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28. April 2010 Lesezeit: ~ 11 Minuten

Was ist eine gute Bildkritik?

Schon seit Monaten geht mir diese eine, kleine aber nicht unwichtige Frage durch den Kopf, die ihr im Titel findet. Und je mehr ich darüber nachdenke, mich mit anderen austausche und darüber lese, desto häufiger treffe ich auf weitere Fragen, die sich mir in diesem Kontext stellen. Es fühlt sich an, als wäre ich in einem Gang mit vielen Türen. Öffne ich eine, öffne ich hundert Weitere.

So werde ich heute einmal versuchen, ein paar Gedanken zu formulieren, um mich mit Euch vorsichtig an das Thema heranzuwagen. Wie unten in der Erklärung zu den Kommentaren (der Abschnitt über dem Kommentarfeld) möchte ich zuvor betonen, dass es sich hier um keine empirische Ausarbeitung der Thematik mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit handelt.

Vor ein paar Jahren habe ich hier mit dem Video viele Viele Kommentare = gutes Foto? schon einmal offengelegt, dass es zwischen der Anzahl von Kommentaren und der Qualität eines Bildes nicht zwingend einen Zusammenhang geben muss. Zwar gibt es in gewissem Maße eine Korrelation, aber qualitative Schlüsse lassen sich daraus noch lange nicht ziehen.

Weiter ist ein “Tolles Bild!” keine Kritik, sondern ein subjektives Lob. Die Person, die das Bild kommentiert, mag das Foto. Daran ist nichts auszusetzen – und eine große Anzahl solcher Kommentare ist ebenfalls: Ein kollektives Lob. Viele Menschen mögen das Foto. Das ist nicht schlecht oder gut – nur keine echte Bildkritik.

Falsch. Per Definition – und ich berufe mich hier auf Wikipedia – ist ein Lob eine positive Kritik. Was uns wieder tiefer in das Labyrinth eintauchen lässt, und so folgt die Frage, was denn eine Kritik nun ist. Schauen wir dabei nochmals auf Wikipedia – in dem Bewusstsein, dass auch diese Quelle nicht perfekt ist und nicht jeder diese Referenz für relevant hält. Dort finden wir weiter unten folgenden Satz:

“Kritik bezeichnet heute ganz allgemein eine prüfende Beurteilung nach begründetem Maßstab, die mit der Abwägung von Wert und Unwert einer Sache einhergeht.”

Und da fängt das Problem auch schon an. Warum?

Weil die Fotografie in sich zwar Empfehlungen und Richtlinien führt, die von manchen mehr, und von anderen minder akzeptiert werden, in sich aber keinen begründeten Maßstab hat, der “mit der Abwägung von Wert und Unwert einer Sache einhergeht”. Ein gutes Foto ist ein gutes Foto.

Es folgt ein Beispiel.

Es können sich viele Menschen der Meinung anschließen, dass ein gerader Horizont bei einem Sonnenuntergangsbild “gut aussieht” – das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein Foto mit einem schiefen Horizont schlecht ist. Kein Fotograf der Welt, niemand kann das festlegen. Es mag Gruppierungen geben, ja ganz Deutschland der Meinung sein, dass ein gerader Horizont besser als ein krummer ist.

Darauf folgt eine weitere Frage: Who cares? Und damit kommen wir der Sache schon näher. Echt jetzt.

Who. Cares.

Es gibt Rahmenbedingungen, in denen bestimmte Richtlinien über die Qualität eines Bildes entscheiden können. Ja, die gibt es. Und zwar dann, wenn ein Fotograf, nennen wir ihn mal Horst, eine Absicht und ein klar definiertes Ziel hat.

Horst möchte sein Foto nämlich an eine Werbeagentur verkaufen. Die hat klare Vorgaben, denn sie hat ihn beauftragt, eine Arztpraxis mit Ärzten und Personal zu fotografieren. Die Fotos sollen “frisch, offen und freundlich” aussehen und später die Webseite der Arztpraxis schmücken.

Wenn Horst, der Fotograf, es schafft, dem Kunden, also der Werbeagentur, ein Foto zu erstellen (meistens sind es mehrere), und die Werbeagentur das/die Fotos annimmt, dann hat er – für die Werbeagentur – ein gutes Fotos gemacht. Die Bestätigung dessen findet er dann auf seinem Bankkonto.

Nun gibt es in diesem Fall – wie oben schon angesprochen – klare Rahmenbedingungen, die zur Beurteilung des Bildes zuträglich sind. Und: Es ist klar, wem das Foto gefallen muss: Der Werbeagentur und, natürlich, den Chefetagen der Arztpraxis.

Hierzu ein Zitat von Lightning-Essentials:

Without knowing what the photographer was trying to say, it is simply impossible to judge. Sharpness? Noise? Saturation? Composition? – All depend on what the artist was trying to say with the work. In a vacuum, critiquing the color can be done, but no one needs criticism that lives in a vacuum.

Behalten wir das mal im Hinterkopf.

Nun zu unserem Foto im Internet

Ein junge Frau, die gerne fotografiert, nennen wir sie Anna, stellt regelmässig Fotos ins Netz. Menschen sind ihr Thema und somit ist ihr Portfolio gefüllt mit Portraits ihrer besten Freunde, Bekannten, und auch ein paar Selbstportraits sind dabei. Wir wissen nicht, was sie mit den Fotos erreichen möchte, sie möchte sie weder verkaufen noch sonstwas. Sie stellt sie einfach ins Internet.

Unter ihren Fotos gibt es eine Kommentarfunktion. Der entnehmen wir, dass Anna sich über ein Feedback sicher freuen würde.

