kwerfeldein
19. März 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Bullshit Boomerang.

Auf dieser Seite geht es darum, Einsteiger (und ein paar Fortgeschrittene) fotografisch weiterzubringen. Ich versuche Dinge, die mir geholfen, mich inspiriert oder einfach ein Stückchen weitergebracht haben auszuformulieren, in der Hoffnung, dass jemand anderes vielleicht etwas davon mitnehmen kann.

Da geht es um meine Stärken, das, was ich gut kann. Doch es gibt auch eine andere Seite Martin Gommels, die nämlich im Umgang mit der Kamera ganz und gar nicht stark ist, sondern offensichtlich Fehler hat. Macken. Unebenheiten. Auf gut‘ Deutsch: Schwächen.

Um die wird es heute gehen. Oder besser gesagt: Mal um eine.

Um es mit Durs Grünbein zu sagen: „Die Schwächen sind, mit einer gewissen Leidenschaft und Sympathie betrachtet, sein wahrer Reichtum. Sie sind das Kapitel des Künstlers.“

Natürlich habe ich auch bei der Formulierung meiner Schwächen die Hoffnung, das sich vielleicht jemand anderes damit identifizieren kann. Nicht, dass sie oder er etwas „davon mitnehmen kann“. Nein, dass ein Leser sich nicht mehr allein fühlt mit den Problemzonen.

Und ich bin mir bewusst, dass das Beschreiben der Schattenseiten ganz und gar nicht in unser westliches Bild eines starken Vorbildes, eines heroisch und stoisch kämpfenden Künstlers, der sich von Auftrag zu Auftrag, von Erfolg zu Erfolg und von Feature zu Feature schwingt, passt.

Wir sehen lieber einen lächelnd glänzenden Erfolgsstar, der alles weiß, alles kann und vor allem nicht im Geringsten mit sich selbst zu kämpfen hat. Und wenn, dann nur mal so nebenbei erwähnt, um dann wieder feucht-fröhlich dem nächsten Erfolg entgegenzusehen. Eher belächelt er sarkastisch-triumphierend die Schwächen der anderen.

Doch das entspricht viel eher einem Wunschdenken, das der Realität nicht im Geringsten nahekommt. Zumindest bei mir. Das ist so nicht.

Früher regelmässig, heute nur sporadisch werde ich hier und da Zeilen niederschreiben, in denen nichts beschönigt, sondern schonungslos direkt und ehrlich das notiert wird, was explizit nicht gut ist.

In der Hoffnung, dass durch das Niederschreiben manche Dinge klarer werden und kwerfeldein.de an Tiefe gewinnt. Und dass sich jemand, der ähnliches von sich kennt, verstanden fühlt.

Kommt es an?

Es ist eigentlich jedes Mal das gleiche Spiel: Schon beim Bearbeiten eines meiner Fotos stelle ich mir die Frage, ob es die Leute mögen werden. Ob sie es gut finden, was ich da fotografiert habe.

Oder – das wäre das Schlimmste – vielleicht ignorieren sie mein Foto sogar, weil es gänzlich langweilig aussieht. Fad und ohne Würze. Kalt und ohne Aussage. Eins wie alle anderen.

Dann zeige ich mein Foto. Lade es ins Netz. Schreibe Titel, Tags und Bildnotizen dazu und setze es wie ein kleines, selbstgebasteltes Schiffchen auf den Ozean des World Wide Webs. Und warte, was zurückkommt. Ob jemand antwortet.

„Ist es gut? Wieviele Kommentare werde ich bekommen? Werden es die Leute mögen?“ Oder sogar „Gefällt es mir eigentlich selbst? Und wenn ja, woran merke ich das?“

Diese Unsicherheit ist mal stärker, mal schwächer ausgeprägt. An guten Tagen bin ich mir einfach dessen bewusst, an schlechten drücke ich alle 2 Minuten die Reload Taste, um auf Flickr zu schauen, ob nicht doch wieder jemand kommentiert hat.

Zeige ich jemand meine Fotos am Rechner, bin ich völlig fixiert darauf, wie sie oder er auf meine Bilder reagiert. Und falls dann ein Freund wohlwollend, aber trocken-direkt vorschlägt: „Joa. Hm. Weiß nicht“, dann trifft mich das ungeheuerlich. Nicht so sehr wie vor 3 Jahren, aber immer noch ordentlich.

So, dass ich manchmal innerlich trotzdend mir sage: „Pah! ICH finds toll. Soll er doch denken, was er will. Mir doch egal“ Tja – ist es eben nicht.

Meine abgrundtiefe Sehnsucht nach Wertschätzung (wohl eher WerKschätzung) geht mir gewaltig auf die Nerven. Was bin ich doch nur ein Sensibelchen. Ich drehe mich um mich selbst. Bullshit Boomerang.

Die großen Fotografen meiner und vor meiner Zeit, die standen da bestimmt drüber. Die hatten da keine Probleme mit. Die waren abgehärtet. Klar. Ganz klar.

Ein Ansel Adams hat einfach gemacht, was er wollte. Ja, ganz bestimmt. Und die jungen Hüpfer, die heute Fotos machen, von denen ich nur träumen kann, die wissen, wo das Ziel ist. Diszipliniert und unbeeindruckt von dem was andere sagen jagen sie dem nächsten Foto entgegen. Die stellen sich meine Fragen nicht. Die – nicht.

Oder etwa doch?

Gleichzeit weiß ich, dass ich nicht so hart mit mir selbst ins Gericht gehen sollte. Geduld haben – und – mich nicht allzusehr auf das Lob meiner Fotos konzentrieren. Doch wie geht das?

.
.
.

Diese Frage bleibt offen.

