04. November 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

INDIEN 2010 (Teil 2 von 2)

Wie gestern versprochen nun Teil 2 des Indienberichtes – falls ihr ihn noch nicht gelesen habt: Hier ist INDIEN 2010 Teil 1.

In der Ruhe liegt die Kraft

Indien ist hektisch, heiß und lärmt. Optimale Voraussetzungen also um Fotos zu schiessen. Wer bei diesem Rahmenbedingungen trotzdem gute Fotos mache möchte, sollte lernen sich von diesem Stress frei zu machen, sich auf das Land einzulassen und lernen, eben jene oben stehende Aspekte Indiens zu genießen. Für mich bedeutet das konkret, mir Freiräume zu schaffen, ein paar Stunden für mich zu nehmen und alleine loszuziehen, um Land und Leute ganz für mich und ohne Stress kennenzulernen. Alleine zu sein hat dabei einige entscheidende Vorteile: man fällt weniger auf, ist konzentrierter, unabhängiger und beobachtet naturgemäß genauer.

INDIEN 2010

Hemmungen abbauen

Die Streetfotografen unter uns werden das Problem bereits kennen: wie spricht man Menschen an? Wie macht man sich bemerkbar ohne gleichzeitig zu aufdringlich zu sein? Bedingt durch ihre Kultur haben die Inder einen merklich geringeren Individualabstand als wir Europäer. Sie sind offener, was es sehr einfach und auch angenehm macht mit ihnen in Kontakt zu treten. Viele Inder lassen sich gerne fotografieren und fragen teilweise sogar danach.

Das Englisch (was in der Praxis oft eine Mischung aus Hindi, der Regionalsprache und Englisch ist) der Inder ist mehr als ausreichend um nachzufragen, ob es in Ordnung sei ein paar Fotos zu schiessen. Sollte das allerdings nicht der Fall sein, kann man sich immer noch damit bemerkbar machen, dass man die Kamera hochhält und eindeutig signalisiert, dass man Fotos machen möchte. Meistens ist die Reaktion auch hier positiv und man wird nur selten weiter gewunken.


Selektiver werden

Neue und fremde Kulturen interessieren uns fotografisch naturgemäß brennend. Oft haben wir das Gefühl, auch das kleinste Detail festhalten zu müssen – nicht weil es unbedingt tatsächlich interessant ist, sondern einfach weil es anders ist. Um mit den geschossenen Bildern am Ende nicht gängige Klischees zu bedienen, ist es also umso wichtiger sich darüber klar zu werden an was man selbst interessiert ist und was man mit seinen Bildern zeigen möchte. Nichts ist unsympathischer als Fotografen, die einen (indischen) Markt erobern als sei es der Sturm auf die Bastille.

Da ich 2007 bereits für 3 Monate in Indien war, hatte ich schon vieles gesehen und auch vieles fotografiert. Daher war es für mich innerhalb dieser Reise wichtig selektiver zu werden und zu lernen, die Kamera auch einfach mal im Rucksack zu lassen – sie aber dann auszupacken wenn ich etwas sehe, das mich wirklich interessiert. Nicht nur weil es indisch und damit anders ist.

INDIEN 2010

Sich auf neue Terrains wagen

Wer meine Arbeiten kennt, weiß, dass ich mein Herz an die Portraitfotografie verloren habe. Je weiter man jedoch in den hohen Norden Indiens vordringt, desto dünner besiedelt sind die verschiedenen Regionen. Zeit also, sich sprichwörtlich auch mal auf neue Terrains zu begeben und sich neuen Herausforderungen zu stellen.

INDIEN 2010


INDIEN 2010

Ich muss zugeben, dass mich die Landschaftsfotografie nie besonders interessiert hat  – was vielleicht auch daran liegen könnte, dass ich in Holland lebe und mir die objektive Distanz zur Schönheit der Natur hier etwas fehlt. Als Betrachter habe ich gute Landschaftsfotografie schon immer geschätzt. Aus irgendeinem Grund hatte ich jedoch bisher noch nicht genügend „Drive“, um selbst aktiv zu werden. Es könnte wahrscheinlich keinen schöneren Ort auf der Welt geben, um damit anzufangen als der Himalaya in der Grenzregion zu Pakistan und China.

Auch wenn die Portraitfotografie immer mein Steckenpferd bleiben wird, so ist es doch ab und zu auch mal ganz gut, fotografisch völliges Neuland zu betreten, um Dinge wie Komposition, Licht und Stimmung von einer anderen Warte aus zu betrachten.


INDIEN 2010

INDIEN 2010

Wenn ich die letzten drei Trips so aus der Retrospektive betrachte fällt mir auf, dass die Rahmenbedingungen wie etwa das Equipment oder die in dem Land vorherrschenden Bedingungen nicht das Ausschlaggebende für die Qualität der Arbeiten ist.

Vielmehr ist es die eigene Haltung, die eigene Perspektive und die eigene Herangehensweise die bestimmen, wie und wie gut das Material, das man mit nach Hause bringt ist und schlussendlich aussieht. Es ist unsere Wahrnehmung und unser fotografisches Interesse an der Kultur, an der Landschaft und an den Menschen, die ebenfalls bestimmen, wie gut und aussagekräftig unsere Fotos werden.

Und nicht das Objektiv, der Body oder der Trubel um uns herum.

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