Kwerfeldein
13. September 2010 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Dimensionalisierung von Fotos in Adobe After Effects

Dieser Artikel hat eine kleine Vorgeschichte, die ich (Hannes) Euch nicht vorenthalten will. Als ich beim BrowserFruits Picknick am letzten Sonntag das von Florian gezeigte Video gesehen habe, musste ich sofort an die Arbeiten von Wilfried Kaiser denken, in dessen Portfolio ich eine ähnliche Arbeit mit einem Zirkusfoto gesehen hatte. Natürlich habe ich ihn sofort gefragt, ob er Lust hätte einen Gastartikel zu schreiben. Und die hatte er. ;-)

Wilfried KaiserDas ist ein Gastartikel von Wilfried Kaiser. Wilfried ist in den Bereichen Grafik Design, Branding, Marketing und VFX tätig und studiert derzeit bei Hyper Island in Stockholm “Motion Designer and Developer”. Seine Website und Portfolio ist unter WilfriedKaiser.de zu erreichen.

Verfügt man bereits über Kenntnisse in Adobe Photoshop, kann man mit seinen Fotos in dem ebenenbasierten Motion-Design, VFX und Compositing Programm After Effects sehr schnell erstaunliche Animationen erstellen. Eine dieser leicht erlernbaren Möglichkeiten ist die Dimensionalisierung eines Fotos.

Das zugrunde liegende Prinzip ist, dass man die auf dem Foto abgebildeten Motive in die verschiedenen, räumlich voneinander getrennten Elemente zerlegt, diese Ebenen auf sogenannte “Sprites” projiziert, um dann im letzten Schritt eine Kamerafahrt zu erstellen. Im Grunde teilt man also After Effects mit, wie weit und in welche Richtung die Motive auf dem Foto voneinander entfernt waren, um mit diesen Tiefeninformationen das Bild “verräumlichen” zu können.

Benutzt man ein Foto, auf dem alles gestochen scharf und ohne Bewegungsunschärfe abgebildet ist, kann man mit After Effects leicht die korrekte Menge an Schärfentiefe oder Bewegungsunschärfe hinzufügen- also die “Artefakte”, die auch bei einem wirklich in Bewegung gefilmten Motiv auftreten würden und der Animation ihre realitätsnahe Dimensionalität verleihen.

Sobald man ein Foto mit einem komplexeren Hintergrund wie zum Beispiel ein Publikum nutzt, muss man natürlich beachten, dass durch die Bewegung der Kamera in der Animation nun Bildbereiche aufgedeckt werden, die auf dem Foto nicht existieren und diese deshalb mit dem digitalen Pinsel ersetzt oder aufgefüllt werden müssen.

New York - Ausgangsbild

In unserem Beispiel wollen wir dieses Foto animieren, welches ich vor ein paar Jahren in New York aufgenommen habe. Diese Szene habe ich gewählt, weil sie dank der Klon- und Kopierwerkzeuge in Photoshop sehr schnelle und daher sehr eindrucksvolle Ergebnisse verspricht.

New York - Ebenen

Ich habe das Foto in die verschiedenen Entfernungsebenen aufgeteilt und die verdeckten Bereiche um einige Pixel erweitert, um später “Löcher” in der Animation zu vermeiden. Tip: Falls ich mir nicht sicher bin welchen Weg die Kamera in der Animation später zurücklegen wird solltet ich das Ersetzen dieser Bereiche einfach verschieben. Ich kann dann einfach mit Steuerung e die jeweils in After Effects markierte Ebene automatisch in Photoshop öffnen und dann sehr Zielgenau nur die Bereiche ersetzen die ich tatsächlich benötige.

Leidet das Foto unter Bildrauschen oder unter stärkerer Linsenverzerrung, sollte man beides am besten noch in Photoshop entfernen.

New York - After Effects Import

Nun importiere ich diese Photoshop Datei als “Komposition” in After Effects und behalte somit die Originalgröße in Relation zu der Komposition bei. Das ist wichtig um uns später beim skalieren der Ebene das Leben zu erleichtern.

New York - Ebenen Kamera

Ich aktiviere den 3D Modus bei den einzelnen Ebenen und erstelle eine neue Kamera mit der 35mm Voreinstellung im Menüpunkt Ebene, Neu.

New York - Raum

Jetzt verschiebe Verschiebe mit dem Auswahl Werkzeug v die Ebenen in der 3D Ansicht auf der Z Achse – der Blaue Pfeil – entsprechend ihrer wirklichen Entfernungen.

In die Hauptansicht zurückgekehrt, muss ich nun die Ebenen mit s wieder so skalieren, dass sie ihre ursprünglichen Abmessungen in Relation zur Kamera erreichen.

In meinem Fall sind das 235% für den Himmel, 174% für das Empire State Building, 143% für den hinteren Mittelgrund und 118% für den vorderen Mittelgrund. Die Ebene mit der Laterne habe ich nicht verschoben und muss deshalb die Skalierung nicht verändern.

Mit p kann ich nun die Position der Kamera auswählen, Schlüsselbilder setzen und so die Kamera animieren.

Zum Schluss füge ich der Animation noch etwas Bildrauschen, Schärfentiefe und eine Vignettierung hinzu. Fertig ist meine Kamerakranfahrt durch New York!

Die kompletten Arbeitsdateien könnt ihr übrigens herunterladen und genauer unter die Lupe nehmen. Es stehen zwei Downloads zur Verfügung; nur die Arbeitsdateien (24 MB) oder die gleichen Arbeitsdateien inklusive des gerenderten Resultats (134 MB). Für Fragen steh ich natürlich gerne in den Kommentaren zur Verfügung.

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13 Kommentare

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  1. Sehr geil gemacht!

    Mal ne etwas andere Frage: Bei mir braucht der Start von AE Ewigkeiten! (Auch Premiere). Und zwar beim laden von MediaCore! Ungelogen, der Start dauert ca. 5 Minuten!

    Liegt wohl an den 64Bit Versionen, oder? Quicktime gibt´s nur in 32Bit?! (Apple…) ;-)

    Gibt´s da nen Trick?

  2. Hi,
    ich werde in den nächsten Tagen hier ein paar mal vorbeisehen falls es Fragen oder Anregungen gibt.

    @Weit- Winkliger:
    Zumindest auf dem Mac startet AfterEffects CS5 deutlich schneller was an dem Rewrite liegt. Zur Windows Platform kann ich nichts sagen.

  3. @STEFAN: So was wird beispielsweise gerne (um nicht zu sagen inflationär) im TV gemacht, um Standbilder zu “animieren”. Vorzugsweise dann, wenn es vom Ereignis keine Bewegtbilder gibt, was z.B. bei historischen Ereignissen der Fall ist.
    Beispiel: Irgendein Konferenztisch mit irgendwelchen Mächtigen und die Kamera “fährt 3d” in die Szene rein.

  4. Das ist ja genial. Von der Möglichkeit wusste ich noch nichts bzw. das Programm sagte mir immer nichts weiter. Aber das ist ja witzig, dass man aus einem Bild so eine Animation machen kann.
    Vielen Dank für die gute Anleitung!