kwerfeldein
05. Mai 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Filmbesprechung: Das weisse Band

Wenn ein Film in der Kategorie beste Kamera nominiert wird, dann höre ich zweimal hin. Die Empfehlungen, Das weisse Band anzusehen, überschlugen sich vor Wochen an einem Tag dermaßen, dass ich ihn unbedingt sehen wollte. So habe ich den Film ausgeliehen*, nicht nur um genauer hinzuhören, sondern auch um genauer hinzusehen.

Was ich sah, war alles andere als ein kitschiger, oberflächlicher, sondern ein ernster und von Spannung aufgeladener Film des Österreichers Michael Haneke. Mit überraschend wenig Musik konzentriert sich das Stück vor allem auf Ton & Bild. Und wer einmal einen Film ohne Musik gesehen hat, der weiß, wie plastisch bestimmte Szenen dadurch in den Vordergrund gerückt werden können.

Noch intensiver und direkter wirkt Das weisse Band aufgrund seiner Umsetzung in Schwarzweiss. Er wurde in Farbe gedreht und bekam in der Post eine Bearbeitung, die mir beim Zuschauen kaum auffiel (Update: wie in den Kommentaren erwähnt, hätte ich mir hier und da mehr Kontrast gewünscht, so bleiben aber viele Details erhalten – also nicht nur ein Nachteil).

Worum geht’s?

Hört man den Titel „… eine deutsche Kindergeschichte“ wird man sicher etwas ganz anderes erwarten, als dann geboten wird: Es handelt sich bei diesem Film keinesfalls um eine Geschichte für Kinder, sondern um eine Geschichte über Kinder. Und: Es ist definitiv keine leichte Kost, von der hier die Rede ist.

Das weisse Band spielt in dem erfundenen – und dennoch nicht weit hergeholten – Dorf Eichwald in Deutschland. Geschichtlich eingeordnet ist das Ganze kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges und wird aus der Sicht eines jungen Lehrers (dessen gealterter Erzählstimme) rückblickend erzählt.

In diesem Dorf ereignen sich ungewöhnliche Vorfälle, die von Mal zu Mal drastischer werden. Der Reitunfall des Arztes ist der Beginn einer Serie verdeckter Zwischenfälle (bis hin zur schlimmen Verletzung eines behinderten Jungen) und im Dorf weiß (fast) niemand, wer dahinter steckt.

Weiter, und darauf liegt auch die Konzentration des Filmes, wird in gnadenloser Transparenz Einblick in das Leben mehrerer Familien gezeigt, deren Pädagogik und Umgangsformen sich im Laufe des Filmes als brutal, grausam und kalt entpuppen. So werden Kinder körperlich gezüchtigt, seelisch bestraft und selbst der Dorfpfarrer schreckt nicht davor zurück, seinem Sohn das Kennenlernen des eigenen Körpers durch Anbinden ans Bett zu untersagen.

Der Zuschauer bekommt zu sehen, was passiert, wenn in einem Mikrokosmos wie dem kleinen Dorf eine gesetzliche Befolgung starrer Regeln und unnachgiebiger Befolgung von Befehlen des „Herrn Vaters“ erfolgt. Und so sind es Männer, die buchstäblich am Drücker sind und deren Autorität nur sehr selten – und dann nicht ohne Konsequenzen – hinterfragt werden.

Weiter sind Misshandlungen, Züchtigungen bis hin zum Mord das immerwährende Thema des Filmes; der Film wird nur durch die sich anbahnende Liebesbeziehung des jungen Dorflehrers und seiner Geliebten aufgelockert. Dieser macht es sich ausserdem zur Aufgabe, das System des Dorfes zu hinterfragen und herauszufinden, wer die Schuld an den Vorfällen trägt.

Im Blickpunkt des Geschehens sind eigentlich immer wieder die Kinder, die ganz unterschiedlich auf das Verhalten der älteren Generation reagieren und mitunter die Leidtragenden der Erziehungsmethoden ihrer Väter sind.

Mein Einduck vom Film

Mit großer Aufmerksamkeit habe ich die Szenen aufgenommen und bin überaus davon fasziniert, wie Kameramann Christian
Berger
die Szenen festgehalten hat. So sind viele Momente des Filmes zweifellos großartig komponierte Bilder und die ruhige Kamera unterstreicht diese Wirkung.

