Kwerfeldein
06. August 2010 Lesezeit: ~6 Minuten

K.I.T.T. – Ein Making Of

Thomas Reimann {flickr} fotografiert seit 2008. Bei Ihm gehört oft ein exzessiver Photoshop Einsatz genau wie das Fotografieren an sich zum fertigen Bild dazu – auch wenn man am Ende teilweise nicht sieht, was für ein Aufwand dahinter steckt. Gerade hat er mit ein paar Fotobuddys ein Studio gegründet.

Kurz zur Vorgeschichte: Entstanden ist das Bild, als ich am Wochenende mal wieder vor meinem Mac saß, mit dem Ziel ein Compositing zu machen. Ein paar Tage zuvor war ich mit einem Foto-Buddy auf einer American Car Show in Karlsruhe. Wir wollten ein paar tolle Aufnahmen einiger dieser Traumautos machen.

Das Resultat

Leider war der Himmel komplett mit Wolken behangen, was die Bilder durch die Bank weg uninteressant in Hinsicht auf den Hintergrund und die Reflexionen machte. Dazu kamen noch die Unmengen an Besuchern die sich um die Autos scharten, was es nicht gerade einfacher machte.

Schon da kam mir der Gedanke, einfach ein paar Aufnahmen zu machen, welche ich später in Compositings verwenden kann. Also ohne das Ergebniss im Sinn zu haben, einige Autos aus allen möglichen Perspektiven fotografiert, versucht die Spiegelungen der Personen im Lack möglichst gering zu halten und fertig.

Für mein Compositing benötigte ich natürlich noch einen passenden Hintergrund. Hier wurde ich in den Urlaubsbildern eines Freundes fündig. Eine verlassene Strasse in der Wüste Amerikas.

Background Original

Vorweg möchte ich euch einmal einen Einblick in die schlussendliche Ebenenstruktur dieses Bildes geben (klick):

PS Ebenen

Als erstes ging es natürlich darum das Ausgangsbild, also das Fahrzeug, von seinem grausamen Hintergrund zu befreien.

Car Original

Hier habe ich das RAW entwickelt und mich dabei lediglich auf das Fahrzeug und dessen Oberfläche konzentriert. Denn der Hintergrund würde im darauf folgenden Schritt verschwinden.

Anschließend in PS geöffnet und schon ging es an den Teil, der wohl am wichtigsten und für die Meisten am kniffeligsten ist. Das saubere Freistellen. Dies habe ich mit dem Stift Tool [P] pentool bewerkstelligt.

Anschließend wurde der Pfad in eine Auswahl umgewandelt, die Auswahl noch etwas verbessert, mit weichen Kanten versehen und daraus eine Ebenenmaske erstellt.

car_free

Nun ging es daran das Auto zu retuschieren.

Hier stellten die Fenster eine Herausforderung dar. In diesen konnte man noch die Menschen hinterm Auto sehen – einfach ausschneiden geht in diesem Falle nicht, denn so würden die Reflexe der Scheibe fehlen. Dies habe ich also mit dem Kopierstempel bewerkstelligt.

Ebenso musste ich das typische K.I.T.T. Lauflicht aus einem weiteren Bild einarbeiten und die viel zu hellen Wolken-Reflexionen abdunkeln um so eine ansprechendere Oberfläche zu schaffen. Das wiederum habe ich mit einer 50% Grau-Ebene im Ebenenmodus „weiches Licht“ und einem weichen, schwarzen Pinsel mit geringer Deckkraft bewerkstelligt.

car_free2

Die Grundarbeiten am Auto waren somit erstmal erledigt.

Nun ging es an den Hintergrund. So wie ich diesen bekommen habe, passten die beiden Bilder leider perspektivisch nicht zusammen.

Background Original

Der Hintergrund wurde also kurzerhand durch transformieren in die richtige Perspektive gerückt. Hier berufete es etwas Feingefühl und Geduld bis die richtige Verformung gefunden war.

Anschließend musste ich den Hintergrund vom Bildstil her an das Auto anpassen. Ich habe also durch nachschärfen Details hervorgeholt und mit „Tiefen und Lichter“ die Kontraste verstärkt. So wurde der Hintergrund hinter dem Fahrzeug eingefügt.

car_background1

Nun sah das ganze natürlich nicht wie aus einem Guss aus. Was hier fehlte war in erster Linie der Schatten des Autos der auf die Straße geworfen wird. Hier habe ich das original Bild zur Veranschaulichung genommen und freihand, auf einer neuen Ebene unter dem Auto, mit einem weichen Pinsel den Schatten nachempfunden. Hier Hilft es sich in anderen Bildern mal ausschließlich mit dem Schattenwurf zu befassen. Nach ein paar Versuchen sah der Schatten dann auch realistisch aus.

