14. Juli 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Was ist der Unterschied zwischen Dynamik & Sättigung?

Nachdem ich vor ein paar Wochen den Unterschied zwischen Fluss und Dichte verdeutlicht habe, möchte ich heute noch zwei weitere Regler besprechen. Beide wirken auf den ersten Blick recht ähnlich, das Gleiche bewirken sie jedoch nicht.

Doch beginnen wir mal ganz von vorn. Im Modul „Entwickeln“ finden wir unter dem Bedienfeld Grundeinstellungen die beiden Regler Dynamik und Sättigung. In Lightroom 2 heißt der Dynamik-Regler noch Lebendigkeit. Darunter versteckt sich also in Lightroom 3 keine neue Technik, sondern lediglich der Name wurde geändert.

Lightroom: Dynamik & Sättigung

Viele von uns haben diese Regler schonmal bewusst eingesetzt und es ist schon etwas schwierig, den Unterschied genau zu benennen. Das ist aber wichtig, vor allem dann, wenn man gezielt damit arbeiten will. Ein Blick in die Hilfe von Lightroom 3 gibt uns dazu folgende Informationen:

Dynamik

Passt die Sättigung an, wodurch beim Annähern an eine 100%ige Farbsättigung die Beschneidung reduziert
wird. Dabei wird die Sättigung aller gering gesättigten Farben geändert, ohne große Auswirkungen auf die stärker
gesättigten Farben zu haben. Mit „Dynamik“ wird gleichzeitig verhindert, dass Hautfarben übersättigt dargestellt
werden.

Sättigung

Stellt die Sättigung aller Bildfarben gleichmäßig zwischen -100 (monochrom) bis +100 (doppelte Sättigung) ein.

Verstanden? Nunja, das mit der Sättigung ist eigentlich logisch, aber die Dynamik? Ich lese den Hauptsatz der Erklärung nocheinmal (Wiederholung ist bei solchen Sachen ganz gut:)


Dabei wird die Sättigung aller gering gesättigten Farben geändert, ohne große Auswirkungen auf die stärker gesättigten Farben zu haben.

Allrighty. Für die Farb-Profis ist nun schon klar, um was es hier geht und denen wird diese Information schon ausreichen. Doch ich bin jemand, der sowas gerne mal an einem Beispiel veranschaulicht bekommt, um das auch zu sehen. Dazu habe ich mir wieder selbst was gebastelt.

Wir sehen ein Quadrat mit zwei Flächen, bei denen das rechte Feld (grün) farbintensiver ist, als das Linke.


Bild 1: Das Original

Das Quadrat habe ich mir mal in Lightroom gezogen und die Sättigung von 0 auf 100 gestellt, und quasi bis zum Maximum aufgerissen. Das Ergebnis sieht dann so aus (Tipp: Beim Drüberfahren mit der Maus seht ihr das Original zum Vergleich):

Sättigung
Bild 2: Sättigungsregler auf 100

Als Nächstes habe ich die Sättigung wieder auf 0 gestellt, dafür aber die Dynamik auf 100. Auch hier könnt ihr mit der Maus drüber fahren, um das Original zum Vergleich zusehen.

Dynamik 100
Bild 3: Dynamik-Regler auf 100

Wir sehen: Das Grün wurde bei der Sättigungsreglung (Bild 2) sehr grell, was bei der Dynamikregelung (Bild 3) nicht im selben Maß der Fall ist. Und: Bei der Dynamikregelung (Bild 3) wurde das Blau wesentlich intensiver als bei der Sättigungsregelung in Bild 2.

Der Sättigungsregler arbeitet linear, der Dynamikregler nicht. Der verstärkt speziell die schwächeren Farben in meinem Bild und hält die stärkeren etwas zurück.

Um das nocheinmal deutlich zu machen, habe ich alle drei Versionen mal direkt untereinandergesetzt (klick macht groß):

Lightroom: Dynamik & Sättigung

Anschauungsbeispiel

So. Nun sagt uns die Hilfe von Lightroom, dass beim Betätigen des Dynamikreglers die Hautfarben berücksichtigt werden. Das sind dann Gelb und evtl. die Rottöne.

Weil es es aber grässlich finde, an einem Portrait diesen Vorgang zu zeigen, gehe ich mal einen Schritt weiter, rege unsere Fantasie etwas an und zeige diesen Vorgang einem Landschaftsfoto. Denn Lightroom weiss ja nicht, was da für ein Foto ist, sondern nimmt wie gesagt auf bestimmte Farbtöne „Rücksicht“. Wie das auswirkt, sehen wir wie folgt.

Das ist das Originalbild, so wie es aus der Kamera kam. Die Farben sind alle recht flau, das braun-gelb in den Feldern könnte minimal stärker sein als das Blau im Himmel.

Lightroom: Dynamik & Sättigung

Nun habe ich mal die Sättigung voll aufgedreht und… wir haben ein wundervolles, farbenprächtiges Bild, das ich mir jederzeit an die Wand hängen würde. Quatsch. Es sieht natürlich furchtbar aus. Achtet bitte mal auf die Rot und Gelbtöne im Feld.

Lightroom: Dynamik & Sättigung

Nun habe ich nur den Dynamikregler aufzogen und… wenn wir uns das Feld anschauen, würde ich sagen, dass die Farbe weit aus nicht so intensiv ist, alle andere Farben (Blau, Grün) aber schon.

Lightroom wird also mittels des Dynamikreglers Gelb und Rottöne lange nicht so sehr verstärken – und das hat natürlich den Vorteil, dass explizit bei Portraits die Hauttöne diese nicht so sehr übersättigt werden.

Zusatztipp

Wenn wir den Sättigungsregler in den negativen Bereich bewegen, also nach links, dann verlieren alle Farben an Stärke. Dies ist nicht der Fall, wenn wir den Dynamikregler nach links ziehen. Denn da wird der oben erläuterte Effekt umgedreht: Die Farben, die schon stark sind, werden besser erhalten bleiben, und die weniger starken werden schneller abgeschwächt.

Das wollte ich jetzt nicht auch noch visualisieren (habe ebenfalls Farbversuche wie oben gemacht), damit es hier nicht zu viel wird. Auf Wunsch kann ich das aber gerne ein andermal nachreichen.

++++++

Ich hoffe, das ich den Unterschied der beiden Regler verständlich erklärt habe. Falls noch Fragen oder Anregungen auftauchen sollten, nur her damit.

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