26. August 2010 Lesezeit: ~3 Minuten

Anders sehen: Konzertfotografie in Island

Schwierige Bedingungen austricksen und andere Perspektiven wählen, lautet bei der Konzertfotografie mein Motto. Die Isländer lieben Musik, fast jeder hier kann ziemlich gut singen. Und es ist erstaunlich, wie viele Bands, Sängerinnen und Sänger ein Land mit rund 320.000 Einwohnern hervorbringt.

So komme ich in Island kaum drumherum, auf Konzerten zu fotografieren. Da es aber viele gute Konzertfotografen gibt, versuche ich meist etwas andere Fotos verstärkt im Reportagestil zu machen. Ich möchte euch von einigen Erfahrungen berichten. Es geht weniger um technische Details, als um den Spaß am Experiment.

Andere Perspektive wählen

Es schüttete aus Kübeln beim Open-Air-Konzert „Inspired by Iceland“ in Reykjavík. Die Kameramänner und Zeitungsfotografen waren mehr damit beschäftig, ihre Linsen abwischen als zu filmen und zu fotografieren – Bilder und Livestreams gibt es dennoch genug. So habe ich mich unter den Bühnenrand gerettet – um mich einerseits vor dem Regen etwas zu schützen – und von dort mal von dort die Zuschauer fotografiert – um andererseits ein anderes Motiv als die üblichen Musiker- und Bandfotos zu bekommen.

inspired by iceland

Die Leute haben schon ein bisschen komisch geschaut, als ich quasi in die falsche Richtung fotografiert habe. Aber mir war es wichtig zu zeigen, dass trotz strömendem Regen die Leute mit Gummistiefeln und Regenschirmen ausgestattet zum Feiern und Musikhören gekommen sind.

In Schwarz-weiß umwandeln

Von schlechten und häufig wechselnden Lichtverhältnissen können Konzertfotografien ein Lied singen. Doch auch wenn man mit einem lichtstarken Objektiv arbeitet, empfiehlt es sich oft, mit einen hohen ISO-Wert zu fotografieren. Beim Bræðslan Musikfestival in den isländischen Ostfjorden habe ich den ISO-Wert bis auf 1600 hochgeschraubt. Das Konzert fand in einer ehemaligen Fischfabrik statt: geniale Atmosphäre, aber sehr düster.

fanfarlo

Mit den Farbaufnahmen war ich gar nicht zufrieden: zu viel Rauschen und Unschärfe. Also habe ich es mal in Schwarz-Weiß versucht – so kommt die Atmosphäre viel authentischer rüber. In Schwarz-Weiß wird der konzentrierte Blick von Cathy noch stärker fokussiert.

Details hervorheben

Auch wenn es in Island viele kleine Konzerte und Gigs gibt –- das Großereignis ist das Airwaves-Festival im Oktober jeden Jahres. Da etliche Fotografen aus dem In- und Ausland bei diesem Event sind und tolle Fotos auf dem Markt sind, habe ich versucht, weniger beachtete Details aufzunehmen. Bei der Gruppe „Boys in a band“ von den Färöer Inseln ist mir der banale Bandname, über den ich in einem Interview gelesen hatte, sofort ins Auge gesprungen.

airwaves

Das Bild der Plektra der brasilianischen Band CSS – Cansei de Ser Sexy – soll ein Kontrast zum Auftritt sein. Dieser war absolut schrill mit einer exzentrischen Sängerin. Im Gegensatz dazu haben die Plektra ihren festen, beständigen Platz am Mikro bis sie zum Einsatz kommen.

airwaves

Ähnliche Artikel

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE0837050198 1933436766
BIC: COLSDE33XXX

Amazon

kwerfeldein @ Photocircle


12 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Ich stimme völlig zu, dass es gut ist neue Perspektiven zu suchen und andere, auch ungewöhnliche Dinge auszuprobieren.
    Die gezeigten Bilder berühren mich bis auf das SW Bild jedoch überhaupt nicht. Vorallem die letzten Beiden finde ich nicht gelungen und ohne die Vorgeschichte überhaupt nicht zeigenswert.
    Nichtsdestotrotz sind ein paar wirklich tolle Aufnahmen auf dem Blog zu sehen. Weiter so!

  2. Das s/w Bild ist in der Tat sehr authentisch, sehr emotional, genau das macht gute Konzertfotografie aus.
    Die anderen gezeigten Bilder berühren auch mich als Betrachter jetzt nicht wirklich da sie mir dann zu banal, zu weit entfernt von der Konzertfotografie erscheinen.
    Aber andere Perspektiven zu finden, andere Schnitte zu versuchen, das lohnt in der Konzertfotografie auf jeden Fall.
    Hab vor einiger Zeit mal nen ähnlichen Artikel hierzu geschrieben:
    http://photoworkers.org/veranstaltungen/35-bardentreffen-in-nurnberg-2010/

    Von den s/w Arbeiten würde ich gern mehr sehen !
    Gruß
    Björn

  3. Blogartikel dazu: Gastbeitrag im Kwerfeldein-Fotografieblog über Konzertfotografie in Island | Tibauna

  4. Leider muss ich meinem Vorredner zustimmen. Ich finde die gezeigten Bilder kaum überzeugend. Ein Perspektivenwechsel ist (vielleicht gerade in der Konzertfotografie) die Herausforderung schlecht hin. Wichtig erscheint es mir jedoch die Fotos auch bei experimentellen Perspektiven nicht so aussehen zu lassen als seien sie zufällig oder durch einen Unfall entstanden. Mir fehlt hier der Fokus auf die Bildaussage. Die Plektren sind zu klein im Bild und haben sich aufgrund der Farbe nicht genug vom Hintergrund ab. Im SW-Foto stört der Mikrofonständer ungemein und das vierte Bild erschließt sich mir gar nicht.
    Was mich an dem Thema Konzertfotografie in Island übrigens besonders interessiert hätte wäre wie die Bedingungen dort für Konzertfotografen sind. Wie ist die Bürokratie? Wieviele internationale Künstler kommen nach Island? Wieviel wird in der Presse darüber berichtet?
    Vielleicht besteht ja die Möglichkeit hier in Kommentaren noch auf die Fragen einzugehen.

