Kwerfeldein
21. Juli 2010 Lesezeit: ~ 8 Minuten

Mutter Fotografie, Tochter CGI und Freunde der Familie

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Als ich Anfang/Mitte der 90er beruflich mit Photoshop in Berührung kam und mich näher mit Fotografie vor allem in der Werbung beschäftigte, war es schon mehr als 5 Jahre her, dass der damalige Freund meiner Schwester, ein Pionier in Sachen Multimedia, Mac und Informatik an einem Sonnabend noch einmal in die Uni fuhr, um die Berechnung einer Chromkugel über einem Schachbrettmuster zu überwachen, damit sie Montag hoffentlich fertig werden würde.

Damals dachte ich, dieser Typ hat zu viel Tagesfreizeit und “warum dauert die Berechnung eines solchen uncoolen Bildes drei Tage?”. Dieses war die erste und sollte vorerst die letzte Begegnung Ende der 80er mit dieser Art der technischen Bildumsetzung sein.

Nach meiner Ausbildung rumorte es wieder aus der 3D Ecke. Es gab da tolle neue Programme, die Rechner sind viel schneller geworden und günstiger und und und…

Ich war Retuscheuer in der BLIND, einer Spezialabteilung von Springer&Jacoby für kreative Bildbearbeitung, was im Grunde nur bedeutete, dass einem die Kreativen bei der Ausarbeitung nicht mehr von der Pelle rückten – aber man lernte unheimlich viel! Ein Kollege war damals sehr vertraut mit der ganzen 3D Thematik, damals hiess es noch 3D, nicht CGI. Er gab uns auch Unterricht darin, aber mir war das alles zu kompliziert, zu umständlich und so richtig überzeugend sahen die Ergebnisse auch nicht aus.

Dann kam der Wandel zur digitale Fotografie und aufgrund dieser Neuerung und der Möglichkeiten, die sich jetzt boten, waren (das ist meine Theorie) alle erst einmal mit diesem Wandel beschäftigt – Fotografen mussten das Equipment umstellen, Agenturen und die Kreativen mussten umdenken und wir Retuscheure bekamen nicht mehr nur einen Leitz-Ordner voll mit Mittelformatdias, sondern Riesenfestplatten mit hunderten von Fotos, Belichtungsreihen und Testläufen.

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Ich glaube dies war dann auch die Geburtsstunde des Satzes, der auf jedem Shooting kurz vor Ende fällt: “Ach komm, den Rest machen wir in der Post” – Genau, den Rest machen die blassen Bildfreaks mit den grossen Augen in den dunklen Räumen der Reprobuden. Andererseits festigte diese Einstellung unsere Jobs natürlich ungemein!

Nach dem endgültigen Wechsel zur digitalen Fotografie konnte man sich also endlich wieder dem Thema 3D zuwenden, nun hiess es bei den coolen Leuten auch CGI und die noch cooleren sagen CG.

Programme wie Maja geisterten durch die Flure der Agenturen und dass die Hollywoodfilme damit gemacht werden, alles irre kompliziert. Dann gabt es da noch “Cinema 4d” oder “3ds max”, die ersten gerenderten Bilder wurden in der Werbung eingesetzt – zuerst im Film, später in der Literatur, also für Katalogbilder oder Handbücher und dann auch mal für eine Anzeige.

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Die ersten gedruckten Sachen habe ich ungefähr 2003/2004 gesehen, oder besser ich habe sie erkannt, denn mit realistischer Fotografie hatten die ersten Sachen im Detail auch noch nicht viel zu tun. Aber nun hiess es jedes Jahr vehementer: CGI steht SO kurz vor dem Durchbruch, die Rechenleistung muss nur noch nachziehen, danach geht alles von alleine, wir werden alle sterben – ich machte mir Sorgen um meinen Job…

Nun, im Jahre 2010, ziemlich genau 20 Jahre nach der 3-Tage-Chromkugel und 10 Jahre nach meinem ersten 3D-Unterricht, bearbeite ich nun auch gerenderte Bilder. Alles, was man früher versucht hatte zu glätten, zu reinigen und zu perfektionieren, kommt nun wie geleckt aus den Tiefen irgendwelcher Rendernodes – mit perfekten Masken, sauberen Verläufen und rechnerisch 100%ig richtigen Perspektiven. Also wird nun in der Post alles wieder zurückgedreht, die Korrektur “nicht so artifiziell” erlebt eine Renaissance.

