30. November 2010 Lesezeit: ~9 Minuten

Fotografieren in Schnee und Kälte

Plötzlich ist er wieder da: der Winter! War es kürzlich noch schön warm und sonnig, rieselt heute der Schnee vom Himmel und die Kälte kriecht in jede Ritze. Alles ist anders, benötigt mehr Aufmerksamkeit. Ist der Gehweg frei geschüppt, sind die Winterreifen montiert? Auch die Fotografie ist im Winter anspruchsvoller als im Sommer.

Tiefe Temperaturen entziehen der Kamera ihre Energie. Außerdem führen Temperaturschwankungen zu ungeahnten Nässeproblemen. Schnee- und Lichtverhältnisse werden für den Belichtungsmesser zu einer oft nicht lösbaren Herausforderung. Was tun? Um ein ungetrübtes Fotografieerlebnis selbst in abgeschiedener Winterlandschaft und bei frostigen Minusgraden zu gewährleisten, ist es ratsam die nachfolgenden Empfehlungen zu beherzigen, damit Ihr Eure Wintererfahrungen ohne Ausfälle auf den Chip bannen könnt.

Auch modernste digitale Kameras überstehen selbst extreme Bedingungen schadlos. Dabei ist es im Grunde egal, ob es sich dabei um eine Kompaktkamera oder eine große DSLR handelt. Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist jedoch die Bedienung: Wenn Ihr mit einer Kompaktkamera loszieht, dann sollte diese über einen optischen Sucher verfügen, denn im hellen und grellen Winterlicht ist auf dem Kameramonitor oft nicht mehr viel zu sehen, was eine Bildkomposition darüber nahezu unmöglich macht. Deutliche Vorteile hat hier eine DSLR-Kamera – der größere Sucher ist selbst mit einer Sonnen- oder Skibrille besser durchschaubar.

Volle Kraft voraus

Akkus von DSLR-Kameras spenden auch bei hohen Minusgraden erstaunlich viel Energie. Natürlich sind sie schneller erschöpft als bei sommerlichen Temperaturen. Kompaktkameras mit ihren kleineren Akkus leiden allerdings stärker unter dem Einfluss der Kälte. Den Tipp, den Akku herauszunehmen, in der Hosentasche warm zu halten und erst bei Bedarf in die Kamera zu stecken, könnt Ihr getrost vergessen. Oder möchtet Ihr laufend die Handschuhe ablegen und mit zunehmend steifer werdenden Fingern den Akkufachdeckel öffnen, um den warmen Akku einzulegen? Das macht man nur, wenn es unbedingt sein muss, aber nicht für jedes Foto.

Der eingelegte Akku wird also seine Leistungsfähigkeit in der Kälte mehr und mehr einbüßen. Bei den Ersatzakkus ist es jedoch sinnvoll, diese an einem warmen Ort (Hosentasche, Innentasche der Jacke) zu verstauen, um deren Potenzial bis zum Einsatz in der Kamera auf hohem Niveau zu halten.

Mehr Leistung gegenüber den Standard-Kameraakkus bieten AA-Lithium-Batterien oder die hervorragenden Sanyo „eneloop“-Akkus. Habt Ihr die Möglichkeit, dann nutzt an Eurer DSLR einen Hochformatgriff, der den Einsatz von AA-Batterien und -Akkus zulässt. Auch wenn dadurch das Gewicht der Kamera steigt, sind so einfach erheblich mehr Auslösungen pro Ladung machbar.

Geht die Akkuleistung einmal dem Ende zu, dann versucht unnötige Energieverschwendung beim Fotografieren zu vermeiden. Vor allem der interne Blitz oder die Bildkontrolle auf dem Kameramonitor gelten als Stromfresser. Wird es eng mit der Energieversorgung, spart auch das Abschalten des Autofokus ein paar Körner.

