kwerfeldein
14. Mai 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Reifenwechsel für ein Spacemobil

Das ist ein Gastartikel von Hannes Trapp.

Hannes studiert Fahrzeugtechnik und fotografiert – normalerweise aber keine Autos. Wenn er es doch tut, sind die Autos entweder alt oder merkwürdig konstruiert. Oder beides.

Letzte Woche kam Martin bei mir vorbei, wir saßen in der Küche, tranken einen Kaffee und unterhielten uns. Irgendwann kamen wir auf das Foto von dem Malibu ohne Räder zu sprechen und Martin fragte mich, ob ich über diese Bearbeitung nicht einen Gastartikel schreiben wollte. Wie Ihr seht, sagte ich ja!

Das Foto selbst ist am 13.4.2008 bei einem Oldtimertreffen auf der Theresienwiese in München entstanden. Aufgenommen habe ich es mit einer (leicht defekten) Agfa Optima 500 Sensor (ab 1969), eingelegt war ein billiger 200 ISO Film von Fuji aus dem Supermarkt.

Einstellungsmöglichkeiten bietet diese Kamera im von mir bei diesem Foto verwendeten A-Modus nicht, lediglich den Fokus kann ich nach einer Skala (Portrait, Menschen, Berge) einstellen – allerdings nicht überprüfen, da der Sucher vom Objektiv getrennt ist.

Bei dem Auto handelt es sich meines Wissens ebenfalls um ein Modell aus dem Jahre 1969 – ein Chevrolet Chevelle Malibu. Leider habe ich den Besitzer nicht getroffen, ich weiß also nicht wem das Fahrzeug gehört. Aber vielleicht liest er das hier ja und meldet sich.

Den belichteten Film habe ich bei dm abgegeben und eine CD mit den Scans vom Negativ mitbestellt. Die Qualität ist dabei immer genau so gut, wie man sie auf dem Bild unten erkennen kann. Eine Besonderheit der Agfa Optima ist, dass der Film „falschrum“ eingelegt wird – die Filmpatrone liegt also in der rechten Seite der Kamera. Das bedeutet, dass die Scans von Filmen aus der Optima immer auf dem Kopf stehend auf der CD sind. Diesen Scan zeige ich an dieser Stelle auch genau so, wie er von der CD kam, weil es zum einen eine Charaktereigenschaft der Kamera ist, und Ihr zum anderen das Original vollkommen unverändert sehen könnt.

Bei diesem Bild habe ich Photoshop für die Bearbeitung verwendet; das das ganze auch mit Gimp oder ähnlichen Programmen geht ist selbstverständlich. Daher gehe ich hier auch nur am Rande auf Werkzeuge ein, sondern versuche statt dessen die Schritte möglichst genau wiederzugeben.

In einem ersten Schritt habe ich das Bild um 180° gedreht und entsprechende Farbkorrekturen vorgenommen, um die schreckliche Blautönung zu beheben. Das ist bereits kurz nach der Aufnahme passiert, diese erste Version habe ich am 21.5.2008 hochgeladen. Hierauf möchte ich auch an dieser Stelle nicht weiter eingehen, das würde zu weit führen.

Im zweiten Schritt habe ich einen Pfad erstellt (hier rot-transparent), mit dem ich die zukünftige Form der Zierleiste modelliert habe. Auf diesem Foto ist schon zu sehen, das die kurzen Stücke der Zierleiste vor und hinter der Tür bereits korrigiert (leicht gedreht) sind, außerdem habe ich die Krümmung der Leiste vor dem Vorderrad an den Pfad angepasst.

Ein Tipp meinerseits: Wenn man die Bilder lokal speichert und in einem schnellen Viewer (ohne Überblendeffekte) nacheinander betrachtet, sieht man die Änderungen am besten.

Im dritten Schritt habe ich die Tür kopiert, und diese vorne und hinten über den Radhäusern platziert. Dann habe ich die beiden eingeflickten Teile mit dem Verflüssigen-Werkzeug so bearbeitet, dass sie sich an meinem modellierten Pfad anschmiegten (hier bereits wieder ausgeblendet).

Um den Unterboden zu modellieren, habe ich wieder einen Pfad erstellt (hier blau-transparent). Diesen Pfad habe ich dann in eine Auswahl umgewandelt, und ihn ein mal (leicht weichgezeichnet) schwarz gefüllt und die obere Kontur Richtung Karosserie ausgeblendet, um die Unterkante des Autos zu bilden.

