04. August 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Traumfrauen

Es ist Freitag, ich habe Urlaub…im Normalfall wird so lange wie möglich geschlafen, das heisst, dass ich um spätestens NullAchthundert in der Küche stehe und der Kaffeemaschine dabei zuschaue, wie sie kleine Kapseln in mein morgendliches Lebenselixier (morgendlich ist eigentlich untertrieben – sei’s drum) umwandelt und mich relativ glücklich macht. Freitag…Urlaub…langes Wochenende – da war was – der Kaffee ist drin und tut seinen Job, das Hirn fängt an zu arbeiten. Lebensnotwendige Dinge wie T-Shirts, fränkisches Bier, Mütze, Fisch, Brezen und Kameratasche ins Auto geworfen und ab zur Traumfrau!

Nachdem ich die ersten 80 Kilometer meiner heiss geliebten Komfort-Zone hinter mir gelassen habe kommen dann doch die ersten Zweifel, ob ich nicht irgend etwas Wichtiges vergessen habe…was soll’s – die Kamera ist dabei, ich hab mich im Gepäck – alles gut, also weiter mach Frankfurt am Main. Wenn ich also reise, in dem Fall nichtmal sonderlich weit, verfahre ich mich in der Regel. Ich schaffe es meist nicht einmal mit Navigationsgerät das Ziel auf Anhieb zu finden…lande in der falschen Stadt, fahre dann, wenn der elektronische Straßenführer nicht ganz auf dem neusten Stand ist, fast in den Main oder sammle in der hessischen Umweltzonen-Metropole Bonuspunkte bei der Polizei dank fehlender Schadstoffunbedenklichkeits-Plakette…in der Zwischenzeit war ich öfter dort und habe das mit den Aufklebern und Wegen größtenteils unter Kontrolle.

In der richtigen Stadt, die Herzdame an der Seite, Ronja aka Miststück am Start war schnell klar, dass der Rest des Tages am besten mit einem kleinen Picknick im Freien ausklingen könnte. Nach einem Freitag teils arbeitend, teils bellend, teils auf Umwegen fluchend und vor nicht vorhandenen Fähren stehend – genau das Richtige. Mit Decke, leichter Verpflegung, zweisamer Laune, Hund und bestem Wetter also ab nach Dreieich – einem wirklich gemütlichen Fleckchen Erde.

Decke auf die Wiese, Futter ausgepackt, picken und nicken, eine verdammt gute Zeit haben…ja, das gehört zu den Dingen, die ich derzeit am meisten schätze. Der Hund ist mit sich selbst beschäftigt und ich habe Zeit, meiner Frau in die Augen zu sehen. Jetzt hat er seinen „romantischen“, ich weiss… Getreu dem Motto: „Gefreut und gelaufen“ war es dem Hündchen auch schon zuviel der Idylle. Einen nahen Baum anbellend, rumtänzelnd, mit dem Schwanz wedeln und, ja, auch hüpfend, quietschend und knurrend war es auch schon aus mit der Ruhe. Frauchen geht kucken, was den Hund so aus der Fassung bringt…

Aus meiner Perspektive betrachtet war da ein Sonnenuntergang, ein hüpfender Hund, Inas Silhouette und ein Baum – Kamera in die Hand genommen, fokusiert und abgedrückt – fertig. Eine Sache von vielleicht 7 Sekunden – allerdings waren das die interessanten 7 Sekunden, denn sofort nachdem es wenige Zentimeter vor meiner Nase im schwarzen Kasten *klack!* gemacht hat, war die Szene auch schon wieder vorbei. Die Sonne machte keine Anstalten nicht weiter unterzugehen, der Hund fand mich auf der Picknickdecke liegend zum Knutschen und hat mir mit seiner Zunge ein Gesichtspeeling verpasst – Ina lacht. So fotografiere ich gerne. Sehr gerne.

Zur Bearbeitung gibt es relativ wenig zu sagen, darum:

  • Das Bild ist in der Breite etwas beschnitten, da mein Auto da noch rumstand ;o).
  • Farbig fotografiert (RAW).
  • Der Kontrast ist etwas verstärkt, die Tiefen dunkler und gut.
  • Und nein, diesmal ist auch kein Verlauf im Bild versteckt.

Technische Details:

  • Belichtung: 1/4000 bei ƒ 4
  • Brennweite: 48 mm
  • ISO 100
  • Kamera: EOS 50D
  • Objektiv: Sigma 17–70 mm

„Keep it simple.“ – wie immer und nehmt eure Kamera mit!

Vielen Dank einmal wieder an Martin, dass das Foto und die Geschichte dazu hier auf kwerfeldein.de Platz gefunden hat.

Stephan Sachs
fischimglas.de

Ähnliche Artikel


22 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Schöner Text, superschönes Foto.

    Interessant und angenehm zu lesen. Das mit dem Zeug aus den kleinen Kapseln und dann in der Tasse unterschreib ich ungesehen. Und gerade deshalb musste man der „Traumfrau“ seinerzeit auch zu einer neuen Maschine verhelfen.
    :-)

  2. Sorry, aber ich verstehe nicht ganz was dieser private Tagebucheintrag mit Fotografie zu tun hat. Ich freu mich ja für dich das du privat happy bist, was das Ganze jedoch auf Kwerfeldein zu suchen hat erschließt sich mir nicht ganz…

    • Hallo „Biba“,
      auf kwerfelein.de werden häufig Bilder, die Martin oder das Team für gelungen halten vorgestellt.
      Da die Entstehungsgeschichte eines Fotos für uns auch immer dazu gehört, und nicht bloß die EXIF-Daten, hat dieser Beitrag sehr wohl hier etwas zu suchen.