Es folgen nun 6 wirr aus dem Netzalltag entnommene Kommentare und ich versuche einmal, deren Wirkung offenzulegen. Wir stellen uns vor, dass wir die Kommentare unter einem einzigen Foto in Anna’s Portfolio auffinden.

Nummer 1 “Super Foto! Das gefällt mir gut!”

Es ist ein Lob. Der Person gefällt das Foto und sie begründet es nicht weiter. Sollte es viele Kommentare dieser Art geben, weiß Anna nicht viel über das Foto. Aber sie weiß, dass es vielen Menschen gefällt.

Nummer 2
“Ich mag es, wie Du den Mann fotografiert hast. Das Licht von der Seite gibt dem ganzen eine Tiefe und sein Blick aus dem Fenster ist irgendwie nachdenklich. Weiter gefällt mir, wie die warmen Farben in den Lichtern sich mit den kalten Tönen in den Schatten vermengen und so einen feinen Farbkontrast ergeben. Schöne Athmosphäre.”

Auch das ist ein Kommentar, eine positive Kritik. Die Person begründet sogar, warum sie das Foto gut findet. Wenn Anna Lust hat, kann sie der Kritik vieles entnehmen und wenn sie noch mehr Lust hat, beim nächsten Foto darauf achten.

Nummer 3
“Gefällt mir gar nicht”.

Das ist eine Meinung. Jemand mag das Foto nicht. Sollten viele dieser Kommentare auftauchen, weiß Anna wiederum nicht viel über ihr Foto, doch sie weiß, dass es scheinbar vielen Leuten nicht gefällt. Es ist keine besonders gute Kritik, und da stimme ich ich Seth Godin zu, wenn er sagt:

If a critic tells you that, “I don’t like it,” or “this is disappointing,” he’s done no good at all. In fact, quite the opposite is true. He’s used his power to injure without giving you any information to help you to do better next time. Worse, he hasn’t given those listening any data to make a thoughtful decision on their own. Not only that, but by refusing to reveal the basis for his criticism, he’s being a coward, because there’s no way to challenge his opinion.


Nummer 4
“Hm. Die Situation ingesamt finde ich schön, aber irgendwie sagt es mir doch nicht so zu.  Ich hätte es Schwarzweiss gemacht und der Blick aus dem Fenster – ich weiß nicht. Die Person wendet sich ab von mir, das spricht mich so überhaupt nicht an. Ich mag es, wenn Menschen direkt in die Kamera schauen. Ach, noch eines: Was hältst Du davon, mal einen Blitz einzusetzen, um die starken Schatten etwas aufzuhellen?”.

Das ist ebenfalls eine Meinung, und sogar auch eine konstruktive Kritik. Die Person bleibt bei sich und schildert ihre Wahrnehmung. Sie respektiert Annas Person, begründet aber dennoch, warum ihr das Foto nicht gefällt. Ausserdem stellt sie eine Frage, und lädt Anna ein darüber nachzudenken oder gar zurück zu schreiben.

Nummer 5
“Was ist das denn? Du hast Dir scheinbar gar keine Gedanken gemacht. Das Foto in sich ist schon so schlecht komponiert, und die Farbe ist ja mal dermaßen Fehl am Platz. Ausserdem: Das Foto hat kein 100%iges Schwarz! Ich habe in Photoshop nachgemessen und diesen Fehler solltest Du nicht wiederholen. Und: Warum fotografierst Du eigentlich Menschen? Langeweilig! Das! ist! kein! gutes! Portrait!”

Ebenfalls eine Meinung. Die Person schildert aus ihrer Sicht, warum ihr das Foto nicht gefällt, jedoch ist der Ton wesentlich unfreundlicher als beim Kommentar zuvor. Der Kritiker stellt Vermutungen an, die verallgemeinernd sind (“Du hast Dir scheinbar keine Gedanken gemacht”) und – obwohl die Person gar nicht weiß, warum Anna die Fotos ins Netz stellt – führt Bewertungen ein, die hier (und das ist jetzt meine Meinung) fehl am Platz sind: Das Foto hat kein 100% Schwarz und das ist ein Fehler. So sieht kein gutes Portrait aus.

Nummer 6 “Scheiß Foto. Du bist einfach zu schlecht, um Menschen zu fotografieren.”

Auch eine Meinungsäußerung. Dem Kommentator scheint das Foto ebenfalls nicht zu gefallen, er geht aber noch einen Schritt weiter: Er beurteilt Anna’s grundsätzliche Fähigkeit, Menschen zu fotografieren. Wie alle anderen Kommentatoren legt er sein eigenes Wertesystem an sie an. Es gibt nichts, was Anna aus diesem Kommentar lernen kann. Im schlimmsten Fall fühlt Anna sich persönlich angegriffen, was nicht unbedingt förderlich ist, das hängt aber von ihrer Person ab. Im besten Fall wird sie diese Kritik ignorieren.

Was ist also eine gute Bildkritik? Darauf in einem Satz zu antworten wäre sehr schwierig. Denn es spielen viele Faktoren in diese Frage mit ein und ich habe einmal versucht, Teilaspekte zu beleuchten. Dabei wurde sicherlich auch klar, was, wohlgemerkt in meinen Augen, keine gute Bildkritik ist.

Zwischen-Fazit

Ich bin der Meinung, dass die Art und Weise, wie eine Kritik formuliert wird, in großem Maße beeinflusst, ob der Kritik von Seiten des Fotografen auch die Bedeutung beigemessen wird, die ihr entspricht. Respekt und Achtung der Person spiegeln sich auch (oder erst Recht) in der Wortwahl.

