30. August 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

360° Rundblick

Das Faszinierende in der Panoramafotografie ist, dass nicht nur ein kleiner Ausschnitt einer Szene zu sehen ist, sondern die komplette Umgebung.

Ich möchte in diesem Beitrag einen kleinen Einblick über meine Arbeit geben, wie ich bei so einem Shooting vorgehe. Angefangen von den Aufnahmen bis zum fertigen Bild für das Web.

Shooting

Legen wir also los….angekommen an der Location schaue ich zuerst mal nach der idealen Lage. Ist die gefunden baue ich mein Dreibeinstativ  auf und packe meinen Nodalpunktadapter drauf. Dieser ist nötig, damit die Aufnahmen ohne Parallaxenfehler aufgenommen werden können bzw. damit die Kamera um den Nodalpunkt gedreht wird. Ich setze hier den NodalNinja 5 ein.

Jetzt kommt meine Kamera drauf (Nikon D200 ohne BG) und das Ganze wird noch mit einer kleinen Wasserwaage ausgerichtet. Somit weist später mein Panorama einen geraden Horizont auf und kippt nicht links oder rechts ab.

Für das 360° Panorama benötige ich mit meinem Objektiv (Sigma 10-20 F4-5,6) bei Brennweite 10mm 8 Bilder (hochkant). Es ist zu beachten, dass eine Überlappung von ca. 25% von einem zum anderen Bild vorhanden sein sollten.

Ich muss noch erwähnen, dass ich hier im RAW-Format fotografiere. Somit habe ich später die Möglichkeiten, sämtliche Parameter wie Weißabgleich, Belichtung, etc. zu korrigieren.

So sieht nun das Ausgangsmaterial aus:


RAW-Bearbeitung

Zu Hause angekommen werden die Bilder mit Hilfe von LR3 auf meine Festplatte gespeichert. Beim Importieren gebe ich nur eine logischeDateibezeichnung und Stichwörter an, damit meine Werke später zugeordnet werden können.


Für die folgende Vorgangsbeschreibung ist zu beachten, dass sich die Shortcuts auf das MAC-System beziehen.

Nun wird zuerst von jedem Bild eine virtuelle Kopie (Shortcut „cmd  + t“) erstellt. Dies ist sinnvoll, damit immer das original unberührt bleibt und man jederzeit neue Kopien davon erzeugen kann. Im Entwicklungsmodus (Shortcut „d“) nehme ich nun folgende Basic-Optimierungen durch:

  • Kamerakalibrierung-Profil (in diesem Fall Camera-Standard)
  • Grundeinstellung-Wiederherstellung/Klarheit/Dynamik (regeln nach Geschmack)
  • Gradationskurve (leichte „S-Kurve“ für harmonischen Kontrast)
  • HSL-Luminanz/Sättigung (besonders den Blaukanal wegen dem Himmel)
  • Details-Schärfen
  • Objektivkorrekturen-Profil (in meinem Fall für das Sigma 10-20)

Jetzt werden alle Bilder markiert (Shortcut „cmd  + a“), um die Entwicklungseinstellung zu synchronisieren.


Abschließend wird alles im TIFF-Format/16 Bit und ohne Skalierung exportiert.

Stitching

Hier setzte ich das Programm „PTGui“ ein. Als Ergänzung sei noch zu erwähnen, dass seit Adobe Photoshop CS3 es möglich ist, flache Panoramen zu erstellen ;-)

  • Die zuvor exportierten TIFF-Dateien werden geladen
  • und direkt danach mit den Objektiv-/Kamera-Parameter angezeigt
  • Durch „align images“ werden die Bilder nun gestitched

Nach kurzer Rechenzeit erscheint der Panorama Editor mit dem vorläufigen Ergebnis

Hier ist es nun möglich, durch Linksklick & Halten der Maus das Panorama zu verschieben  und zu kippen. Somit kann die Position bzw. der Horizont optimiert werden.

Abschließend wird das Ganze durch „create panorama…“ fertig gestellt.

  • Bildgröße angeben (max. Size)
  • Format wählen
  • Speicherplatz + Dateiname
  • Hier wird der Stichprozess angestoßen

Finale Bearbeitung

In Adobe Photoshop CS4 nehme ich nun noch Optimierungsarbeiten vor.

Hierbei kommt der NIK-Filter Color Effex 3 Pro zum Einsatz.


Wie in der Ebenenpalette zu erkennen ist, wurde hier der Filter

  • Polarization
  • und Graduated Neutral Density

angewandt.