      Ich glaube nicht, dass Stephan dieses Foto gemacht hätte, wenn er gerade „privat nicht so happy“ wäre.
      Also gehört die Info genauso zur Entstehung des Bilds wie die EXIFs.

  3. Eine wunderschöne Momentaufnahme,ein Sommerbild schlechthin, die Silhouette des Hundes ist geradezu perfekt erwischt :)

    Ich würde das geschriebene dazu nicht als Tagebucheintrag bezeichnen, sondern als persönliche Vorgeschichte/Entwicklung dieses 7-sekunden Fotos :) Solche sind wirklich rar, also zumindest bei mir, denn meistens bekomme ich die Kameraeinstellung nicht so schnell hin :D

    Gefällt.

  4. Als gebürtiger und hier lebender Nürnberger und somit echter Mittelfranke habe ich die Geschichte mit einem leichten Schmunzeln verfolgen können.
    Nebenbei ein gelungenes Foto dass für sich schon eine Geschichte zu erzählen scheint.

    Viele Grüße aus Nermberch :)
    Björn

  5. Auch mir – wie Bibabutzemann – ergibt sich kein Bezug von Foto zu Kwerfeldein.
    Für mich ist das Foto vollständig uninteressant; ich mache keinen einzigen attraktiven Erscheinungspunkt aus und es scheint mir, als sei das Foto eher Produkt des Zufalls/eines Unfalls, denn künstlerisch wertvoll.

    • Der Bezug ist gegeben, sonst wäre Saxis Artikel hier nicht online gegangen.

      Deswegen möchten wir vom Team Euch bitten, von destruktiven Kommentaren (teils ohne echten Namen) abzusehen, und konstruktiv zu kommentieren. Destruktive Kommentare oder Kommentare die nur zur Provokation dienen werden wir nicht mehr freischalten.

    • Fotografie konserviert Augenblicke. Fotografie dient vielen eher dazu, aktuelle Empfindungen des Augenblick durch Interpretation der Realität (und durch Photoshop) auszudrücken als zu rein dokumentarischen Zwecken. Genau dies ist im Artikel beschrieben und ich habe das Gerne gelesen.

      Das Bild ist nicht so außergewöhnlich, dass es Fotografiegeschichte schreiben wird, aber es ist ein schönes Beispiel, wie ein wenige Millisekunden dauernder Moment die Essenz eines Tages ausdrücken kann, wenn man denn passend die Kamera zur Hand hat.

  6. Hmm. Ich wollte eigentlich auch etwas schreiben, nun weiß ich aber nicht mehr… und daher meine Vorabfrage: Wann ist ein Kommentar konstruktiv, wann destruktiv, wann provokativ?

    Vielen Dank für die Vorabklärung, pgs

      • Ja, das kenne ich ja, hilft mir nach Hannes‘ Kommentaranforderungen auch nicht weiter.
        Anyway, hier mein Kommentar.

        Ähm, ja, dachte ich zunächst, als ich den Artikel las. So what, where’s the beef?
        Natürlich darf man zu einem Bild auch eine Geschichte erzählen, die über ISO, Kamera, Rauschen hinausgeht – von solchen Geschichten gibt’s eigentlich eher zu wenig.
        Nur: man sollte dann aber auch drauf achten, nicht ins romanhafte abzugleiten… Im ernst: Das ist ja eine nette Story, aber etwas Raffung hätte ihr schon gutgetan. So bleibt bei mir das Gefühl, dass mir da jemand möglichst viel erzählen will. Anyway.

        Zum Bild selbst: Schön, und bestimmt eine schöne Erinnerung für alle, die dabeiwaren.

        mfg, pgs

  7. Ich find das Bild sehr schön die Farben vll. bischen stärker aber das ist Geschmackssache ;-)
    Und zum Text, ich find der passt hier schon rein, in den Sonntags Früchten ist ja auch manchmal etwas „off topic“ Kwerfeldein war ja schließlich auch mal am Anfang kein Fotoblog =)
    Ist odch eine schöne Abwechslung =) und dazu toll geschrieben

  8. Das Foto selbst finde ich gar nicht so berauschend und die Geschichte ist auch alltäglich. Aber das Bild hat etwas lebendiges, etwas beruhigendes und irgendetwas, dass einen in dem Bild versinken lässt. Vielleicht weil man selber dort geistig auf der Wiese liegt, das Gras riecht und die warme Brise spürt. Ich finde es super, die Geschichte hinter dem Bild zu erfahren, auch wenn sie, wie das Bild, eigentlich nicht besonders ist.
    Trotzdem ist alles einfach irgenwie … schön?!?

  9. Also ich find das einfach nur wahnsinnig gut geschrieben. Dieser Text hat noch viel mehr Bilder in sich, als man an diesem Tag hätte schießen können. Die Stimmung und das alles… toll! Ich finde, das Bild hätte eher am Ende stehen sollen, dann wäre der Text zielführender… oder?

    Ich habe kein Verständnis für destruktive Kommentatoren, die meinen zu wissen, was zu kwerfeldein gehört. Bestimmen das Wesen von kwerfeldein nicht vielmehr alle Elemente (seien diese noch so peripher), die nach und nach dazukommen – oder handelt es sich um ein definiertes Konstrukt, bei dem wir schwarz oder weiß entscheiden, was dazugehört? Denkt mal gut drüber nach.

    Ich find’s toll und will mehr davon (im Bezug auf Bild UND Text) sehen!

    Grüße vom Marcus