Persönlich bin kein Fan von Filmen mit wenig Musik, doch in diesem Fall möchte ich eine Ausnahme machen, wie schon oben angemerkt. So werden die Szenen nicht von einer zusätzlich musikalisch erzeugten Stimmung zugekleistert, sondern mehr oder minder nackt präsentiert.

Die dadurch erzeugte Stille (viele Szenen werden weit ausgelegt und stille Momente haben ihren Raum im Film) macht eine Stimmung, die teilweise zum Greifen nahe scheint – und mir persönlich sehr zugesagt hat.

Das beim Dreh mit Bedacht auf Natürlichkeit eingesetzte Licht ist etwas, was mich an diesem Film immer wieder fasziniert. So erinnern die Innenaufnahmen häufig an Low-Key, so manches Landschaftsbild an High-Key, was auch im Film einen wunderbaren Kontrast bildet.

Fazit

Ich kann und möchte Das weiße Band beinahe bedingungslos empfehlen, jedoch mit der Einschränkung, dass jeder sich zuvor im Klaren sein sollte, dass hier sehr offen und deutlich das Verbrechen an Menschen dargestellt wird.

Es ist ein Film, den ich mit Sicherheit nicht das letzte Mal gesehen habe und der mich wieder für den Einsatz vom Schwarzweiss begeistert hat – und das in einem Film, den man so nicht als „schön“ sondern vielmehr als „schockierend“ bezeichnen kann.

Tipp zum Abschluss: Michael Haneke im Interview über den Film.

* = affiliate Link

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35 Kommentare

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  1. Hi.
    Ich kommentiere nicht oft in Blogs, aber hier muss es sein ;)
    Ich finde es faszinierend, wie sehr Geschmäcker manchmal auseinandergehen :) Obwohl ich großer Freund deiner Arbeiten bin, kann ich die Meinung zum Film nicht teilen (okay, sind auch irgendwie Äpfel und Birnen XD)
    Für mich persönlich rangiert er sogar ganz am anderen Ende der Skala.
    Über die fehlenden Farben, habe ich mir auch Gedanken gemacht. Allerdings finde ich der Film sah aus wie im Photoshop desaturiert, aber wirklich mit „Sättigung verringern“ ;)
    Ich fand ihn auch zu lang, viel zu lang. Auf 90min gekürzt würde mein Urteil wahrscheinlich anders ausfallen.
    Und was mich am meisten gestört hat: man hat keine echte Chance, auf eine Auflösung zu kommen. Dementsprechend fand ich es bisher schwer, mit anderen Leuten darüber zu diskutieren.
    Meiner Meinung nach, ist es einfach in einem Film Spannung aufzubauen, wenn am Ende nicht im geringsten aufgelöst wird ;) besonders wenn die Handlung so drastisch ausfällt.

    Ist aber nur meine Meinung, und ich weiss, dass ich damit relativ allein dastehe ;)

    Viele Grüße,

    Seb

    • Hallo Seb – ob Du mit Deiner Meinung allein bist, ist ja noch offen. Am Ende ging es mir ähnlich wie Dir und ich hätte mir gewünscht, heruaszubekommen, wer denn nun für die Vorfälle verantwortlich war. Aber genau das macht den Film meiner Meinung nach auch sympatisch, weil es dadurch noch weniger ein Krimi ist, bei dem mit dem Ende „alles geklärt“ wird… Was das Postprocessing betrifft stimme ich Dir teilweise zu, sicher hätte man da noch mehr eingreifen können, so bleibt die Bearbeitung eben im Hintergrund. Als jemand, der da gerne „mehr dran dreht“ fiel mir das auch auf, aber im Film gewöhnt man sich dran und viele Details bleiben dadurch auch erhalten (gerade bei den dunklen Szenen) …

      • Das mit den dunklen Szenen, die es dank der vielen Innenaufnahmen ja zahlreich gibt, hab ich so gar nicht bedacht. Lass ich gelten ;) Da ist es natürlich nicht schlecht.

        Ich brauche auch nicht immer ein bis ins Detail aufgeklärte Ende, aber als ich aus dem Kino gegangen bin, hatte es für mich den faden Beigeschmack, dass vielleicht nicht mal der Autor und/oder der Regisseur für sich ein Ende parat hatte…

        Aber wie gesagt, alles Geschmackssache ;)

        Gruß,

        Seb

      • Das weiße Band ist einer der wenigen Filmen des vergangen Jahres, welcher wirklich einen Oscar verdient hätte.

