kwerfeldein
24. Juni 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Night of the Owls

Hallo liebe Kwerfeldein-Leserinnen und -Leser! Heute möchte ich euch ein Foto vorstellen und euch erzählen, wie das Bild entstanden ist. Bei dem Foto handelt es sich um eine Langzeitbelichtung, die ich bei Vollmond aufgenommen habe. Das besondere an solchen Aufnahmen ist, dass der Vollmond eine hervorragende Lichtquelle ist, die es ermöglicht, an Orten fotografieren, an denen es nachts normalerweise stockfinster ist.




Das Bild

Das Bild zeigt eine Szene mit einer Wiese und ein paar Bäumen. Ich mag diesen Ort sehr und habe dort auch schon oft Sonnenaufgangsszenen fotografiert. Diese Aufnahme habe ich an einem Tag im Januar um ca. 23:00 Uhr gemacht. Zu dieser Jahreszeit ist es also ohne den Mond ziemlich dunkel. Auch gibt es in dieser Gegend keine unnatürlichen Lichtquellen, die die Szene erleuchten könnten.

Aber in dieser Nacht war Vollmond und glücklicherweise war es auch nur leicht bewölkt, sodass das Mondlicht gut zwischen den Wolken hindurch scheinen konnte um die Wiese und die Bäume zu erhellen. Die dünnen Wolken erwiesen sich sogar als äußerst vorteilhaft. Zum einen wurden sie vom Mond angestrahlt und verstärkten somit dessen Licht und dienten selbst als zusätzliche Lichtquelle. Zum anderen waren die Wolken ein hervorragendes gestalterisches Element.

Wer meine Langzeitbelichtungen kennt, weiß, dass ich gern die Bewegungen der Wolken aufnehme. Im besten Fall natürlich so, dass sich die Wolken entweder in meine Richtung oder von mir weg bewegen. Somit hat man bei Weitwinkelaufnahmen ein Element, dass den Blick von den Rändern des Bildes in die Mitte zum Hauptelement führt.

Die Aufnahme

Nachdem ich ein schönes Motiv gefunden hatte, ging es an die Komposition und den ganzen technischen Kram. Bei der Wahl des Bildausschnittes musste ich mehrere Dinge beachten. Auf jeden Fall wollte ich die Bewegung der Wolken wie oben beschrieben, auf dem Foto haben. Ich habe also erst einmal geschaut, in welche Richtung die Wolken ziehen und die Kamera entsprechend positioniert.

Jetzt musste ich nur noch aufpassen, dass ich den Mond nicht im Bild habe, da dieser aufgrund seiner Helligkeit sehr schnell ausgebrannt wäre. Und nun ging’s ans Eingemachte: Blende, ISO, Belichtungszeit. Für so eine Szene würde ich am Tag f8 wählen, um eine möglichst große Tiefenschärfe zu erreichen. Nachts ist das aber zu viel des Guten, da hätte ich ewig belichten müssen. Also wählte ich f6.3.

Nach einer Testaufnahme mit ISO 100 wurde mir schnell klar, dass die Belichtungszeit immer noch sehr lang sein würde (>250 sec.). Nicht dass ich keine Zeit gehabt hätte, aber bei einer zu langen Belichtungszeit wäre von den Wolken nicht mehr viel übrig geblieben. Also wählte ich ISO 200, was bei meiner Kamera immer noch ein verträglicher Wert ist. Ich machte 2-3 Aufnahmen mit 120-130 Sekunden und war zufrieden mit dem Ergebnis.

Die finalen Werte: 17mm, f6.3, 130 Sek., ISO 200. In der Nachbearbeitung in Lightroom hab ich dann noch ein wenig die Kontraste angepasst und die hellen Bereiche noch weiter aufgehellt. Ein bisschen Schärfen, Sättigen und Rauschen reduzieren: fertig war das Bild.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: während ich da in der kalten Nacht stand und bibbernd und mit nassen Füßen den Mond anstarrte, schallten hinter mir Eulenrufe durch die Stille und ließen mich ein wenig erschaudern. Und genau solche Momente sind es, die die Landschaftsfotografie für mich zu einem Erlebnis (mit allen Sinnen) machen.

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