Ausserdem ist es hilfreich in diesem Setting zu begründen, warum eine Sache nicht gefällt oder was daran zu kritisieren ist. Das darf auch ehrlich, direkt und hinterfragend sein. Auf ungünstige Dinge darf hingewiesen werden und da braucht man – unter Berücksichtung des ersten Punktes, Respekt – auch kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Dafür ist es aber wichtig, zu wissen, was der Fotograf mit seinem Foto erreichen wollte. Welches Ziel hat der Fotograf mit diesem Foto? Das ist sicherlich eine gute Frage. Wenn diese nicht zu beantworten ist, wird es auch schwer sein, eine gute Kritik abzugeben.

Und zum Schluss möchte ich bemerken, dass wir alle – dann, wenn wir das Werk anderer kritisieren – ruhig auchmal darauf schauen können, ob wir auf dem kritisierten Gebiet ebenfalls gute Leistungen vorzuweisen haben, bevor wir auf die Fehler der anderen deuten. Und so folgt nun das bekannte Sprichwort:

“Aber was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?

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50 Kommentare

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  1. Ich hoffe du hast dich gut erholt! Der Artikel ist dir auf jeden Fall super gelungen! Auf den ersten Blick fand ich das Thema nicht so spannend, aber deine Art und Weise darüber zu schreiben überzeugt ;)

    Viele Grüße,
    Philipp

  2. So ganz kann ich Dir bei Deinen Ausführungen manchmal nicht folgen…

    Aber wenn es um die Ausgangsfrage geht, was eine gute Bildkritik ist, kann ich darauf wenigstens meine Meinung dazu äussern.

    Ich denke, eine gute Bildkritik ist sachlich, nicht verletzend, analytisch und soll dem Bildautor einerseits zeigen, wo Betrachter der Werke mögliche Defizite in seiner Arbeit sehen und andererseits zeigen, ob die Bildaussage, die man erwünscht hat, auch tatsächlich beim Betrachter ankommt.

    Zur Kritik gehört aber auch zwingend, dass der Bildautor sich mit dieser auseinanersetzt und dem Kritiker ein Feedback gibt.

    • Zunächst einmal danke für diesen gelungenen Artikel (positive Kritik :) ) Schön, das Du dieses Thema einmal aufgegriffen hast, in deiner gewohnt sympathischen Art.

      Sobald man sich dazu entscheidet, seine eigenen Bilder zu veröffentlichen, sei es im Internet oder unter Freunden und Familie, wird man mit verschiedensten Formen der Kritik konfrontiert. Und manchmal kann man diese gar nicht nachvollziehen, bei mir ist das häufig so, wenn nicht akkurate Linien (wie ein schräger Horizont) oder andere “Kleinigkeiten” bemängelt werden und ich einfach denke: das hast Du doch eigentlich recht gut gemacht, hast die Stimmung, die du einfangen wolltest getroffen oder die Person genau so abgebildet wie sie sich in diesem Moment gefühlt hat etc… Als Anfänger wie ich fühlt man sich dann in manchen Fällen verunsichert.

      Wie auch immer, Kritik ist immer subjektiv, ein Lob, wie “tolles Bild” motiviert weiterzumachen, eine konstruktive Kritik bewegt einen dazu Neues auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln :)

    • @Teatime: Hey ;) Klar, Kritik geht häufig in beide Richtungen. Dass der Bildautor ein Feedback gibt, finde ich sinnvoll, sehe das aber nicht zwingend. Zwang ist ja nie was Gutes ;) Ausserdem kommts auch drauf an, was in der Kritik steht. Auf eine Nummer 6 (siehe oben) würde ich nicht reagieren, da ich darin keinen Sinn sehe. Aber kann gut sein, dass andere das anders machen.

      • Naja, wenn ich eine (Bild-) Kritik schreibe, dann erwarte ich auch eine zumindest kleine Reaktion. Ansonsten würde ich mir beim nächsten Mal nicht mehr die Mühe machen, etwas zu schreiben.

      • @Teatime: Ja, ich kann das auch verstehen. Ich mache das (als Bildautor) aber trotzdem von der Situation abhängig. Wie gesagt, Zwang finde ich nie gut – es wird ja auch keiner gezwungen, eine Kritik zu schreiben… Das liegt aber auch umgekehrt daran, dass ich, wenn ich eine Bildkritik im Internet schreibe, schon damit ihren Sinn erfüllt sehe. Ich freue mich, wenn der Bildautor sich zurückmeldet, wenn nicht, auch okay ;)

  3. Hallo Martin,

    dieser Beitrag gefällt mir sehr gut.

    Zum einen mag ich die Art, wie du Dinge beschreibst und erklärst. Sie ist klar, einfach und (was für mich wichtig ist) verständlich.

    Ich finde der Artikel lässt einen über die “Kritiken” die man selber (zu Bildern) bekommt nachdenken. Er regt aber auch dazu an (jedenfalls mich), die “Kritiken” die man selber schreibt gründlicher zu überdenken und zu formulieren. Sogar bei diesem Kommentar, denke ich mehr darüber nach was ich schreibe, damit mehr als ein “Den Artikel finde ich wirklich gut.” herauskommt.

    Vielen Dank jedenfalls für diesen wirkich interessanten Artikel. Mir hat er auf jeden Fall geholfen und mich zum nachdenken gebracht.

    Schönen Gruß aus Köln.

