Kwerfeldein
04. Dezember 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Thomas Reimann: Kopfball!

Thomas Reimann {flickr} fotografiert seit 2008. Bei Ihm gehört oft ein exzessiver Photoshop Einsatz genau wie das Fotografieren an sich zum fertigen Bild dazu – auch wenn man am Ende teilweise nicht sieht, was für ein Aufwand dahinter steckt. Ausserdem hat er mit ein paar Fotobuddys ein Studio gegründet.

Wer mich und meine Arbeiten kennt, der weiß das bei mir der (oft exzessive) Einsatz von Photoshop ebenso wie das Fotografieren selber zu einem fertigen Bild gehört. In diesem Artikel möchte ich euch ein etwas älteres Bild von mir vorstellen, welches auf den ersten Blick etwas verstörend wirken mag. Macht man sich dann aber mal Gedanken über die Umsetzung, wird man schnell sehen, das es viele Fragen aufkommen lässt.


So ging es auch mir. Die Bildidee bekam ich, als ich mal wieder auf meinen Streifzügen durchs Netz eine ähnlich Arbeit fand. „Das will ich probieren“ war mein Entschluss. Und so habe ich mich zu Hause hingesetzt und mir überlegt wie man das bewältigen kann.

Als erstes musste eine Kulisse gefunden werden. Ein paar Tage zuvor war ich im Einkaufszentrum fotografieren und dabei ist auch diese verwendete Szene entstanden. Da es ja um Spiegelungen in einer Kugel ging, mussten die Ausgansbilder dafür auch geeignet sein. Durch die Architektur der Dachkonstruktion waren diese Aufnahmen perfekt, da man so die Verzerrung erkennen würde.

Insgesamt besteht das Bild aus 4 Einzelaufnahmen: Ein Hintergrundbild, das gespiegelte Pendant dazu, der Körper und die Arme mit der Kamera in der Kugel.

Eine körperliche Herausforderung war die Aufnahme der Arme in der Kugelspiegelung. Hier musste ich im „Limbo“ unter der Kamera hindurch um diese Perspektive und Bildinformationen für die Kugelreflexion zu bekommen. Diese Aufnahme machte ich auch, im Gegensatz zu den anderen, mit einem Fisheye da so schon eine anfängliche Verzerrung gegeben und vor allem genug von meinen Armen und meinem Körper auf dem Bild zu sehen war.

In Photoshop habe ich mir zudem eine 3D gerenderte Kugel mit den gewünschten Lichteigenschaften erstellt um mich an den Schatten und Helligkeitsverläufen orientieren zu können.

Der Workflow

Als erstes wurde der Körper freigestellt und in den Hintergrund eingefügt. Die Lichtverhältnisse habe ich größtenteils natürlich schon beim Fotografieren berücksichtigt, kleine Nachbesserungen habe ich in Photoshop vorgenommen.

Anschließend musste der gespiegelte Hintergrund so lange verzerrt und mit Filtern bearbeitet werden, bis er den Eindruck erweckt hat eine spiegelnde Kugel darzustellen.

Hinzu mussten noch die Helligkeitsverläufe und Schatten aus der 3D Kugel von Hand eingezeichnet werden. Dies war somit auch der aufwändigste Teil des Bildes. Dieser Weg war natürlich gespickt mit einigen Rückschlägen – hierzu gibt es nun mal keine Tutorials. Um so stolzer war ich, als das Ergebnis zufriedenstellend war.

Das Einfügen und richtig wirkende Verzerren der Arme war anschließend zwar auch etwas kniffeliger, aber mit den Erkenntnissen aus dem vorhergehenden Schritt wesentlich leichter zu bewältigen.

Zur Finalisierung des Bildes wurden noch einige weitere Ebenen verwendet, in denen ich mit Dodge & Burn, Kurven und Filtern die Bestandteile des Bildes aufeinander abgestimmt habe, um so eine harmonische Komposition zu erlangen.

Der Lernfaktor

Im Endeffekt habe ich aus dieser Arbeit sehr viel gelernt. Nicht nur was Photoshop anbelangt, nein. Ich habe gesehen das viele Bildideen erst im Entstehungsprozess zeigen welche Herausforderungen dahinter stecken.

Sehr viele Schlüsselpunkte bei diesem Bild waren mir zuvor nicht klar. Ich liebe es mich neuen Herausforderungen zu stellen, hier greife ich gerne mal zu hoch! Dabei gilt, nicht die Geduld verlieren und auch mal unkonventionell denken.

Wenn ich eine solche Hürde dann genommen habe, bin ich um so stolzer, wenn ich das fertige Bild sehe. Vor allem schult es den Blick für die Details und ich kann mir so beim nächsten Bild viele Gedanken schon im Vorfeld machen. Ich stelle mich daher gerne solchen zuerst aussichtslosen Herausforderungen und bleibe hartnäckig – es zahlt sich aus.

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9 Kommentare

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  1. Wow, cooles Foto!
    Da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das ein riesiger Aufwand war.
    Aber das Ergebnis kann sich echt sehen lassen.
    Ich finde es sehr interessant, dass du sagst, man solle unkonventionell denken. Wahrscheinlich ist nämlich genau das das Problem von vielen Fotografen; einfach mal anderes denken, etwas vielleicht Unvorstellbares machen. Und an deinem Bild sieht man ja, was dabei Tolles dabei rauskommen kann.
    Alles in allem ein wirklich gelungener Artikel, der dazu inspiriert, etwas neues auszuprobieren.

    Liebe Grüße

  2. hi,
    sorry, ich finde das foto uninteressant und nicht besonders sehenswert. wenn das ein Photoshop showoff sein soll, dann wären ein paar details zu z.b. „gespiegelte Hintergrund so lange verzerrt und mit Filtern bearbeitet werden…“ wirklich nett, auch die sonstigen einstellungen und techniken müssen doch wenigstens grundlegen beschrieben werden können, auch wenn es „hierzu… nun mal keine Tutorials!“ gibt.

    „Im Endeffekt habe ich aus dieser Arbeit sehr viel gelernt!“ ich durch den Artikel leider gar nichts.

    gruß haus

  3. total coole Sache, abgehoben, aber superkreativ auch!

    Auf mich hat das Bild den Effekt, dass ich da ziemlich lang draufschauen kann, enträtseln kann, was das ist / wie das entstanden ist / ob das echt ist oder zumindest echt sein könnte!

    Hoffentlich entflammt hier nicht wieder die Diskussion, ob Photoshop-Einsatz ethisch vertretbar ist … ;-)

  4. Hi,
    nette Idee
    Mir ist da ein Fehler aufgefallen oder täuscht das?
    Im „Kopfball“ halten die Arme die Kamera, die Hände sind nahe beieinander, bei dem anderen Teil des Bildes sind die Hände relativ weit auseinander.

    lg

  5. Danke für die netten Worte und auch für die Kritiken.

    Das so stark in PS bearbeitete Bilder die Geister scheiden, das ist klar, das bin ich aber auch gewohnt. Für mich gehört es eben zum Bearbeitungsprozess meiner Bilder dazu, aber dass das nicht jedem gefällt ist mir bewusst.

    Die Anforderung an diesen Artikel war kein 1:1 Tutorial, es ging um eine Bildvorstellung mit angerissenem Enstehungsprozess und Lerneffekt.
    Wenn aber jemand technische Fragen haben sollte wie das ein oder andere geht kann man mich sehr gerne kontaktieren. Kein Ding.

    @Martin:
    Wenn du mit einem Weitwinkel ein Selbstportrait schießt, dann sieht das so aus. Hab das Grundbild ja auch genau so gemacht. :)