Und das wird sie wahrscheinlich immer bleiben. Eventuell gehört sich sogar dazu und ich werde immer damit zu kämpfen haben. Mal mehr, mal weniger.

Eins steht fest. Ich werde weitermachen. Fotografieren. Und meine Fotos von der Welt zeigen, wie ich sie sehe. Das wird gut. Darauf freue ich mich. Und die Schwächen – so komisch das klingen mag – die Schächen sind okay.

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50 Kommentare

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  1. Ich glaub das machen viele. Gerade das Internet verleitet ständig dazu auf die Reload Taste zu drücken. Früher wusste ein Fotograf oder ein Künstler eher, wann sein Bild betrachtet wurde, jetzt könnte es immer sein… und ich wette du wartest jetzt auch auf Kommentare hier ;)

  2. Kenn ich. Nur zu gut sogar. Und weil ich noch so am Anfang steh und so unsicher bin, lade ich eigentlich gar keine Bilder hoch, auch wenn sie mir eigentlich gefallen. Und wenn dann mal jemand sagt, dass dies oder das ein schönes Bild ist, freu ich mich und ertappe mich dennoch gerne mal dabei, dass ich denke: Echt? Findet der das jetzt wirklich? Schlimm..
    Dabei lernt man ja nicht nur durch die Praxis, sondern auch durch Kritik, wenn sie angebracht ist und im Idealfall sogar Lösungswege beinhaltet.

    Gut zu wissen, dass es auch Profis immer noch so geht..

  3. Es kommt doch immer darauf an, was DU mit Deinen Fotos erreichen willst. Willst Du sie Dir in Dein Wohnzimmer hängen und Dich selbst daran erfreuen? Dann musst auch nur Du (und ggf. Deine Besucher) sie toll finden? Willst Du, dass viele andere sich das Bild ins Wohnzimmer hängen? Dann müssen es vor allem die anderen toll finden…

  4. Fantastischer Beitrag! Er spricht mir zu 100% aus dem Herzen!

    Ich bin mir nicht sicher, ob sich Ansel Adams nicht genau die selben Fragen gestellt hat? Bevor er Erfolg hatte? Irgendwie bin ich mir fast sicher ….

    Mir stellt sich dann gelegentlich eine weitere Frage: Wofür??? Für wen??? Das Feedback meiner Mama bringt mir nichts, die findet jeden Scheiß gut! :) Das Feedback im dslr-Forum auch nicht – es auf technische „korrektheit“ überprüfen kann ich selber auch.
    Das Feedback auf Flickr eigtl auch nicht – 80% davon beruht vmtl bloß auf der Hoffnung zurückge“fav“t zu werden. Ehrliches Feedback gibts sowieso selten.

    Was kann ich für mich von den unzähligen aussagelosen „great picture“ „i love the colors“ und „awesome, dude!“ wirklich herausholen?

    Und obwohl mir das bewusst ist geht es mir haargenau wie dir, lade ich regelmäßig Bilder ins DSLR-forum und hänge verzweifelt an der F5 Taste.

    Und warum DIESES BILD so gänzlich ignoriert wurde verstehe ich heute noch nicht! :D
    http://www.flickr.com/photos/dw212/4433157278/

  5. Danke für diesen ehrlichen Eintrag!

    Und wie du dir sicher denken kannst, nein du bist nicht allein mit dieser Angst. :)

    Gerade als „junge“ Fotografin muss ich immer merken, dass ich mich oftmals selbst unterschätze, dass ich doch bereits mehr Wissen und Können habe nach 1.5 Jahren als ich gedacht habe und ich doch eigentlich stolz sein kann auf meine Arbeit. Aber trotzdem fragt man sich beim Upload… ist es wirklich gut genug? Kann ich es selbst überhaupt einschätzen nach all dem Aufwand. Sehe ich meine Bilder objektiv und die Frage ist doch auch „was ist überhaupt gut?“

    Technisch vielleicht nicht immer perfekt, aber ist es nicht viel wichtiger, dass mein Bild bei „einigen“ Menschen etwas auslöst und ankommt? Allen gefällt es sowieso nie… zum Glück, sonst wär ja die Herausforderung weg ;)

    Schlussendlich ist es doch schon super, wenn ich und das Model Freude am Bild haben. Das ist doch eigentlich die Hauptsache :) Ich fotografiere doch in erster Linie auch für mich und weil ich Spass daran habe.

    In diesem Sinne… weiterhin viel Mut, Erfolg und Kreativität und mach weiter so. Ich find’s super :)

    liebe Grüsse
    Regula

  6. Das kennt doch jeder, davon leben wir … Fotos und www sind inflationaer heutzutage (totaler overkill), Qualitaet wird kaum noch gewuerdigt, wurmt mich leider auch immer wieder. Anzahl Kommentare sagt null.
    Fuer mich ist der Weg das Ziel und wie viel Freude ich daran habe und letztendlich geht es mir immer darum, dass ICH meine Bilder gut finde, und wenn ich weiss, was ein gutes Bild ausmacht, dann stellt sich das meist auch bei anderen ein.
    Wir sollten uns vielleicht noch mehr darauf konzentrieren von dem abzuheben, was man schon kennt. Was macht MEINE Bilder aus ….
    P.S. Deine Seite ist klasse, vielen Dank. Macht echt Spass.

  7. Ein wunderschöner Beitrag, der – wenn nicht allen – so doch den meisten von uns aus der Seele spricht. Mich persönlich hat Dein Beitrag wirklich getröstet. Jetzt weiß ich, dass ich mit meinen Selbstzweifeln nicht alleine bin. DANKE!!!
    Gruss-moni

  8. Erst einmal danke für den ehrlichen Eintrag. Klar denken wir alle so. Ich habe das auch lange gemacht und mache es auch immer noch so…. Bis mich dann einmal ein Freund ansprach und mich fragte warum ich überhaupt fotografiere. Natürlich sagte ich, weil es meine Leidenschaft ist, so wie es auch ist.

