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16. Juni 2010 Lesezeit: ~6 Minuten

Die Fotografie zum Beruf machen

Es gibt so viele Foto-Begeisterte, die sehr gut sind und sich vielleicht den Schritt in die Selbständigkeit überlegen. Es ist schwierig, mit Google und Co die essentiellen Informationen zu finden. Man stösst auf sehr viel Halbwissen und leider kaum gute Lösungen. Schreibt man in ein Forum, bittet um Hilfe, so wird einem als erstes geraten, das Ganze zu lassen, sofern man nicht wirklich viel Geld damit verdienen will oder kann.

Eigentlich ist es ganz einfach, relativ schnell gemacht und was dazu notwendig ist oder beachtet werden sollte, werde ich im Folgenden erläutern.


Wer darf fotografieren?

Wie sicher viele wissen, ist seit 2004 in Deutschland das Fotografengewerbe kein geschützter Berufszweig mehr, sodass jeder, der glaubt, die Tätigkeit ausüben zu können, dies auch tun darf. Den Fotografenmeister und die Ausbildung zum Fotografen u.ä. hingegen gibt es nach wie vor. Somit ergibt sich immer noch die Einschränkung der Bezeichnung.

(Berufs)Fotograf darf sich nämlich nur derjenige nennen, der auch eine entsprechende Ausbildung bzw. einen Befähigungsnachweis vorlegen kann. Nicht geschützte Bezeichnungen, wobei die bekannteste sicher Fotodesigner, Bildjournalist oder einfach Fotografie ist, darf jeder verwenden.

Was ist zu tun?
Ob freies Gewerbe oder nicht, eine Anmeldung bei einer Berufskammer in die Handwerksrolle ist trotzdem notwendig. Dies ist allerdings sehr einfach und mit einem
Formular und wenigen Euros (ca. 50) auch gleich erledigt. (für Bayern z.B. dieses). Jährlich ist dann ein kleiner Beitrag zu zahlen, der bei geringem Umsatz allerdings auch nur bei bis zu 100 Euro liegt.

Etwas umständlicher kann das Finden der passenden Unternehmensform sein. Ob GmbH, Einzelunternehmer oder (nebenberuflich) Kleinstunternehmung ist individuell von den geplanten Tätigkeiten und zu erwartenden Umsätzen abhängig. Ich kann nur empfehlen, sich dahingehend bei einem Steuerberater zu erkundigen, was für einen selbst das Beste wäre.

Die Anmeldung am Finanzamt kann vom Steuerberater oder von jedem selbst durchgeführt werden und ist wiederum mit einem Formular leicht zu erledigen. Eine der zwingenden Angaben ist u.a. das Konto, von dem die zu zahlende Steuer eingezogen werden. Dabei ist man gut beraten, wenn man dieses Konto von seinem privaten Konto trennt, auch wenn das Unternehmen nur aus einer Person besteht, denn so sind die Geldwege einfacher zu trennen.

Letztlich läuft es darauf hinaus, dass man monatlich eine sog. Umsatzsteuervoranmeldung machen und einmal im Jahr einen Steuerausgleich (Einnahmenüberschussrechnung) für das vergangene Geschäftsjahr durchführen muss. Die Umsatzsteuervoranmeldung gilt nur bei Unternehmensarten, die Umsatzsteuer ausweisen dürfen bzw. vorsteuerabzugsberechtigt sind.

Dies sollte im Normalfall bis zum 10. des Folgemonats beim Finanzamt eingehen und kann via Elsterformular online oder auch mit einem gratis Tool offline ausgefüllt und im Anschluss online übertragen werden (Link, nur Windows).

Wenn es dann so weit ist, dass man die erste Rechnung ausstellen darf, dann gibt es die Möglichkeit sich selbst ein Template zu erstellen, wo Name, Adresse, Steuernummer bzw. Umsatzsteuer ID, der Leistungszeitraum sowie eine eindeutige Rechnungsnummer (fortlaufend) vermerkt ist. Es gibt aber auch zahlreiche Vorlagen im Netz, für Excel und Word damit man sich das Templateerstellen Sparen kann.

Um aber keine Probleme im Nachhinein mit dem Finanzamt zu bekommen, sollte eine Beispielrechnung einmal von einem Steuerberater geprüft werden.


Was passiert wenn man sich trotzdem Fotograf nennt?

Grundsätzlich ist für den Kunden letztlich jeder in dieser Branche ein Fotograf und selbiger wird wohl auch nicht Fotodesigner o.ä. genannt werden. Wenn man aber Werbung auf der Firmenhomepage mit Berufsfotograf macht oder dies im Impressum einträgt, dann könnte es zu einer Beschwerde führen die wiederum gefährlich werden könnte.

Allerdings gilt für das alles wohl der Spruch „Wo kein Kläger…“ Ob es sofort Geld kostet oder erstmal zu einer Unterlassungsaufforderung kommt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.


Was ist zu beachten, wenn man im EU Ausland als deutscher Fotograf tätig sein will?

Ich kann nicht für das gesamte EU Ausland sprechen, aber naheliegend für Kollegen aus dem Süden Deutschlands ist z.B. eine Auftragsakquise bzw. Auftragsannahme in Österreich. Es ist mir nicht bekannt ob es noch ein zweites Land in der EU gibt, welches sich, bezogen auf das Fotografengewerbe, noch in der Steinzeit befindet.

In meinem Heimatland Österreich gibt es nach wie vor eine sehr strenge Einschränkung auf die Tätigkeiten als Berufsfotograf. Wer aus dem Ausland in Österreich Aufträge annehmen möchte bzw. akquirieren will, der muss beim Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend eine sog. Dienstleistungsanzeige einreichen, für die ein Befähigungsnachweis unabdingbar ist.

Meisterprüfung, vergleichbare Ausbildungen oder eine über zwei Jahre dauernde Unternehmensführung im eigenen Land (z.B. Deutschland) sind dazu allerdings ausreichend.

Und wer nun darüber schmunzelt, dem sei gesagt, dass man schnell eine Anzeige wegen „Pfuscherei“ bekommt. Die Fotoinnungen in Österreich verfolgen den Markt sehr genau und sind gewillt die „Schwarzen Schafe“ zu finden. Ebenfalls versuchen gelernten Berufsfotografen durch Beschwerden bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) die drohende Konkurrenz zu minimieren.


Fazit:

Wer mit dem Gedanken spielt, sich nebenberuflich selbständig zu machen und somit sein Hobby zum Beruf machen möchte, dem kann ich das nur empfehlen. Für eine Vollzeittätigkeit als Fotograf sollte man sich des Risikos bewusst sein, dass es auch schiefgehen könnte und auf jeden Fall einen „Exitplan“ zurechtlegen.

Generell bin ich aber der Meinung, dass wenn man nur will, alles möglich ist. Das Leben ist viel zu kurz um in einem Job fest zu stecken der einem keinen Spaß macht, wenn es da doch die Fotografie gibt…

Danke an Martin, für die Möglichkeit hier einen Gastartikel zu schreiben und ich freue mich wenn ich dem einen oder der anderen helfen konnte.

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