Achtung, Feuchtigkeit

Dramatischer als ein leerer Akku kann sich das Aufwärmen der Kamera gestalten. Nach einem längeren Einsatz in der Kälte ist besondere Vorsicht geboten. Kommt Ihr mit der kalten Kamera nach einer Fototour wieder an einen wärmeren Ort – gleichgültig, ob es sich um die gut geheizte Wohnung oder nur das klimatisierte Auto auf der Fahrt zurück handelt -, dann kondensiert die Luftfeuchtigkeit aus der wärmeren Umgebungsluft an der Kamera und am Objektiv.

Wenn Ihr gerne mit Weichzeichner fotografiert, mag ein Schleier auf der Linse vielleicht willkommen sein. Falls nicht, werden so alle weiteren fotografischen Ambitionen vorübergehend auf Eis gelegt. Vom Gehäuse könnt Ihr die Feuchtigkeit noch gut abwischen, ein beschlagenes Objektiv ist schon schwieriger davon zu befreien. Am besten legt Ihr die Kamera zur Seite und wartet, bis wieder klarer Durchblick herrscht. Wegwischen mit Synthetiktüchern führt oft zu Schlieren – nehmt lieber einen Baumwolllappen.

Richtig unangenehm wird es, wenn kondensierendes Wasser in die Kamera oder in das Objektiv eindringt. Daher solltet Ihr auch nicht einfach das Objektiv wechseln, wenn eins beschlagen ist. Auf dem Wege würde nur zu einfach Feuchtigkeit in die Kamera gelangen. Besonders bei Zoomobjektiven müsst Ihr nach einem Temperaturwechsel ebenfalls vorsichtig sein, da durch das Zoomen wärmere Luft ins Objektivinnere gepumpt werden kann.

So richtig warm


Behutsames Aufwärmen der Fotoausrüstung ist also sehr wichtig. Steckt die Kamera samt Objektiv vor dem Betreten eines wärmeren Raumes in ein geschlossenes Behältnis. Eine Plastiktüte reicht dafür schon aus. Die wärmere Luft kondensiert dann außen an der Tüte und nicht an der Kamera. Diese sollte danach aber weiterhin eingepackt und langsam aufgewärmt werden. Ist die Ausrüstung in einer gut gepolsterten Fototasche verstaut, bedenkt, dass die Tasche hervorragend isoliert. Auch nach langer Zeit in der warmen Stube können folglich Kamera und Objektive darin noch immer saukalt sein!

Einen Vorteil hat die Kälte jedoch: Der Sensor der Digitalkamera wird gekühlt, wodurch sich das Bildrauschen reduziert. So kommen wir schon zum nächsten Punkt – dem Weg zum guten Bild.

Im Rampenlicht

Nicht nur Kälte und Kondensfeuchtigkeit wird Euch als Fotografen herausfordern. Eine Winterlandschaft korrekt belichtet zu verewigen, ist schwieriger, als Palmen am Strand aufzunehmen. Daher gestaltet sich die Belichtungseinstellung bei einer monochromen Schneelandschaft häufig etwas aufwendiger. Eine Digitalkamera bietet den großen Vorteil, dass Ihr immer direkt auf dem Monitor kontrollieren könnt, ob die Belichtung stimmt. Nur werdet Ihr aufgrund des hellen Umgebungslichtes das Bild auf dem Monitor kaum erkennen. Das erschwert eine treffsichere Beurteilung oder macht sie ganz unmöglich.

Gewöhnt Euch an, die Histogrammanzeige zur Belichtungskontrolle heranzuziehen. Anhand derer lässt sich besser beurteilen, ob die Helligkeitsverteilung im Bild optimal oder das Foto unter- oder überbelichtet ist. Zeigt das Histogramm eine Fehlbelichtung, dann korrigiert die Belichtungseinstellung und nehmt das Foto erneut auf.

Kurzer Ausflug: Der Umgang mit dem Histogramm

Auf der linken Seite des Histogramms seht Ihr die dunklen Pixel des Bildes, auf der rechten die hellen. Wenn sich die Pixel überwiegend auf der linken Seite ansammeln, wird das Foto dunkel ausfallen. Sind die meisten Pixel auf der rechten Seite, entsteht ein helles Foto. Achtet beim Fotografieren einer Winterlandschaft wie sonst auch darauf, dass das Histogramm auf keiner von beiden Seiten „ausschlägt“ und Pixel verloren gehen – dadurch erhaltet Ihr möglichst viele Details.

