifel über Bord zu werfen.

Aktfotografie

Ich hatte von Anfang an einen bestimmten Stil vor Augen: schwarz-weiß, Low-Key, sehr strenge – teils symmetrische – Formen. Auch mein Model schickte mir ein paar Bilder, die seiner Vorstellung entsprachen und meiner glücklicherweise sehr ähnlich waren, und auf dieser Grundlage setzten wir uns dann zusammen, um zu besprechen, wie die Fotos aussehen (und v.a. auch nicht aussehen) und wie das Shooting ablaufen sollte. Wir nahmen uns bewusst fast einen ganzen Tag Zeit, um die Sache entspannt angehen zu können und ausreichend Gelegenheit zum Experimentieren zu haben.

Am betreffenden Tag trafen wir uns dann morgens und funktionierten erstmal die heimische Küche zum improvisierten Studio um. Ein paar Bahnen Molton an mit Gaffa zusammengetapten Vorhangstangen, die auf Kühlschrank und Hängeschrank auflagen, bildeten den Hintergrund; als Licht standen mir 2 Yongnuo 460II mit Durchlichtschirmen zur Verfügung, die ich über einen YN RF-602 triggerte.

Aktfotografie Setup

Da dies mein erstes „Studio“-Shooting war, begann ich zunächst mit verschiedenen Lichtsetups zu experimentieren, kam dann aber recht schnell zu der Erkenntnis, dass ein einfaches Setup mit – je nach Pose – einem oder zwei Streiflichtern zu dem Ergebnis führte, das mir vorschwebte. Die zwei konkreten Bildideen, die ich im Vorfeld hatte, stellten sich allerdings ebensobald als nicht umsetzbar oder einfach unrealistisch heraus, und so begannen wir uns ausgehend von einer mit dem Rücken zum Betrachter sitzenden Pose langsam an verschiedene Möglichkeiten heranzutasten.

Zwischendurch überspielte ich die Bilder immer wieder auf den Computer, weil ich schon öfter die Erfahrung gemacht habe, dass man auf dem kleinen Kameradisplay doch einen gänzlich anderen Eindruck von der Bildwirkung hat. So bekam ich auch schnell vor Augen geführt, wie peinlich genau man in dieser Situation auf jedes kleine Detail achten muss, was mir aber mit zunehmender Dauer des Shootings immer besser gelang.

Dies war im Vorfeld einer der Punkte, die mir etwas Kopfzerbrechen bereitet hatte, weil ich mich bei anderen Gelegenheiten mit Personen vor der Kamera mit der Modelführung bisher sehr schwergetan hatte. Aber in diesem anderen Rahmen, wo es weniger um Mimik und ausdrucksvolles Posing ging, sondern eher um eine rein grafische Gestaltung, kam ich mit dieser Aufgabe besser klar.

Ein anderer dieser Punkte war die Frage, die vermutlich jeden beschäftigt, wenn er vor seinem ersten Aktshooting steht: Wie ist das eigentlich, wenn da eine nackte Frau (ein nackter Mann) vor meiner Kamera steht? Ich kann ganz ehrlich sagen, ich habe es quasi gar nicht bemerkt. Ich war in diesem Moment so auf Licht und Bildaufbau konzentriert (was wesentlich anstrengender war als ich erwartet hatte, ich bin tatsächlich im wörtlichen Sinne ins Schwitzen gekommen), dass für mich nackt oder bekleidet keinen Unterschied gemacht hätte.


Aktfotografie

Ich bin verdammt froh. Dass ich es auf mich genommen habe, dieses Wagnis, das eigentlich doch gar keines war.  Mein „Wagemut“ hat mir zu einer unheimlich lehrreichen Erfahrung verholfen. Zu einigen Bildern, auf die ich zugegebenermaßen durchaus stolz bin. Und vor allem zu einem großartigen, beglückenden Tag.

Daher kann ich nur jedem, den das Thema reizt und der vielleicht in einer ähnlichen Situation ist, wie ich sie eingangs geschildert habe, raten: Trau dich einfach, du hast nichts zu verlieren!

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