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03. Dezember 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Nun folgt ein Beitrag von Andrea Hübner (Facebook) über die Analoge Fotografie. Andrea wohnt und studiert derzeit in Mainz, neben dem Studium beschäftigt sie sich intensiv mit der Fotografie. Sie fotografiert digital und analog und ihre Schwerpunkte liegen vor allem in der People- und Aktfotografie.

Wenn man sich die heutige Welt der Fotografie anschaut, so scheint sie auf den ersten Blick fast ausschließlich digital geworden zu sein. Natürlich ist es praktisch, sofort zu auf dem Bildschirm zu sehen, was man soeben fotografiert hat, ob die Einstellungen stimmen und auch ob das Bild an sich „wirkt“. Bilder einfach schnell wieder löschen und auch experimenteller sein zu können, ohne an die Kosten denken zu müssen, sind für mich zwei große Vorteile der digitalen Technik.

Doch auch die analoge Fotografie hat ihre Vorzüge, und ich nutze sie mindestens genauso gerne wie die digitale. Beide unterscheiden sich grundlegend und genau das ist für mich das Interessante daran. Ich experimentierte schon in frühester Kindheit mit analogen Kameras – die digitalen gab es ja damals noch nicht. Dann war ich lange Zeit komplett im digitalen Zeitalter unterwegs bis ich 2007 das erste Mal die Mittelformatkamera meines Freundes in den Händen hielt. Die Faszination Mittelformat hatte mich gepackt und Anfang 2008 kaufte ich mir eine eigene Hasselblad 500 c/m, die seitdem schon zahlreiche Shootings und Reisen auf dem Buckel hat.

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Schon auf den ersten Blick ist das analoge Mittelformat eine andere Welt. Das quadratische Format, die ungewohnten 6×6 Rollfilme (und bis man gelernt hat diese richtig einzulegen ;)), manuelles Fokussieren sowie die Belichtungsmessung. Auf die Details muss hier geachtet werden, sonst ist später der gesamte Film unbrauchbar. Das gibt dem Prozess des Fotografierens eine völlig andere Bedeutung. Man merkt schnell, dass hier größere Sorgfalt geboten ist. Ungewollte Bilder einfach schnell zu löschen geht hier nicht mehr, denn in der analogen Welt ist das Fotografieren auch von laufenden Kosten begleitet.


Andrea Hübner über analoge Fotografie

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Manche Modelle berichten mir, dass es angenehmer ist analog fotografiert zu werden, da der Fotograf überlegter an das Shooting herangeht und generell eine ruhigere Atmosphäre während des Shootings herrscht. Man hat nicht die schnelle Abfolge von Serienbildern die man aus der digitalen Fotografie kennt. Gerade für Aktaufnahmen nutze ich meine Hasselblad daher besonders gerne. Ich lasse mir viel Zeit für diese Aufnahmen, plane Bildausschnitt und Belichtung sorgfältig und lege die Kamera auch einmal für das ein oder andere Gespräch mit dem Modell beiseite.

Es kann auch schon einmal eine gewisse Zeit vergehen bis ein Foto entsteht, bis für mich alles stimmig genug erscheint um den Auslöser zu betätigen. Im Gegensatz zur digitalen Fotografie sind Serienbilder, von denen man sich dann später in der Nachbearbeitung das Schönste aussucht, hier Mangelware.

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Auch das quadratische Format hat es mir absolut angetan, es spiegelt sich in meinem Pseudonym bei diversen Communities und auch auf meiner Webseite wider. Der Blick durch eine Mittelformatkamera verändert auch die Sichtweise auf meine Modelle. Die Bildkomposition ist hier sehr unterschiedlich zur digitalen. Gerade weibliche Formen halte ich sehr gerne im Quadrat fest, sie harmonieren für mich wunderbar mit dem quadratischen Format. Vieles würde für mich im Hoch- oder Querformat nicht harmonisch erscheinen.

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Nach der Entwicklung scanne ich meine Fotos vom Negativ und behalte dabei den Originalrahmen des Negativs mit den typischen Hasselblad-Ecken bei. Ich bekomme oft Anmerkungen, wo denn „dieser komische Rahmen“ herkommt, viele Menschen kennen ihn heutzutage nicht mehr. Ich mag ihn sehr gerne und er verleiht dem Bild ein gewisses Flair, zeigt dass es noch mit der analogen Technik entstanden ist und eine andere Geschichte hat als ein digitales Foto.

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Analoge Fotografie beinhaltet für mich auch die spätere Bildbearbeitung am Rechner. Farben spielen bei meinen Bildern eine sehr große Rolle und ich experimentiere gerne mit ihnen, auch später nach dem Scannen. Auch bei meinen analogen Fotografien nutze ich daher die Bildbearbeitung, um dem Gesamtwerk die von mir gewünschte persönliche Note zu verleihen.

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Andrea Hübner über analoge Fotografie

Ich fotografiere bei meinen Shootings gerne auch digital. Die Auswahl der Kamera(s), die ich zu den Shootings mitnehme, variiert je nach Modell und Idee, aber auch nach persönlicher Lust und Laune. Bei einigen Shootings fotografiere ich auch parallel analog und digital. Und wenn ich mich auch sehr oft in die digitale Welt begebe, eines steht fest: ich möchte meine Hasselblad nicht mehr missen.

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