    In der folgenden Diskussion erläuterte er mir dann aber etwas wirklich wichtiges. So wie wir es sagen ist es nicht. Es ist nicht umbedingt NUR die Passion das Bild zu machen, sondern vielmehr geht es vielen um das Glücksgefühl, dass man nachher bekommt, wenn einer das Bild gut findet. Wenn ich aber fotografiere, weil es mir Spaß macht, dann können mir ja die Ergebnisse, unperfekt oder perfekt, erst einmal egal sein.

    Mit dieser Einstellung bin ich raus gegangen und habe weiter gemacht. Dann ist mir immer mehr klar geworden, dass mir meine Bilder gefallen müssen. Alles andere ist schön, aber muss nicht sein. Solange ich etwas mag, kann ich es mir ja an die Wand hängen.

    Der „Erfolg“ kommt dann durch Konsequenz. Denn bei so ziemlich allen, die etwas neu erschaffen haben, haben am Anfang nicht alle gesagt: Klar, total super…sondern es musste sich erstmal etablieren. Guckt euch Andy Warhols Popart an. Am Anfang fanden es alle unsinnig und heute ist Warhol einer der größten Künstler des vergangenen Jahrhunderts.

    Das ist wie Mode. Vor zwei Jahren hat man mir gesagt, dass A und B wieder modern werden. Ich: Ne, geht ja gar nicht….jetzt ist es da und ich finde es ok. Es geht auch um Gewöhnung des Publikums…bis dann alle das im Bild sehen, was du schon von Anfang an hattest. So entwickeln sich Strömungen…

  9. Was meinst Du mit Bullshit Boomerang? Wer Bullshit ins Internet wirft, der muss damit rechnen, ihn später um die Ohren gehauen zu bekommen?

    Und ob die ganz „Großen“ wussten was sie tun, da bin ich mir nicht sicher. Sie konnten ihren Bullshit möglicherweise nur besser „verkaufen“.

    Vielleicht sollten wir aufhören, jeden Bullshit zu spiegeln!

    • @Robert: Hm, so einfach ist es leider (für mich) nicht ;)

      @Einauge: Bullshit Boomerang ist einerseits ein Zitat einer 90er Crossoverband und zum anderen (viel wichtiger) steht es ja in einem Kontext – direkt nach diesem Satz: „Ich drehe mich um mich selbst.“ Um diesen zu verdeutlichen geht es mir bei dem Wortspiel.

      @Regula & andere: Danke!

      @Alex: Sehr guter Beitrag, in dem Du viele wichtige Aspekte ansprichst – gerade in unterschiedlichen Communities herrscht ein andere (Umgangs-)Ton und wird somit auch immer andere Aspekte unserer Fotos betonen. Ich schau jetzt mal Dein Foto an ;)

  10. Oh ja, das kenne ich. Wenn ich nach der Tour meine Bilder aussortiere und bearbeite, bin ich im Hintergrund so aufgeregt, was wohl meine freunde dazu sagen werden. Beim Zeigen beobachte ich die person auf ihre Mimik und Gestik so genau und frage ständig nach ihrer Meinung. Ich weiß, dass das anstrengend ist.

    Ich würde z.B. auch gerne ein Blog schreiben und bei Flickr mich anmelden, doch irgendwie traue ich mich nicht. Was wenn niemanden meine Bilder gefällt und ich dadurch so zurückgeworfen werde, dass ich aufhöre mit dem fotografieren.

    Am Anfang war ich nie zu frieden mit meinen Bildern. Mittlerweile kann mich das ein oder andere Bild begeistern und wenn ich das zu dem Bild, was ich toll finde, keine Meinung erhalten würde oder gar ne negative, würd mich das sehr stark treffen.

    ICh weiß, dass das Bild mit Freude machen soll. Aber es ist unheimlich toll zu wissen, dass es vielen anderen auch so geht.

    Daher kann ich deinen Eintrag sehr gut nachvollziehen bzw. mich damit identifizieren.

    Vielen Dank für diesen Eintrag.

    Schöne Grüße aus Hamburg.

    Vidhya

  11. Bin nicht ganz so abhängig von der Beurteilung anderer Leute oder zumindest ist mir das nicht so bewußt. Fotografiere gerne und viel – hauptsächlich darum, um meine Sicht der Dinge darzustellen, aber noch wichtiger ist mir der Spaß, der spielerische Umgang mit der Materie Fotografie. Wenn ich keinen Spaß mehr dabei hätte und nur mehr wegen der Clicks fotografiern würde, wär das der Zeitpunkt für mich, damit aufzuhören.

  12. Hallo,

    ich habe deinen heutigen Beitrag, obwohl er ja doch ziemlich lang war ganz gelesen und hab beschlossen mich dazu auch etwas umfangreicher zu äußern, weil ich das Problem kenne.

    Ich habe vor kurzem meine Sedcard in der Model-Kartei komplett akutalisiert und meine Homepage ist ganz neu. Als ich fertig war, war ich einen Moment lang stolz, aber als ich nur von meiner Familie Feedback bekommen habe – und das natürlich wie immer positiv; Familie eben… – bekam ich Zweifel… Würden nicht mehr Leute etwas dazu sagen, wenn es gut wäre?
    Vermutlich nicht, aber trotzdem schaue ich immer wieder, ob es Kommentare gibt oder ich eine Mail habe.
    Vermutlich schaut sich einfach keiner meine Seite an oder es ist einfach niemandem aufgefallen, dass sie neu ist.