    Urs
    -SportGoofy-

  4. Klasse, gut von allen Seiten beleuchtet… es ist wirklich nicht immer einfach, aber manchmal genügt eben auch ein *finde ich toll*
    Oft erlaube ich mir selber aber negative Kritik nicht, weil ich den anderen nicht kränken möchte und ihn zu wenig kenne, um zu wissen wie er das auffasst und zum anderen weiss ich manchmal nur theoretisch wie ich es besser machen würde, aber noch nicht praktisch. Dann halte ich lieber meinen Mund.
    Gefallen hat ja auch immer etwas mit Geschmack zu tun, das hast Du sehr schön beschrieben :-)

  5. Ich finde, du hast das Thema sehr gut beleuchtet und hinterfragt. Ich frag mich auch immer, was Leute, die nur schreiben, dass irgendein Foto doof ist, damit bezwecken wollen. Wenn es begründet ist- gut. Dann kann man drüber nachdenken und es vielleicht beim nächsten Mal besser machen. Aber ohne Begründung ist es einfach nur unhöflich, treffend und wertlos.
    Danke für diesen langen, ausführlichen Text..

  6. Blogartikel dazu: Tweets die Was ist eine gute Bildkritik? | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie erwähnt -- Topsy.com

  7. Hey Martin,

    danke für den Artikel, er hat mich auf etwas aufmerksam gemacht, was du so direkt nicht angesprochen hast.

    Viele der Fotografen stellen heute ihre Fotos bei z.B. Flickr online und schreiben keine oder eine sehr kurze, nicht sonderlich aussagekräftige Beschreibung dazu. Ich selbst schreib häufig die Entstehungsgeschichte unter die Bilder, ganz interessant vllt, aber letztlich für den möglichen Besucher wenig hilfreich. Warum? Der Besucher weiß jetzt zwar, wie das Bild entstanden ist, aber er weiß nicht wieso wir jetzt genau aus “dieser Perspektive, mit/ohne Gegenlicht und offener/geschlossener Blende” das Foto geschossen haben und warum es bunt und nich schwarz/weiss ist.
    Das bedeutet für mich ab jetzt, wenn ich gute Bildkritiken erhalten möchte, muss ich meinen Besuchern auch die Möglichkeit geben, wirklichen Einblick in meinen Bildaufbau zu erhalten, bei Flickr beispielsweise durch eine knappe aber inhaltsreiche Beschreibung.

    Man sieht, gute Kritik brauch nicht nur einen willigen Kritiker, sondern auch einen offenen Fotografen, der sein Absichten zumindest teilweise Preis gibt. Natürlich muss er dabei nicht all seine Tricks preis geben ;)

    freundliche Grüße,
    Horst (hab mich etwas angesprochen gefühlt :P ^^)

  8. Hm … gar nicht so ein leichtes Thema.

    Ich selbst habe immer wieder Fotos zur Bewertung bestellt und muss sagen dass man dabei ne ganze Menge lernt, musste mir aber auch einges anhören … einigemale hab ich voller Stolz ein Bild eingestellt und war im nachherein ein wenig enttäuscht.

    Man muss allerding zwei Aspekte differenzieren:

    1. Die rein technisch/handwerkliche Ausführung eines Bildes ( hier gibt es klare Maßstäbe z.b. die Schärfe )

    und

    2. Die künschlerische Gestaltung ( lässt alle Freiheiten)

    Mindestens beim 1. kann man oft sehen was gewollt und ungewollt war.

    Außerdem ist der Status (Anfänger oder Fortgeschritten) des Fotografen nicht ganz unwichtig. Daran sollte sich immer die schärfe der Kritik anpassen.

    MIr selbst haben die Kritiken am besten gefallen bei denen das Bild strukturiert analysiert wurde und die einzelnen Aspekte getrennt von einander abgearbeitet wurden.
    Ich denke es ist sogar möglich ein Leitfaden für eine Bildkritik ”abzuarbeiten”.

    Was mich sehr nervt ist diese ”Süßholz-Raspelei” bei machen Kritiken, als wenn immer alles erst mal gut gefunden werden muss.

    Mir ist immer noch eine harte, ehrliche aber objektive Kritik am liebsten.

    Gruß Arne

  9. Ein guter Artikel Martin, er beleuchtet schon ganz gut die Dinge auf die es ankommt. Hier gibt es auch noch etwas Hintergrundliteratur dazu:
    http://www.foto-howto.de/praesentation/311-bildkritik-by-thomas-tremmel.html

    Und etwas witzig geschrieben auch hier:
    http://www.buxtehuder-fotofreunde.de/kurt10.htm

    Was noch unerwähnt blieb: Viele Fotografen müssen auch erst lernen mit dieser Kritik umzugehen, sie also nicht als Angriff auf ihr Werk/ihre Arbeit verstehen, sondern als Möglichkeit sich selber weiterzuentwickeln und daraus zu lernen. Leider haben das viele noch nicht begriffen. Ein Grund das ich ungefragt keine Kommentare mehr zu irgendwelchen Fotos abgebe, weil die Reaktion oft zu wünschen übrig lässt, und mir meine Zeit dazu auch zu kostbar ist. Eigentlich sehr schade.

  10. Hi,
    ich denke man sollte sich immer im Hinterkopf behalten, dass jede Anmerkung eine “persönliche” ist und immer einen Geschmack eines Einzelnen wieder gibt.
    Es gibt einige Regeln in der Bildgestaltung die sich auf Basis der menschlichen Auffassungsgabe ableiten lassen und die ein Bild dadurch einfach “harmonisch” und somit „positiv“ auf den Betrachter auswirken können – aber eben nicht müssen.
    Ich denke es ist wichtig für sich zu entscheiden – welche Kritikpunkte man gelten lassen möchte und die einem auch nach einer gewissen “Abkühlungsphase” (nach dem Entstehen des Bildes), sogar selber auffallen.