        Ich mag da aber nun nicht allzu weit ausholen, jedoch kurz etwas zu dem Auflösen des Endes sagen. Darum geht es gar nicht. Eine Auflösung wäre meines Erachtens nach völlig fehl am Platz gewesen, denn darum geht es in diesem Film nicht.

        Eine zentrale Frage des Filmes ist „Sind wir für unsere eigenen Taten verantwortlich?“. Oder Freuds „Der Mensch ist nicht Herr im eigenem Haus“, welches durch moderne Naturwissenschaften untermauert wird… aber dies ist nun eine andere Baustelle ;-)

    • ich schließe mich im Wesentlichen an Martins Meinung an. Ich meine, dass es fast unmöglich ist, den Film allein anzusehen, man muss danach über das Gesehene reflektieren. Zu überwältigend ist die Botschaft und gleichzeitig so wenig explizit. Haneke wertet nicht vordergründig, er fordert den Zuseher auf, nachzudenken, mit anderen zu reflektieren und sich dann selbst einen Reim zu machen. Deswegen sehe ich das offene Ende als äußerst gelungene Lösung. Indem es nicht klar ist, wie es endet (außer dass ein grauslicher Krieg beginnt), wie es endet im Dorf, ist man förmlich gezwungen, selbst alle Charaktere, alle Szenen noch einmal zu durchdenken, durchzudiskutieren und seine eigenen Bewertungen über die Menschen, das zeitliche und gesellschaftliche Umfeld, über Religion und über Existenz zu versuchen. Damit erreicht der Film eine große Nachhaltigkeit. Wie viele von uns erkennen Facetten ihrer selbst oder Charaktere aus der Jugendzeit wieder.
      Wenn man Mainstreamkino gewöhnt ist, wo Action und klares Gut und Böse – also eine Handlung in schwarz und weiß mit bunten Bildern und schriller Musik unterlegt – zu konsumieren, wird man nicht viel mit dem Film anfangen können und auch bei der Beurteilung an Oberflächlichkeiten, irgendwelche Details betreffend, hängen bleiben.
      Ich empfehle jedem, sich eine Auszeit vom Mainstream Kino zu nehmen und sich auf alternative Filme, zum Beispiel jene von Haneke, einzulassen. Man findet dort selten Antworten auf Fragen. Aber man wird für sich sehr viele Fragen zu Themen finden, deren Antworten man bisher bereits für klar gehalten hat. Die Kraft liegt oft in der Stille, in der Reduktion, in den „Pausen“…

  2. Also, ich mag solche Filme überhaupt nicht. Folglich habe ich ihn – bis auf die Beschreibung – auch nicht beachtet. Dass er ein weisses Band bekommen hat, interessiert mich eigentlich auch nicht. Auch nicht, wenn ein Film einen Oscar bekam. Meistens war ich auch bei (hoch) dekorierten Filmen eher enttäuscht.

    Was ich aber auch sehr schade finde ist, dass sich mit dem Relaunch Deiner Seite anscheinend auch die inhaltliche Ausrichtung geändert hat. Die letzten beiden Artikel fand ich irgendwie zu persönlich und sehr nah an Dir dran. Das kann man manchmal vielleicht auch machen, aber man sollte nicht zu viel davon auf einmal bringen.

    Du hattest im Re-Design-Beitrag geschrieben, dass Du Deinen Blog nicht unbedingt (nur) als Fotoblog siehst. Aber sind nicht Deine Leser eben wegen der vielen Fotoinhalte zu Dir gekommen?

    Vielleicht liege ich ja auch falsch und irre mich. Aber das wird die Zeit zeigen.

  3. Blogartikel dazu: Tweets die Filmbesprechung: Das weisse Band – Eine deutsche Kindergeschichte | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie erwähnt -- Topsy.com

  4. @Teezeit: Back to the roots, ich habe den Eindruck dass Kwerfeldein wieder mehr zu seinen Anfängen zurückgefunden hat in denen der Blog fast nur Persönliches und Weltanschauliches geboten hat. Vor dem Relaunch waren die Posts meist sehr Fotografie-fixiert worunter IMHO deren Qualität auch gelitten hat. Ich begrüße Martins Mut sich wieder auch persönlicher zu Themen zu äußern, die vielleicht nur peripher mit Fotografie oder dem „Auge des Fotografen“ in Verbindung gebracht werden können.
    Ich bin generell aber auch gegen Seelenstrip und freue mich auf den nächsten fachlichen Beitrag, aber ich mag den „human touch“ dieses Blogs und finde die Rückbesinnung fein.

