15. November 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

End Of Day


Der Himmel verdunkelt sich, das Licht sieht vielversprechend aus. Ich ziehe los und mache ein Bild. Drei Monate später erfahre ich nur durch Zufall, dass das Bild in einer großen US-Zeitschrift abgedruckt wurde.

An einem Samstagnachmittag im November vergangenen Jahres hatten sich die Wolken wie eine Wand über Karlsruhe gelegt. Eigentlich ist das nichts Seltenes aber alles geschah wie in Zeitlupe und dank der tief stehenden Sonne in einer tollen Beleuchtung.  Für mich, als damals ambitionierten Neueinsteiger in der Fotografie, war klar, dass ich diese Szene unbedingt auf den Sensor packen musste. Somit habe ich mich auf den Turmberg von Karlsruhe-Durlach begeben. Die Aussicht schien von dort am besten zu sein.

Wie erhofft konnte ich vom Turm aus einen genialen Sonnenuntergang – Wolken und Sonne lieferten sich ein atemberaubendes Gefecht – beobachten und dabei ein paar Bilder machen.

Wieder zuhause angekommen, habe ich die RAW Files in Lightroom durchgesehen und eine kleine Auswahl bearbeitet (mehr zur Bearbeitung weiter unten).
Das für mein Empfinden stimmungsvollste Bild habe ich „End Of Day“ getauft und auf meinem Flickr Account gezeigt. Da ich der Meinung war, dass sich das Bild auch als Wallpaper sehr gut machen würde, habe ich es zudem auf Interfacelift angeboten.

Drei Monate später erhielt ich von einem gewissen Scott aus den USA eine E-Mail. Er habe mein „End Of Day“-Bild, welches er von Interfacelift kannte, in der neuesten Ausgabe des „Popular Science Magazine“ gesehen und gratuliere mir dazu. Das Bild sei dort als eine Art LCD-TV-Werbung abgebildet.

Wie bitte? So richtig wollte ich das nicht glauben. Es wäre doch ziemlich überraschend, wenn ein großer amerikanischer Medienverlag in einer seiner größten Zeitschriften ein Bild von Karlsruhe abdruckt. Dazu noch ohne meine Einwilligung.
Ich habe diesem Scott dann in meiner Antwortmail erklärt, dass ich nichts von dieser Veröffentlichung wusste und ihn gebeten, mir einen Scan der Seite zukommen zu lassen.

Den Tag darauf hatte ich den Scan im Mailfach. Und tatsächlich, mein Bild war dort in einem Flachbildschirm zu sehen:


Das ist ja cool! Meine erste Veröffentlichung. Das Bild ist zwar nicht sonderlich groß abgebildet aber durchaus zu erkennen. Doch irgendwie konnte ich mich nicht richtig darüber freuen. Man hatte mich schließlich übergangen.

Scott hatte mich in seiner Antwortmail noch nach meiner Adresse gefragt. Er würde sich freuen, wenn er mir die Originalzeitschrift zuschicken dürfe. Sehr hilfsbereit! Er bekam meine Anschrift.

Bis ich die Zeitschrift im Briefkasten hatte, verging eine Woche. In dieser Zeit überlegte ich mir, was ich in diesem Fall unternehmen solle und besorgte mir ein paar Informationen zum Thema Copyright. Ich wusste ja, dass mir dafür Geld zustehen würde. Aber dies vermutlich nur mit einem Anwalt, was dann wiederum mit sehr viel Stress und zeitlichem Aufwand verbunden wäre.

Da es mir aber nicht so sehr um das Geld ging, sondern eher darum, die entsprechenden Personen auf ein Fehlverhalten ihrerseits hinzuweisen, entschied ich mich für die einfachere Variante.

Diese bestand aus einer freundlichen E-Mail an die Pressesprecherin des Zeitschriftenverlags, in welcher ich um Feedback zu einer „copyright violation“ gebeten habe.
Solche Worte scheinen bei diesen Unternehmen gut zu wirken, denn schon fünf Minuten später kam eine Rückmeldung  von der Person, die in dem Verlag für die Bilder verantwortlich war.

Nachdem ich ihr geschildert hatte, um welches Bild es sich handelt und gefragt hatte wie wir damit weiter verfahren, kam eine offizielle Entschuldigung mit einem Entschädigungsangebot zurück. Anscheinend wussten sie nicht, dass die Bilder, die auf Interfacelift zu sehen sind, unter Copyright stehen. In Zukunft würde darauf geachtet werden…

Man bot mir den normalen Satz für ein Bild dieser Größe plus ein klein wenig Entschädigung, was sich dann insgesamt auf einen nicht allzu großen, aber auch nicht zu kleinen, dreistelligen Dollarbetrag bezifferte. In Anbetracht der Tatsache, dass die Geschichte innerhalb von 20 Minuten Mailverkehr vom Tisch war, war ich damit auf jeden Fall zufrieden.

Gerne hätte ich Scott etwas davon abgegeben, aber er lehnte das Angebot dankend ab. Wäre er nicht so aufmerksam gewesen, hätte nie von meiner ersten Veröffentlichung erfahren.

Noch kurz eine kleine Beschreibung zur Bearbeitung dieses Bildes. Das Original RAW sieht unbearbeitet nicht ganz so dramatisch aus.

Um die Dynamik zu erweitern, habe ich den Himmel mit dem Verlaufsfilter von Lightroom mit -2,4 EV abgedunkelt.

Damit die Sonne schön knallt und die Details alle sichtbar werden, habe ich das komplette Bild zuerst um 1,15EV überbelichtet. Der fehlende Kontrast wurde nun mit einem erhöhten Schwarzwert erzeugt. Zudem wurden die Tiefen nach unten gezogen.

