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17. September 2010 Lesezeit: ~12 Minuten

Meine erste DSLR – Die Canon 550D – Ein Erfahrungsbericht

Philip DehmDas ist ein Gastartikel von Philip Dehm. Philip ist 26 Jahre alt und arbeitet als Techniker für Elektrotechnik am KIT in Karlsruhe. In seiner Freizeit spielt er Schlagzeug mit seiner Band Palm Valley und dem Percussion-Projekt Beatboys. Seit einem Jahr beschäftigt er sich intensiv mit der Materie Fotografie.

Der folgende Bericht soll euch zeigen, wie ich zur Fotografie gekommen bin, warum meine Canon 550D meine erste DSLR ist und welche Erfahrungen ich schon in kurzer Zeit mit ihr sammeln konnte. Vielleicht ist es für einige von euch eine kleine Hilfe in der Entscheidungsfindung, sich eine Spiegelreflexkamera zuzulegen, vielleicht sogar dieses Modell.

Um das kurz vorwegzunehmen, ich werde hier bis auf einige kleine Ausnahmen keine großen Technikfeatures, Tabellen mit Werten und Zahlen, Diagrammen oder Tests und Vergleichsbildern mit anderen Kamera-Modellen aufzeigen. Diese Informationen findet man im Datenblatt oder auch zu Hauf im Internet.

Canon 550D

Dies ist lediglich ein kleiner Erfahrungsbericht und zeigt auf, was ich schon alles mit dem kleinen Teil erlebt habe. Er ist besonders an Fotografieneulinge und Fotografiebegeisterte gerichtet die gerade auf der Suche nach ihrer ersten oder auch einer neuen Spiegelreflexkamera sind.

Die Vorgeschichte

Schon vor ca. einem Jahr, ich hatte gerade die Technikerschule beendet, beschloss ich meine alte Lumix TZ-7 Kompaktkamera auf die Seite zu legen und mich der DSLR-Fotografie zu widmen. Ich wollte qualitativ einfach bessere Bilder machen. Ein „Fotoauge“ und Bock auf Fotografie bzw. Video hat ich irgendwie schon immer. Aber erst jetzt kam das Thema wieder richtig auf. Zu diesem Zeitpunkt informierte ich mich schon ausführlich über diese Technik, Einstellungsmöglichkeiten und die verschiedenen Kamerafabrikate von DSLR’s.

Beispielbild - Laterne NachtaufnahmeRelativ früh stand dabei schon fest das es eine Canon sein sollte, ganz einfach aus dem Grund weil sie mir von der Aufmachung und Bedienbarkeit am ehesten zusagten. Ich ging also in das nächste Fotofachgeschäft und fragte die Verkäuferin: „Ich bin auf der Suche nach einer digitalen Spiegelreflexkamera. Können Sie mir da etwas empfehlen?“

„Wann wollen Sie diese denn kaufen?“ erwiderte Sie. Ich sagte: „So in ca. einem halben Jahr wenn mein Budget ausreichend ist. Ich wollte mich nur schonmal im Vorfeld informieren“. „Tja, dann kommmen Sie am Besten nochmal in einem halben Jahr zu uns“.

OK! Kurze Feststellung: Die Kamerawelt ist also sehr schnelllebig. Bridgekameras, Actioncams für Unterwasseraufnahmen und den Outdoorbereich, Handykameras mit 10 Megapixeln Auflösung erobern den Markt, und ständig kommen neue Produkte hinzu. Jeder kann alles auf Bild festhalten, mit einer Kamera aus der Hosentasche. Aber zu welchem Preis?! Und was will ich eigentlich fotografieren, was soll meine neue Kamera können?

Beispielbild - SchrotteuleIch wollte eine Kamera die mich voll und ganz überzeugt und die über die Grenzen meiner letzten Kompaktkamera hinausgeht. Ich wollte bessere Bilder bei Nacht machen, sich schnell bewegende Motive besser einfrieren. Belichtungszeit, ISO, Rauschverhalten sind nur einige dieser Stichworte die mich letztendlich zu diesem Kauf bewegt haben. Aber wieder zurück zur Geschichte.

Genau ein halbes Jahr später, ich bin inzwischen regelmässiger Leser von Fotomagazinen, Blogs (auch natürlich diesem) und Testberichten von Kameras, begab ich mich nochmals in dasselbe Fotofachgeschäft. Diesmal mit dem konkreten Wunsch – eine DSLR, die Canon 550D! Mit dem kleinen 18-55 mm KIT-Objektiv? Nein, mit dem großen 18-135 mm KIT-Objektiv. Darf es noch etwas an Zubehör sein? Aber Hallo!

Der Kamerakauf und das Zubehör

Eine digitale Spiegelreflexkamera, kann man entweder „nackt“, das heisst nur den Body (Gehäuse) der Kamera kaufen oder als KIT zusammen mit einem Objektiv von oft derselben Marke. Mit Linse vorne drauf macht das Fotografieren aber natürlich deutlich mehr Spaß. *Hust* Kleiner Scherz am Rande. Darum gabs gleich das große 18-135 mm dazu.

