kwerfeldein
03. September 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Realistische Schatten in Composings

Stefan Kassal ist ein Fotokünstler aus München, der sich seit mehreren Jahren mit der Fotografie und Bildbearbeitung beschäftigt. Die Schwerpunkte des kreativen Schaffens sind die People- und Makrofotografie.
Er bloggt auf capture-the-light.de und twittert unter dem Namen @kontrastreich. Sein Portfolio ist unter kontrastreich.net zu sehen.

Montagen und Composings haben mich schon sehr früh fasziniert, als ich mich mit der Fotografie und damit auch mit der Bildbearbeitung beschäftigt habe. Das Problem dabei war nur, dass meine ersten Versuche nie realistisch genug ausgesehen haben, sondern irgendwie immer den Eindruck machten, zusammen kopiert zu sein. Klar, das waren sie ja auch, aber man sollte das natürlich nicht gleich sehen.

Am meisten Probleme machten dabei meine Personen, die ich vor andere Hintergründe oder in ganz andere Welten setzen wollte. Dabei habe ich meine Models schon unter Studiobedingungen vor weissem Hintergrund fotografiert, so dass das Ausschneiden bzw. Freistellen der Personen relativ leicht geht, wenn man sich Mühe gibt.

Am verwendeten Programm konnte es nicht liegen, da ich ziemlich schnell beschlossen habe, mit Photoshop zu arbeiten, auch wenn das erst mal ein grosses Loch in die Haushaltskasse gerissen hat. Eigentlich funktioniert das ganze aber natürlich auch mit Gimp oder Paintshop Pro.

Im Prinzip gibt es da zwei Möglichkeiten, die ich versucht habe:

  • die Schatten selbst einzeichnen
  • die Stellen, an denen der Schatten sein müsste, mit Rauch oder ähnlichem vertuschen

Ihr ahnt wahrscheinlich schon, dass beide Möglichkeiten nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Es gibt sicher genug Leute, die Schatten sehr gut in ein Bild malen können, ich gehöre offensichtlich nicht dazu.
Eine weitere Möglichkeit ist, den Bildausschnitt so zu wählen, dass der Schatten des Models nicht im Bild zu sehen ist. Das ist sicher eine elegante Methode um das Problem zu umgehen, aber funktioniert halt nicht immer.

Nein, ich wollte wissen, wie man es besser machen kann und besuchte einen Workshop zum Thema Studiofotografie und Bildbearbeitung. Und da ist der Knoten geplatzt! Der Workshop hat unheimlich viel gebracht und von da an war „nur“ noch üben und Umsetzen des Gelernten angesagt.

Okay, das war nicht alles… ich habe mir auch einen neuen Hintergrund für mein kleines Heimstudio zugelegt und zwar in der Farbe „neutral-grau“.
Die Farbe neutral-grau oder auch 50% Grau liegt genau in der Mitte zwischen Weiss und Schwarz. Die Farbe des Hintergrunds ist ein Teil des Geheimnisses von realistischen Schatten: Die realistischsten Schatten sind nämlich logischer Weise die, die man schon mit dem Model fotografiert hat. Das klingt zwar banal, aber man muss erst mal drauf kommen. Ihr fragt Euch jetzt, was hat das jetzt mit dem neutral-grauem Hintergrund zu tun? Ganz einfach:

Bei einigen Verrechnungsmodi für Ebenen wird alles was neutral-grau ist unsichtbar! Photoshop bietet beim Anlegen einer neuen Ebene (CTRL + Shift + N) und Auswahl des entsprechenden Modus sogar an, die Ebene mit der neutralen Farbe „50% Grau“ zu füllen. Dies gilt für die Ebenenmodi „Überlagen“, „Weiches Licht“, „Hartes Licht“ usw., eben alle, die in diesem Abschnitt der Auswahl für den Ebenenverrechnungsmodus sind. Da der Schatten dunkler ist, bleibt er im Bild und sieht ganz natürlich aus… logisch, ist er ja auch! Damit das Ganze nicht so theoretisch bleibt, gibt’s jetzt mal ein Beispiel:

Das Ausgangsbild ist so, wie ich es fotografiert habe. Mein Model sitzt auf dem Boden vor bzw. auf der grauen Studiopapierrolle. Der Schattenwurf wird durch die Lichtsetzung bestimmt.

Im nächsten Schritt habe ich meinen gewünschten Hintergrund zusammengebastelt und mein freigestelltes Model im Ebenen Modus „normal“ darübergelegt. Das Ergebnis ist sehr ernüchternd, da vollkommend unrealistisch.

Das ändert sich aber sehr schnell, wenn wir einfach den Modus auf „Überlagern“ ändern. Jetzt haben wir den Originalschatten im Bild. Die Lichtstimmung des Gesamtbilds ändert sich auch ein bisschen, was daran liegt, dass der Hintergrund je nach Lichtsetzung heller oder dunkler als das neutral-grau wird.
Die Reihenfolge der Ebenen muss dann natürlich so aussehen:


Die Ebenen „Boden“ und „Wand“ sind jetzt im Modus „Überlagern“ und die Ebene „Model“ im Modus „Normal“.
Und das war auch schon alles! Eigentlich ganz einfach, oder?

Klar, kann sich jetzt nicht jeder zu Hause ein eigenes Studio einrichten, aber es gibt so viele Möglichkeiten, relativ günstig in einem Mietstudio oder bei einen Modelsharing oder Workshop zu fotografieren.
Und dafür wisst ihr jetzt, welchen Hintergrund ihr wählen müsst, wenn ihr später ein Composing daraus machen wollt. Denn so einen Hintergrund sollte immer vorhanden sein!

Noch Fragen? Nur her damit, dafür sind die Kommentare ja da!

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8 Kommentare

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  1. Blogartikel dazu: Realistische Schatten bei Composings – Gastbeitrag bei kwerfeldein | capture-the-light

  2. In diesem Artikel vermisse ich noch den Hinweis, dass das Licht im Studio bezüglich Qualität (weich oder hart, Lichtfarbe) und Richtung möglichst exakt zu dem verwendeten Hintergrundbild passen sollte. Denn sonst bringt das mit den tollen Schatten auch nicht viel, da das Bild immer noch unnatürlich aussieht.

  3. Hallo, habe gerade mal nach Studiohintergründnen geschaut. z.b. Colorama – aber da gibt es zig verschiedene Grautöne…. und nirgendwo steht was von neutral oder 50% grau…

    hmm., nen Tip?

    danke
    tobi

  4. @TOBI:
    Ich weiss leider nicht mehr genau, was ich genommen habe, aber der „Mineral Grey“ müsste ganz gut hinkommen.
    Ansonsten kannst Du Dir ja auch die Beispielfarbkarte schicken lassen und schauen, was es am besten trifft.