Die richtige Einstellung

Meiner Erfahrung nach arbeitet die Belichtungsmessung der Kamera in einer Schneelandschaft bei Sonnenschein und blauem Himmel sehr treffsicher. Bei trüber Wetterlage hingegen ist meistens eine Korrektur nötig. Die Kamera sieht nur den weißen, hellen Schnee und tendiert dann zu einer zu knappen Belichtung. Im Ergebnis erscheint der Schnee auf dem Foto grau. Ihr solltet deshalb über eine manuelle Belichtungskorrektur schon bei der Aufnahme eine „Überbelichtung“ durchführen (+/–Symbol an der Kamera). Einen Standardwert gibt es hier nicht. Üblicherweise liegt die optimale Korrektur jedoch bei etwa +1, wodurch das Foto aufgehellt wird.

Hinzu kommt, dass der Sensor Aufnahmen bei schlechter Wetterlage fast immer sehr kontrastarm aufzeichnet. Dem könnt Ihr von vornherein über die Bildoptimierungs-Konfigurationen entgegenwirken, indem Ihr im Menü der Kamera eine stärkere oder schwächere Kontrasteinstellung wählt. Da im Winter aber auch oft Bildsituationen mit hohem Kontrast auftreten (z.B. eine Person vor sonniger Landschaft), müsst Ihr je nach Aufnahmesituation die Einstellungen verändern.

Ich rate dazu, den Kontrast erst nachträglich in einem Bildbearbeitungsprogramm zu optimieren. Sollte Eure Kamera die Möglichkeit bieten, empfiehlt es sich, im RAW-Format zu fotografieren und nicht sofort „fertige“ JPEGs aufzunehmen. Auf diese Weise habt Ihr Zugriff auf zahlreiche Funktionen zur Nachbearbeitung, ohne Verluste in der Bildqualität akzeptieren zu müssen.

In der digitalen Dunkelkammer

Wenn Ihr das Optimum aus Euren Bildern herausholen wollt, führt an der Nachbearbeitung kein Weg vorbei. Außerdem könnt Ihr so manche Tücke des Winters im Nachhinein entfernen und korrigieren. Häufig treten Farbstiche in den Bildern auf. Der Schnee wird übertrieben blau und unnatürlich wiedergegeben. Bei diffuser Wetterlage zieht sich diese „Stimmung“ über das ganze Bild. Schuld daran ist ein falsch eingestellter Weißabgleich in der Kamera. Ich fotografiere immer mit dem Weißabgleich im Automatikmodus und korrigiere eventuelle Fehleinstellungen später in einem RAW-Konverter, in dem sich der Weißabgleich nachträglich ändern lässt. Ihr seht, auch hier empfiehlt sich die Nutzung des RAW-Formats.

Sollte Eure Kamera dieses Aufnahmeformat nicht ermöglichen (wie die meisten Kompaktkameras) und nur JPEGs aufzeichnen, wird die Nachbearbeitung der Farbstiche etwas schwieriger. Der Weißabgleich ist bei JPEGs hinterher nicht mehr veränderbar. Ein blauer Farbstich kann aber auch durch eine selektive Farbkorrektur behoben werden. In den weißen (und evtl. den grauen) Farben erreicht Ihr dies durch eine Reduzierung der Cyan- und Magenta-Anteile (z.B. in Photoshop: Menü > Bild > Korrekturen > selektive Farbkorrektur).

Achtet jedoch darauf, nicht alle Stimmungen glatt zu bügeln und sämtliche Bilder zu sehr zu vereinheitlichen. Oft erkennt die Kamera die Lichtsituationen besser als unser menschliches Auge.

Jetzt kann der Schnee und die Kälte kommen, oder? Viel Spass mit dem Winter!

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