02. November 2010 Lesezeit: ~7 Minuten

Der Fotofilm

Nachdem wir in meinem letzten Gastbeitrag uns Gedanken darüber gemacht haben, wie man einen Fotoessay aufbaut und so Geschichten erzählen kann, die sich mit einem einzigen Bild nur schwer erzählen lassen, widmen wir uns heute quasi dem nächsten Schritt, dem Fotofilm, der in der letzten Zeit durch die Möglichkeiten des Internets immer beliebter geworden ist.


Warum überhaupt Fotofilm?

Der Fotofilm ist gerade unter Photojournalisten hoch im Kurs und heiß diskutiert. Der Fotofilm bietet viele neue kreative Möglichkeiten seine Bilder zu präsentieren und durch die Ergänzung des Mediums Ton werden die Bilder in ihrer Wirkung oft verstärkt. Während dies bei Journalisten oft zu neuen Fragen führt, wie z.B. ob Musik nicht eine Stimmung erzeugt und man deshalb von der neutralen Berichterstattung (falls es so etwas überhaupt gibt) abweicht, bietet der Fotofilm für die meisten Fotografen eine interessante Möglichkeit, ihre Bilder zu präsentieren.


Wie kann ein Fotofilm aussehen?

Es gibt viele verschiedene Stufen der Fotofilms, angefangen bei der klassischen Slideshow, die mit Musik unterlegt wird, über Slideshows, die mit einem Audiokommentar versehen werden oder Slideshows, die gezielt mit aufgezeichneten Geräuschen und O-Tönen arbeiten bis hin zu komplexen Multimediaprojekten, die Fotos, Video und Ton miteinander verbinden und so ganz neue Möglichkeiten des Erzählens schaffen. Ein spannendes Feld um sich kreativ auszuprobieren und neue Sichtweisen und Inspiration auf manche Fotoprojekte zu bekommen.

Programme

Seit einiger Zeit schon gibt es ein Programm, was das erstellen von Fotofilmen, gerade einfache mit Musikunterlegung, kinderleicht macht. Das Programm heißt Soundslides und bietet eine extrem einfach Benutzeroberfläche. Ihr wählt einen Ordner mit Bildern aus und einen Audiofile und das Programm verbindet beides in passender Länge miteinander. Danach ist es dann möglich die Reihenfolge der Bilder zu ändern, Bildlängen anzupassen, usw. Es kann die IPTC-Daten als Bildbeschreibungen nutzen, was ein- und ausgeblendet werden kann.

Alles sehr übersichtlich angeordnet und leicht zu bedienen. Wenn ihr die Slideshow so habt, wie ihr wollt, könnt ihr sie einfach exportieren und auf euren Server laden. Die Demoversion ist zeitlich unbegrenzt voll nutzbar, einzig ein Soundslideslogo wird zu Beginn angezeigt und die embed-Möglichkeit sowie die Umwandlung in einen mp4-File ist nur für Pro-Accounts nutzbar.

Gegenüber Videoschneideprogrammen bietet Soundslides die Möglichkeit auch durch die Bilder einzeln zu klicken und sich kleine Vorschauen anzeigen zu lassen.

Schwierig wird es allerdings bei komplexeren Projekten, die beispielsweise mehrere Audiofiles benötigen, die zusätzlich noch passgenau eingesetzt werden müssen. Hier empfehle ich auch das kostenlose Audioschnittprogramm Audacity zurückzugreifen, was euch erlaubt die Audiofiles passgenau zu schneiden.

Wem das immer noch etwas zu kompliziert ist (schließlich seht ihr dann beim Audioschnitt die Bilder nicht), dem empfehle ich auf ein klassisches Videoschneideprogramm zurückzugreifen. Programme wie Windows Movie-Maker beim PC oder iMovie beim Mac sind in der Regel in jedem Rechner vorinstalliert und leicht zu handhaben.

Sie bieten dabei auch eine Reihe von Effekten und Übergängen an und zwei Audiospuren werden mindestens unterstützt. Vorteil ist, das ganze kann am Ende als HD-Film ausgeworfen werden und beispielsweise auf Vimeo oder Youtube hochgeladen werden.