Dann habe ich die gleiche Auswahl (nicht weichgezeichnet) ein Stück nach unten verschoben und auf einer Ebene unterhalb des Fahrzeugbodens mit der Bodenstruktur gefüllt, die ich von dem Bereich vor dem Fahrzeug kopiert habe. Damit sind die hässlichen Kanten im Fahrzeugboden verschwunden, die oben noch zu sehen sind.

Nun begann die Retusche: Die verbleibenden Kanten im Schatten (teilweise noch von den Rädern) mussten weg, außerdem sah man auch die Konturlinie in der Bodenstruktur unterhalb des Fahrzeugbodens noch sehr deutlich. Zudem war die Zierleiste vorne noch irgendwie krumm.

Der letzte Schritt mag am unscheinbarsten erscheinen, war aber die meiste Arbeit. Zum Beispiel ist an der Stelle, wo früher das hintere Radhaus war, die Abschattung verschwunden. Die Zierleiste an der Front wurde geputzt (ganz manuell mit dem Pinsel). Außerdem sind noch ein paar Schatten angepasst und die Kanten der Schatten geglättet. Auch der perspektivische Fehler des Schattens unter der Fahrzeugfront und die zu harte Kante an dieser Stelle wurden verbessert. Außerdem habe ich die Bodenstruktur, also die Linien die Senkrecht zum Auto auf dem Boden laufen, auch hinter dem Auto weitergeführt.

Die Bearbeitung hat gefühlt eine Stunde gedauert, vielleicht etwas mehr – genau kann ich das leider nicht mehr sagen. Ich hoffe, dass die Beschreibung interessant für Euch war.

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25 Kommentare

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  1. Hi Hannes,
    nicht nur ein gelungenes Kunstwerk – basierend auf einer wirklich pfiffigen Idee – sondern zugleich auch eine interessante und lehrreiche Bearbeitungsanleitung! Besonders den erste Bearbeitungsschritt mit der aus dem Oldtimer kopierten Form finde ich sehr smart, die Vorgehensweise werde ich mir merken…

    Viele Grüße
    Sascha

    FOTOQUIP

  2. Blogartikel dazu: » Vintage hover car • FreePX.net—free textures, photographs, tutorials and more

  3. YES!!! Am genialsten find ich schon die Idee, das Bild so zu bearbeiten. Und. Natürlich danke, dass du uns gezeigt hast, wie. Wollen wir doch letztendlich auch immer wissen :-)

    Claus

  4. Blogartikel dazu: Tweets die Reifenwechsel für ein Spacemobil | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie erwähnt -- Topsy.com

  5. Hi Hannes,

    Das Photo ist mir bereits in deinem Stream aufgefallen!

    Natürlich hat mich da auch schon interessiert, wie Du das angestellt hast und vorallem aber auch, wie lange Du in etwa dafür gebraucht hast und mit welchen Mitteln das von statten ging.

    Am verblüffendsten finde ich den Kniff mit der alten Agfa. Da hätte jeder Betrachter wohl eher darauf spekuliert, dass für dieses Bild eine kostspielige DSLR verwendet worden war. Umso mehr freue ich mich, dass Du den Leuten auch zeigst, dass man nicht zwingend teures Equipment braucht, um solche Kracher zu produzieren. Sehr cool!

  6. Total beeindruckend wie sehr man ein Foto eigentlich verfälschen kann. Ich meine, das Auto schwebt in der Luft und hat keine Räder mehr! Sehr toller Artikel mit den direkten Vergleichen. Super interessant.

    Der Point.

  7. Extrem gute Idee, mit dem Mouseover die Schritte anzuzeigen. (Hatte ich allerdings nur zufällig entdeckt.)

    Einzig die kleine schwarze Linie vorne links unter dem Auto hätte ich noch komplett durchgezogen.

  8. das bild ist echt cool.
    was mich aber noch interessieren würde, wär deine meinung zu den DM Scans.
    die Positive vom DM waren zumindest bei mir immer sehr stark bearbeitet (helligkeit,teils zu stark nachgeschärft,farben…).

    sind die Negativscans für CD gut?bearbeiten die da viel nach?

  9. Blogartikel dazu: Space Kadett | Marcus Hasart - Fotografie

  10. Ich habe gestern im Blog von Mc Winkel einen Artikel gelesen, in dem mehrere Air-Drive-Bilder von Renaud Marion vorgestellt wurden, bei denen auch die Räder „abmontiert“ wurden und habe mich an diesen Blog-Artikel hier erinnert. Das hat mich gestern Abend dazu inspiriert, auch mal etwas Ähnliches zu photoshoppen. Für Quick&Dirty bin ich eigentlich ganz zufrieden:
    http://www.mielke.de/blog/Ein-Stretch-Hummer-als-Hover-Mobil–367/

    Gruß
    Thomas