    Eigentlich sollte man sich sagen: Solange es einem selbst gefällt, ist es egal, was andere denken…
    Ich beneide die Leute, die so denken zum Teil. Andererseits würde es glaube ich den Ehrgeiz und die Spannung nehmen. Also, lasst uns doch einfach alle versuchen diese „Schwäche“ nicht ganz so sehr als solche zu sehen, sondern uns zu sagen, dass es wichtig ist, dass wir die Meinung anderer abwarten – was man sich davon zu Herzen nimmt, ist ja wieder eine andere Sache.

    Ich kann also gut verstehen, was du beschreibst. In deinem Fall muss ich aber sagen: Deine Bilder gefallen mir sehr gut und nciht umsomst verfolgen viele Leute hier deinen Blog.

    Zum heutigen Bild: Das finde ich klasse und wenn man deinen Beitrag dazu liest, dann kann man sehr interessante Dinge hineininterpretieren. Daran merkt man gut, wie sehr ein Kommentar die Bildwirkung verändern kann…

    LG Katja

  13. Ich glaube Selbstzweifel sind normal, egal was man mit Passion macht, nicht nur in der Photographie. Und ich glaube sogar es wird eher schlimmer je besser man wird, einfach weil man mehr sieht, was eigentlich möglich ist. Man legt die Latte immer höher, einfach weil man immer mehr lernt. Und das ist auch gut so, denn ohne Selbstzweifel, was wäre denn da noch? Stagnation. Nur durch Zweifel, Kritik, Fehler entwickelt man sich immer weiter. Ich versuche Selbstzweifel immer mehr als Potenzial zu begreifen und weniger als Schwäche.
    Die Frage ist immer auch, geht es um mich und wie es mir gefällt oder wie es anderen gefällt oder vielleicht auch, dass man demjenigen oder der Geschichte, die man fotografiert, gerecht werden will, wie es bei mir oft der Fall ist, was ein sehr wichtiger Antrieb für mich ist.

  14. @Alex: „Und warum DIESES BILD so gänzlich ignoriert wurde verstehe ich heute noch nicht“ – Weil es bei mir nicht das ausdrückt, was Du in dem Text dazu erzählst. Ich würde es vielleicht als Füllmaterial in einem Hochglanzprospekt der Automobilindustrie erwarten.

  15. Danke wieder einmal für einen tollen Beitreag. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele solche Gefühle haben wie du. Auch ich gehöre dazu ;o)

    Es gibt Tage da nehme ich „Kritik“ leichter an und dann wieder andere Tage in denen ich damit zu kämpfen habe. Es gibt bestimmt nur sehr wenige Menschen, die sich garnichts draus machen und die sind dann meistens so überzeugt von sich selbst, dass sie gar kein Feedback zulassen, aber gerade bei der Fotografie darf man die „Augen“ nicht verschließen.

    Jeder Mensch hat eine andere Art mit den eigenen Schwächen umzugehen. Ich bin auch wie du eher der ehrliche Typ, der nicht so tut als ob alles perfekt wäre und alles schlechte überspielt. Vorm Kunden würde ich mich natürlich nicht ausheulen ;)

    Ich betreibe die Fotografie nicht beruflich, daher passiert es mir leider oft genug, dass ich mich solchen Situation nicht stelle, sondern einfach eine Auszeit nehme.

    Deine Beiträge helfen mir immer sehr und sicher auch vielen anderen, deswegen finde ich es auch wichtig, dass du auch diese Art von Artikel schreibst. Es ist nicht immer alles perfekt!

    Ich habe seit ca. 4 Wochen nicht fotografiert. Der Grund dafür ist, dass ich in einen Foto-Club beigetreten bin und mir bewusst wurde, dass es überhaupt nicht einfach ist andere von meinen Fotos zu begeistern. Und ich bin halt ein Mensch, der andere begeistern möchte! Dann kommen mir die Gedanken, warum soll ich die Kamera in die Hand nehmen, ich mache ja eh keine guten Fotos, andererseits wünscht man sich das vom ganzen Herzen.

    Ich schaue mir unheimlich gerne Interviews mit den guten „alten“ Profifotografen an. Sie erzählen meistens zuerst die Geschichte, wie sie überhaupt Fotografen geworden sind und bei den meisten hat es sich einfach so ergeben. Und jetzt sitzen sie mit 80 Jahren vor der Viedeokamera und erzählen Ihre Lebensgeschichte und was sie alles durch die Fotografie erlebt haben. Und sogar nach 60 Jahren Berufserfahrung ist es mit jedem Erlebnis ein neuer Lernprozess. Eine Erfahrung die uns mehr über unser Leben erzählt.

    Das ist der Grund warum mich die Fotografie so begeistert. Man lernt genauer hinzuschauen. Man lernt etwas über sich selbst. Fotografie ist eine EWIGE Selbstfindung ;)

  16. An solch einem schönen Tag solche tiefen Gedanken? Du vermisst den Winter, nicht wahr :)

    Um ehrlich zu sein, geht es mir wie dir und wahrscheinlich hänge ich noch viel mehr an der Meinung und Favoriten anderer, um zu sehen, ob meine Fotos gut ankommen. Meist ist das einfach nicht der Fall bzw. ist mir das Feedback zu gering, als dass ich sagen kann: yeah, es ist gut! Dann habe ich einen langen Moment, in dem ich mir denke: okay, ich höre auf es zu versuchen. Ich gebe auf. Danach folgt (meist) der Moment, in dem ich denke: okay, ich höre auf es nur zu versuchen und tu es einfach. Dann folgt der Kampfgeist (heutzutage ist das doch mehr ein Kampf, als „nur“ Kunst zu erzeugen) und das Zielbewusstsein: ich will besser werden! Ich will genau so gut werden, wie „blubb“ und noch besser!