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Und um meinen Job mache ich mir keinerlei Sorgen mehr – der Aufwand ist doch immens und mal den Wagen um 3° drehen, ist eben doch nicht so einfach, wie von Kunden gerne angenommen, denn die ganzen Lichteinstellungen und Segel, die in der Szene positioniert wurden, passen nun auch nicht mehr. Zudem verleiten diese perfekten Bilder regelrecht dazu, in der Retusche noch echter gemacht zu werden, hier wird gefeilt, dort wird gemalt.

Und das, obwohl die gerenderten Rohergebnisse logischerweise schon bedeutend besser und perfekter sind, als ein Rohcomposing von 18 einzeln fotografierten Belichtungen eines Fahrzeugs.

Allerdings wird nun mittlerweile eine ganz klare Kosten-Nutzen-Rechnung erstellt: Wieviele Fahrzeuge haben wir pro Bild, ist es günstiger einen Erlkönig durch die halbe Welt zu fliegen, gibt es eventuell verschiedene Varianten des Fahrzeugs, ist die Location überhaupt irgendwo auf der Welt auffindbar etc. So werden viele Kampagnen nach wie vor konventionell gelöst, auch weil für alle Beteiligten dieser Weg der bekanntere ist, es ist hierbei selten mit Überraschungen zu rechnen, man kann sehr genau kalkulieren und weiss was auf einen zukommt.

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Aber das wird sich ändern – die Kreation wird nach und nach ihre Scheu ablegen, die Rechengeschwindigkeit wird zunehmen und dadurch die Kosten für CGI sinken und die Prozesse zwischen CGI Director und Retuscheur werden ausgefeilter, denn wir lernen derzeit mit jedem Job unheimlich dazu und können so die Abläufe schlanker gestalten und schneller zu einem besseren Ergebnis kommen.

Zudem hat man eben die ganze Szenerie des Shootings in der Kiste, man hat quasi das Shooting eingefroren – der Wagen steht da noch, die Umgebung ist genauso, wie man sie verlassen hat, die Kamera ist einzementiert und die Beleuchtung bombenfest auf den Stativen, sogar der Fotoassi mit dem Segel in der tauben Hand steht noch dort – kurz: alles ist da, alles kann erneut zum Leben erweckt werden, direkt drei Meter neben mir. Vor allem aber werden die Grenzen verschwimmen – mittlerweile kann man zwischen gerenderten und fotografierten Fahrzeugen keine Unterschiede mehr feststellen – zumindest, wenn sie gut retuschiert wurden.

Sättigung

Aber was wird nun aus der Fotografie?

Brauchen wir in Zukunft noch diesen Aufwand, ein ganzes Team von Kreativen, Fotografen, Retuscheuren, Kunden und Assistenten durch die Welt zu schicken, oder werden die Bilder allein aus dem Rechner entstehen und die Sphären und Umgebungen bei Bildagenturen eingekauft?

Ich denke, dass diese Frage in erster Linie vom Verhalten der Fotografen selbst beantwortet werden wird – machen sie mit oder verweigern sie sich der neuen Technik, verteufeln sie sogar, weil sie ihnen scheinbar die Jobs wegnimmt? Viele grossartige Werbe- oder speziell Produktfotografen stehen dieser neuen Technik sehr aufgeschlossen gegenüber. Einige haben sich CGI-Leute in ihre Studios geholt und perfektionieren gemeinsam die Bilder.

Denn einen Vorteil hat ein guter Fotograf nun mal und das ist unbestreitbar sein Auge und seine Erfahrung aus vielen konventionellen Shootings. Die Fähigkeit, Licht zu lesen obliegt nun einmal zum sehr grossen Teil dem Fotografen und (noch) nicht den meist aus technischem Bereich kommenden CGI Operatoren.

