23. November 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Björn Lexius über Konzertfotografie: Three Songs, No Flash?

Als ich die Anfrage für diesen Gastartikel bekam, habe ich mich zunächst natürlich sehr gefreut doch dann ging’s los: „Wie schreib‘ ich das? Welche Bilder wähle ich aus?“ Ich denke, ich fang einfach vorne an.

So ca. im Alter von 12/13 Jahren entdeckte ich Punk für mich und fing kurz darauf an, selbst in Bands zu spielen. Punk ist – für mich- sehr eng verbunden mit der DIY-Philosophie und somit gehören Fanzines zur Tagesordnung. Damals (so um 1990 – 1994) gab es noch sehr viele liebevoll gestaltete Ausgaben dieser kopierten Heftchen, welche voll waren mit Interviews, Plattenkritiken und dergleichen.

Schon damals guckte ich mir immer voller Begeisterung die Fotos der Bands und deren Konzerte an. Diese Bilder hatten Energie, Emotion, Spannung. Als dann das Internet dazukam, waren natürlich die Möglichkeiten, sich Konzertfotos anzugucken, noch viel besser.


Es sollte aber dann noch etliche Jahre dauern, bis ich selbst anfing zu fotografieren. Effektiv war das Ende 2008, als ich mir meine erste DSLR zulegte. Ich fing an, bei Konzerten von befreundeten Bands zu fotografieren. Das ging dann fließend darin über, dass ich so ziemlich jedes Konzert, das ich besuchte auch fotografisch dokumentierte. Ich wurde dann nach einiger Zeit von Burkhard Müller (facetheshow.com) gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Teil des Teams von „Face The Show“ zu werden.

Die Website  dokumentiert seit einigen Jahren die Hardcore-Szene fotografisch. Das Team verstreut sich quer über Europa und besteht aktuell aus zehn Personen. Es ist zur Zeit die vermutlich erfolgreichste Website zu diesem Thema auf europäischer Ebene, vielleicht sogar weltweit.


Was mich an dieser Art der Fotografie reizt, ist das Festhalten der Stimmung und der speziellen Momente eines Konzerts durch ein Foto. Außerdem fasziniert mich die Energie und die Leidenschaft, die sowohl die Musiker als auch die Besucher in so ein Konzert stecken. Wer noch nie auf einem solchen Konzert war, wird vermutlich beim ersten Mal denken „Die sind doch alle verrückt und nachher alle verletzt.“

Es erwarten einen Menschen, die sich ihre Lungen raus schreien, schwitzen, sich wild durcheinander bewegen und teils aufeinander gestapelt werden. So zumindest wird das wohl für Außenstehende wirken, vermute ich. Es gibt bei den meisten Konzerten keine Gräben oder Security, die braucht dort auch niemand, denn die Leute passen aufeinander auf. Es ist oft sehr familiär.


Das Schöne ist, dass man dadurch als Fotograf ganz nah ans Geschehen herankommt. Man darf nur keine Angst um sein Equipment haben… Wie so oft im fotografischen Bereich heißt es auch hier: Je näher man rankommt, desto besser wird das Bild. Jedoch sollte man wirklich darauf achten, die Band und die anderen Besucher nicht zu stören oder zu nerven. Das verdirbt nur allen den Spaß.

Ich kann mittlerweile zum Glück sagen, dass ich oft gutes Feedback von den Bands für meine Bilder bekomme und höre, dass sie sich freuen, mich beim nächsten Mal wieder zu sehen.  Bei den meisten Konzerten auf denen ich fotografiere (merke: Ich rede jetzt nur von DIY-Punk/Hardcore Konzerten!), gibt es auch kein „three songs, no flash“-Limit, was einem natürlich sehr zu Gute kommt und man daher mit vielen Bildern auf dem Chip nach Hause gehen kann.


Als ich mit der Konzertfotografie begonnen habe, hab’ ich zunächst eigentlich noch immer in Farbe fotografiert und mit Belichtungszeiten so um die 0,3“ gearbeitet, weil ich die entstehenden Bewegungs- und Lichtspiele sehr mochte. Mittlerweile sind die endgültig bearbeiteten Bilder meist schwarz-weiß und haben einen leicht analogen Look.

Verschlusszeiten variieren zwischen 1/6 und 1/60.  Ich finde diesen Stil für solche Bilder besonders passend, da kein Farbchaos entsteht durch zig verschiedenfarbige Shirts, man aber trotz allem noch Bewegungsspuren erkennen kann. Vom Motiv her versuche ich meist alles abzudecken – also Publikum, Interaktionen zwischen Band und Publikum und Musiker-Portraits.

Bei dieser Art der Konzertfotografie lebt man sehr davon, dass ein Konzert auch wirklich „gut“ ist, wie ich finde. Ohne Publikumsreaktion bleiben dann nur noch die Musiker und wenn die dann auch noch langweilig herumstehen, dann war’s das oftmals für den Tag. Ist aber das Konzert so richtig gut, dann kann ich es meist nicht erwarten, die Bilder zuhause zu sichten und zu bearbeiten.

Neulich kommentierte man mich mit „wieder einmal schneller, als die Polizei erlaubt“. Ich versuche immer die Bilder schnellstmöglich zu veröffentlichen, da es recht schnelllebig zugeht in dem Bereich.


Es gab Phasen, wo ich relativ wenig Konzerte fotografiert habe und manchmal dachte „Ach ne, da gibt’s genug Andere, die das auch machen“, und mich dann auf andere fotografische Bereiche konzentriert habe.