    • Hallo Wolfgang, die Bedingung für Konzertfotografen hier in Island sind ziemlich gut – so meine Erfahrung. Es gibt fast jeden Abend viele kleine Konzerte und Gigs in Clubs und Cafés. Da hier meist alles ziemlich informell und spontan abläuft – kurzfristige Programmbekanntgabe via facebook einen Tag vor der Veranstaltung -, sind die Musiker (auch die internationalen) ebenso spontan und aufgeschlossen was das Fotografieren angeht. Bei größeren Konzerten wie dem Festival Braedslan in den Ostfjorden oder dem offiziellen “Inspired by Iceland”-Konzert reichte mein Presseausweis aus, um spontan in den Graben vor der Bühne zu gelangen. Ich habe den Eindruck, dass sich die Menschen einfach freuen, wenn man Interesse hat und mitfeiert.
      Bei Großveranstaltungen wie dem Airwaves Festival Mitte Oktober benötigt man eine Akkreditierung, die auch was kostet. Da kommt es dann auch vor, dass vor allem internationale Künstler nach zwei, drei Stücken bitten, nicht mehr zu fotografieren. Wer sich nicht dran hält, bekommt es dann auch mit den Ordnern zu tun.
      Zur Berichterstattung: Da das Land lediglich 320.000 Einwohner hat, die Isländer sehr gerne feiern und Musik machen, wird über fast jedes kleine Event in der Zeitung auch mit Fotos berichtet.

  5. Lieber Thomas, lieber Björn, freut mich, dass euch mein SW-Foto gefällt, hier gibt es mehr davon: http://tibauna.de/musik/wonderful-music-festival-br%C3%A6%C3%B0slan-in-borgarfjor%C3%B0ur-eystri/
    Wenn ihr unter Konzertfotografie lediglich Fotos von den Künstlern versteht, habt ihr sicherlich Recht, dass meine anderen Fotos “weiter weg” sind. Aber die Künstler auf der Bühne fotografiert jeder, das Drumherum und die Details gehören meiner Ansicht nach eben auch zu einem Konzert und der Stimmung dazu, die ich mit meinen Bildern versuche einzufangen.

  6. Hallo Tina,

    ich muss mich leider den Vorrednern anschliessen. Die gezeigten Bilder überzeugen in meinen Augen nicht, auch fehlt mir die Stimmung. Gerade die letzten beiden sind für mich eher belanglos.

    Das s/w ist ganz okay, jedoch stört der Mic-Ständer sehr, da er die Musikerin halb verdeckt und somit von ihr ablenkt.

    Ich selber betreibe Konzertfotografie seit etwas mehr als vier Jahren. Die Kunst liegt in der Tat darin andere Bilder zu machen als die Masse an Fotografen. Trotzdem sollte der Fokus immer auf den Musikern liegen. Sie sind es, welche die Musik machen/spielen und verkörpern. Ein Betrachter der Fotos möchte keine Plek’s sehen, er möchte die Emotionen der Musiker betrachten und sich so an ein Konzerterlebnis erinnern das ihn vielleicht sehr berührt hat.

    So kann man z.B. die Lichtshow als anderen Blickwinkel fotografieren, wenn diese besonders eindrucksvoll ist:
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/699127/display/20946602

    Oder die Gegenlichtstimmung
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/699127/display/20790056

    Lichtfokus auf dem Sänger
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/699127/display/18967121

    Oder der Sänger auf den Knien eines Besuchers
    http://data.mactechnews.de/386093.jpg

    Und hier mal eine völlig andere Perspektive für einen Gitarristen
    http://data.mactechnews.de/385244.jpg

    Wünsch dir weiterhin viel Spass mit der Konzertfotografie.
    Möchte dir aber (gerade weil du ja auf deinem Blog angibst das du Bildjournalistin bist) noch zwei Tips geben. Zeitungen interessieren sich nicht für Details, da gibts nur zwei Motive die eigentlich gedruckt werden. Bühnentotale oder der Sänger. Und der zweite Tip, wenn du für eine Akkreditierung bezahlen sollst, dann bleibt zuhause oder geh als Gast. Als Fotograf arbeitet man an einem Konzert und seit wann muss man bezahlen dafür das man arbeitet? Eigentlich sollte es umgekehrt sein..

  7. Ich bin ein ganz großer Fan der Konzertfotografie und als nebenberuflicher Veranstaltungstechniker finde ich auch den technischen Background interessant, welche P.A., Mikrofonierung etc. Daher versuche ich auch in meinen Konzertfotos eine Kombi aus Musikern, Publikum und Technik. Finde das bei Deinen Bildern gut gelungen!