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Der Fotograf muss die 3D Technik als Freund, als Hilfsmittel sehen, um die Bilder durch sein Können weiterzutreiben, als er es allein mit der Fotografie könnte. Bisher ist dieses primär in der Produktfotografie möglich, aber Programme, die perfekte Haare erstellen können oder Haut in allen Nuancen beschreiben, stehen schon in den Startlöchern – noch mit Kinderschuhen, aber auch diese werden wachsen, auch wenn es vielleicht nochmal 10 Jahre braucht.

Der Fotograf kann diese Techniken dann nutzen, um seine Bilder noch besser zu machen, Teile hinzuzufügen oder so zu komponieren, wie es früher nicht möglich war. Sicherlich gilt dies vorrangig fuer die Werbefotografie. Hochzeit- oder Landschaftsfotografen werden sich, wenn überhaupt erst sehr viel mit dieser Materie auseinandersetzen muessen!

Meiner Meinung nach entstehen derzeit die besten Bilder durch die Symbiose von Spezialisten der vier Disziplinen: Fotografie, CGI, Kreation und Retusche. Wenn diese vier Bereiche noch enger zusammenarbeiten, kann man dem Ziel eines mitreissenden (Werbe-)Bildes noch ein Stückchen näher kommen.

Sättigung

Vielleicht wird bei einem Projekt der Fotograf nur die Umgebung liefern, dafür wird bei nem anderen nur das Hochhaus im Hintergrund gerendert sein. Wichtig ist nur, dass alle von einander zu lernen bereit sind und sich nicht in Konkurrenz zu einander sehen, denn nur gemeinsam werden wir weiterhin grossartige Bildwelten schaffen, die den Betrachter berühren. Es wird sich lohnen.

Wie schon erwähnt ist dies nur die Meinung eines kleinen Retuscheurs, der allerdings seit zig Jahren mit offenen Augen durch die Agenturen geschlendert ist. Nichtsdestotrotz bin ich mir bewusst, ein kontroverses Thema angeschnitten zu haben und stehe deshalb gern per Mail oder Kommentar zur weiteren Diskussion zur Verfügung!

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30 Kommentare

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  1. Ein toller Artikel über ein nicht ganz so einfaches Thema!
    Ich denke, dass der Einfluss von CGI auch in Zukunft der Werbefotografie vorbehalten bleibt. Viele üben das Hobby aus, weil sie gerne “on location” ihre Bilder komponieren und vll. im Nachhinein am Rechner retouchieren. Der Schritt zur künstlichen Erstellung von Hintergründen in 3D-Prgrammen stellt in meinen Augen eine große Hürde dar, die viele nicht zu überwinden bereit sein werden.

    LG Raik

  2. Es ist halt die Frage, ich hab 9x auch den ersten Kontakt zu Photoshop etc gehabt, und da war ja die Frage wo kriege ich meine Texturen etc her, da ja die Digitalfotographie noch nicht so weit war. Auchwerden einige Fotographen gerade im Bereich Texturen ein gutes Auskommen haben. Und es gibt nuneinmal Sachen die ich nur Real oder nur Virtuell machen kann. Es wird meiner Meinung immer eine existenzberechtigung geben für ältere Techniken. Es soll ja auch Leute geben die noch mit Ölfarben auf Leinwand rumkleistern anstelle ein Tablet und PS zu nehmen. Mein Werdegang war ja erst PS, dann Digitalfotographie, festgestellt das die noch nicht soweit ist, Analog, wieder Digital und nun nehme ich hin und wieder nen realen Pinsel in die Hand. Ist halt so … Gründe für irgendwas gibt es ja immer ;)
    Grüße Sven

  3. “Wir werden alle sterben …” – Haha, das ist gut! :)

    Toller Artikel. Hat Spaß gemacht zu lesen und er festigt meine Meinung. Ich denke auch, dass CGI zwar in den nächsten Jahren noch stärker, schneller, billiger wird, aber sicher nie die Fotografie ersetzen wird.

  4. lustig, lustig…

    Lieber Marius, vielen Dank für diesen Artikel über CG (ja, ich gehöre natürlich zu den hypercoolen Leuten, denen das “I” völlig Banane ist). Vergleicht man mal alte und neue Techniken quer durch die Disziplinen, so fällt einem immer dasselbe auf: Neu verdrängt alt, aber nur zum Teil. Je stärker die technischen Vorteile gegenüber dem kreativen Nutzen überwiegen, desto stärker der Verdrängungsfaktor.