    @“das weiße Band“: Nach Teezeits UND Martins Rezession werde ich mir den Film auf jeden Fall auch ansehen und bin sehr gespannt auf meine Reaktion. Danke für den Tipp und die unterschiedlichen Stellungnahmen.

  5. Also ich habe den FIlm im Geschichts LK vor paar Monaten gesehen und muss sagen, dass ich positiv überrascht war. Hörte sich alles nach langweiligen Geplenkel an, ein Film wie jeder andere halt und dem man normalerweiße keine wirkliche Beachtung schenkt.

    Im Verlaufe des Films änderte es sich aber, der Film ist meiner Meinung nach relativ gut gemacht und durch Schauspieler, die ihre Rollen gut ausfüllen sehr interessant. Dadurch das wirklich nicht all zu viel Musik verwendet wird bekommt der Film irgendwie eine ganz besondere Atmosphäre, die die Spannung nur noch erhöht. So kommen z.B. die Dialoge sehr gut zur Geltung.

    Das der Film schwarz weiß ist unterstützt denke ich mal den Film als Ganzes erheblich, da er in Farbe wahrscheinlich ich einiges an Wert verlieren würde und nicht so zur Geltung kommen würde.

    Also ich war zumindest positiv überrascht und muss sagen, der Film hat sich eig. gelohnt.

  6. ich bin ein großer fan von haneke & seinen filmen, insbesondere cach’e zählt zu meinen absoluten lieblingsfilmen. sein konzept nur dann zu schneiden wenn es unbedingt nötig ist, erzeugt eine dramatisch realistische darstellung. hat jemand „der siebente kontinent“ gesehen? ein film den man nicht vergessen kann & soll.

  7. Also ich hab ihn im Kino gesehen und fand die Kontraste echt super. Einige „Standbilder“ würden einzeln als Fotos sicher großen anklang finden.
    Ansonsten bin ich vom Film begeistert gewesen, weil es auch wieder einmal ein komplett „eigener“ Film war, welcher sich von der breiten Filmmasse abhebt. Und dies nicht nur weil er in Schwarz/Weiß war!

  8. Hey Martin

    Ich habe den Film vor ein paar Wochen im Kino gesehen.
    Wärend ich den Film sah ist mir natürlich auch seine Nähe zur Fotografie aufgefallen. ( und zur Stimmung in deinen Bildern Martin)

    Zur Fotografie/Aufnahmetechnik:

    Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach in den vielen Scenen in denen die Kamera nur kaum oder überhaupt nicht bewegt wurde. Es fühlte sich an als wenn man selbst hinter der Kamera steht und auf den richtigen Moment zum Auslösen wartet. – Diesen Moment in dem man seine Umgebung nur noch durch eine bestimmte Brennweite in einem difinierten Rahmen sieht.-

    Ein weiterer Grund ist die Schwarz/Weiß Umwandlung des Films, die sehr an edle S/W-Fotografien erinnert. S/W fühlt sich einfach künstlerischer an.

    Bei vielen dieser Bilder konnte man ziehmlich gut die “gestalterischen Gedanken“ erkennen. Tiefe/ Stabilität/…

    Bei manchen anderen Filmen habe ich schon gedacht, dass ich einige Scenen gerne mal “nachfotografieren“ würde, bei diesem Film aber eher nicht.

    Zum Film ansich:

    Die Geschichte des Filmes hat mich nicht überzeugt. In meiner Wahrnehmung hatte der Film etliche Längen. Ich hatte oft das Gefühl der Film wolle einem die Augen öffnen und die Aufmerksamkeit auf eine andere Zeit mit vielen Gräueltaten richten. (Ähnlich einem Film wie “Schindlers Liste“ , “Der Pianist“, “Das Leben ist schön“…)
    Am Ende hatte ich aber eher das Gefühl eine Geschichte eines kleinen Dorfes und dessen Bewohnern gesehen, welche aber nicht repräsentativ für diese Zeit ist.

    Bei mir wird dieser Film als gesehen und abgeharkt eingestuft. Das viele Lob kann ich in einigen Punkten teilen in anderen aber überhaupt nicht.

