18. August 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Food, Food, Food

Also für mich gibt es kaum etwas entspannenderes, als am Wochenende loszuziehen, in unserer Haus-und-Hofkonditorei „Der Süsse Löwer“ ein paar Edeltörtchen einzukaufen, in der Gärtnerei nebenan noch ein paar Requisiten zu besorgen und mir einen schönen Tag mit einer Food-Session zu machen. So sind auch die Fotos unten entstanden, und im weiteren Text möchte ich hierzu den Hintergrund zu Licht und Beleuchtung, Optik und Photoshop erklären.

Food ist oft nicht einfach zu beleuchten, weil es je nach Art transparent, reflektierend oder lichtschluckend sein kann. Manche Früchte brauchen Gegenlicht, andere eher frontales Licht oder Licht von der Seite. Diffuses Licht wie Tageslicht von einem Nordfenster ist besonders schön, aber nicht immer verfügbar. Mit Blitzlicht wird das Essen entweder totgeblitzt, oder der Aufbau wird schnell relativ komplex und teuer (Schirmchen, Softboxen).

Nicht so im Beispiel: Auch wenn man es den Fotos nicht ansieht, so kam ein ganz normaler E-TTL-Aufsteckblitz zum Einsatz, nicht entfesselt, sondern einfach auf der Kamera. Der Blitz war rund 45 Grad zur Seite geneigt, fürs erste Foto nach links, für das zweite nach rechts, und hat dort eine Styroporplatte als Reflektor angeblitzt. Dadurch wird dieser Reflektor zu einer großen und wunderbar weichen Lichtquelle, die in der Wirkung einer Softbox recht nahekommt.

Als weitere Lichtquellen finden sich im Setup das Tageslicht durch einer Balkontür gegenüber der Kamera (zartes Gegenlicht) und ein Schminkspiegel, der hier als Aufhellreflektor auf der Seite gegenüber des Reflektors etwas aufhellt und ein paar Akzente setzt. Im Hintergrund stehen ein paar Gläser, um die begehrten Bokeh-Unschärfekreis’chen zu erzeugen.

Zur Optik und zu den Kameraeinstellungen: Hier habe ich die klassische Festbrennweite 50 mm f/1.4 verwendet und habe das Objektiv abgeblendet auf 2.8. Dies erzeugt eine schöne geringe Schärfentiefe, lässt aber den scharfen Bereich auch wirklich knackig werden. Ansonsten: Canon APS-C-Kamera, Raw-Format, Av-Modus, ISO 100 für geringes Rauschen. Das Verhältnis Blitzlichtanteil versus Tageslichtanteil kann man entweder im Av-Modus über die Belichtungskorrektur und Blitzbelichtungskorrektur oder auch, wenn die Werte nach ein paar Probeschüssen festliegen, im M-Modus vorgeben.
Das Licht ist grundsätzlich ausreichend für Fotos aus der Hand und ohne Stativ, bei einigen habe ich dann aber doch die ISO-Zahl auf 200 erhöht, um auf eine wackelfreie Belichtungszeit von 1/80tel Sekunde zu kommen.

Am Ende der Foto-Session steht der Raw-Import und ein dezentes Photoshop-Touch-up. Schick ist es, die Sättigung oder Dynamik leicht zu erhöhen, das Bild mit einem warmen Fotofilter etwas sonniger zu gestalten und nach dem goldenen Schnitt ins gewünschte Format (2:3, 3:4 …) zu croppen (hier hilft Atrise GoldenSection). Ein sehr vorsichtiger Einsatz des Abwedlers (Lichter, 2%) kann im Beispiel die Johannisbeeren noch leuchtender machen, aber weniger ist hier oft mehr.

Bis hier findet sich kaum etwas neues im Touch-up, jetzt folgen aber noch zwei kleine Tricks:
Einmal verstärkt eine ausgeprägte negative Vignette, ausmaskiert, nur für die Lichtseite wirkend, den Eindruck, dass dort ein helles Nordfenster leuchtet: Filter, Objektivkorrektur …, Wert ca. +35.

Abschließend wird noch geschärft. Entweder selektiv über Hochpass (Ebenenkopie, entsättigen, Hochpassfilter mit Wert um die 4, Verrechnungsmodus „Ineinanderkopieren“, Deckkraft ca 50 % , Ebenenmaske anlegen, nur relevante Teile einmaskieren) oder, schicker, über die frei verfügbare Photoshop-Penum-Scharfzeichnungsaktion.

Wer noch mehr zu Tricks und Links und Quellen zur Food-Fotografie lesen möchte, der findet unter fotopraxis.net in der Workshop-Rubrik einige weitere Workshops zu Sushi, Limonade, Sahne-Splashes, Toast und Keksen.

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