    Ich geb´mal ein paar Beispiele: Trotz der Fotografie gibt es die Malerei, trotz Fernsehen das Radio und obwohl wir hypercoolen CG-Sager längst das Eipäd nutzen, gibt es Bücher, Zeitschriften und Tageszeitungen. Andererseits: Eine LP hat gegenüber der CD nur noch für wenige Freaks echte Vorteile und wurde deshalb auf dem Markt fast komplett verdrängt.
    Ebenso die Schreibmaschine: Kann nicht vieles besser als der Computer, dessen Kreativnutzen- und Potential um ein vielfaches höher liegt: Totalverdrängung sozusagen.

    Fotografie hingegen ist ein völlig (!) eigenständiges Medium, das aber natürlich nicht isoliert dasteht: Durch die Digitalisierung gibt es eine Schnittstelle, die Fotografie, Grafik und 3D-Design zusammenführt, und natürlich wird diese Schnittstelle genutzt. Zum Glück, denn die Möglichkeiten beider Techniken wirken symbiotisch aufeinander, nicht zerstörend. In diesem Sinne: Freut mich, dass sich einer mal Gedanken gemacht hat und seine auf viel Erfahrung basierende Sicht mitteilt!

    • Hey Uli, den Artikel hab ich in dem Bewusstsein geschrieben, dass Du ihn beurteilen wirst – prima – vielen Dank!

      Ich denke auch, dass sich einfach das durchsetzen wird, was Sinn macht! So einfach ist das – nicht das bessere/billigere/schneller System wird siegen, sondern einfach das den jeweiligen Zweck sinnvollere!
      Was dann wirklich sinnvoll ist, zeigt die Zeit und die Art unserer Anwendung!

  5. Was hat das ‘Common Gateway Interface’ (CGI) mit Retusche zu tun?

    Mir fehlen Erklärungen zu den Fotos.

    Man sollte die Werkzeuge einsetzen, die zur Lösung der gestellten Aufgabe am geeignetsten sind. Es macht keinen Sinn, eine Schraube mit einem Hammer in die Wand zu prügeln, nur weil der Hammer momentan durch alle Chefetagen diskursiert.

  6. Super Artikel. Ich denke auch das immer mehr in der Post passiert.

    Jedoch wird es Fotografie immer geben – dafür gibt es genügend Bereiche in denen CGI nix,oder nur wenig, bringt: z.B. Dokumentation, Reportage, Journalismus.

    • Da bin ich anderer Meinung. Gerade in der Dokumentation und Reportage können diese virtuellen Arbeiten zur Unterstützung sehr hilfreich sein. Mir bringt beispielsweise der Nachbau im Rechner von Werken Leonardo da Vincis mehr als die pure textliche Beschreibung. Oder nimm die Rekonstruktion von alten Bauwerken, alten Fahrzeugen, …

  7. Aha!! Das ist ja mal interessant!! NATUR ODER KÜNSTLICH??? – daaas wird die Frage in der Zukunf sein! …wer ekennt heut noch ein Bild ob es nachbearbeitet wurde oder nicht! … ja nur wir! die wir fotografieren! oder auch nicht mehr?!

    Ich denke nicht das die Fotografie je aufgelöst oder verdrängt wird! – Aber du hast Recht – Fotografie entwickelt sich weiter, weil der Mensch sich weiter entwickeln nicht nur die Technik! Danke für Dein Beitrag, sehr interessant was Du da machst! gruß cagi!

  8. Was man nicht vergessen darf ist, dass für realistisch wirkende 3D Modelle oft aus einem Texturen-Archiv mit zig-tausend Fotos geschöpft wird. Oft ist eine Textur effizienter als ein Shader. Hier steht also oft wieder Fotografie am Anfang der Bearbeitungskette – allerdings nicht als hohe Kunst sondern als schnöde Materialbeschaffung.

