kwerfeldein
20. Mai 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Empfehlung: The Polaroid Book

Ich geb’s offen zu: Polaroid hat mich gnadenlos erwischt. Ich muss ernsthaft aufpassen, dass ich die paar Filme, die ich noch habe, nicht heute komplett verknipse, weil ich es nicht erwarten kann, dem nächsten Polaroid beim Entwickeln zuzuschauen und einwenig damit herumzuexperimentieren.

So mancher vermutet hinter meiner Affinität einen Hype, andere meinen, ich sollte davon die Finger lassen. Wiederum andere freuen sich mit mir, schicken mir Kommentare / Emails mit hilfreichen Seiten, weitere beraten mich supernett & kompetent am Telefon.

Ich für mich habe Spaß an meinen ersten Versuchen, wenn auch diese eher ärmlich als anspruchsvoll daherkommen. Das ist für mich aber in Ordnung.

Und warum gerade Polaroid? Weil halt. Ich mags. Polaroid eröffnet mir ein ganz anderes Erleben der Fotografie und ich genieße das. Ganz ohne digital. Vielleicht auch gerade deshalb. Und jetzt kommt auch die Buchbesprechung.

Vor ein paar Wochen habe ich mir für nen Zehner bei Amazon ein Buch bestellt. Es heißt The Polaroid Book*. Das stelle ich Euch nun vor. Wer mag, kann gerne weiterlesen.

The Polaroid Book ist eine Sammlung unterschiedlichster Poloroids aus der vergangenen Geschichte dieser Kameras. Womit wir auch schon beim Inhalt wären, denn das Buch ist kein How-To-Wälzer, sondern es werden fast ausschließlich Fotos gezeigt. Allesamt gemacht mit irgendeiner Polaroid, deren Bezeichnungen mir alles andere als geläufig sind. Edit: Einige Polaroids werden ganz hinten im Buch aufgelistet, beschrieben und mit Jahren versehen.

Und dabei handelt es sich um Aufnahmen verschiedenster Fotokünstler – so findet der aufmerksame Betrachter auch ein Polaroid von Ansel Adams. Diesem Herren werden übrigens zu Beginn einige Zeilen gewidmet, denn er war nicht ganz unbeteiligt an der Entwicklung der Firma Polaroid und sehr angetan von der Technik und dem künstlerischen Möglichkeiten der Sofortbildfotografie.

Im kurze Essay zu Beginn findet sich auch die Idee hinter der Kollektion, die in den frühen Jahren von Polaroid entstand. Zitat:

„Man gibt jungen, unbekannten, ehrgeizigen Fotografen eine Polaroid-Ausrüstung und -Filme im Austausch gegen eine Auswahl ihrer besten Bilder, die sie damit gemacht haben“.

Das Ganze entwickelte sich zu einer Stipendienvergabe an unterschiedlichste Künstler und die Polaroid Collections besitzen heute „23.000 Fotografien – aufgenommen von fast 2.000 Fotografen“.  Und über 400 Arbeiten finden sich in diesem Buch, das ich vorliegen habe.

Als ich mich heute morgen mit einer Tasse Kaffee in meinen Sessel habe fallen lassen, um in aller Ruhe nochmals die Fotos zu studieren, blieb mir abermals wortwörtlich der Mund offen (Kaffe vorher geschluckt, versteht sich).

Da ich sowieso – bis auf meine schwachen Versuche – gar keine Ahnung von Polaroid habe, wurde ich nicht gerade selten überrascht. Meinem Auge erschlossenen sich Aufnahmen, bei den ich nie und nimmer mit lang ausgestrecktem Finger an der Schläfe „Eindeutig. Klassisches Polaroid“ getippt hätte. Gestochen scharfe Portraits, wunderbare Manipulationen und Fotos, die aussehen wie feinste Gemälde.

Thematisch gibt es keine Grenzen, wenn auch sehr viele Portraits vorhanden sind. So werden Alltagssituationen, die Aktfotografie, Landschaftsfotografie, Kollagen, Dokumentar- und selbstverständlich die Straßenfotografie bedient (ich bin mir sicher, dass ich irgendein Genre vergessen habe).

Bildkompositionen, Momentaufnahmen und Portraits, die mitunter auch Leuten gefallen könnten, die grundsätzlich der Fotografie (und ihrer Geschichte) zugewandt sind. Eine kleine Auswahl der Fotos gibt es zur Ansicht beim Verlag. Die ein oder andere Buchhandlung wird das Werk evtl. führen, und so kann man auch so bei Gelegenheit einen Blick hineinwerfen.

Es sei jedem selbst überlassen, sich diesen Werken zuzuwenden oder nicht – ich möchte hier eine Empfehlung aussprechen. Was natürlich ganz und gar nicht heißen muss, dass dieses Buch zu 100% für jeden ein Volltreffer wird. Dafür sind die Geschmäcker… Erklärt sich von selbst.

Achso. Mir gefallen nicht alle Fotos in diesem Buch. So etwas gibt es auch nicht. Also nicht bei mir. Aber ein sehr großer Anteil der Bilder hat mich angesprochen, mich bewegt, überzeugt, whatever.

PS: Nein, ich werde jetzt nicht nur noch über Polaroids schreiben, keine Angst. Alles easy ;)

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