Da ich noch ein bisschen weiter dachte, wollte ich neben der Kamera gleich noch einiges an Zubehör mitnehmen. Hier nun eine kleine Liste meines Einkaufs.

  • Body EOS 550DCanon 500D Front
  • Ersatzakku (NoName)Für mich als Vielfotografierer einfach ein MUSS. Wem einmal der Akku in einem schönen Fotomoment leer gegangen ist, der will das kein zweites Mal erleben.
  • 18-135 mm EF-S KIT-ObjektivObjektiv 18-135 EF-SWer sich die EOS 550D im KIT kaufen möchte hat die Möglichkeit zwischen dieser Version und der kleineren 18-55 mm Variante. Für mich war das größere die bessere Wahl, da der Brennweitenbereich größer ist und die Verarbeitung deutliche Vorteile aufweist.Die Objektivvielfalt und dass viele meiner Freunde auf dem gleichen Format fotografieren war ein Grund die Canon zu kaufen. Auch konnte ich schon mit vielen anderen Objektiven erste Erfahrungen sammeln und mir eine Kauf- oder nicht-Kauf Entscheidung leichter machen.
  • UV-Filter mit 67 mm-Gewinde für das 18-135 mm ObjektivKann optional zum Schutz des Objektiv-Frontglases gekauft werden, verändert aber auch das Bild bei UV-Einstrahlung.
  • Speicherkarte – San Disc Ultra Class 4 SDHC 16 GBEssentiel für die Fotografie mit einer digitalen Kamera. Je größer und vor allem schneller (Angabe in MB/s), desto besser.
    Die Kamera unterstützt bereits den SDXC – Standard für Karten bei der Größen bis zu 2 TB. Allerdings gibt es noch nicht wirklich viele bezahlbare Modelle.
  • Die Sonnenblende für das 18-135 mm Objektiv von CanonSie kann immmer bei starkem Gegen- oder Seitenlicht verwendet werden um Reflektionen zu vermeiden. Allerdings ist die Original Canon-Blende mit 40 Euro für das 18-135 mm Objektiv etwas überteuert.
  • ND8-Graufilter von HoyaDieser Filter reduziert den Lichteinfall in das Objektiv und bietet sich z.B. für Langzeitbelichtung am Tag an. Für Einsteiger aber nicht umbedingt ein Muss.
  • Kamerarucksack von LoweProDies ist bei einem solchen Kauf sehr zu empfehlen da es die teure Ausrüstung einfach sicherer aufbewahrt und transportabel macht.
  • Joby GorillaPod – DSLR-StativDa ich noch ein portables Stativ benötigte fiel meine Wahl auf den Joby GorillaPod, ein bewegliches 3-Bein Stativ mit verbiegbaren Standfüßen.
  • Ein Selbstauslöser mit 5 m Kabel (NoName)Sehr zu empfehlen für Selbstportraits oder Langzeitbelichtungen.

Summa Summarum hat mich das Ganze dann insgesamt 1300 € gekostet. Nach der Photokina nächste Woche könnten die Preise dann auch nochmal ein bisschen in den Keller gehen.

Warum sich der Kauf gelohnt hat

Leider kann ich hier aus Platzgründen nicht auf alle Funktionen eingehen sondern werde lediglich einige beleuchten, die mir persönlich am positivsten aufgefallen sind und somit für den Kauf ausschlaggebend waren.

Beispielbild - Bruschetta

Wie bei fast jeder handelsüblichen DSLR verfügt auch diese Canon über verschiedene Voll- und halbautomatische Modi. Die beiden Wichtigsten für mich aber waren und sind bisher noch der manuelle Modus M und der CA (Creative Assistent).

Der manuelle Modus war für mich der Hauptgrund für eine DSLR. Hier kann ich alle Einstellungen tätigen um das Bild nach meinen Wünschen zu gestalten. Verschlusszeit, Blende, ISO.

Stichwort Rauschverhalten: Einer der Hauptgründe für den Kauf dieser Kamera ist eben dieses schwache Rauschverhalten bei Bildern mit hohen ISO-Werten. Dies macht sich besonders bei Nachtaufnahmen bemerkbar. Im Vergleich dazu hatte meine alte Lumix einen Maximalwert von ISO 1600 und dabei schon sehr starkes Rauschen. Bei der 550D sind im H-Modus ISO 12800 möglich.

Kurz und knapp – Ich habe jetzt die volle Kontrolle über mein Bild, über diesen einen Moment in dem ich den Auslöser drücke.

Da ich mich vorher schon sehr gut eingelesen hatte, war die manuelle Funktion für mich dann nur noch Einstellungssache. Dem Anfänger empfehle ich erst mit den halbautomatischen Modi warm zu werden und dann auf den M-Modus umzusteigen. Wer sich voll und ganz mit allen Funktionen der Cam vertraut machen will, für den empfiehlt sich das 550D-Buch von Galileo Design (40 € bei Amazon).