    Doch halt.. war na nicht einst eine Zeit, in der ich den Freigeist Kunst für mich entdeckt habe und es mir völlig egal war, was andere zu den Ergebnissen meinen? In der Zeit, in der ich meinen Pinsel zur Hand nahm und einfach drauf los gemal habe – für mich ganz allein, weil es mir so unglaublich viel gab? Erst später, nachdem ich viel positive Reaktionen und Lob erfahren habe, bin ich auf den Geschmack gekommen. Erst dann wollte ich auf jedes Bild eine positive Reaktion, weil es sich gut anfühlt. Doch wo ist denn nur der ursprüngliche Sinn verblieben… Da kann man dann wohl sehr gut behaupten, dass positive Kritik eine Droge ist, auf die man nur sehr schwer verzichten kann.

  17. alle wissen, daß schön das schöne
    so gibt es das häßliche
    alle wissen, daß gut das gute
    so gibt es das böse

    denn:
    voll und leer gebären einander
    leicht und schwer vollbringen einander
    lang und kurz bedingen einander
    hoch und niedrig bezwingen einander
    klang und ton stimmen einander
    vorher und nachher folgen einander

    darum tut der weise ohne taten
    bringt belehrung ohne worte
    so gedeihen die dinge ohne widerstand
    so läßt er sie wachsen und besitzt sie nicht
    tut und verlangt nichts für sich
    nimmt nichts für sich, was er vollbracht
    und da er nichts nimmt
    verliert er nichts

    Laotse, Tao te King, Kap 2., Trans: Ernst Schwarz

  18. natürlich freue ich mich auch über feedback. auch über kritik. da ich aber wenig davon bekomme, zumindest online, habe ich mir einfach abgewöhnt, den fokus zu sehr darauf zu legen. ich kann auch so ganz gut mit meinem hobby.

    und offline gehts aktuell gut voran. das ziehe ich als bestätigung für mich heran. :)

  19. Ich denke jeder möchte Anerkennung, egal in welchem Bereich und viele Menschen sind nun mal von sich selbst nicht so überzeugt (zum Glück denn das macht doch viel sympathischer als die angeblich perfekten Menschen), der eine gibt es zu und der andere eben nicht.

    Ich kann das noch locker sehen, weil ich einfach die für mich schönen Momente zeige und nicht wirklich gute Bilder, denn das kann ich (noch) gar nicht. Komme ich irgendwann aber an diesen Punkt wird es mir sicher genau so gehen. Je besser man ist, je höher sind die Erwartungen und somit auch die Zweifel, ob man diese Erwartungen erfüllen kann. Also ich glaub ein Profi hat es nicht unbedingt leichter als ein Anfänger :-)

    LG Soni

  20. Das Interessante: wenn man fest davon überzeugt ist das ein Bild super ist, kommt kaum Feedback. Läd man dann ein Bild hoch wovon man denkt „naja,so lala“, mögen es plötzlich unzählige Leute… komische Welt.

    Das wichtigste ist einfach: Dir müssen die Bilder gefallen, Du bist der Künstler, und wenn jemand meckert ist es DEIN künstlerisches Gestaltungsmittel. ;-) Man sollte dies nicht zu engstirnig sehen.

    Anstatt ständig „Reload“ zu drücken kannst du dir auch flickroom anschauen. Ein kleines Tool, optisch wie Lightroom, zum verwalten von deinem Flickr-Account. Bei einem neuen Feedback bekommst du automatisch in dem Tool angezeigt von wem und für welches Bild. ;-) Uploaden kannst du ebenfalls damit.

  21. Jaja, das kenne ich…geht mir genau so..und wenn dann aquch noch Selbstzweifel aufkommen, so wie bei mir, kannst du das total vergessen. Du redest dir solange ein, deine Bilder seien blöd, bis du sie selber blöd findest.
    Das is blöd ;-)

    LG Tim

  22. toller beitrag, du sensibelchen ^^. geht mir nicht viel anders. wobei ich auch durch plattformen wie flickr etwas gelassener geworden bin. was das feedback betrifft. da werden oft fotos gelobt, die ich selbst nicht so toll finde. fotos, die ich wiederrum echt gut finde, wo ich mich dabei erwische, wie ich mir selbst auf die schulter klopfe, bleiben oft gänzlich unbeachtet. deswegen gebe ich auf kommentare nicht mehr besonders viel. oft geben sie nichts weiter als den geschmack des betrachters wieder. und geschmäcker sind eben verschieden.

  23. Schöner Artikel.

    Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wenn man aufhört zu hinterfragen für wen bzw. warum bzw. wozu beginnt abzuheben. Frei nach dem Zitat: „Wer glaubt etwas zu sein hat aufgehört etwas zu werden.“ Das ist aus meiner Sicht sehr gefährlich.

    Allerdings kann ich aus eigeneer Erfahung berichten, dass es auch so sein kann das man wegen der mangelnden Resonanz resigniert. Das ist ähnlich gefährlich…

  24. Ja, das ist in der Tat eine spannende Sache. Im Falle der Astrofotografie sogar noch einmal um einiges verschärft. Bei einer Landschaft oder einem Menschen kann ich ja auch mit einer Kompaktkamera und Glück einen „lucky shot“ machen der alle begeistert. In der Astrofotografie ist es so, dass ohne teueres Equipment und massig Zeit gar nichts geht.

