kwerfeldein
23. September 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Fotografieren mit dem iPhone

Als ich im April 2010 mein iPhone nach Jahren sehnsüchtem Wartens endlich bestellt und beim Telekom-Shop von der freundlichen Verkäuferin in die Hand gedrückt bekam, war das Letzte, an das ich ernsthaft gedacht hatte, damit zu fotografieren.

Denn vordergründig interessierten mich die Apps um die unendlichen Weiten des Social Web. Und ausserdem hatte ich keine großen Erwartungen an Glas & Sensor des Apfelproduktes und hielt zu Beginn ab und zu aus Scherz die Linse in die Höhe, um ein Testbild zu machen oder sowas in der UnArt.

Gang Lichtspiel im Treppenhaus

Als dann nach einer Woche hemmungslosem App-Ausprobier-Wahnsinn die Idee aufkam, jetzt einfach mal den Alltag festzuhalten und das Ganze auf malsomalso.tumblr.com zu verewigen, fiel mir erstmals auf, dass es sehr wohl funktionieren kann. Das Fotografieren mit dem iPhone.

Zumindest für mich – und das war mir immer schon das Wichtigste gewesen. Immer, wenn ich merkte, dass ich in Gedanken darüber nachsinnierte, was nun so manche Leute von meinen Handybildern halten würden, verwarf ich diese Sorge umgehend und radikal.

Wie auch in der Landschaftsfotografie wollte (und will) ich mich vor allem auf eines konzentrieren: Was mir (ge-)auffällt und was aus meiner Sicht ästhetisch wirkt. Dabei habe ich nicht die geringste Absicht, irgendeinen Schönheitswettbewerb zu gewinnen.


Gute Nacht, Karlsruhe
Guten Morgen, Karlsruhe

Irgendwann – vielleicht nach 4 Wochen – bemerkte ich eine Veränderung, was das Fotografieren mit dem iPhone betraf.  Denn bisher habe ich tendenziell so fotografiert, dass ich nach guten Fotos ausschau hielt bzw. diese so gut wie möglich plante. Ich möchte dabei das tendenziell besonders betonen, denn natürlich kenne ich auch die andere Seite, das Warten auf den richtigen Moment, beispielsweise bei einer Hochzeit.

Doch gerade mit dem iPhone hat sich diese Haltung radikalisiert. Was das heißt? Ich suche nicht mehr nach dem guten Foto und plane überhaupt nichts. Wenn mir im Alltag eine Situation begegnet, die mir gefällt, wird sie aufgenommen. Fertig. Nicht umgekehrt. Ich warte auf das Bild anstatt es – übertrieben ausgedrückt – zu erzwingen.

Stulle

Mir wurde von verschiedenen Seiten angeraten, mit der iPhone Fotografie aufzuhören. So mancher meinte, es wäre ein Rückschritt, den ich vollzogen hätte, da meine Landschaftsfotos mit der „richtigen Kamera“ viel besser wären.

Nun, wie ich finde, sind das zwei paar Schuhe. Vielleicht sogar der Versuch, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Denn auch an mir ist nicht vorrüber gegangen, dass Objektiv und Sensor eines Handys nie und nimmer bei meiner 5D mithalten können. Und das ist auch völlig in Ordnung, aber kein Grund, das alles über den Haufen zu werfen.


Cola
Kaffeebohne in Gesellschaft

Ebenso meine Spielereien mit Bildbearbeitungs-Apps. So existiert die Position, iPhone Fotos würden nur wegen der Bearbeitung so cool wirken. Nun – freilich kann man dieser Meinung sein. Doch, egal, welches Bild jemand betrachtet, es wirkt meiner Ansicht nach keinesfalls wegen & ausschließlich durch EINE Sache. Warum?


Feierabendbier
Schattenspiel der Blätter

Weil viele kleine Faktoren (Motiv, Aufnahmewinkel, Farben, Abstand zum Motiv, Moment usw…) zusammenkommen, wenn ein Foto entsteht.

Man vergesse dabei nicht das Licht, welchem bei einem teilweise erbärmlichen Sensor wie dem des iPhone 3Gs eine ganz besondere Rolle zufällt. Fotografiere ich bei ungünstigem Licht, so kann ich noch so viele Effekte über das Foto ziehen – besser (Frage: was ist das?) wird es dabei keineswegs. Denn dafür sind die Möglichkeiten des Apfelgerätes zu beschränkt.

Weiter genieße ich es heute, diverse Bildbearbeitungs-Applikationen auf dem iPhone auszuprobieren. Denn so gerne ich mit Hilfe Lightroom 3 meine Fotos justiere, ebenso gerne spiele ich an diversen Reglern unterschiedlichster Foto-Apps herum, deren Vielfalt einen ganz besonderen Reiz des Fotografierens mit dem iPhone ausmachen.


Zukunft
Gegenlicht

So gibt es hunderte oder gar tausende unterschiedlichster Fotopgramme zu meist erschwinglichen Preisen oder gar völlig frei zur Verfügung. Ich selbst habe mittlerweile nur noch eine kleine Auswahl letzterer in Betrieb und demnächst wird Holger Lückerath ein sehr bekanntes hier auf kwerfeldein.de vorstellen.

Ich persönlich freue mich so jeden Tag an der Möglichkeit, eine – wenn auch nicht optimale – Kamera in der Hosentasche dabeizuhaben und ab und zu ein Foto damit zu machen. Wenn dieses dann jemandem gefällt, schön!

Wenn nicht, ist das auch in Ordnung ;)

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