In diesem Bild habe ich mein Hauptaugenmerk auf den Himmel und die Wolken gelegt, da diese hier sehr schön ausgeprägt sind. Mein Ziel war, dies noch mehr zur Geltung zu bringen.

Zum Abschluss habe ich die fertige PSD-Datei noch in meinen LR-Katolog mit aufgenommen. Hier werden abschließend die Wolken mit dem Korrekturpinsel und dem Effekt „Klarheit“ betont. Dies ist eine fantastische Methode, um einen gewissen „3D-Look“ in die Wolken zu zaubern ;-)


Aus LR raus wird nun das fertige Panorama als jpg-Datei exportiert (72dpi, Größe runter skalieren und für den Bildschirm schärfen). Nun kann man das Werk auf eine entsprechende Web-Plattform (Flickr, Website, etc.) laden.

Und hier das Finale 360° Panorama:

Ich hoffe, dass Euch dieser „Workaround“ gefallen und Lust gemacht hat, sich auch mal in der Panoramafotografie zu versuchen.

Und falls ich nun Euer Interesse an dieser Art der Fotografie geweckt habe, gibt es auf meinem Blog weitere Berichte. Es ist auch in Planung, dass ich darüber Workshops halte.

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24 Kommentare

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  1. Netter Überblick!

    Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass am Besten im manuellen Modus und ohne Autofokus fotografiert wird, damit die Schärfe an der selben Stelle sitzt und die Belichtung nicht abweicht, wenn man aus der Sonne in den Schatten gerät.

  2. @Phil: Du hast vollkommen recht. Das ist natürlich unabdingbar, um perfekte Pano’s zu fotografieren. Es ist auch noch zu erwähnen, dass der Weißabgleich nicht manuell, sondern auf die entsprechende Lichtsituation eingestellt sein sollte ;-)

    Grüße Oliver

    • Du benötigst bei Flachpanoramen wie diesem kein Boden- und Himmelbild ;-) Dies ist nur bei Kugelpanoramen notwendig. Ich habe hier kürzlich einen Bericht in meinem Blog dazu geschrieben.

      Viele Grüße Oliver

  3. Erst mal an alle vielen Dank für die Komments. Freut mich, dass Euch der Bericht gefällt :-)

    @Hannes: Bei einem 360° Panorama brauchst Du kein Boden- und Himmelbild. Das ist nur bei Kugelpanoramas notwendig. Hier habe ich vor kurzem einen Bericht über Kugelpanos erstellt. Schau einfach mal vorbei.
    Und falls Du noch Fragen hast, poste die gerne in meinem Blog.

    Grüße Oliver

    • Hallo Sven,
      also das Thema „Nodalpunkt“ beansprucht für sich selbst schon einen eigenen Beitrag ;-) Das kann man nicht so einfach in ein/zwei Sätze erklären. Das ist in der Tat nicht einfach.
      Aber ich werde evtl. hier oder auf meinem Blog mal davon berichten. Schaue einfach öffters vorbei.
      Grüße Oliver

  4. Warum muss sich eine Kamera eigentlich um den Nodalpunkt drehen?
    Bei mir geht das ganz gut aus der Hand^^
    Hab von einem Boot auf der Themse, welches sich vorwärts bewegt hat ein Panorama von der Tower Bridge gemacht, aus der Hand.

    Und wie macht man diese 360° Panoramen in denen man Herumschauen kann(interaktiv). Ich meine so etwas hier:

    http://svenediger.com/2010/panorama-vom-hahnheider-turm/

    Hab einfach den Link von Sven genommen.

  5. @Phil: Wenn Du mein Foto meinst mußt Du Dich täuschen…da ist kein Parallaxenfehler drin ;-)

    @Andreas: Yup…Du mußt die Belichtung und den Fokus vor der Pano-Reihe einstellen. Dann den Autofokus aus, damit Dein Schärfepunkt sich nicht verschiebt

    @Rest…bezüglich dem Nodalpunkt. Man kann Panos natürlich auch „frei Hand“ schießen. Allerdings nur dann, wenn man weit entfernte Objekte hat. In meinem Beispiel hättest Du Probleme mit dem Steinboden bekommen. D.h. bei nahen Objekte merkt man schnell, wenn man nicht exakt im Nodalpunkt die Cam dreht ;-)
    Bei Kugelpanos ist das ein anderes Thema. Hier ist ein Nodalpunktadapter unabdingbar. Ohne bekommst es nicht die beste Software hin, Dir ein ordentliches Kugelpano zu stitchen.