    Mit einer normalen DSLR und normalen Belichtungszeiten kann ich selbst mit größter Sorgfalt gar nicht das erreichen, was jemand mit 20.000 € Equipment und zwanzig Nächten Belichtung erreichen kann. Da komme ich mir in den einschlägigen Foren auch immer komisch vor. Ich bin eigentlich zufrieden mit dem Bild („Hey, ein neues Detail im Orionnebel“), aber das Maß aller Dinge ist mittlerweile selbst bei den Amateueren schon nah dran an Hubble ;-)

  25. Das Problem ist auch, dass in manchen Bildern wirklich viel Herzblut drinsteckt, viel von mir selbst und die Ablehnung oder auch Nichtbeachtung trifft dann tatsächlich auch ganz persönlich. Anders als Du bekomme ich aber auf meine Bilder eh extrem wenig Resonanz und da gewöhnt man sich dann im Laufe der Zeit daran, damit irgendwie umzugehen. Immer mal punktuell Erfolg zu haben mit einem meiner Bilder verhindert zumindest totale Resignation.
    Ich glaube, dass die allermeisten künstlerisch tätigen Menschen immer wieder tiefe Krisen haben und dass aus der Verarbeitung solcher Krisen oft die Besten Kunstwerke entstehen.

  26. hAnnes sagte: „Das Interessante: wenn man fest davon überzeugt ist das ein Bild super ist, kommt kaum Feedback. Läd man dann ein Bild hoch wovon man denkt “naja,so lala”, mögen es plötzlich unzählige Leute… komische Welt.“

    /sign

  27. Schön geschrieben! Auch richtig richtig coole Kommentare schon. Es ist wirklich ungemein frustrierend, wenn man für ein Foto nicht die Anerkennung bekommt, die man sich wünscht und die man sich „ganz objektiv“ auch zutraut.

    Ich finde aber, ein bisschen arrogantes Selbstvertrauen ist ab und an durchaus angebracht, denn wie will man die anderen von seinem Wert und Können überzeugen, wenn man nichtmal selber von sich überzeugt ist. Ob man nur dazu lernt, wenn man zu jedem Foto konstruktive Kritik bekommt und sich mit dieser auseinandersetzt ist die Frage…denn wenn man wirklich an einem Bild etwas aussetzen soll, dann wird man da auch immer etwas finden. Es wird immer jemanden geben, der ein Bild nicht mag, ebenso wie andersrum. Man sollte sich also immer ein großes Stück weit auf sein eigenes Ästhetikempfinden verlassen. Dieses sollte man natürlich im stetigen Prozess weiter verfeinern und schärfen.

    Aber dennoch, ich glaube du sprichst mit dem Artikel fast jedem aus der Seele. Sehr schön.

  28. Na klar fotografiere ich in erster Linie für mich selber, wenn ich irgendwie mit dem Moped losziehe und die Karre vor dem Grossglockner oder…oder..fotografiere. Noch mehr freut es mich, wenn andere ( die vielleicht das gleiche Moped haben ) sich auch darüber freuen.

    Nach 11 Stunden Hochzeit fotografieren und 3 Tagen á 10 Stunden am Rechner habe ich schließlich 227 Bilder an die Verheiratete Verwandtschaft geschickt. Antwort gab es nach 10 Tagen noch keine, erst auf Nachfrage hies es „Danke, sind das jetzt alle Bilder ?“. Das nervt dann schon, immerhin hab ich mir den Arxxh aufgerissen für die beiden, incl. Urlaub nehmen im Büro etc.

    Macht mich das jetzt zu einem besseren oder schlechteren Fotografen ?

    Naja, ich bin doch in erster Linie jemand, der über seine Bilder mit denen kommunizieren möchte, die die Bilder ansehen.
    Von daher : Lieber „schlechte“ Kritik als gar keine.

  29. Zuerst: Obwohl es ein wirklich guter Beitrag ist, der nützlich ist und den man auch brauchen kann, fällt es mir verstärkt auf, dass du in deinen Artikeln immer mehr und mehr dich selber behandelst – wenn auch vielfach, wie hier geschehen, lediglich exemplarisch – und dass du gleichzeitig immer mehr um den heissen Brei herumredest. Teilweise kommt es mir so vor, als würdest du deine Beiträge mit vielen „wenns“ und „abers“ strecken wollen. Achte da mal drauf – und auch darauf, ob du das willst. ;)

    Zum Thema selbst: Letztlich geht es doch immer nur, wie die richtig schreibst, um Wertschätzung. Jedermann versucht, das wird dir jeder Entwicklungspsychologe bestätigen, sein eigenes Ego aufzuwerten, indem er objektiv besser ist als andere oder sich subjektiv (im vorliegenden Fall: Durch Bildkommentare) belobigen lässt. Du bist immerhin so weit, dass du es für dich selbst erkannt hast – mancheiner schafft das wohl sein Leben lang nicht. Und da es quasi „natürlich“ ist, sehe ich da auch nichts verwerflcihes dran, ganz im Gegenteil. Der Versuch, möglichst gut zu sein (ob jetzt in den eigenen Augen oder in den Augen anderer, das sei dahingestellt) ist doch immerhin eines der wichtigsten menschlichen Motive, nämlich der Drang, sich weiterzuentwickeln. Und gerade in deinem Beruf / deiner Berufung hast du den Vorteil, dass du dich dein Leben lang weiterentwickeln kannst. Du kannst, zumindest theoretisch, immer bessere Bilder schießen und immer ausgefeiltere Bildkompositionen erschaffen – und du wirst dich nie zurücklehenn können und sagen „ich bin der beste“, um dich danach desillusionniert zu fragen „und was mach ich jetzt?“. Schließlich gibt es kein universelles Kriterium, dass deine Werke als „die besten“ ausweist. Oder, anders gesagt: Du wirst immer jemanden finden, der bessere Bilder macht als du. Und das sollte doch dein schönster Antrieb sein, immer weiterzumachen auf der Jagd nach DEM Bild. Selbst, wenn es das faktisch nicht gibt.

    Schönes WE

  30. Das Internet ist so eine Sache. Momentan sitze ich selbst ohne Kamera rum und bin mehr damit beschäftigt, mir die krassen Bilder der krassen Fotografen per Infusion zu geben und komme im Prinzip gar nicht mehr zum fotografieren.