Beispielbild - DropsOnALleaf

Der CA (Creative Assistant) kommt da wesentlich schlichter daher. Er ist eine sehr gute Funktion für den Fotografie- Anfänger. Hier kann denkbar einfach das Bild in 4 Schritten eingestellt werden:

  1. Blitz Auto, Blitz An oder Blitz Aus
  2. Hintergrund unscharf < –> Hintergrund scharf
  3. Belichtung dunkler < –> Belichtung heller
  4. Bildfarbe Standard, sanfte Hauttöne, leuchtende blau- und grün- Töne oder Monochrom.

Dieser Modus eignet sich besonders für Einsteiger, die wissen wir ihr Bild aussehen oder in welche Richtung es gehen soll, aber die manuelle Einstellungen noch scheuen.

Das Display und die Qualität

Die Farbbrillianz und Auflösung des 3:2 Displays ist herausragend und für die einwandfreie Endkontrolle des Bildes mehr als nur ausreichend. Es kann in das Bild hinein-/herausgezoomt werden, RGB-Kanäle und das Histrogramm gehören ebenfalls zur Anzeige. Zusätzlich kann man den Live-View-Modus anschalten. Somit erscheint das Sucherbild direkt auf dem LCD-Bildschirm. Das kann in so mancher Situation z.B. bei Über-Kopf-Fotos sehr hilfreich sein.

Beispielbild - Geschnetzeltes

Es ist eine maximale Bildauflösung von 18 Megapixeln möglich. Das entspricht einer Auflösung von 5184*3456. Die Bilder können in RAW (unkomprimiertes Format der Kamera) oder mit 18 Megapixeln und einigen anderen Komprimierungsstufen geschossen werden.

Zum Speichern empfiehlt sich eine schnelle Speicherkarte, mind. Class 4. Ich habe mit der San Disk Extreme/Ultra sehr gute Erfahrungen gemacht. Canon empfiehlt denoch Class 6 als Minimum. Besonders Videofilmer und Sportfotografen sollten auf die Schreibgeschwindigkeit der Karte großen Wert legen. Im Moment benutze ich eine SDHC Class 4 Karte mit 16 GB und bin bisher mit ihr an keine Grenzen gestoßen.

Das Äußere

Das Gehäuse besteht größtenteils aus Plastik, um genau zu sein aus fiberglasverstärktem Polykarbonatharz, ist aber sauber verarbeitet. Alle Funktionen sind intuitiv erreichbar und innerhalb weniger Tage auch für Anfänger erlernbar. Die Kamera liegt absolut griffig in der Hand und ist zumindest für meine Verhältnisse mit den 18-135mm Objektiv ideal ausgewichtet.

Als Rechtshänder ist der Zeigefinger beim Auslösen auf einer gummierten Oberfläche positioniert. Mit dem Zeigefinger kann auch, wie bei Canon-Cams üblich, an einem kleinen Rad an der Front der Kamera gedreht werden um diverse Werte nach oben oder unten zu ändern. Lediglich der Knopf für die LiveView-Funktion ist manchmal etwas im Weg und kann versehntlich mit dem Daumen ausgelöst werden.

Canon 550D Back

Es empfiehlt sich für größere Hände eher der größere Bruder, die 7D, die von Ihren inneren Werten sehr dieser Kamera ähnelt. Sie ist allerdings ganze 440 Gramm schwerer. Wer 1300 € investiert kann sich bereits jetzt das neue Canon-Modell 60D mit 18-135 mm Objektiv anschaffen. Dies vereint die Funktionen der 550D und 7D und bietet neben einem schwenkbares Display sogar eine kamerainterne RAW-Bearbeitung.

Der Video-Modus

Den letzen Teil dieses Berichtes will ich trotz der Tatsache, dass dies ein Foto-Blog ist, gerne dem Video-Modus der Kamera widmen, da er für mich mit einer der Hauptgründe für den Kauf war.

Es ist eine max. Auflösung von 1080p bei 30 fps möglich. Die flüssigsten Bilder können aber im NTSC-Modus mit 720p bei 60 fps erzielt werden, welcher auch leichtes Wackeln der Kamera eher abdämpfen kann. Zum Filmen empfiehlt sich aber in jedem Fall ein Stativ und die manuelle Fokusierung, da der AF doch sehr laut ist und ein unschönes Ruckeln des Bildes bewirkt.

Beispielbild EOS 550D - BrokenWings

Absolutes Schmankerl im Video-Modus ist, dass alle Einstellungen wie ISO, Blende und Verschlusszeit komplett manuell eingestellt werden können. Der Kreativität sind hier also keine Grenzen gesetzt. Ich habe selbst schon ausprobiert bei schwachem Kerzenlicht zu filmen und bin von dem Ergebnis absolut überzeugt.

Um wirklich alle Funktionen dieses Gerätes zu beleuchten, könnte man noch sehr lange schreiben und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. In meiner kurzen Zeit mit der 550D (ca. 3 Monate), habe ich bereits unzählige Fotos geschossen. Es wird zur Sucht, macht aber immer aufs neue Spaß.

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig die 550D mit Ihren Funktionen und die Vorzüge einer DSLR näher bringen. Solltet ihr Fragen zur 550D, Kritik oder Anregungen haben, freue ich mich auf Eure Kommentare.

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