    Interessant ist, dass sich ein wesentlicher Teil der Nachbearbeitung von Renderings, egal ob Still oder Animation, damit beschäftigt die Unzulänglichkeiten von Objektiven, Kameras, Abspielgeräten oder Übertragungen nachzuempfinden die bei der Produktion gar nicht (mehr) zum Einsatz gekommen sind. Auch im Motiondesign gibt es diese Trends – achtet z.B. mal auf den beliebten Effekt bei dem sich die RGB Kanäle kurzzeitig gegeneinander verschieben, das kommt in der Werbung und in Musikvideos immer wieder vor. ein anderes Beispiel sind z.B. das VHS-typische Zittern am unteren Bildrand, obwohl das langsam ausstirbt weil es die Kids kaum noch aus dem realen Leben kennen ;-) Die fehlende Perfektion ist sozusagen der Beweis für die Authentizität – paradox, oder?

  9. Ich würde gerne mal wissen, ob überhaupt und wenn ja welches der Fotos oben denn CGI ist?! Erkennt man es? Oder ists schwierig? Sind vielleicht auch nur Teile der Autos 3D?

    Sind die “echten” Fotos schon so künstlich tot-retuschiert und die CGI Bilder so natürlich gehalten, dass man keinen Unterschied merkt?

    Also, mal genau geguckt und her mit Euren Mutmaßungen!

  10. (“Ach komm, den Rest machen wir in der Post” – Genau der Spruch hat mich als Editorin oft genug an den Rand des Wahnsinns gebracht, weil ich oft genug meine Müh und Not hatte, die Fehler, die sehenden Auges in der Produktion gemacht wurden, in der Postpro wieder auszubügeln.)

    Natürlich sind die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, Fotografie, CGI und Retusche miteinander zu verbinden, großartig.
    Es gibt wohl kaum einen Wirtschaftszweig, der mehr Geld in Werbung investiert als die Autoindustrie. Allerdings muss ich sagen, dass mich solche Hochglanzbilder wenig anmachen. In meinen Augen ist Perfektion wenig reizvoll, die Realität ist eben anders.

    Man sollte vielleicht mehr auf Althergebrachtes zugreifen und dies mit den neuen Werkzeugen kombinieren, statt umgekehrt.

    Thomas hat schon etwas ähnliches beschrieben, aber trotzdem:
    Ich habe mal in einer Fachzeitschrift für CGI (oder 3D) gelesen – das ist jetzt allerdings schon zwei, drei Jahre her – dass man versucht, Effekte, die bei Film/Fotografie durch Tiefenunschärfe und Licht entstehen – das sind diese ganz und gar unperfekten, nicht ganz runden Lichtpunkte, heutzutage nennt man das Bokeh – für 3D-Programme nachzubauen. Flares und ähnliches beherrschen 3D-Programme zwar schon länger, aber die sehen einfach zu perfekt aus und wirken ziemlich unrealistisch.
    Witzig, nicht?

    • ICh glaube es wird dahingehend keine Entwicklung geben – es wird beides parallel nebeneinander geben, bzw gibt es das ja im Grunde schon:
      Zum einen gibt es da den simplen, geleckten, sauberen Produktschuss – egal ob Auto, Flasche, Sonnenbrille oder Kosmetiktiegel.
      Hier wird es weiterhin der künstliche Perfektionismus sein, der das Maß der Dinge bleiben wird und mit CGI recht einfach zu lösen ist.
      Dann gibt es die emotionaleren Bilder, in der Werbung dann beispielsweise für Imagekampagnen oder Spezialformen, die eine ganz besondere (modernere?) Bildsprache brauchen – hier gehts dann viel um Authentizität und “angeschraddelte” Looks.
      Eben wieder maßgeschneidert für jedes Einsatzgebiet!

  11. Hi Marius, schön hier wieder etwas von Dir zu lesen und vor allem so interessant was Du zu berichten hast :-)

    Kannst Du mal ein paar Details zu den beiden Vorher-/Nachher Varianten der Audi Bilder verraten? Schon die beiden Ausgangsbilder erscheinen recht künstlich… Bei dem oberen mit dem Hamburger Audi in rasanter Fahrt weniger, dort ist es mehr der Hintergrund und der Boden. Bei dem zweiten Foto erscheint dann das Fahrzeug selbst wie gerendet.