  31. Martin,
    Du hast es wirklich auf den Punkt gebracht!

    Auch viele andere Leser sprechen mir aus der Seele,
    schön dass hier so offen und uneitel kommentiert wird.

    Ich habe persönlich einige fotografische „Evolutionsstufen“ erlebt:

    Beginn der „ernsthaften“ Fotografie:
    viele Workshops besucht, Fachliteratur und Blogs gelesen

    Auf das für mich schwierigste Thema gestürzt:
    Portrait und Akt im Heimstudio,
    daneben „einfaches“ gemacht, Reise, Steeet, Makro und Astrofotografie …

    Dabei ständig in Fotoforen herumgetrieben:

    Zu Beginn die technische (Lehrlings-)Phase:
    die Frage nach welcher Linse, Kamera,
    ständig Ziegelmauer Test-Bilder studiert…

    Dann langsam eigene Bilder eingestellt. Diese wurden oft von
    den „Foren-Urgesteinen“ nach technischen Aspekten zerlegt:
    zu mittig, unscharf, schief,…
    Das hilft zu Beginn ungemein, nach einiger Zeit macht man
    dann auch „korrekte“ Bilder die vermehrt von den alten Hasen
    wohlwollend aufgenommen werden.

    Allerdings nervt diese „Standardisierung“ aber spätestens
    dann, wenn man sich weiterentwickelt hat. Dann trifft man
    wieder auf Unverständnis und die Bilder werden wieder nach
    den technischen Aspekten zerlegt:
    Hier schliesst sich für mich der Kreis …

    Mir ist es mittlerweile (meistens ;-) wirklich egal, was
    andere über meine Bilder sagen, mir selbst gefallen sie,
    den Menschen die ich fotografierte ebenso…

    Ich bin -natürlich- auch auf der Suche nach Anerkennung,
    wie wohl auch viele andere. Mittlerweile suche ich diese
    aber nicht (ausschließlich) im Web sondern in gedruckter Form.

    Wenn sich jemand ein Bild als FineArt Print von mir in
    die Wohnung hängt, bedeutet mir dies mehr, als ein
    kurzes „thanks“ im Web.
    Das ist für mich einfach persöhnlicher, direkter und nachhaltiger.
    Der nächste Schritt in diese Richtung ist für mich
    eine Ausstellung und ein Buchprojekt.

  32. Ja, der Output dieser Fotogeschichten ist so ein Thema. Ich bin Anfänger und mein Ziel ist es, dass Bilder, die ich mache, zuerst mich selbst irgendwann bewegen. Ich sehe das als Prozess, sehen zu lernen und zu erkennen, wie ich die Welt, Dinge sehe. Für mich ist der Weg das Ziel. Ich schau mir meine Bilder nach einer Fototour an und denke, aha, das hab ich so und so gesehen, diese Perspektive, dieses Detail ist mir wichtig. Mache mir Gedanken zum technischen Teil der Aufnahme. Ist es so auf dem Bild, wie ich mir das vorgestellt habe und wie ich es durch den Sucher gesehen habe? Vorerst ist es mir nicht wichtig, Bilder von mir zu zeigen.

  33. Ich denk mir oft „Wow, wie toll getroffen“, aber Kommis gleich Null.
    Findet mal wieder eines von meinen typischen „Paparazzo-Fotos“ in die Galerie, optisch nicht immer ein Highlight, aber abgebildet zB eine Rubensdame im Latex-Outfit, deren Dekolleté verutscht ist, schnellen die Views an einem Tag auf 578 (!) hoch…
    Wir Fotografenkollegen urteilen unsere Arbeit immer anders als die Betrachter unserer Bilder, aber letztendlich schmeichelt es dem Seelchen enorm, wenn Resonanz oder gar Lob von beiden Seiten kommt.
    Nur wenns allzu verbissen rüberkommt wie beim DSLR-Forum, dann können mich diese Gscheitlhubers mal gernhaben…
    Fotografieren soll Spaß machen, Spießer habe ich im Alltag schon genug um mich rum!
    @Alex
    Hübsch ist Dein Bild ja schon, aber jemanden, der am liebsten Menschen fotografiert, haut das nicht gerade vom Hocker…

  34. Die meisten „Fotografen“ leiden an Selbstüberschätzung. Man muss sich die Frage stellen, wen man den mit seinem Blog etc. erreicht? Die paar hundert(?) Leser gucken sich die Bilder in ein paar Sekunden an und fast jeder ist heute der Meinung, dass er das selber genauso kann da er ja eine tolle DSLR gekauft hat und mit Photoshop kann.

    Fotografie ist mittlerweile ein Volksport und jeder kann mitmachen und wartet auf den Durchbruch der wahrscheinlich nicht kommen wird.

    Wenn ich mir die Anzahl der Bilder in z.B. Flickr anschaue (über 5000 Bilder Uploads in der letzen Minute) dann wundert mich gar nichts mehr. Warum soll denn dort mein Bild bejubelt werden? Wahrscheinlich wird es nicht mal gesehen…

    Es lebe die digitale Bilderzeugung! Der Trend wird weiter in die Richtung gehen und in ein paar Jahren sind es 10000 Uploads bei Flickr in der Minute und 10000 Kmaerabediener wundern sich, warum der große Durchbruch nicht kommt.

  35. @Ronnie: Die „Bilderflut“ wurde mit dem Digitalen höchstens intensiviert, nicht erfunden. Schon Fotolehrbücher aus den 60ern sprachen von „Reizüberflutung“ und „Bilderschwemme“.