Die dabei absaufenden Details wurden mit dem Aufhelllicht wieder zum Vorschein gebracht. Dazu ein klein wenig Sättigung entfernt und noch etwas Feintuning in der Graditionskurve, damit das Gesamtbild stimmt.

Um eine gewisse Grundstimmung ins Bild zu bekommen, arbeite ich eigentlich immer mit der Teiltonung. Diese kommt bei vielen meiner Bilder zum Einsatz, vor allem wenn die Sonne mit im Spiel ist. Hier habe ich die Lichter leicht gelblich und die Schatten eher rötlich eingefärbt.

Alle Einstellungen hier noch mal im fertigen Bild:

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36 Kommentare

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  1. Tja, ein Verlag sollte sich vielleicht schon ein wenig mit dem Thema Copyright beschäftigen.
    Vielleicht ist das ja schon Masche, man bedient sich erstmal und zahlt dann ggf., wenn sich jemand meldet, als dass man gleich ein Nutzungsrechts erwirbt … Kommt man vermutlich sogar billiger mit.
    Naja, Glückwunsch jedenfalls, auch zu dem gelungenem Bild.

  2. Tolle Geschichte, Glückwunsch!

    Das Web macht die Welt doch irgendwie zum Dorf – echt abgefahren, dass Scott dein Bild vorher gesehen hat und sich dann auch dran erinnert, als er es gedruckt sieht und dich sogar anschreibt…

  3. Das ist ja nochmal gut gegangen, aber ich finde es schon kackdreist, dass selbst Verlage sich um sowas nicht scheren und es anscheinend erstmal vesuchen nach dem Schema „probieren kann mans ja mal“

  4. Das ist doch mal eine „verrückte“ Erstveröffentlichung. Kann mir aber vorstellen, dass dies öfter vorkommt. Nur mit dem Unterschied, dass der Urheber davon nichts mitbekommt, so wie es bei dir der Fall war.
    Übrigens: schönes Bild

    Jan

  5. Kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass sich ein Verlag keine Gedanken über das copyright Gedanken macht, aber egal. Cool für dich, dass da draußen jemand aufmerksam war und das Karlsruher Bild in den USA „entdeckte“.

    Die Entschädigung ist natürlich super, besonders wenn es so reibungslos verläuft, aber viel mehr hast du dich sicher darüber gefreut, dass dein Bild gedruckt wurde, oder?!

  6. Hi Dennis,
    sehr schöne Geschichte, zumal mit einem Happy End für alle Beteiligten…

    Schick dem lieben Scott doch zum Dank ein nettes Souvenier aus good old germany! Eine große Tafel „Merci“ oder eine erlesene Auswahl deutschen Bieres tut es sicherlich ebenso… ;-)

    Viele Grüße
    Sascha

  7. Wow, erstmal ein wirklich ausgesprochen stimmungsvolles Bild – richtig gut geworden!
    Danke für die Erklärung zur Bearbeitung!
    Und natürlich Danke für die Geschichte – ich habe leider den Verdacht, dass diese Art an Bilder zu kommen bei Verlagen nicht unbeliebt ist. Solange sich keiner meldet, bezahlt man keinen Cent und wenn es dann doch jemanden gibt, der das Copyright hält findet man den mit einer kleinen Summe ab, was aber selten genug vorkommen dürfte.
    Respekt für deine Reaktion und herzlichen Glückwunsch zum Fund eines wirklich ehrlichen und bescheidenden Menschen!

    Alles Gute, Florian

  8. Also erst mal Glückwunsch zum Druck des Bildes. Das sieht schon echt genial aus, auch auf dem Monitor in dem Druck.
    Die Bearbeitung und Erklärung dazu gefallen mir, vielen Dank dafür.
    Und natürlich auch Glückwunsch zu dem leicht verdienten Geld, wenn man bedenkt, was das für ein Stundenlohn wäre… ;-)

  9. Schön, dass es auch ohne Drohgebärden und solcher Dinger funktioniert hat, was für den Verlag spricht (wobei man eher kaum glauben kann, dass sie nicht wußten, dass es ein Copyright darauf gibt.. sie lassen es einfach drauf ankommen, denke ich und bezahlen dann 500 Dollar für’s Bild und gut ist).
    Allerdings ist es schon geil, wenn sein eigenes Bild in einer Zeitschrift abgedruckt wird.
    Das Bild selbst finde ich äußerst beeindruckend!

    M.

  10. Das ist leider eine übliche Vorgehensweise – erst mal klauen und warten, ob es jemanden auffällt. So werden die Kosten auf einem absoluten Minimum gehalten. Manche Unternehmen aus Ländern in welchen das copyright mit den Füßen getreten wird (.ru, .cn, …) sind sogar so dreist selbst RA-Schreiben nicht mal zu ignorieren.

    Ich fand schon Bilder von mir bei ipernaty – und der user behauptet frech in seinem blog, nur Bilder aus seinem eigenen Fundus zu verwenden, den hat er halt mit geklauten Bildern gefüllt.

    Schade!

    Danke auch für die Aufbereitungsschritte

    Denn

  11. Tja, hier zeigen sich die Vorzüge einer weltweiten Vernetzung. Wenn nicht diese, würden sicherlich noch mehr Bilder ohne Zustimmung irgendwo veröffentlicht.

    Schön, dass es bei dir relativ glücklich ausgegangen ist.
    Dass das Foto auch im größeren Druck es in eine Zeitschrift verdient hat, steht eh außer Frage ;)
    VG