vom verrückten Traum, die Zeit anzuhalten
05. Juli 2010 Lesezeit: ~2 Minuten

Vom verrückten Traum, die Zeit anzuhalten.

A photograph is a secret about a secret. – Diane Arbus

Es passiert ab und zu, wenn ich ein Foto sehe. Im Café an der Wand, mit dem Abzug in meiner Hand oder am kleinen Bildschirm der Kamera. Ich sehe ein Bild und dann…

… staune ich darüber, dass mit der Erfindung dieses doch so einfachen, vielleicht sogar primitiven Gerätes ein tiefgreifender Traum war wird.

Der Traum, einen Moment, nein, vielleicht sogar die Zeit festzuhalten.

Ach, die Zeit. Gnadenlos rennt sie weiter und je älter ich werde, umso schneller sprintet sie voran, ohne auch nur einmal anzuhalten. Ich erschrecke dann, dass schon wieder – verdammt, schon wieder! – eine Woche, ein Monat, herrje – ein ganzes Jahr vergangen ist.

Die Zeit, gnadenlos rennt sie weiter und schon jetzt ist dieser_Moment_Vergangenheit.

Doch ein Medium sträubt sich dagegen, weiterzulaufen. Es ist still. Fest. Was ich darauf sehe, bewegt sich nicht.

Im Bruchteil einer Sekunde, in dem Licht auf Film oder Sensor fiel, wurde die Welt einen Augenblick angehalten und macht diesem Wahnsinn ein Ende. Es ist ein Foto.

Stop! Stop! Stop!

Schau doch mal her! So war es. Genau so. Kein Wort kann beschreiben, was ein Bild gestochen scharf zu sagen vermag.

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Sobald es gedruckt wurde, kann ich diesen Moment in meiner Hand halten. Und so oft ich will, betrachten. Morgen. Übermorgen.

Und am Monitor kann ich eines tun, was diese Zeitreise noch viel abstrakter und unbegreiflich macht: Ich suche mir eine Stelle im Bild und greife hinein, vergrössere die Stelle. Diese eine Stelle. Wahnsinn.

Das was im „normalen“ Leben niemals möglich ist, so sehr ich mich auch anstrenge, eine Szene zu merken, mich hineinzwänge in eine Situation und versuche, so genau wie nur möglich festzuhalten, was ich da sehe, das ist mit einem Foto möglich.

~

Man nenne mich verrückt oder besessen, aber diese Tatsache begeistert mich. Und das wollte ich einmal auf den Punkt bringen – auch wenn, wie ihr sicher gemerkt habt, es mir alles andere als leicht fiel, passende Worte dafür zu finden.

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