    Lass eine(n) Kritik/Kommentar einfach mal ein paar Tage reifen und schau dir ein Bild dann nochmal an – wenn die ersten Glücksgefühle über ein vermeintlich sehr gelungenes Bild verflogen sind, stellt sich sehr schnell heraus ob eine Kritik gerechtfertigt ist oder ob man eben etwas ausprobieren wollte.
    Man erkennt dann selber, ob man auf dem Weg bleiben will und eben ein Ziel verfolgt oder sagt – naja eigentlich hat er recht war wohl nix.

    Ich versuche bei Kritiken bzw. Kommentaren immer meinen Eindruck wieder zu geben … wie wirkt das Bild auf mich.
    Experimente hebeln oft viele “Regeln – Empfehlungen der Bildgestaltung” aus und sind trotzdem tolle Bilder. Andere versuchen alles nach einer Norm zu erfüllen und es sind gähnend langweilige Bilder.
    Die Mischung macht es aus.

    Und genau dies macht auch für mich eine gute Kritik aus – die Mischung aus Toleranz zu Neuem und die Benennung wie ein Bild auf einen selbst wirkt – mit einer Begründung oder sogar einem Tip was man selber etwa bevorzugen oder sich vorstellen kann an dem gezeigten Bild.

  11. Hallo Martin,

    du schneidest in deinem Artikel ein Thema an, zu dem sicherlich vieles zu sagen gibt. Um den Rahmen eines Kommentars nicht zu sprengen – kann ich meine Gedanken nur kurz anschneiden: Wie viele Fotos wurden bzw. werden gerade und werden in der Zukunft noch gemacht. Ein Leben reicht nicht aus, um die alle zu sehen. Das ist auch nicht nötig, denn nicht jedes Foto ist es wert gesehen zu werden. Genauso wird nicht jedes Foto wird mit einem Ziel aufgenommen (ausgenommen kommerzielle Aufträge), die m.E. sowieso keine Kritik benötigen. Entweder bekommt der Fotograf sein Geld oder er bekommt es nicht. Damit fallen schon jede Menge Fotografien durch den Sieb.

    Lässt man dann noch die Fotos weg, die ohne Ziel (falls es so etwas geben kann?) gemacht wurden, bleiben m.E.nur noch ca. 20% der Fotos die einer Kritik würdig sind. Aber auch wenn es mehr Fotos sind, die eine Kritik verdient haben. Wer ist überhaupt in der Lage (fähig) Kritik zu üben? Kritik kann ein Experte üben, eine Person, die genug Fachwissen über Fotografie verfügt. Aber auch dann bleibt die Kritik auf der Oberfläche bzw. bei der technischen Umsetzung. Oft habe ich Kommentare gelesen wie “Ein interessantes Motiv, aber technisch schwach umgesetzt bleibt es nur ein Schnappschuss?” etc.

    Lange Rede kurzer Sinn: Es gibt Kunstkritiker, Filmkritiker etc. aber von einem Fotografiekritiker habe ich noch nie was gehört. Damit ist die Kritik an der Fotografie der Kunstkritik zuzuordnen. Da aber nicht jedes, bei weitem nicht jedes Foto ein Kunstwerk ist, bleiben die Kommentare unter diesen Fotos einfach subjektive Meinung des jeweiligen Kommentators.

    Viele Grüße
    Andrej

  12. Finde, die Intention, wo ein Bild gepostet wurde und welche Textinfo dazu bereitgestellt wurden, gibt einem schon ein etwas klareres Bild. Gehe ich z.B. in eine Ausstellung, ist anzunehmen, dass der Aussteller sein Handwerk versteht. Da kann die Kritik dann ganz anders ausfallen, als wenn ich z.B. ein Bild auf flickr sehe. Hier muß ich mir erst einmal ein Urteil bilden, wer der Inhaber des Bildes ist. Auch an den Bilderstrecken läßt sich erkenne, ob man es mit einem Perfektionisten, einem Künstler oder einem Anfänger zu tun hat. Je nachdem kann man dann seine Kommentare darunter setzen.

    Da ich selbst Bilder meist rein zur Unterhaltung betrachte, handhab ich das so. Ein Bild, das mich anspricht, bekommt eine Anmerkung – eigentlich nur positiv. Kommt mir eine Idee, was man an einem Bild verändern könnte, geb ich das manchmal auch bekannt – allerdings nur dann, wenn ich das Gefühl hab, der Gegenüber möchte dies auch hören.

    Bei meinen eigenen Bildern, die ich derzeit auch rein als Unterhaltungszweck hochlade, finde ich einen markanten Titel – Beschreibung gibts keine. Das fände ich schon zu aufwändig, da es sich ja bei flickr um eine Bilderplattform handelt. Wer nachfrägt und was zu einem Bild wissen will, bekommt aber natürlich Antwort.

    lg Chris

  13. Hallo Martin,
    du hast das Thema sehr erschöpfend behandelt und daraus eines lesenswerten Artikel gemacht.
    Ich selbst freue mich immer über Kritik, die ein wenig vom Betrachter preisgibt. Was hat die Person beim Anschauen empfunden? Transportiert mein Bild eine Stimmung? Ist es die, die ich wiedergeben wollte oder vielleicht eine völlig andere?
    Ich ziehe eine Kritik in der Form “Gefällt mir / Gefällt mir nicht weil…” einem einfachen “Gefällt mir / Gefällt mir nicht” zwar vor – ich weiß aber auch, dass ein “weil” manchmal schwer in Worte zu fassen ist. Deshalb empfinde ich mittlerweile ein “Schönes Bild” nicht mehr als grundsätzlich schlecht – nach wie vor aber weiterhin als nicht besonders informativ.
    Manchmal ist ein schönes Bild eben einfach nur ein schönes Bild.
    Und manchmal eben nicht.

