kwerfeldein
18. Mai 2010 Lesezeit: ~3 Minuten

6 Versionen eines Bildes

Heute Morgen war ich eine knappe dreiviertel Stunde draussen in der Natur fotografieren. Das Licht war – wie das Wetter – wechselhaft und die Wolken ergaben teilweise sehr feine Strukturen. So habe ich versucht, die Sonne im Rücken, meinen aktuellen Lieblingsbaum zu fotografieren – mittig, versteht sich (ja, ich habe ihn auch schonmal anders fotografiert, so eingefahren bin ich dann auch wieder nicht).

Danach habe ich mich gleich an den Rechner gesetzt, weil ich wissen wollte, ob die Fotos etwas geworden sind. Da sprang mit folgendes Foto förmlich entgegen, bei dem alles gepasst hat. Bei einem Foto wie diesem ist ja eigentlich klar, was draus wird. Farbe, eine Tonwertkorrektur und den Himmel leicht abdunkeln. Fertig.

Tatsächlich? Nunja – nicht immer. Hin und wieder nutze ich ein Foto wie dieses, um intern mehrere Process-Versionen zu erstellen. Davon veröffentliche ich meist nur eine.

Mir hilft das, auch mal „um die Ecke“ zu denken und Pfade des Normalen (was ist das?) zu verlassen, mich kreativ einwenig auszutoben und um herauszufinden, was in einem Bild steckt. Mithilfe der virtuellen Kopien in Lightroom eine leichte Angelegenheit. Vorraussetzung ist natürlich, dass beim Fotografieren alles gepasst hat.

Version 1: Die Farbversion kommt meinem Erleben heute Morgen am Nächsten. Ich habe mittels Tonwertkorrektur und einem Verlauf von oben nach unten das Foto etwas optimiert. Vordergrund und Himmel ergeben einen feinen Farbkontrast und die Strukturen am Himmel kommen gut zur Geltung.

Version 2: der gleiche Spaß in Schwarzweiss. Wirkt etwas feiner (aus meiner Sicht) und die Wolkenstrukturen wirken ebenfalls dem Bild zuträglich. Da der Blick nicht mehr von der Farbe des ersten Bildes abgelenkt wird, kommen hier Form & Führungslinien stärker zur Geltung.

Version 3: Ich für mich habe diese Version „Nachtfoto“ genannt. Dabei habe ich sämtlich Kontraste reduziert, in Lightroom am Belichtungsregler stark nach unten reguliert und die Farben entkräftet.



Version 4:
Nummer vier bis sechs bekamen den 1×1 Beschnitt und konzentrieren sich deshalb noch mehr auf den Baum. Die Weite der Landschaft geht dadurch verloren, doch so wirkt das Ganze etwas ausgewogener. In der Lightroom 3 Beta habe ich über das Modul „Effekte“ zusätzlich etwas Körnung hinzugefügt und via Teiltonung den Lichtern einen Sepia-Ton angefügt. Die Vignettierung ist hier nicht zu übersehen und führt den Blick des Betrachters zur Bildmitte.

Version 5: Wohl am weitesten von Version 1 entfernt mit Anlehnung an ein Highkey ist das offensichtlich „der Clown“ dieser Serie. Hier habe ich am intensivsten Körnung hinzugefügt und über den Vignettierungsregler eine starke Randabschattung eingebaut, die den Baum etwas kräftiger wirken lässt. Durch die Neigung des Bildes kommt etwas Bewegung ins Bild. Jedoch gefällt mir diese Version selbst am Wenigsten.



Version 6:
Aktuell mein Favorit unter den sechs. Reduzierte Farben und eine Teiltonung (Schatten: 225 / Lichter: 75) geben dem Bild eine Stimmung, die mir gut gefällt. Das Processing wirkt im originalen Format nicht ganz so dramatisch wie in 1×1, weshalb ich es hierbei gelassen habe.

Welches Foto es letztendlich auf Flickr (oder an meine Wand) schaffen wird, ist mir noch nicht ganz klar, aktuell tendiere ich zu Version 6. Ich hoffe, dieser Artikel hat Euch etwas gebracht und evtl. dazu angeregt, bei Gelegenheit mal mit verschiedenen Versionen zu arbeiten.

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