    Gruß Arne

    • Ich denke, dass das Besondere an dem Film ist, dass er eben gerade repräsentativ ist.
      Er zeigt die Generation, die später zum Teil in den Jahren 1933-45 (und selbstverständlich auch früher und leider auch später) die Macht innehatte und in ihrer Jugend leider nicht viele Wege kennen gelernt hat, mit Konflikten umzugehen.
      Auch wenn es mir während und direkt nach dem Film nicht wirklich klar geworden ist: Ich denke, dass die Analyse nicht hätte genauer sein können
      (Natürlich von meiner persönlichen, nicht involvierten Position aus geurteilt).
      Das fotografische/künstlerische hat mich auch angesprochen, wenn auch im Nachhinein nicht so sehr, wie die Story.

  9. Mir persönlich fällt es ja immer etwas schwer, meine Begeisterung über Filme, deren Geschichte und deren Bilder, in Worte zu fassen; Ich kann mich in den hymnischen Beschreibungen des Filmes hier gut wiederfinden.
    Was ich an dieser Stelle etwas schwierig finde ist, dass hier jemand sehr strukturiert seine Begeisterung vermittelt und weitergibt – etwas was für mich immer wichtiger wird; ich lese lieber ein Buch, über das ein mir Nahestehender hymnisch erzählt, als eins, dass im Kulturteil seziert wird – und dies hier auf seine Berechtigung hin hinterfragt wird; soll/darf kwerfeldein das? Was für eine Frage?
    Filme sind Bilder, manche mehr und manche weniger. Manche wirken auch ohne Geschichte, selbst wenn man sich die Ohren zuhält.
    Auch wenn ich Das weiße Band für völlig misslungen hielte, wäre es für mich trotzdem eine Bereicherung zu lesen, warum Martin diesen Film für besonders herausragend hält.

  10. Für mich war der Film perfekt. Perfekte Bilder, perfekte Stille, perfekte Länge, perfekte Schauspieler und perfektes Ende. Genauso muss man einen Film über dieses Thema machen.

    Grüße,
    Torsten

  11. Ich habe den Film schon lange in der Videothek bei uns stehen sehen, aber jedes Mal wenn mir danach war den zu schauen dann war er verliehen…

    Sicherlich behandelt der Film ein anspruchsvolles Thema und daher muss die Stimmung schon entsprechend sein. Es ist irgendwie schade, dass der Film im Gegensatz zu Ingloourious Basterds bei den Oscars leer ausgegangen ist, damit hatte ich eigentlich nicht gerechnet. Auch Ingloourious Basterds ist übrigens ein sehenswerter Streifen, wenn auch von ganz anderer Qualität, bietet zuweilen aber auch eine gewaltige Bildsprache…

    Hollywood ist eben auf die Masse aufgelegt und es spricht wie ich meine auch Bände dass es nur eine BlueRay von Das weiße Band und gleich mehrere von Inglourious Bastards gibt… ;-)

    Viele Grüße
    FOTOQUIP

  12. Warnung vor der Düsternis

    Filme wie das weisse Band leben nicht zuletzt davon, dass sich Menschen an (ihren) Problemen viel intensiver packen lassen als an Stärken (zumal erstere i.d.R. zahlenmäßig überlegen).

    Ich habe es bei solch düsteren Filmen lernen müssen, dass ein zur schwermut neigender Charakter mit ihnen zwar eine temporäre Seelenverwandtschaft findet, diese aber nicht zwingend hilfreich für die eigene Entwicklung ist. Insbesondere wenn die Filme irgendwas „brutalstmöglich“ und ohne Beschönigung durchackern wollen.

    Gerade wenn ein Land im Film seine Geschichte aufarbeitet („Das weisse Band“ Protestantismus => Regelgläubigkeit => Nationalsozialismus), ein Mann seine Depressionen (Lars von Trier. Sein „Dancer in the dark“ mit Björk ist ein intensiver, toller Tiefziehfilm) oder andere Probleme durchackert werden („Boys don’t cry“, „Die Wolke“) sollte jeder für sich entscheiden, ob ihm das mitzumachen gut und not tut.

    Hab‘ mich in der Schule mal mit dem Reli/Deutsch-Lehrer angelegt, weil der Borcherts „Draußen vor der Tür“ nicht als Unterrichtslektüre akzeptieren wollte. Im Rückblick kann ich ihm bestätigen, dass dies eine vertretbare Meinung ist, wenn man für die Schüler Verantwortung empfindet.

    In diesem Kontext möchte ich also kurz gewarnt haben, sich solchen Filmen zu sehr anzuvertrauen.