  14. Hallo,
    ein Kommentar zu einem Foto, einem Blog,… egal was.. ist immer subjektiv. Jeder hat einen anderen Geschmack und bewertet ein Bild nach anderen Gesichtspunkten. Somit kann nie eine einheitliche Lösung rauskommen (wie du schon sagtest). Ein Kommentar sollte für mich immer Feetback geben.. und für gutes Feetback gibt es Regeln (evtl auch ein Blog Thema).
    lg Patrick

  15. Kommentare des Typ 1 kommen doch häufig von “Fans” an möglicherweise etwas bekanntere Fotografen ohne tatsächliche Bewertung des Werks. Wie häufig ich solche Kommentare unter Bildern finde, die objektiv nicht toll sind und zumindest auf mich auch subjektiv Mist sind, ist erschreckend.
    Da wird einfach einfach ein guter Kommentar gepostet, weil man aus den vielen anderen Kommentaren ja schließen muss, dass der Fotograf sein Handwerk beherrscht – also schieße ich mich der Herde an.
    Wenn man dann auf der anderen Seite die tollsten Bilder findet, für die sich kein Schwein interessiert, muss man einfach den Gedanken aufgeben, im Internet sinnvolles Feedback zu bekommen (Ausnahmen mögen die Regel bestätigen).
    Ich selbst habe ich mit dem Thema abgeschlossen. Ich habe keinen Bock auf “Post 3 – rate 1” oder die Unzahl von Flickr-Awards. Alles weithin verlogener Bockmist. Leider.
    Übrigens finde ich, dass auch die Browserfruits nicht frei von Herdentrieb sind. Da tauchen dann halt Bilder auf, vielleicht nur weil sie es in die “Interesting” Rubrik bei Flickr! geschafft haben.
    Man muss hier seinen eigenen Weg gehen und sich Feedback im RL besorgen – hat auch was für sich ;)
    VG Thomas

  16. Wow,

    ich finde es immer wieder interessant auf welche Themen du kommst. Auch wenn ich selbst nicht sehr oft Fotos oder gar Blogeinträge kommentiere finde deinen Beitrag trotzdem gut und anregend.

    Respekt gegenüber der “kritisierten” Person und ein möglichst konstruktives Feedback erachte ich als Minimum in eines Kommentars oder einer Kritik.

    In Bildkritiken versuche ich immer erst etwas positives zu schreiben und dann die Punkte die ich als verbesserungswürdig einstufe anzusprechen.

  17. Hallo Martin,

    ich schließe mich vollund ganz MazeKraemer an. Auch für mich sind (wären) Kritiken eher etwas positives, sofern diese mir helfen, mich zu verbessern oder diese mich weiter bringen. Leider bekomme ich in meinem “Blogger-Umfeld” keine … und das öded mich ziemlich an. “Tolles Bild”, “Schönes Motiv” …. ist alles ganz lieb gemeint, aber …. hilft mir nicht wirklich. Tja, als Blogger will man niemand weh tun und man will sich’s ja mit niemand verscherzen. Im Gegenteil …
    Die Kehrseite der Community …
    Grüße
    Ratze

  18. Kann dem im Großen und Ganzen zustimmen, aber eine Sache stört mich doch sehr.
    Wieso sollte man selbst auf dem kritisierten Gebiet irgendwelche Leistungen vorzuweisen haben? Wenn dem so wäre, wäre die Welt frei von Kritik. Zu wissen, wie es besser geht, es aber selbst nicht umsetzen können, sind zwei sehr verschiedene Dinge.
    Beispiele: Nach deiner Logik im letzten Abschnitt gäbe es so gut wie keine Literatur-, Film-, Theater-, etc.-kritiker. Welcher der bekannten Filmkritiker hat denn z.B. schonmal selbst Regie geführt und wurde von der Mehrheit als sehr fähig anerkannt?
    Noch eins: Manchmal bringt jemand, der zwei linke Hände hat, jemanden mit großem technischen Geschick durch kritische Betrachtung der Lage auf Ideen, auf die der Bastler selbst nie gekommen wäre, weil er u.U. nur daran denkt, was er gerade kann.. nicht aber, was noch möglich wäre. Viel “out of the box”-Denken ist überhaupt erst möglich, weil man eben nicht in der Materie steckt.

    Ich stimme dir zu, dass Kritik extrem wichtig für Veränderungen und vor allem Fortschritt ist, aber meiner Meinung nach MUSS sie auch von Menschen kommen, die es selbst eben nicht besser könnten.

  19. Ein sehr guter Artikel! Ich möchte auch, dass andere meine Fotos betrachten und sie kommentieren. Wenn nun 10 Leute schreiben “Tolles Fotos”, dann freue ich mich natürlich. Aber lernen werde ich dabei nicht.
    Ich möchte, dass die Betrachter, wenn sie kritisieren, genau hinsehen.

    Und es ist egal, ob ein Profi draufsieht oder ein Laie. Meine Fotos werden von allen “Gruppen” gesehen und die Meinung derer interessiert mich, denn u.a. nur so lerne ich dazu

    LG Anja

  20. Immer wieder ein Thema, das zu angeregten Diskussionen führen kann.

    Ein paar Anmerkungen zu Deinen Ausführungen:

    Ich bin der Meinung, dass weder Nummer 5 noch Nummer 6 eine Meinung widerspiegelt, sondern eine Tatsachenbehauptung, die im Falle von 6 sogar in Richtung Beleidigung geht. Dies wird in Foren immer wieder gerne übersehen.

    Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist Deine Aussage, dass man zuerst sein eigenes “geleistetes” Können bedenken soll, bevor man seine Meinung zu einem Thema abgibt. Wenn ein Essen versalzen ist, warum sollte ich das nicht sagen dürfen? Ich muss dazu kein 5-Sterne-Koch sein. In einem muss ich dir zustimmen: es könnte sein, dass der 5-Sterne-Koch die Kritik anders wahrnimmt, ob sie von der Hausfrau, einem 5-Sterne-Koch oder einem Michelin-Testesser kommt. Nur wenn der 5-Sterne-Koch so mit Fehlern umgeht, dann wird er vermutlich nicht lange diese Sterne behalten. Seine Geringschätzung gegenüber den “Kunden” fällt irgendwann auf.

    • Hey Michael. Stimme Dir teilweise zu. Sicher ist es kein Ausschlusskriterium, was man selbst kann, aber hilfreich, wenn um die Kritik an sich geht – und um die Bescheidenheit, mit der die Kritik ausgedrückt wird. Im Idealfall wird die Hausfrau nicht ganz so kritisch reagieren, wie ein Kollege, der ebenfalls 5-Stern Koch ist. Ich überlege gerade, ob meine Formulierung etwas zu hart war, denn Du hast recht, dass es von Bildautorenseite her keine Selektion von vorne herein geben sollte.

  21. Nummer 6 “Scheiß Foto. Du bist einfach zu schlecht, um Menschen zu fotografieren.”

    Tausch “Menschen” zu “Katzen” (oder alternativ “Blumen”, “Feuerwerk”…) aus, und die Formulierung taugt als Vorlage für viele, viele Fotos im Netz :)

  22. Gefühlsmässig ist das der längste Artikel hier auf Kwerfeldein.de, den ich in den letzten 2 Jahren gelesen habe und das finde ich gut. Mich hat es nämlich ehrlich gesagt extrem genervt, wenn ein Artikel in 2 Artikel aufgesplittet wurde.

    So nun zu diesem Artikel:

    Meiner Meinung nach hast gut erklärt, wie die einzelnen Kommentare wirken. Andererseits ist das alles auch ein bisschen platt, denn ich glaube, dass jeder hier weiß wie sich sowas anfühlt. Also, auch die verschiedenen.

    Aber darauf wolltest du ja auch gar nicht hinaus, oder?

  23. Wann ist Musik gut ? wenn bei DSDS 1,95 Millionen einem “Sänger” die Stimme geben und in zum Supertrooper Star ernennen? oder wenn ein einsamer Straßenmusiker derart gut Geige spielt das man spontan anfängt zu weinen und man “Gänsehaut” bekommt, aber im seinem Geigenkasten so 8,92 Euro sind?

    Wann ist ein Bild gut?

    Es gibt soviele mögliche Beurteilungsparameter das es wirklich schwer fällt eine allgemeine Aussage zu fällen.
    Bei mir ist meist der aller erste Eindruck entscheidend,…. spricht es mich an oder nicht,… irgendwann (viel nspäter beschäftige mich technische Fragen, wie wurde das Bild angefertigt? wo liegt die Schärfe oder die Unschärfe? usw.
    Und genau so fällt dann meist auch die Kritik aus. Es gibt Bilder die gefallen mir so gut auf Anhieb und ich kann nichmal sagen weshalb genau, Meist fällt mir dann auch nur ein, “tolles Bild” oder sowas in der art ein.
    Einfacher ist es bei Bildern welche mir nicht so gut gefallen, da fällt mir meist sehr schnell ein, was ich anders, besser (?) machen würde.

    Aber was macht man wenn kein Mensch etwas über das Bild schreibt,… es sich über 100 Leute zwar angeschaut haben, aber keiner sagt/schreibt was dazu ?

  24. Merke: Der Schuh paßt immer nur dem, der sich ihn auch anzieht!
    Diesen Kommentar bekam ich mal vor ein paar Jahren, nicht als Fotografin wohlgemerkt, aber er hat mich sehr zum Denken angeregt.
    Heutzutage habe ich ihn verinnerlicht, da ich weiß, das Geschmäcker verschieden sind und die meisten den IHREN als Nonplusultra ansehen. Was gut ist und was nicht, frage ich immer nur eine Person: Mich selber. Sicherlich richte ich mich auch nach meinen Chefs, nach den Kunden und nach den Betrachtern meiner Fotos, ich freue mich, wenn meine Pics kommentiert, markiert, angeklickt und/oder fürs Magazin ausgewählt werden. Aber eine Wertung gut/schlecht???
    Für mich gibt es kein Gut und kein Schlecht.
    Für mich gibt es nur ein “Anders”.
    Natürlich interessieren mich auch Bewertungen anderer, aber das nehme ich nicht als Kritik, sondern als Meinung an.

  25. schön geschriebener artikel, regt zum nachdenken an!
    meiner meinung nach ist es immer noch am wichtigsten, dass einem seine bilder selbst gefallen und man nicht ein scheinbares ideal anstrebt, indem man sich nach kritiken richtet. meine bilder sollen für mich persönlich und vielleicht auch für andere etwas aussagen, erinnerungen und momente festhalten. deswegen mag ich viel lieber kommentare (das wort kritik passt da nicht so), die den eindruck des betrachters schildern und nicht aufzählen, was ich denn alles hätte besser machen können. tipps und vorschläge nehme ich auch dankend an, aber fotografie ist für mich in erster linie kunst und nichts maßstäblich bewertbares. dass das bei berufsfotografen anders abläuft, ist mir natürlich klar.

