Kwerfeldein
10. Juni 2010 Lesezeit: ~ 5 Minuten

LR: Was ist der Unterschied zwischen Fluss und Dichte?

Da nun Lightroom 3* auf dem Markt ist, gibt es viele neue Features kennenzulernen, die uns das Leben in der digitalen Dunkelkammer einfacher machen. Ich möchte heute aber mal ein Thema aufgreifen, das zwar sehr grundlegend, aber beim Arbeiten mit Lightroom (2+3) einen großen Unterschied machen kann.

In Lightroom gibt es öfter mal Regler, die auf den ersten Blick das Gleiche bewirken, sich aber in Aktion etwas anders auswirken. Beispielsweise “Helligkeit und Belichtung”, “Sättigung und Lebendigkeit” oder…

Fluss und Dichte im Korrekturpinsel (K).

Wer sehr viel mit dem Korrekturpinsel arbeitet, der wird sicher schon einmal über diese Regler gestolpert sein und sich gefragt haben, was da jetzt wirklich der Unterschied sein soll. Ein Blick in die Hilfe von Lightroom bringt dann folgende Erklärung zum Vorschein:

Fluss: Steuert die Rate, mit der diese Korrektur angewendet wird.
Dichte: Steuert die Transparenz in dem Pinselstrich.

Ganz einfach, oder? Nunja, als ich das zum ersten Mal gelesen habe, verstandt ich nur Bahnhof. Vielleicht bin ich bei solchen Sachen auch einfach etwas fantasielos und brauche dann Eselsbrücken und Beispiele, um das zu verstehen.


Eine habe ich mir mal selbst gebaut. Ich importiere eine dunkelgraue Fläche in Lightroom, an der ich den Unterschied der beiden Regler deutlich machen werde. Natürlich könnte ich auch ein normales Foto benutzen, aber eine graue Fläche ist für diesen Vergleich ebenfalls passend, da sie gleichmässig ist.


Auf diese Fläche werde ich jetzt den Korrekturpinsel auftragen und zwar mit folgenden Einstellungen.



Belichtung & Helligkeit bis zum Maximum aufgedreht, Fluss ist auf 100, die Dichte 50. Ich zeichne mit diesen Einstellungen eine senkrechte Linie ins Bild. Das Ergebnis:

Wenn ich jetzt nochmal drüberfahre, entsteht lediglich ein breiterer Streifen, die Helligkeit des Streifens bleibt aber gleich, wie wir im folgenden Bild sehen.

Nun justiere ich den Fluss auf 40 und die Dichter auf 100. Das ganze Spiel also umgekehrt. Wenn beide Regler das Gleiche bewirken, sollte auch das Ergebnis gleich sein, oder?

Der neue Streifen ist rechts im Bild.

Der Streifen ist wesentlich weniger ausgeprägt. Ich fahre nochmals über die selbe Stelle.

Nun ist der Streifen etwas heller. Ich wiederhole das Ganze ein paar Mal, mit diesem Ergebnis:

Ein niedrig eingesteller Fluss erlaubt mir, eine Stelle mehr oder weniger Stark mit dem eingestellten Effekt zu justieren. Je öfter ich über eine Stelle zeichne, umso stärker wird der Effekt angewandt (bis zu einer Grenze). Eine niedrig eingestellte Dichte ist lediglich in der Transparenz reduziert.

Klingt logisch, oder?

Info: Es folgt noch ein kurzer Abschnitt zur Dichte, wer mag, kann den aber auch überspringen, die Regler in Lightroom ausprobieren und gleich den Schluss lesen.

Nun geht es noch noch einen Schritt weiter, wenn wir uns die Dichte etwas genauer ansehen wollen. Nehmen wir an, ich zeichne nun mit einer niedriger eingestellten Dichte (20) und vollem Fluss (100) über das Bild mit folgenden Einstellungen:

Fluss 100, Dichte 20. Ich habe den Pinsel etwas kleiner gemacht (das hat keinerlei Auswirkungen auf die Helligkeitswerte). Die Justierungen sehen dann so aus:

Die Änderungen sind in diesem Fall nicht ganz so hell, wie die anderen Streifen – klar, die Dichte war auch geringer, also zuvor.

Stelle ich bei gleichen Einstellungen die Dichte auf 0 ein und zeichne über das komplette Bild, passiert Folgendes:

Ich bin wieder bei meinem Ausgangsbild und habe mit dem Pinsel alle Einstellungen überzeichnet mit Transparenz 0, was im Endeffekt so viel bedeutet wie: Gelöscht. Das kann man auch daran testen, in dem man die Korrekturüberlagerung (“o”) anschaltet, die dann nicht mehr erscheint (wenn man sauber alles überzeichnet hat).

Ich kann also auch mit der Dichte den angewandten Effekt unterschiedlich auftragen, muss dazu aber den Regler zuvor auf die gewünschte Transparenz einstellen. Ausserdem kann ich auch dort, wo ich zuvor schon gezeichnet habe, den Effekt nicht nur verstärken, sondern mit einer gering eingestellten Dichte den Effekt abschwächen bis hin zum Löschen- die geringere Transparenz wird einfach darübergezeichnet.

Wenn ich nun weiß, wie Fluss und Dichte funktionieren, kann ich diee viel gezielter meine Fotos mit dem Korrekturpinsel bearbeiten und den Effekt (Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Klarheit, Schärfe) unterschiedlich auftragen. Das erleichtert mir die Arbeit und spart mir einige Punkte zum Anwählen der Veränderung (). Dodge & Burn macht mir mit diesen Reglern sehr viel Spaß…

Übrigens: Auch beim Löschen (Shortcut: Alt-Taste bei aktivem Curser) habe ich einen Fluss-Regler, der mir dann erlaubt, unterschiedlich stark zu löschen.

So. Ich hoffe, dass ich den Unterschied zwischen Fluss und Dichte weder zu kompliziert noch zu ausführlich erklärt habe. Viel Spaß beim Ausprobieren an “echten Fotos” ;)

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE0837050198 1933436766
BIC: COLSDE33XXX

Amazon
kwerfeldein @ Spreadshirt


27 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Wie unfair, hier direkt nach der Verlosung von Lightroom 3 wo sich so viele eingetragen haben und sich das verdammte Ding wünschen auch noch tolle Features vorzuführen. xD Aber tolle Beschreibung, dank Bilder auch gut nachzuvollziehen.

    Der Point.

  2. @alex:

    Also das mit der Farbdose und dem Fluß leuchtet mir ein. Bei Dichte wäre es dann aber – um bei der Analogie zu bleiben – eher die Einstellung, wieviel “Hell” dem Dunkel beigemischt wird, oder?

  3. Blogartikel dazu: BlogTimes - QuickNEWS (KW23) | BlogTimes - Fotografieblog

  4. Vielen Dank für die Erklärung. Hab die beiden Regler ehrlich gesagt nie so richtig verstanden bzw. einen größeren Unterschied gesehen. Aber die Demonstration mit der dunklen Fläche hats gut deutlich gemacht. Merci :)

  5. Hallo Martin. Ich bin absoluter LR2-Neuling. Einige Dinge sind intuitiv zu bedienen, andere wiederum nicht. Der Pinsel ist für Änderungen an bestimmten Bereichen immer mein Mittel der ersten Wahl. Wenn man sehr oft in einem Bild neu ansetzt und auf “neu” klickt, dann behält der Pinsel diverse Einstellungen, die nicht immer 0 sein müssen. Gibt es einen Trick (Tastaturbefehl etc.), mit dem ich alle Regler im Pinsel auf Null setzen kann? Ich arbeite mit LR2 an einem MacBook Pro unter Mac OS X 10.6.3.

    Vielen Dank vorab für eine Antwort und viele Grüße

  6. Blogartikel dazu: Lightroom: Was ist der Unterschied zwischen… Dynamik & Sättigung? | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie

  7. Blogartikel dazu: Schauplatz » Blog Archive » Kurze Statusmeldung: Fuß-OP und Linktipp zu Lightroom

  8. Blogartikel dazu: Lightroom Sammelsurium | Bilderarbeiten