03. November 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

INDIEN 2010 (Teil 1 von 2)

Als ich vor 3 Jahren zum ersten Mal in Indien war, habe ich meine Liebe zum Reisen, für Indien und nicht zuletzt für Asien entdeckt. Überwältigt von der Kultur und von der ständigen Reizüberflutung dort habe ich angefangen meine Eindrücke festzuhalten. 2 Jahre später folgte dann der Trip nach Thailand, Laos und Kambodscha.

Schon vom ersten Moment an an hat mich Indien und seine oft widersprüchliche Kultur unglaublich fasziniert.  Obwohl Thailand ein wunderschönes (Urlaubs-) Land ist, stand für mich fest, dass ich wieder nach Indien zurück muss, um auch noch den Norden und den Westen des Landes zu bereisen um mir ein – zumindest halbwegs – vollständiges Bild machen zu können.

Vergangenen Sommer sollte es dann endlich so weit sein: 9 Wochen. 4 Jungs und die atemberaubenden Ausläufer des Himalayas.

Vorbereitungen

Ich muss zugeben, dass ich beim Reisen nur das Notwendigste (Visum, Impfungen, Auslandskrankenversicherung etc.) vorbereite und plane. Gerade Indien ist in meinen Augen das genaue Gegenteil von Organisation. Wer Indien in vollen Zügen genießen möchte, sollte anfangen die To-Do Liste wegzulegen, sich treiben zu lassen und diese Erfahrung einfach auf sich wirken zu lassen, anstatt seiner Reise durch Hyperorganisation seine ganze Magie und seinen ganzen Reiz zu nehmen.

Wer jedoch vor hat, dort zu fotografieren, muss sich aber nichtsdestotrotz im Vorfeld ein paar Gedanken machen:

INDIEN 2010

Safety First

Wer an Indien denkt, dem fällt zu aller erst die Überbevölkerung, die Hitze und der Dreck ein. Grund genug schon im Vorfeld dafür zu sorgen, dass das Equipment bestmöglichst geschützt ist. Im Klartext heißt das: ein robuste Kameratasche und vor allem eine gute Fotoversicherung. Mein Tamrac Adventure 7 ist zwar vielleicht nicht der beste Kamerarucksack, reicht aber für die Zwecke völlig aus. Klein, günstig und vor allem robust – alles was ich brauche.

Indien ist im Allgemeinen ein sehr sicheres Land. Wer seine Kamera als Werkzeug und damit als Gebrauchsgegenstand ansieht, für den ist eine gute Versicherung  essentiell. Gerade mit Hinblick darauf, dass keine meiner Linsen versiegelt ist und
das Eindringen von Staub somit ein ernstzunehmendes Risiko ist. Ich persönlich habe mich dafür entschieden, mein gesamtes Equipment bei Foto Assekuranz gegen so ziemlich jeden denkbaren Schadensfall versichern zu lassen.


INDIEN 2010

Die Wahl des Equipments

Viele von uns träumen davon große Fotoprojekte/-safaris mit viel Equipment in fernen Ländern umzusetzen. Diejenigen, die aber schon einmal auf einem asiatischen Markt mit gefühlten 10.000 Menschen waren, haben diesen Traum vielleicht bereits aufgegeben. Wenn ich reise, möchte und muss ich flexibel sein. Viel Equipment dabei zu haben widerspricht dieser Maxime jedoch fast vollständig. Gerade in einem so hoffnungslos überbevölkertem Land wie Indien, in dem Busse erst dann als voll gelten, wenn das Busdach als chairclass deklariert wird, ist es wichtig, leicht zu reisen und beweglich zu bleiben.

Sich in der Wahl des Equipments einzuschränken bringt jedoch noch einen weiteren, großen Vorteil mit sich: weniger Möglichkeiten. Je mehr Equipment ich dabei habe, desto freier bin ich zwar in meinen kreativen Entscheidungen. Jedoch leidet die Spontaneität darunter. Wenn ich reise, möchte ich das einfangen, was ich wahrnehme, was mir wichtig ist und nicht mit meinen Gedanken ein weiteres mal bei der eigentlich doch so sekundären technischen Umsetzungen hängen bleiben.

Technik macht steif, wenn nicht sogar lethargisch.

Daher habe ich mich dazu entschieden, mich auf das Nötigste zu reduzieren: Nikon D90, Nikkor 50mm f1.4D, Nikkor 18-200mm f3.5-5.6 VRII, Nikon SB-900. Weitwinkel, Tele, Normalfestbrennweite, Blitz.

Was braucht man mehr? Andere Leute stellen mit weit weniger Ausrüstung weitaus tollere Sachen an.

INDIEN 2010

Die Wahl der Brennweite

Wer einen Brennweitenbereich von 18 bis 200 Millimetern zur Verfügung hat, kennt das Problem: Weitwinkel, Normal oder Tele? Die Qual der Wahl. Daher war es schon zu Beginn der Reise für mich wichtig, zu klären, mit welchen Brennweiten ich verstärkt arbeiten möchte. Zu viele Optionen zu haben ist selten gut und wirkt sich meiner Ansicht nach nur negativ auf die Qualität der eigenen Arbeiten aus.

An dieser Stelle werden sich die Geister wahrscheinlich scheiden. Die einen arbeiten lieber im Tele-Bereich, die anderen bevorzugen kurze Brennweiten. Da mein Mitbewohner, Philipp Stakenborg (Flickr) in Indien u.a. mit dem Nikkor 70-200mm f2.8 VRI unterwegs war, hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, zu sehen was es eigentlich heißt mit so einer mächtigen Brennweite dauerhaft zu fotografieren.

Gerade in engen Bussen, Zügen oder auf Märkten habe ich mein kleines, leichtes Nikkor 50mm f1.4D schätzen und lieben gelernt. So schön das weiche Bokeh des Nikkor 70-200mm auch sein mag – ich mag es irgendwie dichter an den Menschen dran zu sein, wirklich mit ihnen in Kontakt zu treten und ihnen einfach nahe zu sein.

… und morgen in Teil 2 meines Indienberichtes erzähle ich Euch davon, dass „in der Ruhe die Kraft liegt“, bespreche das Thema Hemmungen abbhauen und zeige auch noch ein paar Landschaftfotos – bis dahin!

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