Technische Umsetzung

Da die Meisten von uns wohl einen größeren Fokus auf den visuellen Teil der Slideshow legen werden, findet meist die Auswahl und Anordnung der Bilder als erstes statt. Dies macht vor allem Sinn, wenn man eine klare lineare Abfolge hat, beispielsweise eine Bilderserie über einen Tag oder von einer Reise. Dann wird die Musik unterlegt oder die O-Töne zugeordnet.

Wer jedoch die Atmosphäre, die Audio erzeugt, spannend findet, dem empfehle ich es auch mal andersherum zu versuchen und quasi die Bilder als Untermalung des Tons zu nutzen.

Bei komplexeren Projekten mit Interviews, Video, Fotos, viele O-Tönen, habe ich es mir mittlerweile angewöhnt Storylines zu machen. Ich transkribiere dazu beispielsweise Interviews, schreibe auf, wo welcher Tonfile ist und drucke Bilder aus. Ich habe Metallschienen bei mir an der Wand, an denen ich dann die einzelnen Bilder, Tonfiles, Interviewausschnitte mit Magneten anordne. Dies ist zwar relativ viel Arbeit, jedoch ermöglicht es sehr genau zu arbeiten und vor allem viel zu experimentieren.

Ich habe einen sehr guten Überblick über das Material, kann sehr genau filtern, was spannend ist und was vielleicht schon so ähnlich mal gesagt wurde. Gerade bei längeren Projekten, die über eine Länge von drei Minuten hinausgehen eine empfehlenswerte Vorgehensweise. Und wenn die Arbeit einmal getan ist, geht der Schritt es wirklich zu schneiden um ein vielfaches schneller, weil man ein klares Konzept hat, dem man einfach nur noch folgen muss.

An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass dies wirklich nur für komplexere Projekte von Nöten ist. Ein einfacher Fotofilm mit Musikuntermalung oder einem Audiokommentar ist ohne viel Aufwand schnell gemacht.

Video vs Fotofilm

Oft wird gefragt: Warum nicht gleich Video? Und beide Medien wachsen durch die neuen HDDSLRs auch stärker zusammen. Ist Video die Fotografie der Zukunft? Viele Fotojournalisten fürchten das, wo immer mehr Content auf das Internet verlegt wird, neue Präsentationsformen geschaffen werden.

Natürlich gibt es viele Gründe, warum es die Fotografie immer geben wird und sie auch immer etwas Einzigartiges haben wird.

Das Foto, auch in einem Fotofilm, hat erstmal einen entscheidenden Unterschied zum Video. Es lässt den Betrachter aktiv das Bild erkunden. Durch die längeren Standzeiten des Fotos, die wir in Slideshows in der Regel haben (Es sei denn, ihr feuert sie auch mit 24 Bildern pro Sekunde ab), hat der Betrachter Zeit das Bild zu erkunden, ist also aktiv dabei sich seinen Weg zu suchen.

Das Video ist zum selben Zeitpunkt ist für den Betrachter ein eher passives Erlebnis, da das bewegte Bild das Auge lenkt. Ein spannender Gedanke, der vielleicht den ein oder anderen dazu einlädt einmal mit einer Kombination von Fotos und Video zu experimentieren.

Etwas Inspiration:

Wenn ihr jetzt wissen wollt, wie so etwas noch aussehen kann, empfehle ich euch die Multimediaproduktionen von:

Alle Beispiele sind aus dem Bereich des Photojournalismus und behandeln teilweise auch sehr harte Geschichten, aber auf jeden Fall einen Blick wert.

Und wem das noch nicht reicht, den lade ich ein, hin und wieder in meinem Blog vorbeizuschauen, wo ich in regelmäßigen Abständen außerordentliche Multimediaarbeiten vorstelle.

Hat euch das geholfen? Fehlt etwas? Habt ihr andere Herangehensweisen oder Programme, die ihr empfehlen könnt?

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