  13. ja, zu dem Thema darf ich auch was schreiben! Richtig, der Film war düster, aber wie Du richtig schreibst, man muß sich vorher im Klaren sein, worum es geht. Fast jeder HANEKE Film steht über den Dingen. Und wie SEB schreibt, sind Geschmäcker grundverschieden! Und diese Art von Film fasziniert mich dermaßen! Leider ist meine Frau eher nicht der Typ für solche Filme, daher schau ich sie mir entweder mit einem Freund oder doch alleine an.
    Hintennach mit jemanden darüber reflektieren, der anderer Meinung ist, ist müßig! Wenn er keine Äpfel mag, sondern Birnen, warum streiten?
    Ich weiß im Allgemeinen, welche Filme ich mag! Da gibt es eine ganze Liste, die allesamt nicht in die Kino kamen!

    zB: Hurtlocker! war hier in Wien nur ein paar Tage in einem Kino. Der Film ist derart gut, daß man sich fragen muß, warum nicht die ganze Stadt denen die Tür einrennt.
    Na egal, ich schweife ab, Das weisse Band war 1. Klasse, keine Frage!
    LG aus Wien

  14. Was für ein Zufall, gerade eben habe ich „Das weisse Band“ in der Uni vorgestellt, analysiert und diskutiert. Habe ihn nun schon zum 5ten mal gesehen und jedesmal etwas Neues entdeckt.
    Für mich ist Haneke außergewöhnlich und ich kann seine anderen Filme nur empfehlen (auch wenn man es bei einigen nur bis zur Hälfte schafft), besonders für Soziologen und Systemtheoretiker.

    • Nur kurz nebenbei dazu aus Wikipedia:
      Juliette Binoche, Hauptdarstellerin in „Caché“, sagt über die Arbeit des Filmemachers:
      „Für mich sind Hanekes Filme notwendige Filme. Von Zeit zu Zeit sollte man sie sich ansehen. Aber sicher nicht immer.“

  15. Auch mir hat das „Weisse Band“ sehr gefallen und ist mir unwahrscheinlich unter die Haut gegangen. Man muss sich seiner Sache schon sicher sein, um einen Film ohne Musik zu machen. Danke für die Besprechung.

    Ein anderer Film, den ich mir nur in Teilen anschauen konnte, war „Funny Games U.S.“, auch von Haneke. Empfehlenswert.

  16. Fein, mal eine neue „Kategorie“ auf Kwerfeldein. Oder hab ich’s nur noch nicht mitbekommen, dass es hier auch Filmkritiken der etwas anderen Art gibt?
    Wie dem auch sei, ich habe mich durch den Affiliate-Link zum DVD-Verleih mal an der Finanzierung dieses (seit langem) lesenswerten Blogs beteiligt und hoffe auf viele weitere Jahre Kwerfeldein.

  17. Blogartikel dazu: Damien Walters 2010 {oder: wie mich ein Akrobat inspiriert hat} | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie

  18. Nochmal zum Film „Das weisse Band“, Martin:
    Ich habe es ewig lange vor mir her geschoben bis ich gestern endlich in Stimmung war und die Zeit fand „Das weisse Band“ als Blueray zu geniessen.

    Das der Streifen nicht einmal einen einzigen Oscar erhalten hat, kann ich mir überhaupt nicht erklären – nur dass er für den Massenmarkt nicht taugt – in der Videothek gibt es von diesem genialen FIlm meist auch nur eine einzige Version…

    Mein Fazit:
    Eine stimmungsvollere und spannendere Geschichte in einem so lebendigem Erzählstil haben wir schon lange nicht mehr genossen!!! Einfach nur genial!!

    Der Film beginnt bereits mit einer eigenen Bildsprache, leitet damit geschickt etwas Ruhe ein und nutzt zu jeder Zeit brilliant die Vorzüge eines perfekten S/W-Films. Die Bilder sind einfach gewaltig und genial arrangiert. Da bekommt mann zwangsläufig Lust auf mehr solch einzigartige Filmminuten und weitere Filme ganz ohne Krawall, Getöse und Farbe…

    TIPP: Der richtige Genuss stellt sich erst auf der Leinwand ein! Leiht Euch wenn möglich Leinwand und Beamer, vielleicht bekommt ihr den Streifen ja auch noch einmal in einem kleinen Kulturkino zu sehen…

    Viele Grüße
    Sascha

    FOTOQUIP

  19. Blogartikel dazu: Fotografie & persönliche DNA | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie