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03. Mai 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Viele gute Gründe, in einer lokalen Fotogruppe zu sein

Birgit ProfilbildEs folgt ist ein Gastartikel von Birgit Engelhardt. Schon seit ihrer Jugend fotografiert sie mit Begeisterung, am liebsten Natur, Strukturen und Details. Auf birgitengelhardt.de zeigt sie ihre Fotos, gibt Tipps und erzählt von ihren Foto-Erlebnissen.

Wir alle kennen die digitale Fotowelt: Blogs, Flickr und alles, was dazu gehört. Doch es gibt noch einen ganz anderen Aspekt des fotografischen Austauschs, der regelmäßig übersehen oder nicht in Erwägung gezogen wird: Lokale Fotogruppen. Klassisch, praktisch, offline.

Auch wenn ich bin ein Kind des Web 2.0 bin, liebe ich meine Offline-Fotogruppen. Hier folgen nun ein paar Gründe, die es für mich plausibel machen, Teil einer solchen Gruppe zu sein.

Der Arschtritt-Effekt
Allein dadurch, dass man sich regelmäßig trifft, beschäftigt man sich regelmäßig mit allen möglichen Facetten der Fotografie. Man kann gar nicht vor lauter Stress sein Hobby vergessen und auf dem Sofa versiffen. Zumindest nicht mit gutem Gewissen.

Man kennt sich
Wer sich regelmäßig trifft, kennt sich nach einer Weile ziemlich gut – fotografisch wie menschlich. Gemeinsam wächst man, sammelt Erfahrungen. Dadurch entsteht eine Nähe, eine persönliche Verbundenheit, die einfach viel greifbarer ist als in den meisten Fällen online. Meine Fotogruppe ist einer der großen Anker in meinem Leben.

Viele Spezialisten
Viele Menschen unterschiedlichsten Alters, aus unterschiedlichsten Berufen und mit verschiedensten Erfahrungen machen Fotogruppen so interessant. Jeder hat anderes Know-how, andere Interessen. Der eine kennt sich perfekt mit Nikon-Objektiven aus, der nächste mit Studiobeleuchtung und der dritte mit Bilderschauen. (Fast) egal, welches Problem man hat, es gibt fast immer wen, den man fragen kann.

Wissen tauschen
Wir teilen unser Wissen intensiv. Ob als Photoshop-Schulung, ein Diaporama-Seminar oder die ausführlich beantwortete Antwort auf eine Frage. Und wenn man den anderen kennt, dann ist die Bereitschaft, auch mal eine längere Erklärung abzugeben, deutlich höher – und die Hemmschwelle, darum zu bitten, deutlich geringer. Dann setzt man sich mal auf nen Kaffee zusammen und diskutiert darüber.

Zusammen Fotografieren

Technik teilen
Anschaffungen, für die man alleine nie den Platz und das Geld hätte, kann man sich als Gruppe locker gemeinsam finanzieren. Unsere Fotogruppe etwa hat ein eigenes Studio, eine Dunkelkammer und mehrere Bildschirmkalibratoren.

Ausflüge und Fototouren
Man kommt viel öfter an Orte, an die man sonst nie kommen würde. Ob es wenig bekannte Plätze sind, man eine besondere Erlaubnis benötigt oder einfach, weil man zusammen stärker motiviert ist und auch mal längere Fahrten auf sich nimmt.

Direkter Vergleich mit anderen
Gerade wenn man mit anderen gemeinsam fotografiert hat, ist es total spannend, die Bilder miteinander zu vergleichen. Wie ist der andere mit der Situation umgegangen? Welchen Blickwinkel hat er gewählt? Welche Motive gesehen?

Ehrliches Feedback.
Das Feedback in meiner Fotogruppe ist sehr ehrlich. Gerade weil die anderen mich und meine Bilder kennen und auch wissen, auf welcher Qualitätsstufe ich stehe, haben sie eine gute Basis für Feedback. Das hat mich bisher immer einen deutlichen Schritt weitergebracht.

Teilnahme an Ausstellungen und Wettbewerben
Interne Wettbewerbe, Wettbewerbe auf Landes- oder Bundesebene, eigene Ausstellungen: Es gibt dank meiner Fotogruppe viele Möglichkeiten, meine Bilder „aus dem Computer zu befreien“, zum Leben zu erwecken. Denn es ist ein Riesenunterschied, die Bilder einmal in Groß abgezogen mit Passepartout zu sehen. Es wirkt noch einmal viel wertiger und ist ein sehr gutes Gefühl. Und wenn es dann noch in einer Ausstellung hängt… tolles Gefühl!

Es macht mich lebendig.
Egal wie müde ich abends bin, ich geh zur Fotogruppe – und tanke dort richtig Kraft. Es ist eine andere Welt, die personifizierte Lebendigwerdung meines Hobbys. Und die absolute Fokussierung darauf. Alles andere verschwindet, genau wie bei einer Fototour selbst. Das ist Urlaub im Alltag. Mentale Auszeit. Und das tut verdammt gut.

Darum meine ganz klare Empfehlung: Wenn es in eurer Nähe eine Fotogruppe oder einen Stammtisch gibt, geht mal dahin. Ich wage zu behaupten: Ihr werdet es nicht bereuen!

Konnte ich euch motivieren, euch einmal nach einer Fotogruppe umzusehen? Habt ihr es vielleicht schon getan – oder seid ihr gar (glückliches) Mitglied in einer? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

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