    Das Problem ist heute doch eher, dass jeder meint er müsse beachtet werden. Neue Bescheidenheit täte vielen gut. Man fotografiert, weil man selbst Spaß daran hat, und selbst seine Werke gerne betrachtet.

    Aber nein, man giert ja nach Anerkennung.. das führt dazu, dass manchmal fotografische Themen angegangen werden die den Fotografen selber gar nicht so interessieren, aber halt Aufmerksamkeit (… heute oft in Form von „Views“ in der Online-Gallerie) bringen.

    Alex hatte halt auch so ein Beispiel.. er interessiert sich offensichtlich mehr für Car-Photography wozu auch diese Detail-Shots gehört, die teilweise auch recht aufwendig sind was viele gar nicht bewusst wahrnehmen. Das ist aber nicht unbedingt ein Massen-Thema, jedes leicht bekleidete Girlie bringt mehr Klicks.. ach, soweit brauchen wir gar nicht gehen, die natürliche „Eichung“ von uns Menschen andere Menschen interessant zu finden wir jedem „normalen“ gut gemachten Portrait schon mehr Klicks bescheren als der Aufnahme eines Tachometers.

    Es nützt einem aber nix, sich jetzt zu verbiegen und People-Fotografie zu machen wo einen doch „People“ herzlich wenig interessiert.

    Man muss mal damit leben können, dass man Sachen fotografiert die andere vielleicht nicht so interessant finden. Mehr Egoismus in der Fotografie! Fotografiere, was dich interessiert nicht was andere interessant finden könnten. Das ist doch das schöne, solange die Fotografie ein Hobby bleibt.. du musst dich nicht darum scheren, wie „markttauglich“ deine Fotografie ist.

  36. Mir geht es da genauso,mir ist echt fast schon zu wichtig wie meine Fotos auf andere wirken. Immer wenn ich denke „Man das ist jetzt mal ein Hammer-Foto“ und ich merke das es bei anderen irgendwie nicht ankommt.. oder wieder mit 0 comments/views bei Flickr herumdümpelt… kommen mir wirklich Zweifel an meinem Hobby.
    Manchmal ist es schon soweit das ich nach einer kleinen Fototour zurückkomme, die Bilder kurz überfliege und es irgendwie jedem an irgendwas fehlt. Noch ein 1-2 Photoshop versuche, aber meistens mach ich mir gar keine Mühen mehr weiterzubearbeiten und hochzuladen. Endstation Festplatte. Wenn bei den für mich guten Fotos schon gar keine Rückmeldung kommt, brauch ichs bei denen gar nicht erst zu versuchen.

  37. Mir geht es ähnlich. Ein Bild hat nicht die gewohnte Anzahl an Kommentaren? Dann ist es bestimmt bestenfalls durchschnittlich. Meine Besuchszahlen sind einen Tag lang rückläufig? Sicher langweile ich meine Besucher.

    Dass sie vielleicht einfach nichts dazu sagen können, heute einfach keine Zeit für Kommentare haben – oder bestenfalls, vor Ehrfurcht erstarrt, unfähig sind, sich zu rühren – das kann zwar auch sein, aber zu oft übersehe ich das einfach.

    Es ist fishing for complimence. Man hat etwas Herzblut vergossen mit jedem Bild, das man online stellt. Und hofft, dass es nicht vergeblich war.

    …es geht nicht nur dir so :)

  38. Echt super Artikel! Mir geht’s da genauso! Ich weiß, dass ich die Bilder hauptsächlich für mich mache, weil mir 1. das fotografieren sehr viel Spaß macht u. 2. das Bearbeiten an meinem Computer. (Wenn das nicht so wäre, würde ich gar nicht erst fotografieren.) Aber beim Bearbeiten des Bildes, frage ich mich trotzdem immer erst, ob es anderen gefallen würde, bevor ich mir dieselbe Frage stelle. Find ich schon ziehmlich nervig, das man so sehr von dem „Lob“ anderer abhängig ist.

  39. Ja! Du sprichst aus, was ich mir nur schwer einzugestehen wage. Gerade erst vorhin durchstöberte ich verschiedene Blogs und Flickr-Seiten und erwischte mich schon wieder selbst bei deprimierten Blicken – und dem Gedanken: Warum sieht mein Blog nicht so gut und eher stümperhaft dagegen aus? Warum bin ich noch nicht auf diese Motividee gekommen? Warum haben andere viel tollere Bilder und in mit fantastischen Farben?
    Ich hab sehr oft an mir gzweifelt, gerade als Bilder in verschiedenen Foren ignoriert oder gar „zerrissen“ wurden…ich kann gar nicht mehr sagen, wie oft ich aufgeben wollte. (Eigentlich doof nur wegen ausbleibender Kommentare von anderen…!)Inzwischen stehe ich drüber und freu mich über jeden Kommentar, ob gut oder schlecht…es kann mich nur weiterbringen und besser machen. Und selbst ein ignoriertes Bild lässt mich nicht mehr (immer) an allem zweifeln, sondern stärkt mich besser zu werden.

    Ich danke Dir, dass Du in Worte gefasst hast, was an manchen Tagen an mir nagt…und die Tatsache, dass es anderen genauso geht (grad von denen man denkt, sie seien perfekt…), ist doch sehr beruhigend :)

  40. Hallo Martin,

    du sprichst mir da echt aus der Seele. So oder so ähnlich geht es mir auch grad im Moment. Ich mach mir Gedanken welches Foto ich am besten hochladen soll und wie die Leute darauf reagieren werden. Da ich noch relativ am Anfang der Bloggerei stehe, wäre ich schon glücklich wenn überhaupt jemand auf meine Fotos reagiert…sei es auch Kritik.

    Ansonsten hast du es 100% auf den Punkt gebracht. Super Artikel.

    Schöne Grüße
    Andreas