  26. Moin zusammen,
    ich halte die generelle Kritik an einem Bild für problematisch, auch wenn es immer wieder gemacht wird. Ein einzelnes Bild ist nur ein Ausschnitt einer Arbeit, einer Sichtweise. Genauso könnte man die Arbeit beim KFZ-Mechaniker bewerten, wenn er nur einen Reifen wechselt. Wir sind aber erst zufrieden, wenn er alles richtig macht.
    Ähnlich sehe ich es beim Bild. Man sollte, auch wenn es schwer umsetzbar ist, immer mehrere Arbeiten sehen, bevor man sich ein Urteil gestattet. Erst dann versteht man auch, was der Fotograf will.
    Gruß Mat

  27. Blogartikel dazu: uberVU - social comments

  28. Erstmal: Toller Artikel, Martin.

    Ich habe nur zwei Anmerkungen:

    Ich bin nicht der Meinung, dass es zwingend notwendig ist, dass man weiß, was der Autor mit einem Bild aussagen möchte. Denn gerade das macht die Sache doch interessant!
    Klar, ich könnte dann beurteilen, ob der Fotograf sein Ziel gut umgesetzt hat, aber eigentlich muss es doch genau anders herum sein. Der Fotograf muss das Foto so umsetzen, dass der Betrachter genau die Stimmung, die Aussage auffasst, die gemeint ist.
    Daher halte ich es grundsätzlich für besser oder sachdienlicher, wenn man gerade nicht weiß, was die Aussage sein soll, das macht einen doch deutlich objektiver.

    Zudem: Klar, wenn ich von etwas keine Ahnung habe, dann darf ich auch nicht kritisieren. Und trotzdem kann ich als jemand, der fotografiert und kein Top – Fotograf ist, mir rausnehmen ein Bild zu beurteilen, selbst wenn ich auf diesem Gebiet nicht fotografiere. Denn die (kontruktive – das ist Voraussetzung) Kritik ist dann ja ebenfalls objektiv.

    Ich rede hier deshalb von Objektivität, weil ich damit bei der Beurteilung meiner Fotos durch andere die beste Erfahrung gemacht habe. Denn für den Laien oder 08/15 Betrachter spielen Linien, Goldener Schnitt und Platzierung des Horizonts keine direkte Rolle. Ihm soll das Bild gefallen! ;-)

  29. wie ich am eigenen leib erfahren durfte, berechtigt das kommentarfeld unter einem foto im internet eben gerade nicht dazu, auch kritik zu üben bzw. feedback zu geben. ich wäre mit diesen kommentarfeldern und der annahme, dass man das auch benutzen darf also sehr sehr vorsichtig.

    obwohl sich über lob wie in nummer 1 dann doch niemand aufregt. ;)

  30. Sehr schöner Artikel, Martin.
    Ich find’s gut, dass deine Artikel so lang sind, da du damit sehr viel zum Ausdruck bringst und doch Lücken zum Nachdenken lässt.

    Ich werde deine “Tipps” beim Kommentieren von Fotos auf jeden Fall beachten!
    Danke Martin.
    Thore

  31. Interessanter Artikel, vielem stimme ich zu. Ich denke, die Frage nach dem “Zweck” ist schon eine gute. Schliesslich ist es ein Unterschied, ob ich ein Produkt- oder ein Emotions-Bild mache – oder ein Capture-the-moment-Foto – andererseits macht ein “gutes” Foto seinen Zweck auch ohne Erklärung klar. Gerade wenn etwas künstlerisch gedacht ist, kommt ja auch ein stark subjektives Element dazu. Da geht auch eine profunde technische Kritik möglicherweise am Bild vorbei, weil der Künstler bewusst die Regeln der “perfekten” Technik bricht, um ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen.

    Ich musste auch an diese satirische Geschichte denken, über die ich vor Zeiten sehr gelacht habe:
    http://theonlinephotographer.blogspot.com/2006/06/great-photographers-on-internet.html

  32. Ich glaube Du hast schon alle dieser Kritiken hier gehört und sowas einfach wegzustecken ist bestimmt nicht leicht. Ich glaube konstruktive Kritik, oder auch ab und an mal etwas tough love wie die Engländer zu sagen pflegen, tut sehr gut, da sie am meisten hilft.

  33. Blogartikel dazu: Alles neu macht der Mai…. | Frau Doktor und Jamie

  34. Hallo Martin.

    Das war ein sehr gelungener Artikel weil er zum weiterdenken anregt.
    Was mir besonders aufgefallen ist, im Artikel wie auch in den Kommentaren,
    ist die unterteilung in positive und negative Kritik.
    Das Wort Kritik scheint bei vielen, mehr unbewusst, einen abwertenden Charakter zu besitzen.
    Da Du Kritik mit ” festen Maßstäben” verbindest (die meistens keinem Maßstab folgen sondern dem subjektiven Eindruck), bin ich zu der Meinung gelangt, daß man bei Kommentaren besser dazu schreibt, daß man hier nur seine eigene persönliche Meinung vertritt. Das könnte möglicherweise zu einer besseren Verständigung zwischen Autor und Betrachter führen.

    herzliche Grüße aus Pforzheim
    Andy

    • Hey Andy. Das find ich ne gute Einstellung & Haltung, die Du dadurch dem Bildautor entgegenbringst. Ich glaube so wirkt eine “Kritik” viel angenehmer verdaulich, wenn auch darin sehr deutlich sagen kannst, was Du denkst. Daumen hoch.

  35. Blogartikel dazu: Bildkritik - Fotos konstruktiv kommentieren