    Ist dem so oder irre ich? Würde mich echt mal interessieren….

    Viele Grüße,
    Sascha

    • Bei den beiden Audibildern sieht man beim Vorher-Bild im Grunde das rohe Composing, also einfach der Zusammenbau, ohne Look, oder technische Anpassungen (gedrehte Reifen zB)

      Beide Audis sind fotografiert – es ist nichts gerendert – allerdings wirkt es oftmals durch den Zusammenbau der Teile sehr künstlich, weil die Lichtverläufe verfälscht sind! Das versuche ich dann mit Tonwertkurven und Gradationsanpassungen wieder einander anzugleichen!

  12. “Wichtig ist nur, dass alle von einander zu lernen bereit sind und sich nicht in Konkurrenz zu einander sehen, denn nur gemeinsam werden wir weiterhin grossartige Bildwelten schaffen, die den Betrachter berühren. ”

    Feiner Artikel Marius – ich teile Deine Meinung. CGI ist EINE Möglichkeit der Bildkreation und sollte nicht als Verdrängung der Fotografie wahrgenommen werden. Es wird aber auch im Zuge dieses Prozesses Fotografen geben, die sich sträuben, mit der Zeit zu gehen und die Augen vor der Zukunft verschliessen. So hat mancher auch die Entwicklung von analoger Fotografie zu digitaler verpennt oder verdrängt. Wichtig ist: offen sein für Neues und damit aber auch kritisch umgehen – dann klappt das auch mit dem “rendern”.

    Liebe Gruesse

  13. Hallo,

    danke für den klasse Artikel! Ich finde diese Mischung aus CGI und Fotografie ja klasse – auch wenn ich 3D/CGI/CG bisher nichtmal in Anfängen kann ;) Ich kann eine 3D-Kugel in Photoshop :D (ja, ich weiß… die ist fertig… :D )

    Sehr interessant geschrieben und die Autobilder gefallen mir auch!!

    LG Kate

  14. Sehr spannender Artikel. Besonders das Du auf die Anfänge der 3D-Modellierung eingehst. Ich selbst habe am C64 erste einfache 3D-Modelle entworfen und später dann am Amiga mit Cinema 4D. Leider bin ich seit Jahren aus dem Thema raus aber mit Deinem Artikel hast Du mein Interesse wieder erweckt.

  15. Selbst wenn alles für CGI spricht: Voraussetzung ist natürlich immer, dass die Kunden die CAD-Daten als Basis fürs Rendering auch rausgeben können/dürfen/wollen.

    Man sollte denken, dass die ja irgendwo einfach verfügbar sein müssen, aber zwischen Unorganisiertheit, Nicht-Zuständigkeit und Angst vor Datendiebstahl gibt es tausende von Gründen, warum das so nicht klappt.

    Die Tendenz zum “nicht so artifiziell” begrüße ich übrigens sehr. Oft sieht man Autos die, obwohl ursprünglich mal in echt fotografiert, komplett künstilich aussehen, weil sie totretuschiert wurden. Und das (meist) nicht, weil die Post oder die Litho nicht weiß, was sie tun, sondern weil das nach Meinung der Verantwortlichen so gehört.

    In dem Fall könnte man sich das Fotografieren tatsächlich sparen.

  16. Verrückt.
    Danke für den kleinen Einblick! Sehr gelungen und gut geschrieben!
    Habe letztens erst via Twitter gesehen wie so ein Mercedes Werbe”Foto” entsteht und wie viel Aufwand dahinter steckt. Da ist das nachträgliche Hinzufügen von Blättern im Fahrtwind anscheinend noch die leichteste Übung :)
    Verrückt.

  17. Schöner Artikel! Ich habe selbst mit der Fotografie angefangen, sitze nun seit 5 Jahren als Retuscheur an Photoshop und beschäftige mich seit gut einem Jahr mehr oder weniger intensiv mit CGI.
    Ich finde es faszinierend wie die Bereiche immer mehr miteinander verschmelzen und bin sehr gespannt wie die Entwicklung weitergeht …