kwerfeldein
06. Mai 2010 Lesezeit: ~3 Minuten

EXIF auf dem Prüfstand

Ich dekonstruiere gerne Fotos. Mittlerweile ist es schon eine Angewohnheit, zu überlegen, warum mir ein bestimmtes Foto denn so gut gefällt. Mir hilft das, von anderen Fotos zu lernen und das schult mein Auge ungemein.

Jedenfalls sah ich heute morgen ein Foto im Netz, war davon fasziniert und vollzog umgehend einen Schritt, den ich selbst schon länger etwas fragwürdig finde. Ich kopierte das Foto auf meinen Desktop, um es zu inspizieren und mit der Lupe draufzuschaun: EXIF-Test.

Ich dachte: Alles klar. Logisch. So funktioniert das Bild. Weitergeklickt.

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Was habe ich gelernt?

Ich weiß nun, dass der Fotograf eine Nikon D3 benutzte, ƒ4 eingestellt hatte und auf 105 Millimeter fotografierte. Eine hundertsechzigstel Sekunde lang.

Was sagt das über ein Foto aus?

Gute Frage (eher wenig).

Habe ich das Foto jetzt verstanden?

Schwer zu sagen, aber es entsteht der Eindruck, zu wissen, wie das Bild funtioniert. Stimmt aber nicht.

Denn was ich nicht weiß, überwiegt immer noch. So fallen folgende Fragen manchmal unter den Technik-Tisch, wenn ich es bei der Inspektion der EXIFs belasse, um ein Foto zu dekonstruieren.

  • Welche Position hatte der Fotograf beim Auslösen?
  • Warum hat der Fotograf fotografiert, was er fotografiert hat?
  • Wo ist/sind die Lichtquelle(n)?
  • An welchen Stellen hat der Fotograf im Nachhinein das Bild justiert?
  • Welche Stimmung überträgt dieses Foto?
  • Mit welchen gestalterischen Mitteln hat der Fotograf diese Stimmung erzeugt?
  • Welche Kontraste (weich, hart, Farbkontraste) sind erkennbar?

Und so weiter…

Wichtig: Exif-Daten sind gut, denn sie können mir erklären, mit welchen Kameraeinstellungen das Foto entstanden ist. Aber ganz isoliert betrachtet ist die Aussage der EXIFs nur bedingt relevant, finde ich.

Denn die Fragen, die wirklich interessant wären, treten gerne in den Hintergrund, weil ich mir angewöhnt habe, mich manchmal mit EXIF Daten zufrieden zu geben. Ich weiß ja jetzt, wie das Foto gemacht wurde. Leider ist das nur die halbe Wahrheit.

Aus diesem Grund schaue ich mir gerne Fotos auf Papier an. Da gibt es keine EXIFDaten, was einem Foto sein Geheimnis zurückgibt, weil es nicht sofort dekonstruiert exifiziert werden kann.

Praxisübung für mich – wer mag, kann gerne mitmachen

1. Foto ansehen (eins, das gut gefällt)
2. Die Fragen oben beantworten
3. Antworten aufzuschreiben (kann einen großen Lerneffekt bringen)
4. EXIFs gegechecken (oder Schritt 4 ganz weglassen).

Übrigens: Ich habe absichtlich das Foto nicht gezeigt, um etwas drastischer zu verdeutlichen, wie wenig EXIFs für sich gesehen aussagen.

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