kwerfeldein
10. Mai 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Damien Walters 2010 {oder: wie mich ein Akrobat inspiriert hat}

Ich nehme an, ihr habt kein einziges Wort gelesen, bevor ihr das Video gesehen habt, richtig? Gut so. Fünf 7 mal (ich habe mitgezählt) habe ich mir das Video nun angesehen und konnte nicht umher, das hier mit einzubringen.

„Aber was hat das jetzt mit Fotografie zu tun? Kwerfeldein.de ist ja ein Blog über Fotografie, nicht war?“

Richtig. Doch wie uns schon Sebastian Baumer in seinem Artikel über Kreativität beschrieben hat, kommt Inspiration nicht immer direkt von anderen Fotografen. Hören wir nochmal kurz hin:

… Jeder Mensch, der kreativ tätig ist, braucht geistige Anregungen in irgendeiner Form. Aber die Frage ist: Woraus zieht man seine Inspiration für die Photographie? Aus anderer Photographie? Diese Idee mutet mir etwa so absurd an, wie ein Schriftsteller, der selbst nichts erlebt und die Gefühle, über die er schreibt, nur aus anderen Büchern kennt. Dabei kann alles zur Quelle für Inspiration in der Photographie werden, allen voran natürlich die Beobachtung der Natur, die Literatur, aber auch die Popkultur, Musik, das bunte, wirre Leben.

… oder ein Film wie das weiße Band, ein gutes Gespräch bei einer Tasse Kaffee oder… ein Stuntman wie Damien Walters, den wir oben im Video gesehen haben. Inspiration kann theoretisch von überall kommen und häufig entspringt sie dort, wo wir sie am wenigsten vermuten.

Klar ist es einfach, wenn uns jemand in einem Tutorial Schritt für Schritt erklärt, wie etwas funktioniert. Das hat seine Berechtigung und hat in den letzten Jahren auf kwerfeldein.de eine große Rolle gespielt (keine Sorge, wird es auch in Zukunft).

Trotzdem ist es so, dass mich viele Dinge inspirieren, die weit, weit ausserhalb der Fotografie liegen, so auch Damien Walters mit seinen Stunts. Für mich ist Damien ein herausragender Akrobat (witzigerweise nennt man Akrobaten auch Artisten).

Was mich an Damien Walters inspiriert

Als ich heute morgen dem flinken Kerlchen zugeschaut habe, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auch wenn ich die Musik im Video nicht sonderlich mag und schon genügend beeindruckende Park-Runner-Videos gesehen habe, setzt Damien Walters prompt noch einen drauf. Scheint für den Betrachter eine Bewegung zu Ende zu sein, macht er einfach noch mal eine 180°-Drehung dazu.

Mein erster Gedanke war: Mit dem würde ich gern mal ne Fotosession machen. Urban.

Bei mir fängt da das Gehirn gerne zu rattern an, auch wenn ich nicht (sofort) das umsetzen werde, was ich da sehe… Neue Ideen sprudeln durch meine Gedanken, ich überlege, denke nach, streiche im Kopf Dinge weg, sortiere neu, kurz: Ich bin inspiriert.

Wie wohl die meisten Leser bereits wissen, bin ich ein starker Infragesteller der Talent-Theorie und ein Beführworter der Idee „Übung macht den Meister„. Letzteres habe ich hier schon an vielen Stellen durchsickern lassen und ich unterstütze ebenfalls Malcom Gladwells 10.000 Stunden – These, die zuletzt auch Jake Garn in seinem Blog aufgegriffen hat.

Skateboarder, Gitarristen und Maler


Es begeistert mich, wenn Leute konstant an ihrem Können arbeiten und die Disziplin aufweisen, über Jahre hinweg ihre Leidenschaft in die richtigen Kanäle zu leiten. Das reicht von Schlagzeugern, Gitarristen, Sängern, Illustratoren über Skateboarder, Fotografen, Malern, Journalisten bis hin zu Kampfsportlern. Mich inspirieren sie, auch wenn (oder gerade weil) es überhaupt nicht meine Welt ist, in der sie sich bewegen.

Menschen wie Damien Walters führen mir vor Augen, dass es sich lohnt, immer wieder Neues auszuprobieren, dranzubleiben und mich an einem fotografischen Thema festzubeißen und durchzuhalten. Einen eigenen Stil zu entwickeln, gegen den Strom zu schwimmen. Dazuzulernen, verrückte Sachen zu machen, auf die Fresse zu fallen und…

Moment mal. Was war das grade? Auf die Fresse fallen? Ja, genau – natürlich würde ich ein anderes Wort suchen, das für den Fotografen passender ist. Falsch belichtet, nicht aufgepasst. Nicht das selbsternannte Ziel erreicht. Ganz so derb drauf sind wir Fotografen dann doch wieder nicht.

Durchgehalten

Bei Damien Walters allerdings kann es ordentlich weh tun, wenn er sein Ziel nicht erreicht. Beispielsweise draussen bei seinen Parksprüngen. Das kann wahrlich ins Auge gehen, wenn er ungeschützt eine Salto über eine Treppe macht und mal so knapp daneben liegt. Da bekommt das Wort Fehler gleich eine ganz andere Dimension.

Aber es hat sich gelohnt, das Damien Walters seinem Sport über die Jahre treu geblieben ist und immer noch am Start ist. Denn (zumindest mich) hat er mit seinem 2010-Reel überrascht.

Es gibt  Momente im Video, da frage ich mich: „Nein! Hat der gerade tatsächlich…“ Es sind seine feinst abgestimmten Sprünge und eine unvergleichliche Körperbeherrschung, die mich heute zum Nachdenken angeregt inspiriert hat.

Und dabei hat das alles ja eigentlich gar nichts mit Fotografie zu tun…

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