Jetzt im Nachhinein betrachtet, hat mir diese Pause sehr gut getan, denn alle Bilder, die ich seitdem auf Konzerten gemacht habe, sind, meiner Meinung nach besser und ich selbst habe wieder mehr Spaß daran.

Hoffen wir mal, dass es so bleibt.

Ähnliche Artikel

18 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Die, wie Björn sie nennt DIY Konzerte ind auf keinen Fall mit „normalen“ Konzerten zu vergleichen. Der fehlende Graben, die „familiäre“ Umgebung und nich zuletzt die Tatsache, dass man ,wenn man niemandem auf den Sack geht, auch ohne Probleme auf der Bühne fotografieren kann, machen den Charme von Hardcore- und Punkkonzerten aus. Man muss aber auch damit rechnen, dass es etwas, nenne wir es körperbetonter zugeht. Ich bin schon selbst aus dem Mob vor der Bühne zu Agnostic Front auf die Bühne geflohen, weil mir zu viele Körperteile um die Ohren flogen um dabei noch Bilder machen zu können. Man kann hier gut z.B. mit Fisheye und Blitz arbeiten. Nicht nur das der Blitz idR niemanden stört, hier unterstützt auch dieser Look, der bei anderen Konzerten verpönt wird, die Intensität der Show. Björns Konzertfotografie ist anders als die gewöhnlichen Konzertbilder, eventuell auch eine Spur heißer und auf jeden Fall näher dran.

    Schöner Artikel, danke.

    Sven

  2. Danke für einen Einblick in Deine Arbeit! Wäre super, wenn Du vielleicht noch was in Bezug auf verwendete Gläser ergänzen könntest und die Lichtsituation im Allgemeinen. Kleine Clubs, sind ja lichttechnisch doch oft nur mit dem Nötigsten ausgestattet, so das es ne echte Herausforderung ist, was Gescheites auf den Sensor zu bekommen, oder?

    In diesem Sinne….“Good friendly – violent fun“ ;-)

    • Die Lichtsituation ist immer sehr verschieden. Die meisten Shows „schiesse“ ich mit dem Kit-Objektiv meiner EOS 450D, zum einen ist das nicht so teuer, falls doch was getroffen wird und da ich bei diesen Konzerten mit Blitz arbeite ist die Lichtstärke nicht ausschlaggebend.

  3. Ich steh auch mehr auf die kleinen Konzerte in den Kneipen/Clubs. Zudem treten oftmals lokale Gruppen auf und performen wie die Großen! Einen wichtigen Punkt hast du vergessen: Zellstoff in die Ohren wenn man vor den Boxen steht… ;-)

  4. Interessanter Artikel! Mich interessiert schon länger, wie sich Face the Show organisiert/finanziert; ist das ein mehr oder weniger offener Zusammenschluss? Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass Du bei Konzertphotos auf S/W „umgestiegen“ bist?

    • Der „Umstieg“ auf S/W ist wie oben geschrieben eine Geschmackssache. Finde es stimmungsvoller und weniger chaotisch.

      Zum Thema FTS, wenn Entscheidungen anstehen, wie Aufnahme von neuen Leuten oder die Zusammenstellung unseres Jahreskalenders, dann sind das immer Team-Entscheidungen.

  5. Finde die Umstellung auf S/W super. Hab‘ mir früher viele Fotos von solchen Shows angeguckt, auch viele auf denen ich selber war und oftmals unterdrückt die ganze Farbe von den Lichtanlagen irgendwie den Moment. Als Beispiel vielleicht dein erstes Foto, in dem die Jungs zusammen singen. Ich finde das S/W reduziert es irgendwie auf das Wesentliche, die Interaktion von Band und Publikum, was natürlich aber auch die die Nähe der Aufnahme macht. Fasziniert mich alles einfach immer wieder. Echt coole Fotos, und in dem ganzen Gerangel ist das auch mal harte Arbeit.

    Viele Grüße,

    Lars

  6. Interresant hier einen Gastartikel von dir zu lesen. Deine Seite gehört wie kwerfeldein zu denen die ich nahezu täglich ansteuere. Mag sowohl deine Konzertbilder, als auch die Porträts usw. jenseits des Mainstreams mag ich mal sagen, Subkultur klingt mir mitlerweile etwas zu abgedroschen. ;) Als junger Hüpfer hätte ich noch genau darauf wert gelegt.
    Weiterhin noch gutes gelingen mit deinen Bildern und deiner Page.

  7. Um es mal von der Veranstalterseite zu betrachte (wir haben einige Konzerte gemacht und dazu Bands gebucht). Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, möglichst gute und auch authentische Fotos von unseren Veranstaltungen zu bekommen. Das ist für Folgeveranstaltungen ja immer die beste Werbung.
    Die 3 Songs No Flash Regel ist uns natürlich auch bekannt gewesen, wurde aber auf allen Veranstaltungen nur von einer Band in Anspruch genommen, weil sie auf den Fotos nicht so „fertig“ aussehen wollten. Ansonsten gab es nie Probleme. Fotografen durften trotz Grabens auch auf die Bühne, solang sie nicht im Weg standen oder die Performance in irgend einer Art und weise gestört hätten. Die Bands selbst haben sich dafür meist auch immer dankbar gezeigt, weil sie in den seltensten Fällen eigene Fotografen dabei hatten und so gute Fotos für ihre Webseiten bekamen.

    • Der Titel des Beitrags bezieht sich auf eine, bei Konzerten regelmässig in Kraft tretende Regel, dass man nur während der ersten drei Songs fotografieren darf und auch nur ohne Blitz. Bei den Konzerten, von denen hier die Rede ist, diese Regel aber nicht auftaucht. Daher das „?“