car_shadow

Nun musste ich aber dennoch feststellen das der Hintergrund dem K.I.T.T. leider noch nicht gerecht wurde. Was fehlte war das gewisse Etwas. Ein Hintergrund der die Bildstimmung unterstreicht welche ich im Kopf hatte. mit „Abwedeln und Nachbelichten“ wurde der Asphalt und die Bildränder aufgehellt um so den Blick aufs Fahrzeug zu richten. Anschließend noch dem blau im Himmel durch eine „selektive Farbkorrektur“ und dem „Dynamik“-Regler etwas auf die Sprünge geholfen – schon besser.

car_rough

Hue SaturationNoch fand ich aber, sah man dem Bild an dass es zusammen gesetzt war. Und hier gibt es eine relativ einfache Lösung wie man diesen Eindruck beseitigen kann. Zusammengefasst legt man über das gesamte Compositing eine gemeinsame, denzente Tönung. Dadurch verschmelzen die Bestandteile besser miteinander.

Hierzu habe ich eine „Farbton und Sättigungsebene“ mit dem Ebenenmodus „weiches Licht“ eingefügt. Hier ist es wichtig, den Haken bei „Einfärben“ zu setzen. Nun muss man mit den Reglern etwas spielen. Mit der Zeit wird dies natürlich immer einfacher, aber hierzu gibt es leider nicht DIE Einstellung. Vor allem muss man aber einen zum Gesamtbild passenden Farbton auswählen.

Anschließend habe ich dem Bild mit einer „Kurve“ einen sommerlichen, sonnigen, leichten Crossprocessing Look verliehen welchen ich im Moment einfach zu gerne benutze und den man in den meisten meiner letzten Bilder wieder findet.

So sieht nun das schlussendliche Bild aus:

Das Resultat

Was sich hier so einfach und Schritt für Schritt liest ist bei der Entstehung ein stetiges Voranschreiten. Man steht nach jedem Schritt vor einer neuen Herausforderung und es gilt eben diese zu lösen. Mit etwas Übung geht das einem natürlich immer leichter von der Hand. Dennoch gibt es unzählige Schritte und Ebenen die am Ende wieder verworfen werden.

Alles in allem saß ich an dieser Bearbeitung ca. 6 Stunden.

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17 Kommentare

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  1. Super genial das „Making of – K.I.T.T.“ – mehr davon :-)

    Das Bild kennen wir ja bereits aus den Browser Fruits und schon da habe ich das Resultat staunend bewundert :-)

    Viele Grüße
    Sascha

  2. Cooler Artikel, gut geschrieben.

    Ich „oute“ mich hier mal als der Freund, der die Quelle des Bildes ist.

    Schöne Detailliertere Auflistung der Schritte, die zum Bild geführt haben. Natürlich hast du nich alle Schritte, die wieder verworfen wurden aufgeführt, sonst würde es ja auch _etwas_ länger werden, da würden wir uns beim lesen an die Bearbeitungszeit annähern.

  3. Schön, mal wieder einen Bildbearbeitungsbeitrag zu lesen!

    Sehr interessant.. und ja: Auf diesen Autotreffen ist der in der Regel störende Hintergrund bzw. die Umgebung irgendwie immer ein Problem.

    Genauso wie der Rasen als Untergrund.. sieht in der Regel immer sehr bescheiden aus. Das Auto dann einfach als „Rohmaterial“ für ein Composing zu nehmen, ist dann natürlich ein Ansatz.

  4. Hier war ein echter Profi mit Leidenschaft und viel Geduld und Fleiß sehr erfolgreich am Werk. Die fertige Arbeit hat sich wirklich gelohnt, ein perfektes Bild – schöner als jede Realität!!!
    Liebe Grüße aus Rheinland-Pfalz!

  5. Sehr geiles Bild ! Hab mir schon vor kurzem gedacht als ich es das erste mal auf Flickr gesehen haben, das wär doch mal ein schönes Tutorial ;) Ein Video wäre natürlich auch nicht schlecht gewesen, aber zur Not begnüge ich mich auch damit. ;)

    Wie gesagt: TOP gelungen, echt profimässig bearbeitet und überhaupt geniale Idee. Ich würd mir das Bild glatt an die Wand hängen.

    Gruß

    Phil

  6. Ich danke euch allen!
    Freut mich sehr wenn’s Anklang findet!

    Wenn Interesse besteht kann ich so was sehr gerne mal wieder machen, vorausgesetzt Martin stimmt zu ;-)

    @Louise: klar, kann nicht jedem gefallen. Ist natürlich Geschmackssache. ;-) Danke aber für deine ehrliche Meinung!